claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 05/2004   »   Ausgabe bestellen

Das Textsatzprogramm LyX

Spiel, Satz und Sieg

von Katrin Jost


Mit dem Textsatzprogramm LyX gestalten Sie das Layout Ihrer Texte. Ob Brief oder Buch: Mit den eingebauten Vorlagen ist Profisatz ein Kinderspiel.

LyX erspart den Schriftsetzer. Sie müssen nicht erst ausprobieren, wie viele Leerzeilen zwischen zwei Absätze gehören, damit das Dokument gut aussieht. Auch über die Gestaltung von Grafiken oder Tabellen brauchen Sie sich keine Gedanken zu machen -- oder an welche Stelle sie platziert werden sollten, damit nirgends eine halbe Seite leer bleibt. LyX ist ein WYSIWYM-Editor (What You Seee Is What You Mean) [1, 4, 5].

Das Programm benutzt das im Hintergrund laufende Textsatzsystem LaTeX [2], mit dem viele wissenschaftliche Bücher und Diplomarbeiten geschrieben werden. Schreibt man einen Text in LaTeX, muss man -- ähnlich wie bei HTML-Quelltext -- mit eingestreuten Anweisungen dem Programm erklären, wie der Text formatiert werden soll. Gerade Einsteiger tun sich mit dieser Art der Textauszeichnung schwer, und hier kommt LyX zum Zug: Wählen Sie per Mausklick, ob ein neues Kapitel oder ein neuer Abschnitt anfängt, ob eine Aufzählung oder eine Fußnote folgt.

Hinweise zur Installation finden Sie im Kasten Installation.

Installation

SuSE Linux

Die Professional-Versionen von SuSE Linux 8.2 und 9.0 bringen LyX 1.3.0 bzw. 1.3.2 schon mit; wer die Personal-Versionen oder unsere SuSE-Starter-Kits benutzt, lädt das Paket von einem FTP-Server herunter. Um die fehlenden Pakete nachzuladen, brauchen Sie eine schnelle Internet-Verbindung, DSL sollte es schon sein.

Starten Sie YaST und geben Sie über Software / Installationsquelle wechseln / Hinzufügen eine neue Installationsquelle an. Klicken Sie auf den Button Hinzufügen und geben Sie die Adresse des nachfolgenden Servers oder eines anderen Mirrors mit dem Pfad zu den SuSE-Paketen ein (Abbildung 1).

Aktivieren Sie die neue Quelle mit dem Button aktivieren oder deaktivieren (Abbildung 2) und wechseln Sie im YaST-Kontrollzentrum zum Punkt Software installieren oder löschen. Nun können Sie die benötigten Pakete auswählen und installieren.

Abb. 1: Geben Sie die Adresse des Servers ein, von dem Sie die LyX-Pakete laden.

Abb. 2: Richten Sie den FTP-Server als neue Installationsquelle für das SuSE-System ein.

Unter SuSE Linux 8.2 installieren Sie folgende Pakete:

  • lyx-1.3.0-19.i586.rpm
  • tetex-2.0.1-26.i586.rpm
  • te_latex-2.0.1-26.i586.rpm
  • latex2html-2002.2.1-51.noarch.rpm
  • latex2html-pngicons-2002.2.1-51.noarch.rpm
  • te_pdf-2.0.1-26.i586.rpm
  • netpbm-10.11.4-12.i586.rpm
  • te_etex-2.0.1-26.i586.rpm

Unter SuSE Linux 9.0 benötigen Sie folgende Pakete:

  • lyx-1.3.2-63.i586.rpm
  • free-ttf-fonts-1.0-64.noarch.rpm
  • ImageMagick-5.5.7-57.i586.rpm
  • libjasper-1.700.2-49.i586.rpm
  • libwmf-0.2.8-79.i586.rpm
  • python-2.3-43.i586.rpm
  • te_latex-2.0.2-48.i586.rpm
  • tetex-2.0.2-48.i586.rpm
  • te_pdf-2.0.2-48.i586.rpm
  • xpdf-2.02pl1-61.i586.rpm
  • gv-3.5.8-961.i586.rpm
  • te_etex-2.0.2-48.i586.rpm
  • t1lib-1.3.1-390.i586.rpm

Red Hat Linux

Unter Red Hat Linux 9 ist LyX auch nicht mit von der Partie. Das passende Paket können Sie vom LyX-Server herunterladen. Die Datei lyx-1.3.4-1rh9_qt.i386.rpm finden Sie unter [3].

