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Mirko Dölle
Der Computer als zweiter Fernseher lässt sich mit einer einfachen analogen TV-Karte für rund 50 Euro realisieren. Das Angebot an TV-Karten ist riesig, doch längst nicht alle lassen sich unter Linux in Betrieb nehmen. Entscheidend für die Linux-Unterstützung sind der Chipsatz sowie der Tuner der Karte.
Die Linux-Unterstützung umfasst im Wesentlichen die Bt-848-Familie und deren Nachfolger Fusion 878 von Conexant (ehemals Booktree). Vor dem Kauf sollte man also unbedingt prüfen, ob es sich um einen Chip aus der 848- oder 878-Familie handelt, andere werden in aller Regel nicht unterstützt.
Ein großes Problem bei der Kaufempfehlung ist, dass die Chipsätze sehr schnell gewechselt werden. Teilweise geben die Hersteller den verwendeten Chip nicht einmal mehr an, so dass im schlimmsten Fall zwei neben einander stehende, von außen identische Kartons völlig unterschiedliche Chipsätze haben.
Aus diesem Grund empfiehlt die Redaktion die Hauppauge WinTV Express (Abbildung 1), die als einzige aus Hauppauges Produktpalette mit einem Conexant Fusion 878A ausgerüstet ist; die Karte kostet je nach Anbieter 40 bis 50 Euro. Andere Karten wie die Hauppauge WinTV Go 2 oder PCI FM haben einen Conexant 881 und werden von den aktuellen Distributionen nicht unterstützt -- was Hauppauge auf seiner Homepage auch vorbildlich beschreibt. Insgesamt steht Hauppauge Linux sehr offen gegenüber und unterstützt zum Beispiel einige Entwickler mit Hardware.
Die Hauppauge WinTV Express wird entweder direkt mit der Antenne verbunden, oder über den Composite-Video- und Audioeingang mit einem Videorecorder oder anderen Hifi-Gerät. Der Audioausgang der TV-Karte sollte an den Line-Eingang der Soundkarte angeschlossen werden, ein entsprechendes Kabel liegt der Hauppauge WinTV Express allerdings nicht bei. Auch gibt es keine Anschlussmöglichkeit für ein internes Audiokabel.
Die Einrichtung der TV-Karte unter SuSE Linux 8.2 und 9.0 ist identisch und sehr einfach. Sofern die TV-Karte nicht bereits bei der Installation der Distribution eingerichtet wurde, meldet die Hardwareerkennung nach dem ersten Login des Standardbenutzers ein neues Gerät. Klicken Sie auf Ja, um die Einrichtung zu starten.

Mit einem Klick auf das Fernsehersymbol auf dem Desktop starten Sie das sehr komfortable Fernsehprogramm KWinTV. Leider ist das Programm komplett in Englisch gehalten, eine deutsche Übersetzung gibt es noch nicht. Beim ersten Aufruf startet KWinTV den ScanWizzard, der die Kanalliste anlegt:



Die Kanalliste ist gespeichert, der Fernseher wird jedoch kein Programm anzeigen. Wechseln Sie einfach mit den grünen Pfeilen neben der Kanalnummer den Sender, dann wird der Tuner korrekt eingestellt.
Die TV-Karten-Einrichtung unter Mandrake Linux 9.2 ist fast so einfach wie bei SuSE Linux 9.0 -- wäre da nicht ein großes Problem mit den Dateirechten, das einiges an Nacharbeit erfordert.


Im jetzigen Zustand kann das Fernsehprogramm XawTV nur von root benutzt werden, da die Kanalliste in seinem Heimverzeichnis abgelegt und nur für ihn lesbar ist. Zudem erscheint das XawTV-Symbol auf dem Desktop aller Benutzer, lässt sich aber nicht löschen. Mit den folgenden Schritten kopieren Sie die Kanalliste in das Heimverzeichnis Ihres Standardbenutzers und legen dort auch die Verknüpfung zu XawTV ab. Dazu benötigen Sie weiterhin Administratorprivilegien.

Die Einrichtung ist damit abgeschlossen, bei der nächsten Anmeldung liegt das XawTV-Symbol auf dem Desktop des Standardbenutzers. Eine kurze Anleitung zu XawTV finden Sie am Ende des Artikels.
Die TV-Karten-Einrichtung unter Red Hat Linux 9.0 ist sehr kompliziert, da ein wichtiges Programm der Distribution fehlt: Das Sender-Suchprogramm scantv. In Red Hat Linux 8.0 war scantv noch im Paket xawtv enthalten, warum es nun fehlt, bleibt schleierhaft. Im Ergebnis bedeutet das, dass zwar grundsätzlich die TV-Karte in Betrieb genommen werden kann, die Sender jedoch von Hand gesucht und die betreffenden Konfigurationsdateien manuell hergestellt werden müssten.
Deshalb wird kurzerhand das Paket xawtv von Red Hat Linux 9.0 deinstalliert und gegen das entsprechende Paket inklusive scantv aus Red Hat Linux 8.0 ersetzt.
Damit ist XawTV von Red Hat Linux 9.0 deinstalliert, in den nächsten Schritten laden Sie das Paket der Vorgängerversion Red Hat Linux 8.0 herunter:
Jetzt folgt die Installation und Einrichtung der alten XawTV-Version. Grundsätzlich ist ein solcher Versions-Mischmasch zweier Distributionen nicht unkritisch, im Falle von XawTV konnten wir jedoch keine Seiteneffekte feststellen. Wie gehabt müssen Sie die Schritte als Benutzer root durchführen.

Damit ist die Einrichtung abgeschlossen. Für XawTV gibt es jedoch kein Symbol im Menü, das müssen Sie von Hand anlegen. In der Zwischenzeit starten Sie das Programm einfach, indem Sie [Alt-F2] drücken und den Befehl xawtv ausführen lassen.
Die Bedienung von XawTV ist überaus kompliziert und gewöhnungsbedürftig, kein Vergleich zu KWinTV von SuSE Linux 9.0. Leider gibt es KWinTV weder für Mandrake Linux 9.2 noch für Red Hat Linux 9.0 in einer lauffähigen Version, SuSE-Linux-Benutzer sind also auch in Puncto TV-Karten klar im Vorteil.
Eine ausführliche Beschreibung von XawTV finden Sie in der Ausgabe 01/2004 auf Seite 36, deshalb hier nur eine Kurzbeschreibung: Ein Klick mit der rechten Maustaste auf das Fernsehbild öffnet und schließt das Hauptmenü, die Kanalliste bekommen Sie mit der Taste [C] und [Q] beendet XawTV.
Beim TV-Empfang gibt es bei allen Distributionen noch viel zu tun. Mit KWinTV hat SuSE auf das richtige Pferd gesetzt, das Programm ist komfortabel zu bedienen und leicht verständlich -- sofern man Englisch beherrscht. XawTV hingegen lässt viel zu wünschen übrig, wer es nicht täglich benutzt, wird sich die Bedienung kaum merken können. Besonders schwer wiegt bei Red Hat Linux 9.0, dass das Programm scantv für die Kanalsuche völlig fehlt -- wie soll man da die Fernsehsender finden? (mdö)
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Last modified: 2007-01-25 17:10
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