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Erschienen in EasyLinux 04/2004   »   Ausgabe bestellen

Tipps & Tricks zu KDE

Besser arbeiten mit KDE

von Thomas Hümmler


Ist KDE noch ungewohnt für Sie? Haben Sie Probleme mit der Bedienung? Dann helfen Ihnen die Tipps und Tricks der folgenden Seiten zu KMail, zum Editor für reguläre Ausdrücke und zu Knights, dem Schachprogramm für KDE.

Tipp: Neuen Postordner einrichten

KMail sortiert von Haus aus zunächst nur in die Standard-Postordner Posteingang, Postausgang, Gesendete Nachrichten, Mülleimer und Entwürfe. Wenn Sie wenige E-Mails erhalten und schreiben, reicht das. Sobald Sie aber mehrere E-Mail-Listen abonniert haben, außerdem vielleicht ein paar Newsletter und sich täglich mit Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern austauschen, brauchen Sie weitere Postordner, um die Übersicht zu behalten.

Der erste neue Postordner ist schnell angelegt: Mit dem Befehl Ordner / Neuer Ordner (bzw. Ordner / Erstellen in KDE 3.0) öffnen Sie das Dialogfenster Ordner anlegen. Hier tragen Sie ins Feld Name eine Bezeichnung für den Ordner ein. Die Aufklappliste Gehört zu enthält beim ersten neuen Ordner nur den Eintrag Oberste Ebene. Wenn Sie schon weitere Ordner angelegt haben, können Sie hier einen wählen. Der neue Ordner wird damit zu einem Unterordner des gewählten.

Des weiteren können Sie ein normales Symbol und ein weiteres wählen, das auf ungelesene E-Mails in diesem Ordner hinweist. Im Bereich Ordnertyp stellen Sie das Mailbox-Format ein. Das ist in KMail standardmäßig maildir. Dieses Format speichert jede E-Mail in einer separaten Datei -- im Gegensatz zu mbox, das alle E-Mails eines Ordners in einer gemeinsamen Datei ablegt. Für welchen Typ Sie sich entscheiden, hängt auch von der Geschwindigkeit des Rechners ab: Das maildir-Format gilt gemeinhin als robuster, allerdings auch teilweise als langsamer.

Tipp: Spezialordner für Spam anlegen

Auch wenn Sie mit augefeilten Filtern Spam-Botschaften automatisch in den Mülleimer verschieben, besteht doch immer die Gefahr, dass eine wichtige Mail darunter ist. Wenn Sie KMail verlassen, ohne in den Mülleimer zu sehen, wird dieser -- je nach Einstellung -- geleert.

Richten Sie besser einen speziellen Postordner für Spam ein: Wählen Sie Ordner / Neuer Ordner (bzw. Ordner / Erstellen in KDE 3.0) und geben diesem den Namen Spam. Als Symbol wählen Sie zum Beispiel die Bombe (das geht erst ab KDE 3.1). Im Bereich Löschen von alten Nachrichten (bzw. Verfallsdatum für alte Nachrichten in KDE 3.0) schalten Sie die Option Alte Nachrichten in diesem Ordner löschen ein (bzw. Alle Nachrichten in diesem Ordner mit Verfallsdatum versehen in KDE 3.0). Stellen Sie die Aufbewahrungsfrist für ungelesene Nachrichten (bzw. Ungelesene Nachrichten für Löschung markieren nach in KDE 3.0) von Niemals auf Woche(n) und in dem Drehfeld einen Wert von 2 ein (Abbildung 1). Damit werden ungelesene Mails, die in diesem Ordner landen, nach zwei Wochen endgültig gelöscht. Wenn Sie nun von Zeit zu Zeit den Ordner öffnen, können Sie versehentlich als Spam gefilterte Mails problemlos retten.

Wenn Sie durch die Ordner sehen, werden angezeigte Mails als gelesen markiert. Damit auch diese gelöscht werden, stellen Sie die Aufbewahrungsfrist für gelesene Nachrichten (bzw. Gelesene Nachrichten für Löschung markieren nach in KDE 3.0) auf einen Tag, den kleinsten möglichen Wert. So werden diese ohne weitere Eingriffe von Ihnen automatisch gelöscht.

Abb. 1: Ein spezieller Postordner für Spam-Nachrichten hilft dabei, dass nicht versehentlich wichtige E-Mails gelöscht werden.