Laden Sie das Paket herunter und klicken Sie es im Konqueror doppelt an, dann startet redhat-install-packages. Nach Eingabe des Root-Passworts installiert der Paketmanager LyX und fragt eventuell nach den Original-Installationsmedien, um Abhängigkeiten aufzulösen.

Mandrake Linux

Mandrake Linux 9.2 enthält LyX 1.3.2.

Dokument nach Vorlage

Rufen sie das Schnellstartfenster mit [Alt-F2] auf und geben lyx ein. Ein Begrüßungsdokument klärt Sie über Funktion und Bedienung auf.

Das erste Dokument soll auf einer mitgelieferten Vorlage aufbauen. Mit den folgenden Schritten gestalten Sie einen professionellen Brief:

  1. Wählen Sie unter Datei / Neu von Vorlage die Datei g-brief-de.lyx aus. Eine Textdatei öffnet sich im Arbeitsfenster (Abbildung 3). Die blau dargestellten Wörter beschreiben die Funktion des unmittelbar nachfolgenden Textes. Sie erscheinen im fertigen Dokument nicht.

Abb. 3: Ausschnitt aus der Vorlage "g-grief-de".
  1. Ersetzen Sie die vorgegebenen Einträge und beobachten Sie, wie sich die Beschreibung im Scroll-Menü den blauen Wörtern anpasst (siehe Abbildung 4).

Abb. 4: Werkzeugleiste mit Scroll-Menü.
  1. Betrachten Sie Ihr erstes Dokument im Original (Abbildung 5). Dazu haben Sie unter Ansicht gleich mehrere Möglichkeiten, sprich Programme für die Dokumentenansicht. LyX konvertiert den Text zuerst ins gewählte Format und öffnet das Ergebnis mit dem passenden Programm, zum Beispiel xdvi für das DVI-Format oder ghostview für Postscript.

Abb. 5: Der fertige Brief wird von "gv" angezeigt.
  1. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden, bringen Sie es mit Datei / Drucken zu Papier.

Unter Bearbeiten / Einstellungen / Konverter (siehe Abbildung 6) sehen Sie, mit welchen Konvertierungs-Tools die Formate jeweils umgewandelt werden. Diese Befehle können Sie auch (mit den richtigen Parametern) auf der Kommandozeile eingeben. Das ist jedoch eher etwas für fortgeschrittenere Leser.

Abb. 6: Das Tool-Konfigurationsfenster erreichen Sie über "Einstellungen / Konverter".

Persönliche Vorlagen

Erstellen Sie mit Datei / Neu ein neues Dokument. Bevor Sie Ihren Text schreiben, wählen Sie in Format / Dokument / Format die Dokumentklasse aus. Detailliertere Informationen zu Dokumentklassen finden Sie im Kasten Dokumentklassen von LaTeX/LyX.

Die Dokumentklassen von LaTeX/LyX

Die wichtigsten Dokumentklassen, die hier nur kurz vorgestellt werden sollen, sind article, book, letter, report, seminar und slides.

Mit article werden vorzugsweise kürzere Texte oder Referate geschrieben, die einige Seiten lang sind. Die Abschnitte werden automatisch mit 1 beginnend nummeriert. Bis zum Unterunterabschnitt kann eine Nummerierung angezeigt werden (z. B. 1.1.1).

