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von Andrea Müller
Den Datei-Manager Midnight Commander müssen Sie nicht beenden, um zwischendurch im selben Terminal-Fenster einen anderen Befehl aufzurufen. Mit dem Tastenkürzel [Strg-o] schalten Sie Midnight Commander in den Hintergrund. Dort läuft er weiter und wartet darauf, dass Sie ihn mit einem erneuten [Strg-o] zurück in den Vordergrund holen.
Bei Konfigurationsdateien fällt das Problem nicht auf, aber spätestens bei deutschen Texten sehen Sie, dass mcedit, der Text-Editor des Midnight Commander, statt der eingegebenen Umlaute seltsame Zeichen oder gar nichts anzeigt. Die deutschen Umlaute bringen Sie ihm in den Optionen bei. Starten Sie den Midnight Commander mit dem Befehl mc. Der passende Dialog verbirgt sich hinter Optionen / Darstellungsbits. Drücken Sie [F9], um zum Menü zu wechseln. Navigieren Sie mit [Pfeil rechts] bis zum Punkt Optionen und klappen Sie ihn mit [Pfeil unten] aus. Mit derselben Taste geht es weiter bis Darstellungsbits. Ein [Enter] öffnet den Konfigurationsdialog. Wechseln Sie mit den Pfeiltasten zu Komplette 8-Bit Eingabe und setzen Sie mit der Leertaste ein Häkchen davor (Abbildung 1). Öffnen Sie mit [Enter] die Auswahl hinter Codepage eingeben / anzeigen. In der neu geöffneten Liste wählen Sie mit [Enter] ISO 8859-1. Wechseln Sie nun mit den Pfeiltasten oder [Tab] zu OK und bestätigen Sie mit [Enter].
Wer der Tastenakrobatik nichts abgewinnen kann, benutzt ebenso wie in grafischen Anwendungen seine Maus zur Auswahl der Menüoptionen. Ab jetzt stellt mcedit Umlaute richtig dar, wie im Vorher-Nachher-Beispiel in Abbildung 2 zu sehen.
Werden Sie aus der Manpage eines installierten Programms nicht recht schlau, lohnt es sich, zusätzliche Dokumentation aufzuspüren. Oft bringen Programme noch weitere Hilfedateien mit. Wo diese liegen, verrät Ihnen das Paketverwaltungsprogramm rpm.
Mit dem Parameter --docfiles listet rpm alle Dateien auf, die als Dokumentation gekennzeichnet sind. Um herauszufinden, was der Midnight Commander an Hilfedateien im Gepäck hat, lautet der Befehl
rpm -q --docfiles mc
-q legt fest, dass Sie eine Abfrage ("query") starten wollen, mit --docfiles grenzen Sie Ihren Informationswunsch auf die Dokumentation ein. Tatsächlich bringt das Programm außer der Manpage noch eine README-Datei und ein FAQ mit. In README finden Sie meistens eine allgemeine Beschreibung des Programms und seiner Features, das FAQ enthält oft gestellte Fragen inklusive Antworten. rpm zeigt den vollen Pfad zur Dokumentation an (Abbildung 3), in der Sie mit einem Anzeigeprogramm wie less oder auch der Dateivorschau von Konqueror schmökern.
Einen Haken hat die Sache allerdings: Die meisten README-Dateien oder FAQs gibt es nur in Englisch. Lokalisierte Versionen erkennen Sie meistens daran, dass die Dateien README.de oder FAQ.de heißen.
Fragen Sie in Newsgroups oder beim lokalen Linux-Guru um Hilfe zu einem Programm, kommt oft die Gegenfrage: "Was steht denn in der Konfigurationsdatei?" Um diese Information zu liefern, müssen Sie die systemweiten Einstellungen eines Programms erst einmal finden. Dabei hilft Ihnen ebenfalls die Paketverwaltung. Ein rpm -q --configfiles paketname listet die zugehörigen Konfigurationsdateien auf. So erfahren Sie mit rpm -q --configfiles openssh-server, wo Sie die Einstellungen des SSH-Dienstes [1] anpassen.