Tipp: Ordner für Mailing-Listen anlegen

KMail kann einen Ordner einer Mailing-Liste zuordnen. Das richten Sie entweder direkt beim Anlegen eines neuen Ordners ein, oder über den Befehl Ordner / Eigenschaften für einen bestehenden Ordner. Im folgenden Dialogfenster schalten Sie im Bereich Dazugehörige Mailingliste die Option Ordner enthält eine Mailingliste ein. Geben Sie noch im Feld Sendeadresse die E-Mail-Adresse der Mailing-Liste an und bestätigen mit OK. Damit wird künftig diese E-Mail-Adresse in das An-Feld eingetragen, wenn Sie Nachricht / An Mailing-Liste antworten wählen.

Einen Ordner mit einer Mailing-Liste zu verknüpfen, sorgt jedoch noch nicht dafür, dass Mails dieser Liste auch in dem Ordner landen. Dafür müssen Sie zusätzlich eine Filterregel definieren.

Tipp: Postordner in anderen Ordner verschieben

Wenn Sie in KMail einen Postordner verschieben möchten, geht das nicht per Drag & Drop, wie Sie es vielleicht aus anderen Mail-Programmen kennen. Stattdessen wählen Sie Ordner / Eigenschaften und wählen in der Aufklappliste Gehört zu den neuen Oberordner.

Tipp: Postfach ins Maildir-Format konvertieren

Sie möchten eventuell mit zwei verschiedenen Mail-Programmen ihre Nachichten lesen -- außer mit KMail vielleicht mit den schnellen, textbasierten Mutt? Dann sollten Sie Ihre Nachrichtenordner ins Maildir-Format bringe. Der Grund: Es kann bei Mailboxen im Mbox-Format Probleme geben, wenn KMail gleichzeitig mit einem anderen Mail-Programm auf den Ordner zugreift.

Leider gibt es bisher keine automatisierte Konvertierungslösung für KMail. Sie müssen also selbst Hand anlegen: Erzeugen Sie einen neuen Nachrichtenordner im maildir-Format und kopieren dann die Nachrichten aus dem alten mbox-Ordner in diesen neuen. Stellen Sie abschließend noch alle Filterregeln auf den neuen Ordner um. Erst danach löschen Sie den alten Ordner. Wenn Sie diese Reihenfolge nicht einhalten, verweisen die Filter auf einen anderen Ordner und es ist schwieriger, sie herauszusuchen.

Tipp: Anhänge aus Nachrichten löschen

Das Problem: Sie haben die Dateianhänge einer Nachricht gespeichert und möchten nun die Anhänge aus der Nachricht löschen, die Nachricht selbst aber behalten. Das hat zwei Vorteile: Sie sparen Festplattenplatz und das Postfach wird nicht so groß.

Anhänge können Sie in KMail nicht direkt aus einer Nachricht löschen. Mit einem Kniff klappt es dennoch: Verschieben Sie die entsprechende Nachricht in den Entwürfe-Ordner und öffnen Sie sie dort mit dem Befehl Bearbeiten / Nachricht bearbeiten (bzw. Nachricht / Bearbeiten in KDE 3.0) zum Editieren. Entfernen Sie die Dateianhänge und speichern die Nachricht wieder im Entwürfe-Ordner. Von dort verschieben Sie die zurück in den Ursprungsordner. Nachteil dieser Methode: Das Datum der Nachricht ändert sich, ebenso wie einige Vorspannfelder.

Tipp: Große Anhänge schneller versenden

KMail hat Probleme mit großen Anhängen. Es braucht beim Senden den 10- bis 15-fachen Speicherplatz der Größe des Dateianhangs. Wollen Sie beispielsweise einen kleinen Film mit 5 MB Größe versenden, benötigt KMail dafür zeitweise zwischen 50 und 75 MB virtueller Speicher, sprich: RAM und Auslagerungsspeicher.

Zwar haben moderne Rechner meist mindestens 128 MB RAM und bei der Installation einer Linux-Distribution wird auch gleich entsprechend Auslagerungsspeicher erzeugt. Aber wenn andere Anwendungen laufen, die ebenfalls Auslagerungsspeicher benötigen, kann die Ausführungsgeschwindigkeit drastisch sinken. Hier hilft es, wenn Sie andere Programme bis nach dem Verschicken der Mail schließen. Eine weitere Möglichkeit: Rüsten Sie den Arbeitsspeicher Ihres Computers auf. Grafische Oberflächen wie KDE danken es, indem Sie deutlich flüssiger laufen.

