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Erschienen in EasyLinux 06/2004   »   Ausgabe bestellen

Video-Bearbeitung mit Kino

Eigenregie

von Hans-Georg Eßer


Mit dem Videobearbeitungsprogramm Kino kopieren Sie digitale Videoaufnahmen von Ihrer Kamera auf den Rechner, schneiden die Filme und exportieren sie schließlich in verschiedene Formate. Wir helfen bei den ersten Schritten.

Digitale Videokameras haben die Preisgrenzen durchbrochen, die bisher viele Anwender vom digitalen Filmen abhielten: Einsteigermodelle liegen unter 400 Euro und sind damit billiger als manche hochwertige Digitalfotokamera. Die Filme speichern solche Geräte auf günstigen DV-Kassetten (Digital Video), die je nach Kapazität 60 oder mehr Minuten Videomaterial speichern.

Um die Aufnahmen auf den Rechner zu bringen, können Sie unter Linux zwischen verschiedenen Lösungen wählen -- so gibt es mit MainActor [1] ein kommerzielles Videoschnittprogramm, das vor kurzem in neuer Version erschienen ist; Cinelerra [2] ist ein Open-Source-Projekt, das auf den Profieinsatz abzielt -- es erwartet einen sehr gut ausgebauten und schnellen Rechner. Für den Einstieg reicht das Programm Kino völlig aus.

Auch wenn man bei Kinos Name zunächst an ein KDE-Programm denkt, ist Kino eine Gtk-Anwendung, also für den Einsatz unter GNOME gedacht; es läuft unter KDE aber ebenso gut, kopiert komfortabel Ihre Videos von der Kamera und hilft beim Schneiden und Exportieren.

Kino-Installation

Kino ist bei SuSE Linux 8.2 und 9.0 und Mandrake Linux 9.2 enthalten, die Pakete werden aber nicht automatisch installiert. Red Hat Linux bringt das Programm erst gar nicht mit. Wie Sie Kino auf Ihrem Rechner nachinstallieren, beschreibt der Kasten "Installation".

FireWire oder TV-Karte

Für die folgenden Schritte gehen wir davon aus, dass Sie eine Digitalvideokamera verwenden, die über FireWire an den Rechner angeschlossen wird. Prinzipiell können Sie auch von anderen Geräten Videodaten übernehmen, wir behandeln hier aber nur den FireWire-Transfer.

Um zu testen, ob Kino die angeschlossene Kamera erkennt, starten Sie Kino, indem Sie mit [Alt-F2] ein Schnellstartfenster öffnen und darin "kino" eingeben. Wechseln Sie im Programmfenster auf den Tab Capture und starten an der Kamera die Wiedergabe: Wenn alles funktioniert, sehen Sie im Kino-Fenster das gerade abgespielte Video (Abbildung 1).

Abb. 1: Kino zeigt das Video an, das die Digitalkamera wiedergibt.

Klappt das nicht, gibt es eventuell ein Problem mit dem automatischen Erkennen der Kamera. In diesem Fall öffnen Sie ein Terminal-Fenster und werden mit su (und folgender Eingabe das Administratorpassworts) zum Systemadministrator. Geben Sie dann die Befehle

modprobe raw1394
modprobe ohci1394

ein und starten Sie Kino neu. Ob die Kamera erkannt wurde, können Sie auch mit dem Programm gscanbus prüfen, wenn es auf Ihrem Rechner installiert ist: Es zeigt alle angeschlossenen FireWire-Geräte an, in Abbildung 2 ist das untere der beiden Icons die Videokamera, das obere Icon steht für den FireWire-Controller.

Abb. 2: Das Hilfsprogramm gscanbus zeigt alle Geräte am FireFire-Bus an.

