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Erschienen in EasyLinux 04/2004   »   Ausgabe bestellen

Kandy

Kein Schwein ruft mich an

von Heike Jurzik
 [ Titelbild ]


Mit Kandy lesen Sie das Telefonbuch Ihres Mobiltelefons aus und speichern die Daten auf der Festplatte. Wir zeigen, wie Sie ein Handy mit integriertem Modem über ein serielles Datenkabel mit dem Computer verbinden und das Telefonbuch ins KDE-Adressbuch übertragen.

Eigentlich ist Kandy ein Terminal-Programm, das über AT-Befehle mit dem angeschlossenen Modem kommuniziert. AT steht dabei für "Attention" (zu deutsch "Aufmerksamkeit" oder auch "Wartung") und wurde als Quasi-Standard von der Firma Hayes Microcomputer Products zur Steuerung von Modems entwickelt. Von einem echten Standard darf man allerdings nicht sprechen -- zu viele Hersteller erfanden eigene Kommandos, die ausschließlich mit den eigenen Geräten funktionieren.

Besitzt Ihr Handy ein integriertes Modem, können fast alle Funktionen des Telefons vom Computer aus mit AT-Befehlen gesteuert und ausgewertet werden. Dazu verbindet man das Telefon über ein Datenkabel mit dem Rechner. Ein Terminal-Programm, wie z. B. minicom oder Kandy, hilft dabei, die AT-Kommandos an das Handy zu übermitteln.

Voraussetzungen

Kandy ist Teil des so genannten KDE-PIM-Paketes. PIM steht für "Personal Information Management" -- im Programmpaket sind Tools enthalten, die beim Organisieren oder Synchronisieren von persönlichen Daten helfen. Dazu gehören u. a. KMail (ein Mailer), KOrganizer (ein Kalenderprogramm), KPilot (zum Synchronisieren von PDAs) und Kandy (zum Auslesen des Handy-Telefonbuchs).

Alle vier Testdistributionen (SuSE Linux 9.0 und 8.2, Mandrake Linux 9.2 und Red Hat Linux 9.0) haben die KDE-PIM-Pakete mit an Bord. Sie finden sie auf den Installations-CDs entweder unter dem Namen kde3pim-sync (SuSE Linux) oder kdepim (Red Hat und Mandrake Linux). Spielen Sie die RPM-Pakete über den jeweiligen Paket-Manager ein, der auch verrät, ob Bibliotheken oder andere Systemkomponenten fehlen, und die Abhängigkeiten selbst auflöst.

Weiterhin benötigen Sie ein Datenkabel für Ihr Handy, das mit der seriellen Schnittstelle des Computers verbunden wird. Für unsere Tests haben wir ein Siemens ME45 mit Originaldatenkabel verwendet und mit den jeweiligen distributionseigenen KDE-PIM-Paketen gearbeitet.

Kandy einrichten

Verbinden Sie mit dem Datenkabel eine serielle Schnittstelle und das eigene Handy. Jetzt ist es Zeit für einen ersten Start von Kandy: Gehen Sie über das K-Menü, Dienstprogramme / Synchronisieren / Kandy (SuSE Linux), Zubehör / Weiteres Zubehör / Kandy (Red Hat Linux 9.0) oder Büroprogramme / Persönliche Assistenten / Kandy (Mandrake Linux 9.2).

Konfigurieren Sie zunächst das Programm. Dazu gehen Sie auf Einstellungen / Kandy einrichten. Stellen Sie die richtige serielle Schnittstelle ein -- ist das Kabel an die erste serielle Schnittstelle angeschlossen, gehört ins Feld Serielles Gerät der Eintrag /dev/ttyS0, hängt das Handy an der zweiten Schnittstelle, lautet der Eintrag /dev/ttyS1.

Abb. 1: Wählen Sie die richtige Schnittstelle.