Die Klassen book und report sind zum Schreiben von Büchern oder größeren Texten, in denen auch Kapitel vorkommen sollen, geeignet. Abschnitte sind die nächst kleinere Gliederungseinheit (z. B. 1.1). Auch bei book und report wird, wenn gewünscht, bis zum Unterunterabschnitt (hier dann aber z. B. 1.1.1.1) durchnummeriert. Der Unterschied zwischen book und report liegt in der Seitengestaltung in der Druckfassung: Die Dokumentklasse book liefert zum Beispiel eine Kopfzeile, in der das aktuelle Kapitel und die Seitenzahl stehen. Bei report werden die Seitenzahlen in die Fußzeile geschrieben, und es gibt keine Kopfzeile.

Fängt man in den oben genannten Texten nicht mit der jeweils obersten Gliederungsstufe, also Abschnitt bzw. Kapitel an, so beginnt die Nummerierung bei 0.1.

Die Dokumentklasse letter kennen Sie in ähnlicher Form schon aus unserem Beispiel mit der Vorlage g-brief-de.lyx. Hierbei wird jedoch die amerikanische Briefform verwendet, weshalb es zu empfehlen ist, eine der beiden Vorlagen g-brief-de.lyx oder dinbrief.lyx zu benutzen.

Mit seminar und slides können Sie einen (Seminar-) Vortrag und Folien erstellen. Auch hier gibt es wieder Unterschiede in den Möglichkeiten der Seitengestaltung.

Verwenden Sie die Dokumentklasse article, wählen Sie unter Seite die Papiergröße A4 und als Sprache German (new spelling).

Mit den folgenden Schritten erstellen ein Dokument mit Titel, Inhalts- und Literaturverzeichnis. Das Ergebnis zeigt Abbildung 11.

  1. Klicken Sie im Scroll-Menü auf den Punkt Titel und geben Sie einen Titel ein. In der Vorlage können Sie auf die vordefinierten Abschnitte, Überschriften und Texte doppelklicken, und die so markierten Vorgaben mit dem eigenen Inhalt überschrieben.
  1. Springen Sie mit [Eingabe] in die nächste Zeile und wählen Sie im nächsten Schritt Autor. Geben Sie Ihren Namen ein. Sehen Sie sich nun einmal die Vorschau an. Das aktuelle Datum wurde automatisch eingefügt. Wollen Sie jedoch ein anderes Datum verwenden, geht das über den Punkt Datum. Der Titel des Dokuments ist damit bereits fertig.
  1. Schreiben Sie Ihren Text enstprechend der Darstellung in Abbildung 7. Zu den einzelnen Überschriften navigieren Sie mit der Maus oder über das Scroll-Menü. Der Inhalt der Überschriften und des Textes entsprechen dabei den Einträgen im Scroll-Menü. Ist der erste Abschnitt vorgegeben, setzen Sie den Cursor auf den Beginn einer Zeile und klicken Sie auf den Button Umgebungstiefe erhöhen, um das Format für den ersten Unterabschnitt vorzugeben. Geben Sie mehr als ein Leerzeichen oder einen Zeilenumbruch ein, wird LyX das ignorieren. Den Aufbau des Dokuments können Sie damit nicht beeinflussen -- das erledigt LyX für Sie.

Abb. 7: Die Einteilung in Abschnitte gelingt in LyX mit wenigen Mausklicks.

LyX bietet weitere Möglichkeiten der Textstrukturierung. Abbildung 8 zeigt einen Überblick über Listen, mathematischenFormelsatz und Fußnoten (von oben nach unten).

Abb. 8: Einige Beispielformatierungen zeigen, was Sie mit LyX alles anstellen können.
  1. Erstellen Sie Listen, indem Sie im Scroll-Menü auf den Punkt Auflistung bzw. Aufzählung klicken. Für Unterpunkte klicken Sie in der Werkzeugleiste auf den Button mit dem Text und dem Pfeil nach rechts (siehe Abbildung 9).

Abb. 9: Untergliedern Sie Listen weiter.
  1. LyX lässt Sie mathematische Formeln setzen. Klicken Sie zunächst auf den Formel-Button. Wenn Sie nun mit der rechten Maustaste auf den blinkenden Cursor klicken, öffnet sich die Mathe-Kontrollfläche (siehe Abbildung 10) und zeigt eine Auswahl der mathematischen Operatoren und Funktionen. Mehr davon finden Sie im zugehörigen Scroll-Menü befinden. Die Formel aus Abbildung 8 erstellen Sie so:

Abb. 10: Die Mathe-Kontrollfläche von LyX.

