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von Andrea Müller
Regelmäßig alle neuen Mail-Kontakte ins Adressbuch einzutragen, ist nicht jedermanns Sache. Deshalb haben die Programmierer Sylpheed eine Funktion spendiert, die Ihnen die lästige Fleißarbeit abnimmt. Das Programm durchsucht E-Mail-Ordner nach Adressen und bringt Ihr Adressbuch auf den neuesten Stand.
Wenn Sie noch kein Adressbuch besitzen, legen Sie es vor der Sammelaktion über Werkzeuge / Adressbuch / Datei / Neue Adressbuch an.
Markieren Sie anschließend einen E-Mail-Ordner und wählen im Menü Werkzeuge den Eintrag Adressen sammeln / Aus Ablage. Sylpheed öffnet eine Dialogbox, in der Sie hinter Adressbuch den Namen der zuvor angelegten Datei eingeben. Aktivieren Sie die Checkboxen vor den Kopfzeilen, in denen Sylpheed nach Anschriften suchen soll; meist reicht die Voreinstellung From. Mit einem Haken vor Erfasse Unterverzeichnisse erweitern Sie die Suche auf alle Unterordner. Nach einem Klick auf OK sucht Sylpheed alle Adressen und zeigt eine kurze Zusammenfassung.
Wenn Sie danach den Kontaktverwalter über Werkzeuge / Adressbuch öffnen, finden Sie im Zielordner ein Unterverzeichnis mit dem Namen der durchsuchten Kopfzeile (From), in dem alle Suchtreffer stehen.
Statt immer die gleichen Standardtexte jedesmal neu zu tippen, verwenden Sie doch einfach eine Vorlage. Verfassen Sie dazu über Einstellungen / Vorlagen Ihren Text. Felder, die sich jedesmal ändern, wie Empfänger oder Betreff, lassen Sie frei. Vergeben Sie bei Vorlagenname noch eine eindeutige Bezeichnung und speichern Sie Ihr Werk über Hinzufügen.
Über Werkzeuge / Vorlagen / Name der Vorlage im Mail-Editor-Fenster greifen Sie anschließend auf die so erstellten Vorlagen zu. Wahlweise fügt Sylpheed diese dann in den Text ein oder ersetzt das bisher Geschriebene durch die Vorlage.
Um im Internet nach weiteren Informationen zu Stichworten aus einer Mail zu suchen, müssen Sylpheed-Anwender die nötigen Suchbegriffe nicht umständlich aus dem Mail- ins Browser-Fenster kopieren.
Haben sie eine entsprechende Aktion definiert, genügt es, den Text zu markieren und die Aktion Google-Suche auszuwählen, und schwupps öffnet sich der Standard-Browser mit den Suchergebnissen.
Markieren Sie Text in einer E-Mail und wählen diese Aktion aus, übergibt das Skript den Text als Suchbegriff an Google und zeigt die Ergebnisse im Browser an.
Da stöbern Sie in einer Newsgroup zu Ihrer Lieblingsserie und lesen plötzlich etwas wie "... nore re vfg tne avpug gbg: Va Sbytr 48 fgrug re nhs rvazny hagre Qhfpur". Sie sind nicht etwa in einer Startrek-Gruppe mit klingonisch als Amtssprache gelandet, sondern haben die seit der Antike bekannte "Verschlüsselungsmethode" ROT13 entdeckt.
Besonders häufig wird ROT13 in Film- und Büchergruppen benutzt, um Pointen oder das Ende eines Films nicht zu verraten. Das Prinzip ist einfach: Jeder Buchstabe des Alphabets wird um 13 Stellen verschoben (daher auch der Name: "Rotiere um 13 Stellen"). Aus abc wird nop. Da das Alphabet 26 Buchstaben hat, funktioniert die "Entschlüsselung" ebenso -- aus nop wird wieder abc. Das bringen Sie auch Sylpheed bei. Wählen Sie Einstellungen / Aktionen und tragen Sie als Menüname ROT13 ein. Hinter Kommandozeile kommt der Befehl |tr a-zA-Z n-za-mN-ZA-M| (Abbildung 1).

Das Pipe-Zeichen schickt den markierten Text (wenn nichts markiert ist, die gesamte Mail) an den tr-Aufruf. Dieser ersetzt alle Buchstaben durch die rotierte Variante [1]. Schließlich gibt das | am Ende des Befehls den umgewandelten Text zurück ins Mail-Fenster. Über Hinzufügen gliedern Sie das Skript ins Aktionen-Menü ein.
Stoßen Sie nun auf rotierten Text, markieren Sie ihn und wählen Werkzeuge / Aktionen / ROT13 aus dem Menü. Über denselben Menüeintrag "verschlüsseln" Sie im Editor-Fenster Texte in Ihren eigenen E-Mails und Postings. So bringen Sie Detailwissen an die Mitleser, ohne sich bei denen unbeliebt zu machen, die sich lieber überraschen lassen.
