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Erschienen in EasyLinux 04/2004   »   Ausgabe bestellen

Analoge TV-Karten einrichten

Schaufenster

Mirko Dölle


Analoge Fernsehkarten sind für wenige Euro zu haben und funktionieren den heimischen PC zum Zweitfernseher um. Wir erklären die Einrichtung bei den gängigen Distributionen.

Der Computer als zweiter Fernseher lässt sich mit einer einfachen analogen TV-Karte für rund 50 Euro realisieren. Das Angebot an TV-Karten ist riesig, doch längst nicht alle lassen sich unter Linux in Betrieb nehmen. Entscheidend für die Linux-Unterstützung sind der Chipsatz sowie der Tuner der Karte.

Die Linux-Unterstützung umfasst im Wesentlichen die Bt-848-Familie und deren Nachfolger Fusion 878 von Conexant (ehemals Booktree). Vor dem Kauf sollte man also unbedingt prüfen, ob es sich um einen Chip aus der 848- oder 878-Familie handelt, andere werden in aller Regel nicht unterstützt.

Schneller Chipwechsel

Ein großes Problem bei der Kaufempfehlung ist, dass die Chipsätze sehr schnell gewechselt werden. Teilweise geben die Hersteller den verwendeten Chip nicht einmal mehr an, so dass im schlimmsten Fall zwei neben einander stehende, von außen identische Kartons völlig unterschiedliche Chipsätze haben.

Aus diesem Grund empfiehlt die Redaktion die Hauppauge WinTV Express (Abbildung 1), die als einzige aus Hauppauges Produktpalette mit einem Conexant Fusion 878A ausgerüstet ist; die Karte kostet je nach Anbieter 40 bis 50 Euro. Andere Karten wie die Hauppauge WinTV Go 2 oder PCI FM haben einen Conexant 881 und werden von den aktuellen Distributionen nicht unterstützt -- was Hauppauge auf seiner Homepage auch vorbildlich beschreibt. Insgesamt steht Hauppauge Linux sehr offen gegenüber und unterstützt zum Beispiel einige Entwickler mit Hardware.

Abbildung 1: Die Hauppauge WinTV Express ist die letzte Karte in Hauppauges Produktfamilie, die mit dem Fusion-878-Chipsatz von Conexant ausgestattet ist und von Linux unterstützt wird.

Die Hauppauge WinTV Express wird entweder direkt mit der Antenne verbunden, oder über den Composite-Video- und Audioeingang mit einem Videorecorder oder anderen Hifi-Gerät. Der Audioausgang der TV-Karte sollte an den Line-Eingang der Soundkarte angeschlossen werden, ein entsprechendes Kabel liegt der Hauppauge WinTV Express allerdings nicht bei. Auch gibt es keine Anschlussmöglichkeit für ein internes Audiokabel.

SuSE Linux

Die Einrichtung der TV-Karte unter SuSE Linux 8.2 und 9.0 ist identisch und sehr einfach. Sofern die TV-Karte nicht bereits bei der Installation der Distribution eingerichtet wurde, meldet die Hardwareerkennung nach dem ersten Login des Standardbenutzers ein neues Gerät. Klicken Sie auf Ja, um die Einrichtung zu starten.

  1. In der Liste der verfügbaren TV- und Radiokarten wird die Hauppauge WinTV Express korrekt erkannt. Klicken Sie auf Konfigurieren.
  1. Der Audioausgang der TV-Karte sollte wie beschrieben mit dem Line-Eingang der Soundkarte verbunden sein. Mit der Schaltfläche Soundkarten konfigurieren können Sie den Pegel des Line-Eingangs Ihrer Soundkarte erhöhen, er steht standardmäßig auf Null und ist damit abgeschaltet. Dies geht alternativ auch über das Lautsprechersymbol rechts in der KDE-Leiste. Klicken Sie auf Weiter.

  1. Damit ist die Einrichtung bereits abgeschlossen, klicken Sie auf Beenden.

Mit einem Klick auf das Fernsehersymbol auf dem Desktop starten Sie das sehr komfortable Fernsehprogramm KWinTV. Leider ist das Programm komplett in Englisch gehalten, eine deutsche Übersetzung gibt es noch nicht. Beim ersten Aufruf startet KWinTV den ScanWizzard, der die Kanalliste anlegt:

  1. Klicken Sie am Begrüßungsbildschirm auf Next.
  1. Der erste Dialog fragt die Fernsehnorm ab, stellen PAL ein und klicken Sie auf Next.

  1. Der nächste Dialog hat standardmäßig die Option Scan whole frequency band aktiviert, womit der gesamte Frequenzbereich der Karte nach Fernsehsendern abgesucht wird. Klicken Sie auf Next.

