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Erschienen in EasyLinux 05/2004   »   Ausgabe bestellen

Tipps & Tricks für die Shell

Shell-Tipps

von Andrea Müller


Für viele Aufgaben schwören erfahrene Linux-Nutzer auf die flexiblen Tools, die die Kommandozeile bietet. Wir stellen einige vor, erklären die Bedienung und verraten praktische Kniffe.

Halbseitig blättern in less

Der Betrachter less eignet sich bestens, um schnell einen Blick in eine Textdatei zu werfen. Auch der man-Befehl, mit dem Sie die Handbuchseite eines Programms anzeigen, nutzt less zur Darstellung. Die zeilenweise Bewegung durch den Text mit den [Pfeil hoch] und [Pfeil runter]-Tasten ist jedoch mühsam. Auch das seitenweise Blättern mit [Bild auf] und [Bild ab] ist nicht jedermanns Sache: Allzu leicht verliert man den roten Faden im Text. Doch less kann auch anders. Mit d bewegen Sie sich eine halbe Textseite weiter, u erledigt dasselbe in die andere Richtung.

Lesezeichen in less setzen

Wie in einem Buch können Sie auch in less Lesezeichen setzen, um in längeren Texten bestimmte Passagen schnell wiederzufinden. Drücken Sie dazu m auf der Seite, die Sie markieren wollen. In der Statuszeile erscheint mark:. Nun geben Sie noch einen Buchstaben als Name für das Lesezeichen ein. Als Namen stehen Ihnen alle 26 Buchstaben des Alphabets in Groß- und Kleinschreibung zur Verfügung, insgesamt kann ein Text also 52 Lesezeichen enthalten. Um eines mit der Kennung a zu definieren, drücken Sie einfach m und danach a.

Zurück zur markierten Seite kommen Sie mit dem Apostroph (') gefolgt von dem Kennbuchstaben, für unser Beispiel 'a. Sobald Sie das Hochkomma (') eingeben, blendet less in der Statusleiste den Text goto mark: (gehe zu Lesezeichen) ein (Abbildung 1). Einen Unterschied gibt es jedoch zu Lesezeichen in einem Buch: Die Markierungen gehen verloren, sobald Sie less mit q beenden.

Abb. 1: Hinter "goto mark:" erwartet less den Kennbuchstaben eines zuvor gesetzten Lesezeichens.

Sofort zur richtigen Manpage in gnome-help

Wer mit dem Hilfe-Browser des GNOME-Desktops Manpages liest, muss nicht erst gnome-help starten und sich bis zum gewünschten Eintrag durchklicken. Das Programm versteht Kommandozeilenparameter, die sofort eine bestimmte Handbuchseite öffnen. Um zum Beispiel die ls-Manpage zu öffnen, lautet der Befehl gnome-help man:ls. Das man: sagt dem Programm, dass es eine Handbuchseite öffnen soll, dahinter folgt die Anwendung, deren Hilfe gnome-help anzeigen soll.

Abkürzung zu Info-Seiten in gnome-help

Was für die Manpages funktioniert, darf auch für Info-Seiten nicht fehlen. Diese sind oft ausführlicher und enthalten zusätzlich Beispiele zur Nutzung eines Programms. Das Schlüsselwort für gnome-help heißt in diesem Fall info:. Der Befehl gnome-help info:find öffnet direkt die Info-Seite des Suchprogramms find [1].

Dateien inspizieren mit file

Sie haben eine Datei und wissen nicht genau, um was es sich handelt? Dann hilft file weiter. Manchmal erhält man zum Beispiel beim Download eines komprimierten tar-Archivs eine Datei auf der Festplatte, die die Endung .tar.tar hat. Sowohl grafische Packprogramme wie ark als auch tar auf der Kommandozeile weigern sich, das Archiv zu extrahieren. Das Programm file schaut dagegen nicht nach der Dateiendung, sondern liest die ersten Zeilen des Dateiinhalts und stellt anhand dessen fest, was Sie da eigentlich heruntergeladen haben.

file wmab-0.3.tar.tar

offenbart mit

wmab-0.3.tar.tar: gzip compressed data, was "wmab-0.3.tar", from Unix, max compression

dass es sich gar nicht um ein reines .tar-Archiv handelt. Die Datei wurde zusätzlich noch mit gzip komprimiert. Benennen Sie nun die Datei in wmab-0.3.tar.gz um, klappt auch das Auspacken mit ark oder file-roller.

file ist nicht nur bei falschen Dateiendungen praktisch. Unter Linux kommen viele Programme ganz ohne eine solche daher. Unter Windows sehen Sie an der Dateiendung, ob Sie es mit einer Binärdatei ( Endung .exe) oder einem Skript (Endung .bat) zu tun haben. Unter Linux nutzen Sie stattdessen file /pfad/zum/programm. Bei einer mit ELF 32-bit LSB executable beginnenden Ausgabe haben Sie es mit einer Binärdatei zu tun, hinter Bourne shell script text executable verbirgt sich ein Shell-Skript und eventuell begegnen Sie auch einmal a /usr/bin/python script text executable, einem in der Skriptsprache Python geschriebenen Programm.

