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Erschienen in EasyLinux 03/2004   »   Ausgabe bestellen

True Type Fonts installieren und verwenden

Runde Sache


Wer von Windows auf Linux umsteigt, ärgert sich über scheinbar viel zuwenig Schriften. Nehmen Sie die Fonts doch einfach mit.

von Martin Loschwitz

Sie kennen das Problem: Nach der ersten Installation von Linux loggen Sie sich in das System ein und stehen vor Schriftarten, die auf den ersten Blick so gar nichts mit Arial, Times & Co. zu tun haben. Der Grund: Auch Schriften unterliegen dem Urheberrecht und Microsoft gestattet nicht, dass fremde Hersteller oder gar Linux-Distributoren die MS-Fonts verteilen. Und wenn doch ausnahmsweise, dann nur in ihrer ursprünglichen Form und keinesfalls in Form von RPM-Paketen.

Fehlen True Type Fonts, macht das in mancherlei Hinsicht Probleme: Zum einen zeigt OpenOffice Briefe, die mit Word unter Windows geschrieben wurden, manchmal nicht ordentlich an. Zum anderen sollten auch auf dem Linux-Desktop die Einträge so aussehen, wie auf der Windows-Oberfläche. Schließlich machen die Windows-Fonts einen schöneren Eindrück, als die meisten frei verfügbaren Schriftarten -- besonders dann, wenn Kantenglättung aktiviert ist. Weil die unter Linux hauptsächlich mit der FreeType Bibliothek[1] umgesetzt wird, sind True Type Fonts ohnehin nötig.

Es ist nicht unmöglich, True Type Fonts unter Linux zu installieren. SUSE-Benutzer haben es sogar besonders leicht: Seit Version 8.2 der Nürnberger Linux-Distribution gibt es eine Funktion, die die wichtigsten Fonts in wenigen Minuten installiert und konfiguriert. Benutzer von Mandrake 9.0 oder RedHat 9 müssen selbst Hand anlegen. Und sie brauchen dafür die Kommandozeile.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Schriften zu installieren. Der eine führt über das Paketsystem. Hier werden die Fonts letztlich wie jedes andere Programmpaket installiert. Der andere Weg umgeht das Paketsystem und kopiert Schriften unmittelbar ins Dateisystem. Für RedHat 9 und Mandrake gibt es im Internet fertige Skripte, mit denen sich RPM-Pakete der Schriften bauen lassen. Mit denen genießt man alle Vorteile des Paketsystems. So lassen sich die Fonts später problemlos durch Deinstallation des ganzen Pakets löschen, und auch ein eventuelles Upgrade bereitet keine Kopfschmerzen.

Wegen der bereits angesprochenen Schwierigkeiten sind die Fonts nicht auf den Installations-CDs enthalten. Sie können sie aber aus dem Internet besorgen. Auf der Download-Seite des corefonts-Projektes finden Sie die Fonts, die Microsoft selbst noch vor kurzer Zeit auf seiner Website angeboten hat. Weil in einem alten Software-Lizenzvertrag die Weitergabe erlaubt war, gibt es sie heute noch bei corefonts.

Installation unter SuSE 8.2/9.0

  1. Starten Sie YaST2 über KDE-Menü / System / YaST2. Wählen Sie dann Software und Online-Update.
  1. Stellen Sie sicher, dass im ersten Fenster des Update-Tools die Manuelle Auswahl der Patches aktiviert ist. Mit Weiter gelangen Sie ins nächste Fenster, in dem Sie oben links eine Liste mit Updates sehen, die Sie installieren können.
  1. Scrollen Sie ans Ende dieser Liste. Dort sollte ein Eintrag zu sehen sein, der Download Microsoft(c) TrueType Core Fonts heißt. Setzen Sie ein Kreuz vor diesen Eintrag. Sie sollten in diesem Schritt keine weiteren Pakete zum Update oder zur Installation auswählen (außer denen, die YaST2 eventuell als Abhängigkeit von den Schriftarten vorschlägt), um eventuelle Nebeneffekte bei diesem Schritt zu verhindern. Für ein Upgrade des Systems sollte der Prozess später separat gestartet werden.
  1. Klicken Sie auf Akzeptieren, dann beginnt der Download der Schriften. YaST2 weist in einem neuen Fenster auf die Nutzungsbedingungen der Fnts hin. Klicken Sie es mit Annehmen bzw. Accept weg. Nah dem Download verlassen Sie YaST.