Tipp: Verstecktes Mail-Verzeichnis nutzen

Normalerweise nutzt KMail /home/IhrBenutzername/Mail/ als Mail-Verzeichnis für seine Postfächer. Wenn Sie aber beispielsweise wegen der besseren Übersicht im Home-Verzeichnis das Mail-Verzeichnis verstecken wollen, ist das kein großes Problem. KMail darf dafür nicht geöffnet sein.

Starten Sie den Datei-Manager Konqueror und schalten mit Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen die Anzeige versteckter Dateien und Verzeichnisse an. Wechseln Sie von Ihrem Home-Verzeichnis in den Ordner .kde/share/config/. Klicken Sie dort mit der rechten Maustaste auf kmailrc, die Datei mit den KMail-Einstellungen. Im Kontextmenü wählen Sie den Befehl Kopieren. Nun erzeugen Sie mit Bearbeiten / Einfügen eine Sicherungskopie der Datei mit den KMail-Einstellungen. Es erscheint der Hinweis, dass die Datei schon existiert. Lassen Sie sich einen anderen Namen Vorschlagen oder nennen Sie die Datei kmailrc.Sicherung, und klicken dann auf Umbenennen (Abbildung 2).

Jetzt öffnen Sie die Datei kmailrc in einem Editor. Klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und wählen aus dem Untermenü Öffnen mit einen Editor. Suchen Sie den Abschnitt [General]. Legen Sie am Ende des Abschnitts den neuen Eintrag folders=/home/IhrBenutzername/.mail an. Speichern Sie die Datei und verlassen den Editor.

Bevor Sie KMail starten, müssen Sie allerdings noch das neue Mail-Verzeichnis erzeugen und alle vorhandenen Mail-Ordner einschließlich der versteckten Indexdateien an die neue Position verschieben. Am einfachsten ist das, wenn Sie den Ordner Mail/ im Home-Verzeichnis umbenennen. Klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und wählen den Befehl Umbenennen. Schreiben Sie .mail und bestätigen mit der [Eingabe]-Taste. Beim nächsten Start verwendet KMail das versteckte Verzeichnis als Mail-Verzeichnis.

Abb. 2: Wenn eine Datei gleichen Namens existiert, lassen Sie sich vom Konqueror einen anderen Namen vorschlagen.

Tipp: HTML-Mails richtig anzeigen lassen

In der Grundeinstellung zeigt KMail nur den Klartext einer HMTL-Nachricht an. Das können Sie mit dem Befehl Ordner / HTML-Ansicht vor Klartext bevorzugen ändern. Allerdings wird auch dann nicht jede HTML-Mail so angezeigt, wie es der Absender beabsichtigt hat. Denn aus Sicherheitsgründen ignoriert KMail in HTML-Nachrichten Java- und JavaScript-Code ebenso wie Flash-Animationen.

Tipp: E-Mail nach Absturz restaurieren

Falls KMail abstürzt, während Sie eine E-Mail schreiben, versucht das Programm, diese Nachricht in der Datei dead.letter in Ihrem Home-Verzeichnis zu sichern. Das gelingt allerdings nicht immer. Im einfachsten Fall starten Sie KMail neu, dann sollte der Dialog Nachricht erstellen mit dieser Nachricht erscheinen -- und alles ist schnell behoben. Erscheint der Dialog nicht, versuchen Sie, die Datei in einem Editor zu öffnen und den Text von dort in eine neue Nachricht zu kopieren. Wenn Sie Pech haben, hatte KMail keine Chance mehr, die Datei zu erzeugen, und Sie müssen den Text erneut tippen.