Wenn Sie die Checkbox Modem beim Start öffnen aktivieren, stellt Kandy direkt beim Programmstart die Verbindung zum Telefon her. Weiterhin lässt sich im Abschnitt Fenster einstellen, welche Fenster Kandy nach dem Programmstart anzeigt. Standardmäßig ist die Checkbox Mobiltelefon-Fenster beim Start öffnen aktiviert -- auf Wunsch öffnet Kandy auch das Terminal-Fenster, in dem Sie die Kommunikation zwischen Computer und Handy mitverfolgen können. (Checkbox Terminalfenster beim Start öffnen aktivieren.)

Das Terminal-Fenster können Sie jederzeit nachträglich anzeigen, wenn Sie über das Menü Anzeigen / Terminal gehen. Wenn Sie allerdings beide Checkboxen deaktivieren, also auch das Mobiltelefonfenster, zeigt Kandy nach dem Start überhaupt nichts mehr an. In so einem Fall hilft nur noch, die Datei .kde/share/config/kandyrc zu editieren und die Zeile

StartupMobileWin=false
in
StartupMobileWin=true
zu ändern.

Benutzer von Mandrake Linux und Red Hat Linux müssen einige wenige zusätzliche Einstellungen vornehmen, damit Kandy mit dem Mobiltelefon redet. Kasten 1 zeigt, wie Sie für diese beiden Distributionen die seriellen Schnittstellen zur Kommunikation freigeben.

Kasten 1: Kein Anschluss unter dieser Schnittstelle -- Kandy unter Red Hat und Mandrake Linux einrichten

Was bei SuSE Linux standardmäßig konfiguriert ist (Benutzer gehören zur Gruppe uucp, welche u. a. Schreibrechte für die Gerätedateien der seriellen Schnittstellen, /dev/ttyS0 und /dev/ttyS1, besitzt), muss unter Mandrake und Red Hat Linux nachträglich eingestellt werden. Die einzelnen Schritte sind:

Red Hat Linux
  1. Starten Sie Red Hats Benutzerverwaltung über das K-Menü, Systemeinstellungen / Benutzer und Gruppen und geben Sie auf Aufforderung Ihr Root-Passwort ein.
  2. Wählen Sie den Benutzer-Account aus, den Sie anpassen möchten, und klicken Sie auf Eigenschaften.
  3. Auf dem letzten Reiter Gruppen aktivieren Sie vor dem Eintrag uucp die Checkbox.
  4. Speichern Sie die Änderungen und verlassen Sie das Programm.
Mandrake Linux
  1. Starten Sie die Benutzerverwaltung UserDrake über das K-Menü, Einstellungen / Sonstiges / User Administration.
  2. Wählen Sie das richtige Benutzerkonto aus und klicken Sie auf Ändern.
  3. Über die Registerkarte Gruppen wählen Sie die Gruppe uucp aus und klicken auf Hinzufügen.
  4. Speichern Sie die Einstellungen und verlassen Sie das Programm.

Im letzten Schritt, der für beide Distributionen gleich ist, müssen Sie die Rechte für das Verzeichnis /var/lock anpassen:

  1. Starten Sie den Schnellstarter mit [Alt-F2] und geben Sie kdesu konqueror ein.
  2. Nach Eingabe des Root-Passworts gehen Sie im Dateimanager in das Verzeichnis /var. (Beachten Sie den vorangestellten Schrägstrich.)
  3. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Ordner lock und wählen Sie aus dem Kontextmenü Eigenschaften.
  4. Auf dem Reiter Berechtigungen aktivieren Sie für Benutzer, Gruppe und Sonstige alle drei Checkboxen für anzeigen, schreiben und öffnen und zusätzlich bei den Spezialattributen das so genannte Sticky Bit (für Ausführungsrechte).

  5. Klicken Sie auf Ok und beenden Sie den Root-Konqueror.

Damit die Änderungen für den Benutzer-Account greifen, muss KDE neu gestartet werden.