Nach einem Neustart der grafischen Oberfläche, am einfachsten durch Aus- und anschließendes Einloggen, stehen die Schriften allen Programmen zur Verfügung. Überprüfen lässt sich das mit dem KDE Kontrollzentrum.

Abbildung 1: True Type Fonts im Handumdrehen: SUSE demonstriert, dass es nicht schwierig sein muss, solche Schriften zu installieren.

RedHat und Mandrake

RedHat und Mandrake bieten keine eingebaute Funktion, die der von YaST2 gleichkäme. Zuerst müssen Sie ein Paket erstellen, in dem sich die wichtigsten Schriften befinden, und dieses Paket dann installieren. Der Vorgang ist komplexer als bei SUSE.

  1. Installieren Sie, sofern nicht bereits vorhanden, die Pakete rpm-build, wget und für RedHat auch ttmkfdir. Alle drei Pakete sind auf den Originaldatenträgern enthalten.
  1. Laden Sie von [2] das Paket cabextract und speichern Sie es in Ihrem Heimatverzeichnis. Mit diesem Tool entpacken Sie die Archivdateien, die die Fonts beinhalten. Installieren Sie das Paket nach dem Download auf der Kommandozeile. Öffnen Sie ein Terminal-Fenster, verschaffen Sie sich mit su Root-Rechte und geben dann den Befehl ein: rpm -Uhv cabextract-0.6-1.i386.rpm
  1. Laden Sie die Datei mit den Paketinformationen herunter. Bei RPM enden diese Dateien auf .spec. Die richtige Datei finden Sie unter [3]. Speichern Sie sie in ihrem Home-Verzeichnis.

Abbildung 2: Die wichtigsten Dateien wurden heruntergeladen und die nötigen Verzeichnisse erstellt.

Abbildung 3: Das Schriften-Verzeichnis ...

Abbildung 4: ... und seine Unterverzeichnisse.
  1. Öffnen Sie die spec-Datei in einem Editor, zum Beispiel kate, dem KDE Standardeditor. Hier sind zwei Zeilen von Bedeutung: Die beginnen mit "distserver" bzw. "has_windows_license". Die erste bestimmt, welchen Downloadserver das Script verwendet. Der Wert von "has_windows_license" muss von "yes" auf "no" geändert werden, falls Sie kein Windows haben. Denn der Schriftsatz Tahoma setzt eine gültige Windows-Lizenz voraus. Passen die Einstellungen,speichern Sie die Datei.
  1. Das Programm rpmbuild, nötig, um später das Paket zu bauen, benutzt in der Voreinstellung Verzeichnisse außerhalb des Home-Verzeichnisses. Damit es trotzdem klappt, muss zunächst eine entsprechende Verzeichnisstruktur im eigenen Home-Verzeichnis erstellt werden. Legen Sie dazu einen Ordner Schriften an. Darin erstellen Sie die Unterverzeichnisse RPMS, RPMS/noarch und BUILD. Damit rpmbuild diese Ordner auch benutzt, brauchen Sie noch eine Datei namens .rpmmacros (der Punkt vor dem Namen ist wichtig!) mit folgendem Inhalt: "%_topdir /home/Ihr Benutzername/Schriften".
  1. Um das Paket zu bauen, öffnen Sie ein Terminal und geben dort den Befehl rpmbuild -bb msttcorefonts-1.3-4.spec ein. Danach liegt das Paket mit den Fonts in /home/Benutzername/Schriften/RPMS/noarch, es heißt msttcorefonts-1.3-4.noarch.rpm. Installieren Sie es, indem Sie zuerst su eingeben und dann den Befehl rpm -Uhv $HOME/Schriften/noarch/msttcorefonts-1.3-4.noarch.rpm.

Abbildung 5: Der Vorgang wurde erfolgreich abgeschlossen. Das Paket wurde korrekt zusammengesetzt ...

Abbildung 6: ... und kann schließlich installiert werden.

Danach starten Sie die grafische Oberfläche neu, indem Sie sich aus- und wieder einzuloggen. In den meisten Programmen können Sie künftig aus Microsoft-Schriftarten wie Arial oder Times New Roman wählen. (fan)

Infos
[1] http://www.freetype.org/
[2] http://switch.dl.sourceforge.net/sourceforge/corefonts/cabextract-0.6-1.i386.rpm
[3] http://switch.dl.sourceforge.net/sourceforge/corefonts/msttcorefonts-1.3-4.spec

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