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Erschienen in EasyLinux 04/2004   »   Ausgabe bestellen

RealPlayer- und MPlayer-Plugins für Mozilla

Drachenvideos

von Martin Loschwitz


Viele Web-Seiten bieten heute neben Text und Bild auch Video-Dateien als multimediale Ergänzung an. Für Mozilla gibt es Plugins, die bei der Wiedergabe helfen.

Dass Bilder mehr sagen als 1000 Worte, ist heute keine Neuigkeit mehr. Noch deutlicher lassen sich Informationen mit kurzen Filmen vermitteln. Kein Wunder also, dass immer mehr Web-Seiten Video-Schnipsel verwenden, um Text und Bild zu ergänzen.

Damit multimediale Web-Seiten funktionieren, muss der Browser wissen, wie er die Video-Dateiformate anzeigen kann. Im einfachsten Fall behandelt er Video-Dateien wie jeden anderen Datei-Download auch, legt die Daten also einfach auf der Platte ab und überlässt es dem Benutzer, das richtige Wiedergabeprogramm zu starten -- komfortabel ist das aber nicht. Wünschenswert ist, dass Mozilla & Co., beispielsweise anhand der Dateiendung, erkennen, welches Programm für eine Datei zuständig ist, und diese Anwendung dann starten.

Nun ist es für die Web-Browser aber eine schwierige Aufgabe, ständig Informationen über alle Video-Formate bereit zu halten: Manchmal verschwinden Video-Codecs von einem auf den anderen Tag, oft kommen neue hinzu, und ab und zu ändern sich auch Voraussetzungen für die Wiedergabe bestimmter Video-Formate.

Auftritt der Plugins

Um dem Problem Herr zu werden, unterstützen Browser schon lange die Möglichkeit, Plugins zu laden. Das sind kleine Programmschnipsel, die ein Programm (in diesem Fall der Browser) nachladen kann, um mit ihnen seine Funktionalität zu erweitern. Für Video-Codecs kann dann ein Plugin geladen werden, das den Browser entweder mit einem oder direkt mit vielen Video-Formaten bekannt macht. Wenn sich Informationen über solche Codecs ändern, tauscht man das Plugin aus, und schon ist man auf dem aktuellen Stand.

Mozilla, der bekannteste Browser unter Linux, kann mit Plugins umgehen, und es gibt auch eine Reihe fertiger Plugins. In diesem Artikel zeigen wir, wie Sie Mozilla um das Realplayer-Plugin erweitern, mit dem Sie Video- und Audio-Dateien in Real-Media-Formaten reibungslos abspielen können. Unter SuSE Linux ist das schnell erledigt, Red Hat Linux benötigt einige Handarbeit, und Mandrake Linux sperrt sich ein wenig.

SuSE Linux 8.2 und 9.0

Los geht es mit SuSE Linux -- hier ist am wenigsten zu tun.

  1. Stellen Sie sicher, dass das RealPlayer-Paket installiert ist. Starten Sie dazu YaST2 und geben Sie das Root-Passwort ein, falls Sie danach gefragt werden. Wählen Sie im linken Teil des Fensters den Eintrag Software und dann rechts Software installieren/löschen. Dann erscheint der Dialog zur Paketinstallation.
  1. Suchen Sie nach "realplayer". Im rechten Teil des Fensters taucht ein Eintrag mit diesem Namen auf. Im schwarzen Kästchen direkt links neben dem Eintrag muss ein Häkchen gesetzt sein. Ist das der Fall, können Sie das Programm wieder schließen und zum Desktop zurückkehren. Andernfalls setzen Sie den Haken, klicken auf den Akzeptieren-Knopf und legen die SuSE-CD/-DVD ein, wenn Sie danach gefragt werden.

Theoretisch genügt das bereits, um RealPlayer zusammen mit Mozilla zu benutzen. In der Regel werden Sie den Player aber noch erweitern wollen, so dass er einige neue und aktuelle Video-Codecs unterstützt. Auch das ist schnell erledigt.

Abb. 1: SuSE Linux liefert den RealPlayer schon mit.
  1. Öffnen Sie in einem Browser die Seite http://www.real.com. Ganz unten sehen Sie einen Link namens "Linux / Unix Player". Klicken Sie ihn an und anschließend auf den Link in Punkt 4, "free RealVideo 9 codec upgrade package".
  1. Auf den nächsten Seite klicken Sie auf den Link unter "Linux i386". Speichern Sie die Datei, die der Browser herunterlädt, in Ihrem Home-Verzeichnis und entpacken Sie sie: Dazu öffnen Sie eine Konsole ([Alt-F2], konsole) und geben
    tar xvfz rv9_libc6_i386_cs2.tgz
    ein.