Für bestimmte Dateitypen hält file sogar Zusatzinformationen bereit, z. B. die Größe von Bildern im PNG- oder JPG-Format (Abbildung 2).

Abb. 2: file verrät unter anderem die Größe eines Bildes.

Bildschirmfoto auf Kommando

Mit import erzeugen Sie schnell einen Screenshot des Bildschirms. Red Hat Linux bringt den praktischen Helfer schon mit. Wie Sie das Programm aus dem ImageMagick-Paket unter SuSE und Mandrake Linux auf die Platte bekommen, lesen Sie unter [2] nach.

Ist ImageMagick installiert, erzeugt

import -window root bildschirmfoto.png

einen Screenshot des Desktops. Der Parameter -window root sagt import, dass es das so genannte Root-Window aufnehmen soll. Darunter versteht man das erste in einer grafischen Sitzung geöffnete Fenster, also den Desktop-Hintergrund. Das Ergebnis schreibt import in die Datei bildschirmfoto.png.

Screenshot mit Verzögerung

Sie wollen vor dem Fotografieren erst noch einige Fenster verschieben, Menüs ausklappen und das Terminal mit dem import-Befehl minimieren? Kein Problem! Allerdings brauchen Sie dafür einen externen Helfer namens sleep. Das Programm macht seinem Namen alle Ehre: Es tut gar nichts, sondern schläft für eine bestimmte Anzahl an Sekunden. sleep 10 legt eine Pause von zehn Sekunden ein. Geben Sie nun

sleep 10 ; import -window root bildschirmfoto.png

ein, haben Sie zehn Sekunden Zeit, die Fenster fotogerecht zu arrangieren. Danach führt die Shell den hinter dem Semikolon stehenden import-Befehl aus.

Nur einzelne Fenster oder Bereiche fotografieren

Ebenso einfach erstellen Sie Screenshots von einzelnen Fenstern. Dafür ist der Befehl sogar noch kürzer: import fensterfoto.png. In der Datei fensterfoto.png landet das Ergebnis. Sobald Sie das Kommando durch Druck auf [Enter] abschicken, verwandelt sich der Mauszeiger in ein Fadenkreuz, mit dem Sie das Fenster, das Sie im Bild verewigen wollen, anklicken.

Für die Aufnahme eines Bildschirmbereichs, etwa des Systemabschnitts der KDE-Kontrollleiste, ist der Befehl identisch. Statt jedoch auf ein Fenster zu klicken, ziehen Sie bei gedrückt gehaltener linker Maustaste ein Viereck um den Desktop-Bereich auf, den Sie fotografieren wollen (Abbildung 3). Damit sparen Sie sich das nachträgliche Zurechtschneiden der Screenshots in Gimp.

Abb. 3: import fotografiert auch einzelne Bereiche des Desktops.

Prozesse eines Nutzers in top anzeigen

Wenn Sie den Prozessmonitor top starten, um die laufenden Anwendungen zu sehen, stören mitunter die Prozesse, die anderen Benutzern, meistens dem Systemverwalter root, gehören. Um nur Ihre eigenen Anwendungen zu sehen, drücken Sie u. Über der tabellarischen Ansicht blendet top den Text Which user (Blank for all): ein. Geben Sie Ihren Benutzernamen ein und drücken Sie [Enter]. Nun zeigt top nur noch die Programme des angegebenen Benutzers an. Zurück zur kompletten Ansicht geht es ebenfalls mit u. Drücken Sie dort [Enter], ohne einen Namen einzugeben, wechselt top zur Default-Ansicht.

Programme in top abschießen

Hat sich ein Programm aufgehängt und nimmt keine Benutzereingaben mehr an, können Sie es über den Prozessmonitor top gewaltsam beenden. Die Prozessnummer eines Programms steht in der Spalte PID. In Abbildung 4 beispielsweise hat Mozilla die eindeutige Nummer 1725. Der Weg, um den Browser zu beenden, führt über k. top schreibt PID to kill: in die Zeile über der Tabelle (Abbildung 4). Dahinter erwartet es die Eingabe der Prozessnummer, für Mozilla also 1725. Sobald Sie [Enter] drücken, fragt top, welches so genannte Signal es Mozilla schicken soll (Kill PID 1725 with signal [15]:). Drücken Sie erneut [Enter] sendet top Signal 15, was eher eine freundliche Bitte an des Programm ist, sich selbst zu beenden.

Bei Programmen, die sich aufgehängt haben, hilft das meistens nicht: Sie reagieren auf Signal 15 genauso wenig wie auf den Schließen-Button. Haben Sie es mit einem solchen Vertreter zu tun, geben Sie 9 ein, bevor Sie den kill-Befehl abschicken. Damit beenden Sie das Programm ohne jede Nachfrage. Noch nicht gespeicherte Daten gehen jedoch verloren, so dass Sie nur dann zu Signal 9 greifen sollten, wenn ein Programm auf nichts anderes mehr reagiert. (eba)

Abb. 4: top erwartet die Eingabe der Prozess-ID des zu "killenden" Programms.
Infos
[1] Elisabeth Bauer: "Meisterdetektiv", EasyLinux 01/2004, S. 72 f.
[2] Andrea Müller: "Shell-Tipps", EasyLinux 1/2004, S. 69 ff. http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/01/069-shell-tipps/

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