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von Andrea Müller
Normalerweise wechselt man den Stil für die KDE-Oberfläche über das Kontrollzentrum unter Erscheinungsbild / Stil. Die Möglichkeit, einzelne Programme mit einem eigenen Theme zu betreiben, scheint dort nicht vorgesehen zu sein, aber über die Kommandozeile geht es doch. Jedes KDE-Programm akzeptiert den Parameter --style gefolgt von dem Namen des gewünschten Themes. ksnapshot --style riscos hebt das Screenshot-Programm optisch vom Rest des Desktops ab (Abbildung 1).
Bleibt nur die Frage, woher man die Namen der einzelnen Styles bekommt: Was mit dem Stil RISC-OS noch halbwegs nachvollziehbar funktioniert, scheitert, sobald man versucht, ksnapshot mit ksnapshot --style qtmotif mit dem Stil Qt-Motif zu starten. Der Stil-Name im Kontrollzentrum hat mit dem Aufrufparameter recht wenig zu tun: Der richtige Name eines Stils steht in den auf .themerc endenden Dateien im Stilverzeichnis von KDE hinter dem Kennwort WidgetStyle.
Natürlich müssen Sie Ihre Zeit nicht mit dem Durchsuchen der Dateien verschwenden: Auch das erledigt die Kommandozeile für Sie. Mit grep -h WidgetStyle /opt/kde3/share/apps/kstyle/themes/* listen SuSE-Linux-Nutzer alle installierten Stile auf (Abbildung 2). Wer Mandrake oder Red Hat Linux verwendet, erreicht dasselbe Ergebnis mit dem Befehl grep -h WidgetStyle /usr/share/apps/kstyle/themes/*. Der Aufrufparameter -h sorgt dafür, dass grep den Dateinamen der einzelnen Fundstellen nicht mit anzeigt. Die richtigen Stil-Namen stehen in der Ausgabe hinter WidgetStyle=. Enthält ein Name Leerstellen, wie z. B. Light, 2nd revision müssen Sie ihn bei der Befehlseingabe in Anführungszeichen setzen, also ksnapshot --style "Light, 2nd revision".
Mehrere virtuelle Arbeitsflächen sind praktisch, doch dummerweise starten Programme immer auf der aktuellen Arbeitsfläche -- dabei hätte man sie manchmal lieber auf der nächsten, weil die aktuelle schon voll ist. Mit kstart sagen Sie einem Programm schon beim Aufruf, auf welchem Desktop Sie es haben wollen. kstart --desktop 2 kmail bannt das Mail-Programm auf Arbeitsfläche Nummer 2. Falls das Programm ein Tipp-Fenster einblendet, schaltet KDE gleich komplett auf den anderen Desktop. Diesen Desktop-Wechsel erreichen Sie auch für Anwendungen ohne Tipp-Fenster mit der Option --activate. kstart --desktop 2 --activate kmail teilt kstart mit, dass Sie sofort zu kmail wechseln wollen. Geben Sie hinter --desktop eine 6 an, obwohl Sie nur vier Arbeitsflächen haben, ignoriert kstart den Parameter und startet die Anwendung auf der aktuellen Arbeitsfläche. Die "Fensterverschickung" funktioniert jedoch nur mit manchen Anwendungen. Über Programme wie Evolution oder Gimp hat kstart keine Kontrolle.
Haben Sie das Gefühl, mit dem System stimmt etwas nicht, gehen Sie der Sache mit dem Systemmonitor ksysguard auf den Grund. Ein kstart --alldesktops ksysguard startet das Überwachungsprogramm auf allen Arbeitsflächen. Möchten Sie es zusätzlich permanent im Vordergrund haben, erledigen Sie das mit kstart --alldesktops --ontop ksysguard.
Soll ein Programm maximiert starten, teilen Sie ihm das mit dem Kommando kstart --maximize programmname mit. Können Sie auf eine Schaltfläche in der KDE-Leiste verzichten, weil Sie das Programm sowieso nicht minimieren, erledigt kstart --skiptaskbar programmname das Gewünschte. Angst, das Programm trotzdem versehentlich zu minimieren, müssen Sie nicht haben: Programme, die Sie über den Befehl kstart --skiptaskbar starten, bieten diese Option nicht an.
Um schnell eine elektronische Nachricht zu verschicken, müssen Sie nicht KMail starten. Mit kmail --composer öffnen Sie ein einzelnes Mail-Erstellungsfenster. Tragen Sie Betreff, Empfänger und Text ein und senden Sie die Mail wie gewohnt über den Button ganz links in der Icon-Leiste.
Wollen Sie den Inhalt einer schon fertigen Textdatei auf die Reise schicken, sparen Sie sich das lästige Copy & Paste mit dem Parameter --msg. kmail --composer --msg /home/andi/lustige-geschichte.txt öffnet ein Mail-Fenster und fügt den Text aus lustige-geschichte.txt gleich in die E-Mail ein. Außer dem Eintrag von Adressat, Betreff und einem kurzen Gruß bleibt für Sie kaum noch etwas zu tun.
Lesen Sie gerade eine Textdatei und wollen schnell einen Tippfehler korrigieren, müssen Sie less nicht erst beenden und dann einen Editor starten. Ein Druck auf [v] öffnet die aktuelle Datei in einem Editor, normalerweise vi. Sobald Sie den Text bearbeitet haben und vi beenden, finden Sie sich im Dateibetrachter less wieder.