Fügen Sie die Funktion sin mit einem Doppelklick ein. Klicken Sie auf den Button Superscript ganz rechts über der Funktionen-Scrollleiste. Geben Sie an der aktuellen Cursor-Position eine 2 ein. Setzen Sie den Cursor wieder nach unten und tippen Sie ein +. Nun das gleiche mit cos und der hochgestellten 2. Mit =1 vervollständigen Sie die Formel. Text im Mathematik-Modus ist blau hervorgehoben.

  1. Mit den beiden Buttons rechts neben dem Formel-Button setzen Sie eine Fußnote bzw. eine Randnotiz.
  1. Grafiken fügt der zweite Button von rechts ein. Er öffnet das Fenster aus Abbildung 11, in dem Sie mit Durchsuchen eine Grafik-Datei auswählen können.

Abb. 11: Der Grafik-Dialog: Bauen Sie Bilder ein!
  1. Mit dem Button ganz rechts erstellen Sie Tabellen. Wählen Sie die Anzahl der Zeilen und Spalten (siehe Abbildung 12) und füllen Sie die Zellen nach Bedarf. Die Breite einer Spalte wächst dynamisch mit dem größten Eintrag. Mit einem Rechtsklick auf die Tabelle können Sie weitere Einstellungen machen: Rahmen, Trennlinien, Drehung der Zabelle bzw. einzelner Zellen und vieles mehr.

Abb. 12: Wie viele Zeilen und Spalten soll Ihre Tabelle haben?

Unter- oder Überschriften bekommen Tabellen und Bilder mit Einfügen/Gleitobjekte/Tabelle bzw. Einfügen/Gleitobjekte/Abbildung.

Abb. 13: Das fertige Dokument, hier angezeigt mit dem Programm gv.

Um im Text auf andere Textpassagen zu verweisen, setzen Sie Marken mit Einfügen / Marke, auf die Sie mit Einfügen / Querverweis verweisen. Das ist praktisch, wenn Sie auf einzelne Kapitel verweisen wollen, deren Kapitelnummer sich während des Schriebens andern kann. Der Querverweis setzt die Nummer automatisch.

Ist Ihr Dokument fertig, möchten Sie vielleicht ein Inhaltsverzeichnis. Um das an der aktuellen Cursor-Position einzufügen, klicken Sie Einfügen / Listen und Inhaltsverz. / Inhaltsverzeichnis. Sie können das Inhaltsverzeichnis jederzeit erstellen; nicht erst wenn das Dokument fertig ist -- es wird bei jeder Textänderung automatisch angepasst.

Genauso wie das Inhaltsverzeichnis erstellen Sie Tabellen- oder Abbildungsverzeichnis.

Brauchen Sie ein Literaturverzeichnis am Ende des Dokuments? Mit der Funktion Literaturliste im Scroll-Menü wird automatisch das passende Format vorgegeben. Sie müssen jetzt nur noch Ihre Daten in den ersten Punkt einfügen. Mit Return setzen Sie die nächste Literaturangabe.

Hilferuf

Unter dem Menüpunkt Hilfe erreichen Sie mehrere Dokumente, selbst im Dateiformat .lyx. Diese können Sie in einem druckfähigen Format ansehen oder ausdrucken -- oder gleich nachvollziehen, vor allem mit der Maus (fan/hge).

Infos
[1] LyX-Homepage: http://www.lyx.org
[2] LaTeX-Homepage: http://www.latex-project.org
[3] LyX-Basispaket: ftp://ftp.lyx.org/pub/lyx/bin/1.3.4
[4] Andreas Kneib: LyX-Workshop, Teil 1, LinuxUser 10/2002 http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/10/037-lyx1/
[5] Andreas Kneib: LyX-Workshop, Teil 2, LinuxUser 12/2002

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2017 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2007-01-25 17:12

Nutzungsbasierte Onlinewerbung

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]