Abb. 2: Aktuelle Codecs müssen aber manuell nachgerüstet werden.
  1. Geben Sie dann
    su
    und auf die folgende Nachfrage Ihr Administratorpasswort ein. Wechseln Sie in das Verzeichnis der entpackten Dateien:
    cd rv9
    Nun kopieren Sie die frischen Codecs an die richtige Stelle:
    cp codecs/* /usr/lib/RealPlayer8/Codecs/
    cp plugins/* /usr/lib/RealPlayer8/Plugins/
  1. Schließen Sie alle Mozilla-Fenster und starten Sie den Browser danach erneut. Die Eingabe von about:plugins in die Adressleiste sollte einen Eintrag mit dem Namen rpnp.so zu Tage fördern. Von nun an können Sie RealPlayer-Videos direkt aus Mozilla heraus betrachten. Gegebenenfalls müssen Sie beim ersten Öffnen eines Videos, das nicht in eine Web-Seite eingebettet ist, beim Download-Dialog den Haken vor Vor dem Öffnen von Dateien dieses Typs immer nachfragen entfernen. Anschließend sollten RealPlayer-Videos ohne Probleme wiedergegeben werden.

Red Hat Linux 9

Leider funktioniert die Installation des RealPlayers unter Red Hat Linux 9 nicht so reibungslos wie bei SuSE. Mit einigen Kniffen kann man aber trotzdem ein akzeptables Resultat erreichen.

  1. Red Hat liefert den RealPlayer nicht als Paket mit. Sie müssen daher auf den Web-Download der Firma Real zurückgreifen. Um das Paket zu beziehen, öffnen Sie in einem Browser zunächst die Adresse http://www.real.com/. Dann klicken Sie auf den Link "Linux/Unix Player" am unteren Bildschirmrand.
  1. Sie kommen auf eine Seite, auf der Sie einige Daten eingeben müssen, um zur eigentlichen Download-Seite weitergeleitet zu werden. Füllen Sie die ersten drei Felder aus. Beim vierten Feld wählen Sie "Linux 2.x (libc6 i386) RPM" aus, beim fünften "Pentium-class system".
  1. Schließlich wählen Sie einen Download-Server aus und speichern die Datei in Ihrem Home-Verzeichnis ab, wobei Sie im Dateinamen den Unterstrich in _rpm durch einen Punkt (.rpm) ersetzen. Öffnen Sie eine Konsole ([Alt-F2], konsole) und werden Sie mit
    su
    zum Administrator. Installieren Sie die Datei mit
    rpm -Uhv rp8_linux20_libc6_i386_cs2.rpm
    Installieren Sie außerdem die aktualisierten Real9-Codecs. Das geht genau wie in den Schritten 3--5 bei SuSE Linux; auch die Dateipfade sind identisch.
  1. Nun muss das eigentliche RealPlayer-Plugin noch an eine Stelle kopiert werden, an der Mozilla es finden kann. Dazu genügt der folgende Befehl:
    cp /usr/lib/RealPlayer8/rpnp.so /usr/lib/mozilla/plugins/
    Geben Sie dann exit ein, um die Administratorrechte wieder abzugeben -- das Terminal-Fenster wird gleich noch benötigt. Beenden Sie dann alle Instanzen von Mozilla.
  1. Da sich die Systemdateien von Red Hat Linux 9 und vom RealPlayer nicht optimal vertragen, ist eine weitere kleine Anpassung nötig -- ansonsten lässt sich der RealPlayer zwar starten, wird aber nicht angezeigt. Zunächst können Sie die Anpassung testen, indem Sie im Terminal-Fenster die beiden Befehle
    export LD_ASSUME_KERNEL=2.4.19
    /usr/lib/RealPlayer8/realplay
    eingeben. Wenn der RealPlayer dann startet, hat alles funktioniert. Es ist möglich, dass dieser Trick auch Auswirkungen auf andere Programme im System hat. Sollten Sie also nach dem Setzen der Umgebungsvariable Schwierigkeiten feststellen, könnten diese damit zusammenhängen.
  1. Schließlich richten Sie die neue Einstellung dauerhaft ein. Öffnen Sie dazu in einem Editor (z. B. Kate) die Datei .bash_profile in Ihrem Home-Verzeichnis. (Der Punkt vor dem Namen ist wichtig!) Fügen Sie dort zunächst folgende Zeile ein:
    export LD_ASSUME_KERNEL=2.4.19
    Speichern Sie die Datei dann ab und melden Sie sich komplett vom System ab und wieder an.
  1. Wenn Sie nun Mozilla starten und about:plugins eingeben, sollte das Modul dort aufgelistet sein. Das Abspielen von Videos (sowohl herunter geladene als auch eingebettete Videos) sollte jetzt funktionieren.

Abb. 3: Der rpnp.so-Eintrag signalisiert, dass die Installation erfolgreich war.