Kasten 1: Tastenkombinationen für E-Mails
Die folgenden Tastenkürzel können Sie in KMail benutzen:
AAllen antworten
EMail umleiten ("Bouncen")
FMail als Dateianhang weiterleiten
[Umschalt-F]Mail im Text weiterleiten
L
[Umschalt-R]Ohne Zitat antworten
[Strg-F]Nachricht durchsuchen
TNachricht bearbeiten
VNachrichtencode ansehen
XFeste Zeichenbreiten
KAlle Nachrichten auswählen
CNachricht in Ordner kopieren
MNachricht in Ordner verschieben
[Entf]Nachricht löschen
SNachricht suchen
[Strg-J]Filter anwenden
[Strg-L]Nach Nachrichten sehen
[Strg-N]Neue Nachricht
[Strg-P]Nachricht drucken
[Strg-S]Nachricht speichern unter
,Gruppe schließen
.Gruppe öffnen
[Strg-,]Alle Gruppen schließen
[Strg-.]Alle Gruppen öffnen

Tipp: Brett und Figuren in Knights einstellen

Seit KDE 3.0 enhalten manche Distributionen die Schachoberfläche Knights. Sie zeigt statt der üblichen Figuren Pinguine auf dem Brett. Alle schwarz und weiß, ist der Spieler nie ganz sicher, welche Figuren seine sind: Sie unterscheiden sich lediglich durch die Kopfbedeckung -- die weißen haben silberne, die schwarzen goldene Hütchen. Die Türme sind als Iglus dargestellt -- und so noch am ehesten zu erkennen. Selbst manchem Linux-Freund mag es bei dem Anblick kalt den Rücken hinunterlaufen (Abbildung 3).

Diesem Knightsmare bereiten Sie so ein Ende: Wählen Sie Einstellungen / Knights konfigurieren und wechseln ins Menü Anzeige. Auf der Registerkarte Allgemein wählen Sie unter Figuren-Themes ein anderes, etwa eine der in Diagrammen typischen Figurendarstellungen Classic, Modern oder XBoard.

Anschließend können Sie unter Brett-Themes die anfängliche, winterliche Darstellung ändern. Wenn Sie die Kennzeichnung der Felder bevorzugen, bieten sich die Themes Default oder FritzLook an; Pale Wood oder XBoard sind geeignete Alternativen ohne Notation.

Abb. 3: Auf so eine Partie lassen sich nur wirklich linuxoide Schachspieler ein.

Tipp: Knights schlagen in fünf Zügen

Knights ist nur die grafische Oberfläche des Computerschachs, die Intelligenz steckt darunter in einer so genannten Schach-Engine. Hier sind Partien gespeichert, Züge und Regeln. In SuSE 9.0 etwa arbeitet hinter Knights die Schach-Engine Phalanx XXII. Vom Spielstil her lehnt Sie sich an den ehemaligen Weltmeister Michail Tal an. Phalanx spielt normalerweise recht stark (ELO zirka 2400). Doch nach folgenden Spielzügen setzt bei der Engine das Denken aus:

1. e4 c5
2. Nf3 d6

Ein italienischer Auftakt von Weiß, der aufs Zentrum zielt. Schwarz zieht den C-Bauern und bedroht damit das für ihn noch weit entfernte Zentrumsfeld d4. Weiß hüpft mit dem Springer auf f3, um seinerseits d4 in Augenschein zu nehmen, aber gleichzeitig Druck auf e5 auszuüben, auf das der E-Bauer vorrücken könnte. Schwarz hält mit seinem D-Bauern dagegen, und deckt zusätzlich den Kollegen auf der C-Linie.

3. d3 Nc6
4. Nc3 e5

Weiß treibt die Entwicklung voran, zieht mit dem D-Bauern, um den Zentrumsbauern zu unterstützen. Schwarz hält mit dem Springer am Damenflügel dagegen. Weiß zieht synchron seinen Springer und Schwarz stößt daraufhin mit dem E-Bauern ins Zentrum vor.

5. Nd5

Mit diesem Zug setzt sich der weiße Springer ins gemachte Nest und droht auf c7 mit Schach und Turmverlust. Der schwarze Bauer auf d6 schottet ihnen gegen eine furiose Damen-Attacke ab. Er selbst kontrolliert b6 und c7 und gemeinsam mit seinem Kollegen die Diagonale bis h4. Schwarz ist irritiert. Und anstatt selbst den zweiten Springer aufs Feld zu bringen, nimmt ihn diese Stellung so mit, dass er keinen Zug mehr schafft.