Richtig verbunden

Bauen Sie nun eine Verbindung zum Handy über Kandys Menü auf: Modem / Verbinden -- rechts im Fenster erscheinen, wenn alles klappt, Angaben zum Gerät (Hersteller, Modell, GSM-Version, Seriennummer und die Akkuladung.) Dass rechts unten im Fenster Verbunden erscheint, sagt nicht viel aus -- Kandy zeigt diesen Status auch an, wenn überhaupt kein Telefon angeschlossen ist.

Abb. 2: Kontaktaufnahme -- Kandy erkennt das Telefon.

Wer mag, startet vor dem ersten Auslesen des Telefonbuchs zusätzlich das Terminal-Fenster (Anzeigen / Terminal). Danach klicken Sie auf den Button Lesen (unter dem Fenster Telefonbuch des Mobiltelefons). Kandy verrät: Auslesen des Telefonbuchs aus dem Mobiltelefon..., und nach kurzer Zeit sehen Sie die Daten aus dem Handy-Telefonbuch.

Abb. 3: Das Telefonbuch wurde erfolgreich ausgelesen.

Anschließend lassen sich die Daten über einen Klick auf Zusammenführen mit den Adressbuchdaten synchronisieren. Dabei prüft das Programm die Daten beider Telefonbücher, vergleicht die Datensätze miteinander und gibt im Zweifelsfall eine Warnmeldung aus (Abbildung 4). Der Button Abgleichen hingegen erledigt alles in einem Rutsch -- Auslesen, Vergleichen und Zusammenführen.

Abb. 4: Widersprüchliche Einträge werden erkannt und gemeldet.

Auf Nummer sicher

Mit der aktuellen Kandy-Version aus KDE 3.1.X ist es nicht empfehlenswert, die Daten direkt mit dem KDE-Adressbuch zu synchronisieren -- es ist sicherer und einfacher, einen Zwischenschritt einzulegen. Klicken Sie auf Datei speichern (Kandy schlägt vor, die Datei phonebook.csv zu nennen) und legen Sie die Daten auf der Festplatte ab.

Lediglich Benutzer von SuSE Linux können sich freuen, dass beim Telefonbuch-Auslesen "nur" ein paar Sonderzeichen auf der Strecke geblieben sind. Mit einem Editor wie z. B. Kate oder KWrite lässt sich dieses Problem schnell beheben, und die Daten sind zum Import ins Adressbuch bereit.

Nicht ganz so einfach gestalten sich die Reparaturarbeiten für Anwender von Mandrake Linux 9.2, Red Hat Linux 9.0 und SuSE Linux 8.2. Während Kandy die Telefonnummern richtig ausliest und anzeigt, tauchen die Namen in einer falschen Kodierung auf. Kasten 2 zeigt eine Möglichkeit auf der Kommandozeile, die "Geheimschrift" wieder zu entschlüsseln.

Kasten 2: Entschlüsselungskommando

Bei Mandrake Linux 9.2, Red Hat Linux 9.0 und SuSE Linux 8.2 sehen die von Kandy ausgelesenen Telefonbuch-Daten etwas "verunstaltet" aus:

1,9911,129,004D00610069006C0062006F0078
...
76,1144,129,0045002E0056002E0041002E

Mit einem kleinen Perl-Aufruf lässt sich das Problem schnell beheben. Starten Sie den Schnellstarter [Alt-F2] und geben Sie konsole ein. Überprüfen Sie zunächst, welche Perl-Version auf dem System installiert ist. Tippen Sie dazu:

huhn@huhnix:~> perl -v

This is perl, v5.8.1 built for i586-linux-thread-multi
(with 1 registered patch, see perl -V for more detail)

Befindet sich keine Perl-Installation auf dem System, installieren Sie die Programmiersprache über den Paket-Manager. Wechseln Sie dann in das Verzeichnis, in dem die Datei phonebook.csv liegt. Tippen Sie folgenden Befehl:

huhn@huhnix:~> perl -naF, -e '$,=",";$\="\n";@F[3]=pack("C*",unpack("n*",pack("H*",@F[3])));print @F' phonebook.csv > phonebook_neu.csv

Der Kommandozeilen-Aufruf ist zugegebenermaßen etwas kryptisch, sorgt aber dafür, dass das entsprechende Feld der Originaldatei (wo der Name stehen sollte) in einen lesbaren Zeichensatz gewandelt und das Ergebnis in eine zweite Datei phonebook_neu.csv geschrieben wird. Damit Sie diese Zeile nicht abtippen müssen, finden Sie sie in unserem Download-Bereich als perl-befehl.txt.