  1. Nun erscheint die Frequenzanzeige, sie steht auf 40 MHz. Klicken Sie auf Start, und ScanWizzard sucht nach Fernsehkanälen. Im Fernsehfenster können Sie sehen, wie die einzelnen Kanäle durchlaufen (Abbildung 2).
  1. Der Scan endet bei 1024 MHz und sollte etliche Kanäle gefunden haben, die Gesamtzahl der erkannten Fernsehkanäle steht im Feld Programs found. Wurde kein einziger Kanal gefunden, prüfen Sie bitte die Antennenleitung und beginnen Sie den Scan von vorn. Ansonsten klicken Sie auf Next.

Abbildung 2: Der ScanWizzard von KWinTV sucht komfortabel nach Fernsehsendern und zeigt die aktuelle Frequenz an. Im Fernsehfenster ist der gerade eingestellte Kanal zu sehen.

Die Kanalliste ist gespeichert, der Fernseher wird jedoch kein Programm anzeigen. Wechseln Sie einfach mit den grünen Pfeilen neben der Kanalnummer den Sender, dann wird der Tuner korrekt eingestellt.

Mandrake Linux 9.2

Die TV-Karten-Einrichtung unter Mandrake Linux 9.2 ist fast so einfach wie bei SuSE Linux 9.0 -- wäre da nicht ein großes Problem mit den Dateirechten, das einiges an Nacharbeit erfordert.

  1. Melden Sie sich an der grafischen Oberfläche als root an und wählen Sie als Sitzungsart KDE.
  1. Drücken Sie [Alt-F2] und lassen Sie den Befehl "drakconf" ausführen.
  1. Im Mandrake-Kontrollzentrum doppelklicken Sie in der Rubrik Hardware den Punkt DrakxTV. Es startet das TV-Karten-Einrichtungsprogramm.
  1. Lassen Sie den Karten- und Tuner-Typ auf Autoerkennung stehen und klicken Sie auf OK. Das Programm installiert nun einige Pakete von der DVD des Starter-Kits nach.

  1. Bei der Fernsehnorm im nächsten Dialog wählen Sie PAL und bei der Region Westeuropa.

  1. In einem Konsolenfenster wird nun nach Fernsehsendern gesucht (Abbildung 3).
  1. Zum Abschluss der Installation wird das Symbol des Fernsehprogramms XawTV auf dem Desktop abgelegt.

Abbildung 3: Mandrake Linux benutzt das Kommandozeilenprogramm scantv, um die Senderliste aufzubauen. Die Sendersuche wird bei der Einrichtung automatisch gestartet.

Im jetzigen Zustand kann das Fernsehprogramm XawTV nur von root benutzt werden, da die Kanalliste in seinem Heimverzeichnis abgelegt und nur für ihn lesbar ist. Zudem erscheint das XawTV-Symbol auf dem Desktop aller Benutzer, lässt sich aber nicht löschen. Mit den folgenden Schritten kopieren Sie die Kanalliste in das Heimverzeichnis Ihres Standardbenutzers und legen dort auch die Verknüpfung zu XawTV ab. Dazu benötigen Sie weiterhin Administratorprivilegien.

  1. Klicken Sie auf das Haus-Symbol in der KDE-Leiste, daraufhin wird der Konqueror geöffnet.
  1. Aktivieren Sie im Menü Ansicht des Konquerors Versteckte Dateien anzeigen.
  1. Kopieren Sie die Datei .xawtv in das Heimverzeichnis Ihres Standardbenutzers, das sich unterhalb von /home befindet.
  1. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die kopierte Datei im Heimverzeichnis des Standardbenutzers und wählen Sie Eigenschaften.
  1. Im Register Berechtigungen geben Sie für den Eigentümer bei Benutzer und Gruppe jeweils den Benutzernamen Ihres Standardbenutzers ein.

  1. Wechseln Sie in das Verzeichnis /usr/share/apps/kdesktop/Desktop. Dort schneiden Sie die Datei dynamic_dev_v4l_video0_dynamic.desktop aus und legen sie im Heimverzeichnis Ihres Standardbenutzers ab. Anschließend ändern Sie die Eigenschaften der Datei wie in Schritt 5 beschrieben.
  1. Melden Sie sich ab.

Die Einrichtung ist damit abgeschlossen, bei der nächsten Anmeldung liegt das XawTV-Symbol auf dem Desktop des Standardbenutzers. Eine kurze Anleitung zu XawTV finden Sie am Ende des Artikels.

Red Hat 9.0

Die TV-Karten-Einrichtung unter Red Hat Linux 9.0 ist sehr kompliziert, da ein wichtiges Programm der Distribution fehlt: Das Sender-Suchprogramm scantv. In Red Hat Linux 8.0 war scantv noch im Paket xawtv enthalten, warum es nun fehlt, bleibt schleierhaft. Im Ergebnis bedeutet das, dass zwar grundsätzlich die TV-Karte in Betrieb genommen werden kann, die Sender jedoch von Hand gesucht und die betreffenden Konfigurationsdateien manuell hergestellt werden müssten.

Deshalb wird kurzerhand das Paket xawtv von Red Hat Linux 9.0 deinstalliert und gegen das entsprechende Paket inklusive scantv aus Red Hat Linux 8.0 ersetzt.