Wenn Sie diese Kurzpartie nachspielen wollen, sollten Sie vor dem Spielstart die Grundstellung speichern. Diese Datei laden Sie in einen Editor. In der letzten Zeile steht ein Leerzeichen und ein Sternchen ( *). Vor dem Leerzeichen tragen Sie die folgende Zugfolge ein, sodass die Zeile hinterher so aussieht:

1. e4 c5 2. Nf3 d6 3. d3 Nc6 4. Nc3 e5 5. Nd5 *

Speichern Sie die Datei und laden sie mit Datei / Load Match. Lehnen Sie sich zurück, verfolgen die Züge und genießen dann, wie Schwarz die Zeit davon läuft (Abbildung 4).

Abb. 4: Fehler in der Maschine: Nach dieser Zugfolge klemmt bei der Schach-Engine Phalanx XXII der Denkapparat.

Tipp: Reguläre Ausdrücke zeichnen

Reguläre Ausdrücke sind ein prima Werkzeug fürs Suchen und Ersetzen von Textstellen. Doch so mächtig sie auch sind, so kompliziert erscheinen Sie demjenigen, der mit ihnen das erste Mal konfrontiert ist. Da hilft Kregexpeditor, der Editor für reguläre Ausdrücke aus dem kdeutils-Paket (Abbildung 5). Mit diesem können Sie reguläre Ausdrücke auf eindeutige Weise zeichnen. Das ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn Sie im E-Mail-Programm KMail Filterkriterien definieren mit den Bedingungen passt auf regulären Ausdruck bzw. passt nicht auf regulären Ausdruck.

Abb. 5: Mit dem Editor für reguläre Ausdrücke beherrschen Sie dieses mächtige Werkzeug.

Tipp: Aufbau des Editors anpassen

Der Editor für reguläre Ausdrücke besteht aus folgenden Elementen: In der Mitte ist rechts der Arbeitsbereich, in dem der reguläre Ausdruck gezeichnet wird. Links daneben steht das Menü Compound Regular Expression (zu dt. "zusammengesetzter regulärer Ausdruck")

Oberhalb des Arbeitsbereichs stehen zwei Werkzeugleisten. Die eine enthält Bearbeitungsfunktionen für reguläre Ausdrücke (siehe Kasten "Die Bearbeitungsfunktionen richtig nutzen"), die untere die üblichen Edititerbefehle zum Kopieren, Ausschneiden, Speichern und Rückgängigmachen.

Unterhalb des Arbeitsbereichs steht der reguläre Ausdruck in ASCII-Notation. Änderungen im Arbeitsbereich werden hier sofort angezeigt. Sie können aber auch direkt die ASCII-Notation des regulären Ausdrucks ändern.

Die beiden Symbolleisten und das Menü Compound Regular Expression können Sie anders platzieren (Abbildung 6). Dazu zeigen Sie mit der linken Maustaste auf die jeweilige blaue Griffleiste und verschieben sie bei gedrückter Maustaste. Andocken können sie aber nur oben und links im Programmfenster.

Wenn Sie stattdessen doppelt auf die Griffleiste klicken, wird die entsprechende Symbolleiste bzw. das Menü freischwebend, und Sie können sie überall auf dem Desktop verschieben. Ein weiterer Doppelklick bringt sie zurück in die alte Position.