Alternativ zur Digitalkamera können Sie auch eine TV-Karte verwenden, um das Fernsehprogramm oder Daten von einem angeschlossenen Videorekorder aufzunehmen, darauf gehen wir hier nicht weiter ein, weil die Arbeit mit einem FireWire-Gerät erfolgversprechender ist: So steuern Sie beispielsweise über FireWire die Wiedergabefunktion der Kamera gleich bequem aus Kino heraus.

Einstellungen

Vor den ersten Aufnahmen empfiehlt es sich, das Arbeitsverzeichnis zu ändern; anderenfalls landen alle Videodaten direkt im Home-Verzeichnis. Unter KDE legen Sie dazu zunächst (beispielsweise im Konqueror) unterhalb des Verzeichnis Dokumente ein Unterverzeichnis Video an. In Kino rufen Sie dann je nach Kino-Version Datei/Vorlieben (oder File/Preferences) bzw. Bearbeiten/Vorlieben (oder Edit/Preferences) auf und wechseln dort auf den Tab Other. Im Feld Default Project Directory ersetzen Sie ~ durch ~/Dokumente/Video/. Dann schließen Sie das Konfigurationsfenster per Klick auf OK.

Aufnahme!

Wechseln Sie in Kino wieder auf den Tab Capture, wenn Sie dort nicht bereits sind. Eventuell sind nach dem Start die Bedienelemente für die Kamera grau gefärbt und nicht benutzbar -- klicken Sie dann auf den Button AV/C, um die Kamerasteuerung zu aktivieren. Überprüfen Sie, dass die Steuerung jetzt funktioniert, indem Sie über die Play- und Stop-Buttons die Kamerawiedergabe starten und wieder anhalten.

Mit den Vor- und Rücklauftasten können Sie das Band an die gewünschte Stelle spulen und schließlich per Klick auf Capture die Aufnahme starten. Auf einigen Rechnern wurde im Test bei der Aufnahme kein Bild angezeigt: Der Wiedergabebereich blieb schwarz. Wenn das auch bei Ihnen passiert, nutzen Sie das Display Ihrer Kamera um mitzuverfolgen, wie weit die Aufnahme fortgeschritten ist. Sind alle gewünschten Daten übertragen, klicken Sie auf Stop, um die Aufnahme zu beenden.

Im Projektverzeichnis (nach oben beschriebener Änderung ist das Dokumente/Video/) befindet sich nun eine Datei capture001.dv im DV-Format (Digital Video).

Postproduktion

Wechseln Sie nun auf den obersten Tab Edit. Hier unterteilen Sie die aufgenommene Videodatei für mehr Übersicht in mehrere Szenen, die Sie später separat bearbeiten und auch umordnen können. Wenn Sie das nicht wollen, lassen Sie die Datei am Stück.

In der linken Spalte des Fensters sehen Sie das "Storyboard", nach der Aufnahme liegt dort nur ein Bild, das den Anfang des gerade übertragenen Videos zeigt.

Mit den an einen Videorekorder erinnernden Bedienelementen steuern Sie in dieser Ansicht nicht mehr die Kamera, sondern geben die Videodatei von der Festplatte wieder. Oberhalb der Bedienelemente sehen Sie eine Positionsanzeige; den dreieckigen Pfeil können Sie auch direkt mit der Maus bewegen, um schnell zu einer anderen Stelle zu springen (Abbildung 3).

Abb. 3: Im Edit-Fenster erledigen Sie die groben Arbeiten am Video.

Um die Szene in zwei Teile zu spalten, bewegen Sie die Markierung auf die gewünschte Schnittstelle. Dann wählen Sie Edit/Split bzw. Commands/Split Scene -- welcher Menüpunkt vorhanden ist, hängt wieder von der Kino-Version ab; die Funktion ist die gleiche. Es gibt auch einen Shortcut für diese Funktion: [Strg-J].

Jede so erzeugte zusätzliche Szene erscheint links im Storyboard; die Reihenfolge wird durch dieses Schneiden zunächst nicht verändert. Soll genau das geschehen, ziehen Sie einzelne Szenen im Storyboard per Drag & Drop an eine andere Stelle.