Wer gelegentlich mit [Strg-Alt-F1] einen Ausflug in den Textmodus unternimmt (zurück zur grafischen Oberfläche geht es wieder mit [Alt-F7]), hat vielleicht schon bemerkt, dass man Mandrake Linux dort kein Eurozeichen entlocken kann. Stattdessen sehen Sie nur Fragezeichen. Schuld ist eine falsch gewählte Systemschriftart für den Textmodus, in der das Eurozeichen fehlt. Das ist jedoch schnell repariert.

Beim nächsten Booten lädt Mandrake die neue Schriftart automatisch, und Sie können auch im Textmodus das Eurozeichen eingeben.
Komprimierte Textdateien mit der Endung .gz, zum Beispiel alte Logfiles, müssen Sie nicht erst auspacken, um einen Blick hineinzuwerfen. Stattdessen zeigen Sie sie mit zless text.gz an. zless funktioniert genau wie less: Mit [Bild hoch] und [Bild runter] blättern Sie im Text. Sind Sie fertig mit Lesen, beenden Sie zless mit [q].
Das Werkzeug zum Durchsuchen gepackter Textdateien heißt zgrep. Sie rufen es genauso wie den normalen grep-Befehl [2] auf:
zgrep suchbegriff text.gz
sucht in der gz-Datei nach suchbegriff. Das Programm unterscheidet zwischen Groß- und Kleinschreibung. Kennen Sie die genaue Schreibweise nicht, verwenden Sie den Parameter -i. Ein zgrep -i linux text.gz findet sowohl "linux" als auch "Linux".
Eine schnelle Möglichkeit, auf der Kommandozeile ein Paket nachzuinstallieren, bietet unter Mandrake Linux das Programm urpmi. Alles, was Sie wissen müssen, ist der Name des gewünschten Pakets. urpmi darf nur der Administrator aufrufen; melden Sie sich also zuerst mit su als root an. urpmi paketname stößt den Installationsprozess an. Mit urpmi -i mc spielen Sie z. B. den Midnight Commander ein. Das Programm prüft die Abhängigkeiten, informiert Sie, ob weitere Software gebraucht wird, und fordert die benötigten Installations-CDs an.
Selbst wenn Sie den Namen eines Pakets nicht genau kennen, ist das kein Beinbruch. Ein urpmi moz durchsucht alle Paketnamen nach der Zeichenfolge moz und zeigt die Treffer an. In dieser Liste suchen Sie den richtigen Namen heraus und spielen die Software danach mit Angabe des vollständigen Namens ein, z. B. urpmi mozilla-mail, wenn Sie das E-Mail-Programm der Mozilla-Suite benutzen wollen.
Wer denkt, Bildbearbeitung in der Shell sei nicht möglich, kennt convert noch nicht. Das praktische Tool aus dem Paket ImageMagick ist eine Art Schweizer Messer für Bildbearbeitung auf der Kommandozeile. Wie Sie es unter Mandrake und SuSE Linux nachinstallieren, erfahren Sie unter [3].
convert beherrscht unter anderem einige Effekte und macht aus Ihren Fotos eine Kohlezeichnung. Der Aufruf ist simpel:
convert -charcoal 0.3 urlaubsbild.png kohlezeichnung.png
charcoal ist der Effekt, den convert anwenden soll, 0.3 legt die gewünschte Intensität fest. Je nach Bild müssen Sie hier ein wenig experimentieren. Gute Ergebnisse erzielen Werte von 0.1 bis 2; höhere Werte ergeben dickere Striche und eignen sich gut für Bilder mit vielen geraden Kanten. urlaubsbild.png ist die Datei, die convert bearbeiten soll. Da man diese in aller Regel behalten will, folgt mit kohlezeichnung.png der Name der Ausgabedatei.
Das Ergebnis (Abbildung 4) kontrollieren Sie mit einem Bildbetrachter oder in der Vorschauansicht von Konqueror. (eba)
| Infos[1] |
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[1] Heike Jurzik: "Richtig verbunden", EasyLinux 11/1003, S. 18 ff.
[2] Elisabeth Bauer: "Text fischen", EasyLinux 10/2003, S. 74 f. [3] Andrea Müller: "Shell-Tipps", EasyLinux 1/2004, S. 69 ff. http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/01/069-shell-tipps/ |
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Last modified: 2007-01-25 17:06
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