Effektiv durchforsten Sie die E-Mail-Ordner, wenn Sie in der Sylpheed-Suchleiste zwischen Übersicht und Vorschau (Abbildung 2) im Kriterienfeld Erweitert einstellen. Mit einem Klick auf Erweiterte Symbole blenden Sie eine Kurzhilfe zu den verfügbaren Optionen ein (Abbildung 3). Jedem Kriterium ist ein eindeutiges Kennzeichen zugeordnet, das im Suchfeld vor dem Suchbegriff stehen muss. Mit den logischen Operatoren & ("und"), | ("oder") und ! ("nicht") kombinieren Sie mehrere Suchkriterien. Um beispielsweise alle E-Mails eines Ordners zu finden, die irgendwo im Text SuSE und YaST enthalten, geben Sie B SuSE & B YaST als Suchbegriff ein. B steht dabei für eine Volltextsuche in allen Mails eines Ordners. Ein r als Suchkriterium präsentiert alle Mails, die Sie beantwortet haben (r für Reply=Antwort). Mit Anführungszeichen sorgen Sie dafür, dass die Suchfunktion durch Leerstellen in Suchbegriffen nicht ins Stolpern kommt.

Wenn Sie mit Sylpheed Newsgroups lesen, sammeln sich die alten Nachrichten unterhalb des Ordners /home/benutzername/.sylpheed/newscache an. Sylpheed entfernt die einmal heruntergeladenen Postings auch dann nicht aus dem Cache, wenn Sie eine Gruppe längst nicht mehr lesen. Das Aufräumen müssen Sie selbst übernehmen, ein Skript im Lieferumfang von Sylpheed hilft Ihnen dabei. Kopieren Sie zuerst alle Postings, die Sie behalten wollen, in einen selbst angelegten Ordner, und beenden Sie Sylpheed. Dann öffnen Sie ein Kommandozeilenfenster, zum Beispiel die KDE-Konsole, und geben dort newscache.pl ein. Sekunden später meldet das Programm den Erfolg der Aufräumaktion.
Indem Sie bei Antworten nur das zitieren, worauf Sie sich beziehen, halten Sie Mails übersichtlich und kurz. Das Gegenteil, so genannte Vollzitate zu posten, gilt in vielen Newsgroups sogar als Verstoß gegen die Netiquette (abgeleitet von Etikette -- eine Art "Knigge fürs Netz"). Mit Sylpheed müssen Sie überflüssigen Text nicht löschen, er kommt gar nicht erst in Ihre Mail. Markieren Sie bei einer Nachricht den Teil, den Sie zitieren möchten und klicken Sie auf Antwort. Sylpheed übernimmt dann nur den zuvor markierten Bereich mit vorangestellten Zitatzeichen (>) in die Mail.
Was schert mich mein Geschwätz von gestern? Schreiben Sie in Newsgroups, gilt dieser Satz leider nicht. Das gesprochene Wort ist schnell vergessen, doch Usenet-Postings sind auch Jahre später noch über die Archive von http://groups.google.com abrufbar. Mit dem so genannten X-No-Archive-Header verhindern Sie, dass zukünftige Arbeitgeber und Bekannte Ihre Jugendsünden recherchieren.
Sobald im Kopfteil Ihrer Postings die Zeile X-No-Archive:yes steht, berücksichtigt Google Ihren Wunsch nach Privatsphäre und archiviert die Postings nicht. Sylpheed kann diese Kopfzeile automatisch setzen. Öffnen Sie den Dialog Einstellungen / Accounts bearbeiten. Markieren Sie dort den eingerichteten News-Account und wählen Sie Bearbeiten. Auf der Registerkarte Senden setzen Sie ein Häkchen vor Füge benutzerdefinierte Kopfzeile ein. Mit Bearbeiten gelangen Sie zu einem weiteren Dialog. Geben Sie bei Kopfzeilen den Text X-No-Archive ein. Unter Wert schreiben Sie yes. Speichern Sie die Kopfzeile über Hinzufügen. Künftig setzt Sylpheed sie automatisch in jedes Ihrer Postings ein.
Um zu kontrollieren, ob alles geklappt hat, schicken Sie ein Posting in die Gruppe de.test. Laden Sie die Nachrichten herunter und blenden Sie über [Strg-h] alle Kopfzeilen im Vorschaufenster ein. Ist alles okay, gelangen Sie mit einem erneuten Druck von [Strg-h] zurück zur ursprünglichen Ansicht. Einen absoluten Schutz gegen die Archivierung bietet allerdings auch X-No-Archive nicht. Die großen Web-Archive beachten diesen Hinweis aus Höflichkeit, verpflichtet sind sie dazu nicht.
Auf die gleiche Art setzen Sie auch beliebige andere mit X- beginnende Kopfzeilen, z. B. X-Motto oder X-Homepage. Anregungen zuhauf findet man in den Headern anderer Postings: Gerade in Linux-Newsgroups sind individuelle X-Header sehr beliebt.
Einzelnen Ordnern können Sie unter Sylpheed eine Standardabsenderadresse zuweisen. Wählen Sie dazu aus dem Kontextmenü des Ordners, für den die Einstellung gelten soll, den Punkt Eigenschaften. Unter Verfassen setzen Sie ein Häkchen vor Standardaccount und wählen im Kontenfeld den gewünschten Account (Abbildung 4). Sobald Sie eine E-Mail aus diesem Ordner beantworten oder eine neue Nachricht erstellen, wenn der Ordner markiert ist, setzt Sylpheed automatisch die richtige Adresse. Überlegen Sie es sich für eine einzelne E-Mail doch anders, ändern Sie den Absender im Editor-Fenster der E-Mail. (eba)
| Infos |
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[1] Andrea Mueller: "Shell-Tipps", EasyLinux 11/2003, S. 68 ff
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Last modified: 2007-01-25 17:03
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