Vergrößeren Sie das Fenster, können Sie am Kino-Version 0.7 den Abtrenner zwischen Storyboard und rechter Hälfte verschieben; dann erscheinen Zusatzinformationen zu den einzelnen Clips.

Abb. 4: Erst ab Kino-Version 0.7: Mehr Informationen zu einzelnen Clips im Storyboard.

Einzelne Clips löschen Sie, indem Sie diese markieren und dann Bearbeiten/Cut current frame bzw. Edit/Ausschneiden wählen; die Tastenkombination dafür ist [Strg-X]. Mit [Strg-Z] machen Sie das wieder rückgängig.

Erweiterte Funktionen und Export

Über den Tab FX (für "special effects") erreichen Sie diverse Audio- und Videofilter, mit denen Sie zum Beispiel Übergänge zwischen zwei Clips erstellen oder den Clip auf- bzw. abblenden.

Wie Sie Ihrem Video mit diesen Funktionen den letzten Schliff geben und das Ergebnis als MPEG-Datei speichern oder auf VCD, SVCD oder DVD brennen, besprechen wir in der kommenden EasyLinux-Ausgabe. (hge)

Installation

SuSE Linux 8.2/9.0

Unter SuSE Linux 8.2/9.0 öffnen Sie YaST (dazu benötigen Sie das Administratorpasswort), wechseln zum Modul Software/Software installieren oder löschen und stellen im erscheinenden Fenster den Filter auf Suche. Geben Sie dann in der Suchmaske kino ein. Rechts erscheint das Kino-Paket, das Sie für die Installation vorsehen, indem Sie in das vorstehende Kästchen klicken. Wenn Sie dann auf Akzeptieren klicken, fügt YaST (nur bei SuSE Linux 8.2) der Auswahl noch die Pakete libavc1394 und libraw1394 hinzu -- akzeptieren Sie diese Zusatzpakete per Klick auf Weiter; dann werden die Pakete eingespielt.

Damit installieren Sie unter beiden SuSE-Versionen Kino 0.6.4, das zum leicht veralteten KDE-System von SuSE Linux 8.2/9.0 passt.

Red Hat Linux 9

Unter Red Hat Linux 9 müssen Sie die nötigen Programmpakete vom EasyLinux-Download-Bereich herunterladen. Das Archiv kino-redhat9.tgz (2,3 MByte) packen Sie in Ihrem Home-Verzeichnis (z. B. über den Konqueror) aus, öffnen ein Terminal-Fenster, werden mit su zum Administrator root und geben die folgenden Befehle ein:

cd kino
rpm -Uvh *.rpm
chmod a+rw /dev/raw1394

Vor dem Anschließen der Kamera geben Sie (immer noch mit Administratorrechten) die folgenden Befehle ein:

modprobe raw1394
modprobe ohci1394

Danach sollte Kino starten und die Kamera erkennen.

Mandrake Linux 9.2

Unter Mandrake Linux 9.2 müssen Sie, ähnlich wie bei Red Hat Linux, eine Reihe von Paketen vom EasyLinux-Server herunterladen. Das Archiv kino-mandrake92.tgz (2,2 MByte) packen Sie in Ihrem Home-Verzeichnis (z. B. über den Konqueror) aus und führen dann die übrigen Schritte wie bei Red Hat Linux aus. Danach sollte Kino starten und die Kamera erkennen.

Infos
[1] MainActor: http://www.mainactor.de/
[2] Cinelerra: http://heroinewarrior.com/cinelerra.php3
[3] Kino: http://kino.schirmacher.de/
[4] Kino-Workshop: Tim Schürmann, "Schweizer Messer des Videoschnitts", LinuxUser 08/2003, http://www.linux-user.de/ausgabe/2003/08/028-kino/

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