  1. Melden Sie sich an der grafischen Oberfläche als root an und wählen Sie als Sitzung KDE.
  1. Starten Sie das Programm Hinzufügen/Entfernen von Applikationen im KDE-Menü Systemeinstellungen. Es startet das Paket-Management.
  1. Klicken Sie bei der Paketgruppe Sound und Video auf Details.
  1. In der Liste der Pakete, die in einem neuen Fenster dargestellt wird, entfernen Sie den Haken vor xawtv und schließen das Fenster.
  1. Klicken Sie im Paket-Management auf Aktualisierung, das Paket wird nun deinstalliert. Anschließend beenden Sie das Programm.

Damit ist XawTV von Red Hat Linux 9.0 deinstalliert, in den nächsten Schritten laden Sie das Paket der Vorgängerversion Red Hat Linux 8.0 herunter:

  1. Doppelklicken Sie das Symbol Persönliches Verzeichnis auf dem Desktop, woraufhin der Browser Konqueror gestartet wird. Im Adressfeld geben Sie nun folgendes ein: ftp://rpmfind.net/linux/redhat/8.0/en/os/i386/RedHat/RPMS/xawtv-3.74-4.i386.rpm
  1. Der Konqueror fragt, ob das Paket mit Install Packages geöffnet werden soll. Klicken Sie auf "Speichern unter", das Verzeichnis ist standardmäßig /root/.
  1. Das Paket wird heruntergeladen und im Heimverzeichnis des Benutzers root abgelegt.

Jetzt folgt die Installation und Einrichtung der alten XawTV-Version. Grundsätzlich ist ein solcher Versions-Mischmasch zweier Distributionen nicht unkritisch, im Falle von XawTV konnten wir jedoch keine Seiteneffekte feststellen. Wie gehabt müssen Sie die Schritte als Benutzer root durchführen.

  1. Drücken Sie [Alt-F2] und lassen Sie den Befehl "konsole" ausführen.
  1. Das XawTV-Paket müssen Sie von Hand installieren mit dem Befehl: rpm -i /root/xawtv-3.74-4.i386.rpm
  1. Kontrollieren Sie nun, ob der Treiber bttv für die TV-Karte korrekt eingebunden wurde. Dazu öffnen Sie den Texteditor im KDE-Menü Zubehör | Weiteres Zubehör und lassen Die Datei /etc/modules.conf laden.
  1. Die Datei muss einen Eintrag alias char-major-81 bttv enthalten -- ist dem nicht so, fügen Sie die Zeile einfach von Hand ein und speichern.

  1. Verlassen Sie den Texteditor und melden Sie sich ab.
  1. Melden Sie sich als normaler Benutzer an der grafischen Oberfläche wieder an.
  1. Drücken Sie [Alt-F2] und lassen Sie den Befehl konsole ausführen.
  1. Starten Sie die Kanalsuche mit dem Befehl scantv -n pal -f europe-west -o .xawtv. Beachten Sie bitte den Punkt am Anfang des Dateinamens .xawtv. Die Ergebnisse werden auf der Konsole ausgegeben (Abbildung 4).

Abbildung 4: Das Suchprogramm scantv ist nicht im Lieferumfang von Red Hat Linux 9.0 enthalten, deshalb muss das gesamte XawTV-Paket gegen das der Version 8.0 ausgetauscht werden.

Damit ist die Einrichtung abgeschlossen. Für XawTV gibt es jedoch kein Symbol im Menü, das müssen Sie von Hand anlegen. In der Zwischenzeit starten Sie das Programm einfach, indem Sie [Alt-F2] drücken und den Befehl xawtv ausführen lassen.

Aktenzeichen XawTV ungelöst

Die Bedienung von XawTV ist überaus kompliziert und gewöhnungsbedürftig, kein Vergleich zu KWinTV von SuSE Linux 9.0. Leider gibt es KWinTV weder für Mandrake Linux 9.2 noch für Red Hat Linux 9.0 in einer lauffähigen Version, SuSE-Linux-Benutzer sind also auch in Puncto TV-Karten klar im Vorteil.

Eine ausführliche Beschreibung von XawTV finden Sie in der Ausgabe 01/2004 auf Seite 36, deshalb hier nur eine Kurzbeschreibung: Ein Klick mit der rechten Maustaste auf das Fernsehbild öffnet und schließt das Hauptmenü, die Kanalliste bekommen Sie mit der Taste [C] und [Q] beendet XawTV.

Multimediadistributionen?

Beim TV-Empfang gibt es bei allen Distributionen noch viel zu tun. Mit KWinTV hat SuSE auf das richtige Pferd gesetzt, das Programm ist komfortabel zu bedienen und leicht verständlich -- sofern man Englisch beherrscht. XawTV hingegen lässt viel zu wünschen übrig, wer es nicht täglich benutzt, wird sich die Bedienung kaum merken können. Besonders schwer wiegt bei Red Hat Linux 9.0, dass das Programm scantv für die Kanalsuche völlig fehlt -- wie soll man da die Fernsehsender finden? (mdö)

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