Abb. 6: Die zwei Symbolleisten und das Menü "Compound Regular Expression" können Sie beliebig auf der Arbeitsoberfläche verschieben.
Kasten 2: Die Bearbeitungsfunktionen richtig nutzen
Mit Hilfe der Bearbeitungsfunktionen des Editors für reguläre Ausdrücke können Sie leicht einen regulären Ausdruck erstellen. Es gibt insgesamt dreizehn Bearbeitungsfunktionen (von links nach rechts):
AuswahlDamit wählen Sie Elemente des regulären Ausdrucks aus, die Sie anschließend löschen, kopieren oder sichern wollen.
TextfeldMit diesem Werkzeug fügen Sie ein Textfeld ein, in das Sie schreiben können. Der Inhalt wird auf wörtliche Übereinstimmung geprüft.
BuchstabenwerkzeugDamit prüfen Sie Zeichenbereiche, zum Beispiel alle Buchstaben zwischen a und z oder alle Zahlen zwischen 0 und 9.
Beliebiges ZeichenDient dazu, den regulären Ausdruck "Punkt" (.) einzufügen. Dieser entspricht jedem beliebigen Zeichen.
Wiederholter InhaltDient zum Wiederholen von Teilausdrücken. Beim Einfügen mit diesem Werkzeug erscheint ein Dialogfenster, in dem Sie die Anzahl der Wiederholungen wählen können.
AlternativenDieses Werkzeug prüft auf Übereinstimmung mit einer der Alternativen. Der reguläre Ausdruck für die Alternative ist der senkrechte Strich (|). Alle Alternativen werden im Arbeitsbereich untereinander gezeichnet.
Zusammengesetzter regulärer AusdruckDieses Element hat zwei Einsatzzwecke: Sie verkleinern damit ein größeres Element eines regulären Ausdrucks auf ein kleines Fenster, um mehr Übersicht zu behalten. Es hilft auch dabei, reguläre Ausdrücke wie in einer Box zu speichern. Diese können Sie dann laden, ohne sich um den Inhalt kümmern zu müssen.
Zeilenanfangfindet den Zeilenanfang.
Zeilenendefindet das Zeilenende.
Wortgrenzesichert eine Wortgrenze zu, prüft aber keine Zeichen nach.
Nichtwort-Grenzesichert eine so genannte Nichtwortgrenze zu, prüft aber keine Zeichen nach.
Positive Zusicherung sichert einen regulären Ausdruck zu, prüft aber keine Zeichen nach.
Negative Zusicherungsichert einen regulären Ausdruck zu, der nicht zutrifft, aber prüft keine Zeichen nach.
Mit Wortgrenzen können Sie nach einem einzelnen Wort suchen; Nichtwortgrenzen hingegen dienen der Suche nach einem Wortteil. Die vorausschauenden Werkzeuge Positive Zusicherung und Negative Zusicherung definieren entweder einen positiven oder negativen regulären Ausdruck. Der gefundene Teilausdruck selbst ist jedoch nicht Teil der gesamten gefundenen Zeichenkette. Damit können Sie Elemente suchen wie etwa das Kaufmanns-Und in HTML-Dateien, das einen Umlaut maskiert (zum Beispiel ä) -- im Gegensatz zum normalen Kaufmanns-Und (&). Hinweis: Vorausschauende reguläre Ausdrücke dürfen nur am Ende von regulären Ausdrücken benutzt werden. Der Editor für reguläre Ausdrücke erzwingt dies jedoch nicht, so dass Sie selbst darauf achten müssen, diese nicht an falscher Stelle einzusetzen.

Tipp: Regulären Ausdruck für Spam definieren

Im KMail können Sie Mails über Einstellungen / Filter einrichten nach bestimmten Kriterien filtern. Wenn Sie zum Beispiel Spam filtern wollen, definieren Sie dafür eine Filterbedingung. Soll zum Beispiel alles im Mülleimer landen, was "money" (englisch für "Geld") in der Betreffzeile enthält, dann wählen Sie als Filterbedingungen Subject und enthält und schreiben den Suchausdruck hinein. Sehr gut ist dieser Filter allerdings nicht, denn er lässt "Money" oder "MONEY" durch.

Bevor Sie nun drei verschiedene und für jede andere Variante eine weitere Filterregel definieren, nutzen Sie dafür lieber einen regulären Ausdruck. Wählen Sie statt enthält das Kriterium passt auf regulären Ausdruck und öffnen dann mit Bearbeiten den Editor für reguläre Ausdrücke. Ehe Sie einfach drauf losschreiben, sollten Sie überlegen, welche Kriterien die Abfrage erfüllen muss -- und wie dann der reguläre Ausdruck aussehen sollte, der alle Eventualitäten berücksichtigt: "Money" kann groß, klein oder gemischt geschrieben sein; selbst gesperrt oder mit beiebigen Zeichen getrennt kommt Spam häufig vor.

Jeder Buchstabe kann sowohl groß oder klein geschrieben werden. Das müssen Sie also für jeden Buchstaben definieren. Klicken Sie auf das Buchstabenwerkzeug -- die dritte Schaltfläche von links in der oberen Symbolleiste -- und anschließend in den Arbeitsbereich. Daraufhin erscheint der Dialog Zeichen angeben, in dem Sie im ersten freien Feld im Bereich Einzelne Zeichen zunächst ein M und darunter m eingeben (Abbildung 7). Bestätigen Sie mit OK, um zum Editor zurückzukehren.