Graut es Ihnen schon beim Gedanken an vi, umgehen Sie ihn, indem Sie in der Umgebungsvariable EDITOR einen anderen Text-Editor einstellen. Unter Linux gibt es zahlreiche solcher Umgebungsvariablen, über die Programme die Einstellungen des Benutzers abfragen. Eventuell kennen Sie Umgebungsvariablen schon von Windows: Bei Windows 95/98 setzen Sie sie in der Datei autoexec.bat, unter Windows XP über System / Erweitert / Umgebungsvariablen in der Systemsteuerung oder mit dem Programm setx aus dem Ressource-Kit.
Ein leicht zu bedienender Kommandozeilen-Editor ist mcedit, der mit dem Dateimanager Midnight Commander kommt. Wie Sie das Programm nachinstallieren, erfahren Sie unter [1]. Für die gerade geöffnete Shell setzen Sie die Umgebungsvariable mit dem Befehl export EDITOR=mcedit. Mit echo $EDITOR überprüfen Sie den Erfolg der Aktion. Das Dollarzeichen sagt der Shell, dass Sie den Wert einer Variablen, in diesem Fall EDITOR, erfahren möchten. Das Kommando sollte mcedit ausgeben. Starten Sie danach less textdatei.txt und drücken [v], öffnet das Programm die Datei zur Bearbeitung in mcedit.
Wollen Sie die EDITOR-Umgebungsvariable dauerhaft setzen, schreiben Sie die Zeile export EDITOR=mcedit in die Datei .bashrc in Ihrem home-Verzeichnis. Jedes Kommandozeilenfenster, das Sie öffnen, liest diese Datei beim Start ein. Besonders einfach haben es dabei Anwender von SuSE Linux: Sie finden in ihrer .bashrc schon die Beispielzeile #export EDITOR=/usr/bin/mcedit, vor der sie nur das Kommentarzeichen (#) entfernen müssen (Abbildung 3).
Tragen Sie dort keinen grafischen Editor ein -- falls Ihre grafische Oberfläche einmal nicht startet, hagelt es von Textmodus-Programmen, die diese Variable auswerten, Fehlermeldungen.
Wer hin und wieder als Administrator einen Blick in das Systemprotokoll /var/log/messages wirft, kennt das Problem: Sobald Sie die Einträge in Echtzeit mitverfolgen wollen, etwa weil Sie ein neues USB-Gerät anschließen, beenden Sie less -- nur um die Logdatei gleich darauf mit tail -f /var/log/messages erneut zu öffnen. Das geht auch einfacher: Drücken Sie in less [F]. Damit wechseln Sie in den Verfolgungsmodus. less springt in die letzte Zeile der Datei und blendet neue Einträge automatisch ein. Während Sie auf Verfolgungsjagd sind, funktioniert weder die Navigation mit den Pfeiltasten noch [q] zum Beenden von less. Um sich wieder normal in der Datei zu bewegen, verlassen Sie den Modus mit der Tastenkombination [Strg-c].
Sobald etwas nicht mehr wie bisher funktioniert, grübelt man darüber nach, was wohl die Ursache ist. Vielleicht ist ein kürzlich installiertes Programm Schuld an den Änderungen. Wer neue Software grundsätzlich im RPM-Format installiert, ist fein raus: rpm führt genau Buch darüber, wann Sie ein Paket einspielen. Die fünf zuletzt installierten Pakete zeigt rpm -qa --last | head -5 an. RPM fragt alle Pakete ab (-qa) und sortiert sie in umgekehrter Installationsreihenfolge (--last); setzt also die zuletzt eingespielten an den Anfang der Liste. Damit Sie sich nicht durch mehrere Hundert Zeilen kämpfen müssen, leitet das Pipe-Symbol (|) die Ausgabe an head weiter. Das zeigt nur die ersten fünf (-5) Einträge an, also jene fünf Pakete, die Sie zuletzt installiert haben. In der Ausgabe finden Sie sogar das genaue Installationsdatum inklusive Uhrzeit.
Wer vi unter SuSE Linux verwendet, könnte verzweifeln. Ein Druck auf die [Backspace]-Taste bewirkt ...nichts. Eigentlich sollte sie im Einfügemodus rückwärts löschen und im Befehlsmodus den Cursor im Text zurückbewegen. Schuld ist die systemweite Konfigurationsdatei /etc/vimrc, die SuSE mitliefert. Am schnellsten lösen Sie das Problem, wenn Sie die programmeigene Beispielkonfiguration unter dem Namen .vimrc in das home-Verzeichnis Ihres Benutzers kopieren. Das erledigt ein
cp /usr/share/vim/vim61/vim\ rc_example.vim ~/.vimrc
Anwender von SuSE Linux 9.0 ersetzen vim61 durch vim62. Wollen Sie später zur SuSE-Linux-Konfiguration zurückkehren, löschen Sie einfach die eben kopierte Datei mit rm ~/.vimrc. (eba)
| Infos |
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[1] Andrea Mueller: "Shell-Tipps", EasyLinux 12/2003, S. 68
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Last modified: 2007-01-25 17:00
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