Ab ins Adressbuch

Starten Sie nun das Adressbuch und lesen Sie die Telefonbuchdaten ein. Dazu gehen Sie im Menü auf Datei / Importieren / Liste importieren. Per Klick auf das kleine Ordnersymbol neben dem Feld zu importierende Datei gelangen Sie zur Auswahl. Wählen Sie die vorher abgespeicherte Liste phonebook.csv bzw. phonebook_neu.csv (Abbildung 5).

Abb. 5: Telefonbuch fertig für den Import.

Im Fenster Textdatei importieren sehen Sie die Mobiltelefoneinträge jetzt in verschiedenen Spalten. Damit das KDE-Adressbuch diese später richtig formatiert anzeigt, müssen Sie eventuell das Trennzeichen und auf jeden Fall die Spaltenformatierung anpassen. Schauen Sie noch einmal auf die Datei phonebook.csv -- die Einträge sind im Beispiel durch Kommata ohne Leerzeichen getrennt. Damit das KDE-Adressbuch diese Daten richtig anzeigt, muss hier unter Trennzeichen ebenfalls ein Komma ausgewählt sein.

Markieren Sie eine Spalte, z. B. die zweite mit den Telefonnummern, durch einen Klick auf die Spaltennummer, wählen Sie aus der Liste im Feld Kopfzeilen den Eintrag Mobiltelefon aus und klicken Sie auf den Button der ausgewählten Spalte zuweisen (Abbildung 6).

Abb. 6: Die Spalten richtig formatieren.

Gehen Sie genauso für die vierte Spalte (mit den Namen) vor und weisen Sie ihr beispielsweise das Format Formatierter Name zu. Anschließend klicken Sie auf den Button Mit Vorlage zuweisen und wählen aus der Liste Adressbuch (KDE 3.1) aus. Klicken Sie auf OK, werden die Einträge importiert -- allerdings steht die Ansicht im Hauptfenster standardmäßig auf Vorname - Nachname - Mail-Adresse und lässt das Adressbuchfenster ziemlich leer erscheinen (Abbildung 7).

Abb. 7: Wo sind die Daten?

Damit die Adressbucheinträge richtig erscheinen, gehen Sie über das Menü Ansicht / Ansicht ändern, wählen aus der Liste Formatierter Name aus und klicken auf den kleinen Pfeil nach rechts, um die Ansicht hinzuzufügen -- genauso gehen Sie für die Mobiltelefon-Ansicht vor. Wenn Sie möchten, können Sie von der rechten Seite Vor- und Nachname auch wieder nach links übertragen -- das Adressbuch lässt sich individuell gestalten.

Die andere Richtung

Es ist genauso einfach, neue Einträge aus dem KDE-Adressbuch zum Handy zu übertragen. Legen Sie einen neuen Datensatz an (Datei / Neuer Kontakt) und tragen Sie die Daten ein (Abbildung 8). Speichern Sie im Adressbuch und klicken Sie bei Kandy auf den Knopf Lesen unter dem KDE-Adressbuch-Feld. Der neue Eintrag taucht auf, ist aber nicht mit einem Häkchen versehen. Markieren Sie die Checkbox und klicken Sie auf Zusammenführen, dann wandert der neue Eintrag zum Handy (Abbildung 9). (hge)

Abb. 8: Neuer Eintrag im KDE-Adressbuch.

Abb. 9: Kandy macht's möglich -- das Handy weiß Bescheid.

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