Klicken Sie abermals auf das Buchstabenwerkzeug und dann hinter den Eintrag Eines der folgenden Zeichen. Geben Sie im folgenden Dialogfenster die Buchstaben O und o ein und bestätigen mit OK. Dieses Prozedere wiederholen Sie auch für den restlichen Teil des Worts (Abbildung 8). Damit erhalten Sie einen regulären Ausdruck, der alle möglichen groß, klein und gemischt geschriebenen Varianten prüfen kann. Bestätigen Sie abschließend mit OK.

Abb. 7: Wenn Sie auf eines von mehreren Zeichen prüfen, liegen Sie mit der Bearbeitungsfunktion "Buchstabenwerkzeug" genau richtig.

Abb. 8: MONEY, Money, money: Alle erdenklichen Schreibvarianten filtert dieser reguläre Ausdruck aus.

Tipp: Spam-Filter erweitern

Der im Trick Regulären Ausdruck für Spam definieren vorgestellte Ausdruck prüft und filtert zwar "Money", "MONEY" und "money" sowie sämtliche vorstellbaren Kombinationen. Mit Betreffzeilen wie "M*O*N*E*Y" oder "M-/-O-/-N-/-E-/-Y" kann dieser reguläre Ausdruck nichts anfangen und lässt die Mail passieren.

Erweitern Sie also den bereits erstellten regulären Ausdruck: Wählen Sie Einstellungen / Filter einrichten und suchen den Money-Filter heraus. Klicken Sie in den Filterbedingungen auf Bearbeiten, um den Editor für reguläre Ausdrücke zu öffnen.

Da im genannten Beispiel schon zwei verschiedene Varianten mit einem und mehreren Zeichen vorkommen, sollten Sie das im regulären Ausdruck auch berücksichtigen. Klicken Sie daher auf Wiederholter Inhalt (das fünfte Symbol von links) und dann zwischen die ersten beiden Kästchen mit Eines der folgenden Zeichen. Daraufhin öffnet sich das Dialogfenster Anzahl Wiederholungen des Inhalts. Hier legen Sie fest, wie oft ein Zeichen wiederholt werden darf: kein Mal; mindestens ein Mal; höchstens, genau oder zwischen so und so viel Mal. Die Voreinstellung Beliebig viele (inkl. Null mal) ist die gewünschte Option, daher bestätigen Sie mit OK.

Im Arbeitsbereich erscheint ein Kästchen mit dem Titel Beliebig oft wiederholt. Klicken Sie auf Beliebiges Zeichen (die vierte Bearbeitungsfunktion von links), und anschließend in das Kästchen Beliebig oft wiederholt. So wird dieses ineinander geschachtelt und Sie haben einen regulären Ausdruck erzeugt, der beliebig oft wiederholte Zeichen auffängt (Abbildung 9).

Diesen Ausdruck markieren Sie mit der Maus und fügen ihn mit Hilfe des Befehls Einfügen (aus der Symbolleiste oder dem Kontextmenü) ebenfalls hinter die anderen Buchstaben ein (Abbildung 10). Mit OK kehren Sie anschließend zurück zu KMail.

Abb. 9: Mit diesem Ausdruck werden irgendwelche Zeichen beliebig oft wiederholt.

Abb. 10: Der reguläre Ausdruck wird mit dem Einfügen-Befehl auch zwischen den anderen Buchstaben platziert.

Tipp: Spam-Filter verfeinern

Der reguläre Ausdruck im vorigen Tipp "Spam-Filter erweitern" hat noch einen kleinen Schönheitsfehler: Wenn Sie zum Beispiel in Monterey, Kalifornien, Urlaub machen wollen und auf die Bestätigung vom Reisebüro warten, werden Sie lange warten. Denn der reguläre Ausdruck [Mm].*[Oo].*[Nn].*[Ee].*[Yy] filtert auch das Wort "Monterey" aus.

Wenn Sie den Spam-Filter verfeinern wollen, wählen Sie im Filterregeln-Dialog den den Filter und klicken auf Bearbeiten, um den Editor für reguläre Ausdrücke zu öffnen. Markieren Sie in der ersten Schachtelung (Abbildung 11) das Element Irgendein Zeichen und löschen es mit dem Befehl Ausschneiden oder [Entf].