Mandrake Linux 9.2

Mit der Standardversion von Mandrake Linux können Sie das RealPlayer-Plugin nicht effektiv nutzen. Hier hilft nur Abwarten, bis MandrakeSoft dieses Problem mit einem Mozilla-Update behebt. Um für diesen Falle vorbereitet zu sein, gilt es, ein wenig Vorarbeit zu leisten.

  1. Tatsächlich ist MandrakeSoft im Bezug auf den RealPlayer pflegeleichter als die Distributionen von SuSE oder Red Hat. Mandrake Linux enthält sowohl den Player als auch die aktualisieren Codecs, die sich ohne Probleme mit dem Paket-Tool von Mandrake Linux installieren lassen. Starten Sie dazu zunächst das Programm, indem Sie im Startmenü den Eintrag Einstellungen/Paketierung/Software installieren auswählen. Geben Sie im Feld Suche dann "Realplay" ein.
  1. Als Ergebnis der Suche sollten zwei Pakete auftauchen: RealPlayer und ein passendes Paket mit aktuellen Video-Codecs. Wählen Sie beide Pakete mit einem Haken zur Installation aus und bestätigen Sie dann mit Akzeptieren. Sollte bei der Suche nur der Eintrag für das Paket mit den Plugins auftauchen, installieren Sie nur dieses, denn dann ist der RealPlayer bereits installiert. Wenn die Suche gar keinen Eintrag hervorbringt, können Sie das Paketprogramm wieder schließen, weil beide Pakete schon eingerichtet sind.

  1. Theoretisch genügt das bereits, um Mozilla fit für den RealPlayer zu machen. Als separate Anwendung können Sie den Player auch starten. Schlechter sieht es aber bei Mozilla aus: Zwar erscheint das Plugin rpnp.so in der Liste about:plugins, in Tests bot Mozilla beim Klick auf Real-Dateien aber weiterhin nur den Download-Dialog an, und auch eingebettete Real-Dateien funktionieren nicht. So bleibt bei Links auf Real-Formate nur die umständlichere Variante, im Download-Dialog den Pfad zum RealPlayer, /usr/bin/realplay, anzugeben.

    ... sondern auch das mplayer-Plugin.

    MPlayer in Mozilla

    Nun gibt es aber nicht nur Filme für den RealPlayer, sondern auch viele andere Formate wie MPEG2. Unterstützung für MPEG2 gehört bei fast allen aktuellen Universal-Abspielprogrammen zum Standard. Eines hebt sich aus der Masse hervor: der sehr beliebte MPlayer. Mit seiner Hilfe und einem kleinen Mozilla-Plugin ist es möglich, MPEG2-Videos direkt in Mozilla anzuschauen, ohne ein externes Programm zu starten. Die Einrichtung dieser Methode ist nicht schwierig, und die Schritte ähneln sich bei den Distributionen stark.

    1. Stellen Sie zunächst sicher, dass das MPlayer-Paket Ihrer Distribution installiert ist. Das können Sie mit dem spezifischen Paket-Tool für Ihr System erreichen (YaST, RpmDrake oder Red Hats Paketverwaltung). MPlayer liegt jeder aktuellen Distribution bei, deswegen sollte es bei hier keine Schwierigkeiten geben.
    1. Laden Sie sich für SuSE Linux das RPM-Paket von [1] und für Red Hat Linux von [2] herunter und speichern Sie es in Ihrem Home-Verzeichnis. Benutzer von Mandrake Linux können das Paket im Paket-Manager zur Installation auswählen und direkt bei Schritt 3 weitermachen. Öffnen Sie eine Konsole ([Alt-F2], konsole) und werden Sie mit dem Befehl
      su
      zum Administrator. Dann installieren Sie das RPM-Paket mit
      rpm -Uhv Paketname
    1. Schließen Sie alle Mozilla-Fenster und starten Sie den Browser neu. Wenn Sie nun die Adresse about:plugins eingeben, sehen Sie in der Plugin-Liste auch das neue MPlayer-Plugin. Zum Test können Sie nun eine beliebige Seite mit MPEG2-Videos öffnen. Nach dem Klick auf einen Video-Link sollte die Wiedergabe mit MPlayer im Browser sofort starten. (hge)
    Der Autor

    Martin Loschwitz kommt aus Niederkrüchten und hilft in seiner Freizeit, das freie Debian GNU/Linux weiterzuentwickeln.

    Infos
    [1] MPlayer-Plugin für SuSE: http://switch.dl.sourceforge.net/sourceforge/mplayerplug-in/mplayerplug-in-1.2-suse.i586.rpm
    [2] MPlayer-Plugin für Red Hat: http://heanet.dl.sourceforge.net/sourceforge/mplayerplug-in/mplayerplug-in-1.2-rhl9.i386.rpm

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