Nun klicken Sie auf das Buchstabenwerkzeug und anschließend in das Kästchen Beliebig oft wiederholt. Im folgenden Dialogfenster Zeichen angeben markieren Sie Kein Buchstabe und Keine Ziffer und klicken auf OK. Damit fügen Sie in den regulären Ausdruck so genannte Nicht-Wortzeichen ein. In diesem Fall sind das alle Zeichen außer den Klein- und Großbuchstaben sowie den Ziffern 0 bis 9.

Diesen verschachtelten Ausdruck markieren Sie, Kopieren ihn und fügen ihn anstelle der anderen Verschachtelung zwischen den Buchstabengruppen ein. Damit haben Sie letztlich den mittlerweile nicht mehr leicht zu lesenden regulären Ausdruck [Mm][\D\W]*[Oo][\D\W]*[Nn][\D\W]*[Ee][\D\W]*[Yy] gezeichnet, der dann auch den Monterey-Fall nicht berührt.

Abb. 11: Markieren Sie das Element Irgendein Zeichen und löschen es aus der Verschachtelung.

Abb. 12: Im Dialogfenster "Zeichen angeben" wählen Sie die Nicht-Wortzeichen "Kein Buchstabe" und "Keine Ziffer". Rechts daneben, das untere "Ein Leerzeichen", ist ein Schreibfehler -- es ist kein Leerzeichen gemeint.

Tipp: Kein Geld, kein Sex

Den regulären "Money"-Ausdruck aus dem Tipp "Spam-Filter verfeinern" können Sie noch um die "Sex"-Komponente erweitern, die auch immer wieder in Spam-Mails auftaucht. Dazu öffnen Sie im Filterregeln-Dialog über Bearbeiten den Editor für reguläre Ausdrücke. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das erste Kästchen mit der Überschrift Eines der folgenden Zeichen und wählen im Kontextmenü den Befehl Bearbeiten. Im folgenden Dialogfenster Zeichen angeben fügen Sie im Bereich Einzelne Zeichen ein großes und ein kleines S hinzu und bestätigen mit OK (Abbildung 13).

Das Gleiche machen Sie auch bei den zwei übernächsten Kästchen. Zur Oo-Kombination fügen Sie E und e hinzu, zur Nn-Kombination X und x. Damit filtern Sie Kombinationen wie "Money", "SOXEY" oder "s*e*xey", aber noch nicht "sex" oder "S*E*X".

Das erreichen Sie, indem Sie dem Rest die Wahl lassen, ob er vorkommt oder nicht. Klicken Sie auf das Werkzeug Wiederholter Inhalt (das fünfte von links) und dann hinter das Kästchen mit der NnXx-Kombination. Im folgenden Dialog schalten Sie die Option Höchstens 1 mal ein und bestätigen mit OK. (Hinweis: Aufgrund eines Programmierfehlers ist das neue Kästchen statt mit Maximal mit Mindestens 1 mal wiederholt überschrieben. Der reguläre Ausdruck ist aber korrekt.)

Nun markieren Sie die folgenden vier Kästchen und klicken auf Ausschneiden. Dann wählen Sie Einfügen und klicken in das Kästchen Mindestens 1 mal wiederholt. Damit ist der reguläre Ausdruck fertig (Abbildung 14), und Sie kehren mit OK zurück zu KMail.

Sie haben jetzt den regulären Ausdruck [MmSs][\D\W]*[OoEe][\D\W]*[NnXx]([\D\W]*[Ee][\D\W]*[Yy])? erzeugt, mit dem Sie Betreffzeilen mit "Money" und "Sex" in beliebiger Kombination filtern können.

Doch der Weisheit letzter Schluss ist selbst dieser komplexe reguläre Ausdruck nicht, da auch Kombination wie "Son", "Mon" und "Mex" ausgefiltert werden. Mails mit Betreffzeilen wie "Montag fliegen Monika und ich nach Mexiko -- Sonne tanken" landen also auch beim Spam. Bevor Sie jetzt den Filter noch weiter verfeinern wollen, legen Sie vielleicht besser einen Spam-Ordner an, den Sie regelmäßig auf ungewollt ausgefilterte Mails untersuchen (siehe dazu den Tipp "Spezialordner für Spam anlegen"). (fan)

Abb. 13: Tragen Sie unter "Einzelne Zeichen" ein großes und ein kleines "S" nach.

Abb. 14: Ab so einer Schachtelungstiefe lernt man den Editor für reguläre Ausdrücke zu schätzen.

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