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Erschienen in EasyLinux 06/2004   »   Ausgabe bestellen

System-Sounds unter KDE

Hier spielt die Musik

von Inga Rapp


Ob ein freundliches "Guten Abend" in Mainzelmännchen-Manier oder Robin Williams' berühmtes "Good Moooorning, Vietnam!" -- Sie haben die Wahl, wie KDE Sie begrüßt. Auch andere Systemereignisse belegen Sie individuell mit Sounds. Dreh- und Angelpunkt ist KDEs Kontrollzentrum. Verleihen Sie Ihrem Computer eine neue Stimme.

Den Überblick über Ihre akustische Begleitung durch den Computer-Alltag behält das KDE-Kontrollzentrum. Unter SuSE und Red Hat Linux finden Sie das Kontrollzentrum im K-Menü. Wählen Sie im Bereich Sound und Multimedia den Punkt Systemnachrichten. Unter Mandrake Linux wählen Sie im K-Menü den Punkt Einstellungen / KDE / Look & Feel / Systemnachrichten (Abbildung 1).

Abb. 1: Der lange Weg zu den Systemklängen unter Mandrake.

Ereignisreiche Klänge

Ihr System kann Sie über besondere Ereignisse informieren. Das Starten und das Beenden von KDE sind natürlich derart besondere Ereignisse, auch Abstürze widerspenstiger Anwendungen gehören dazu. Im Zeitalter der globalen Vernetzung darf auch die musikalische Begleitung für neu eingetroffene E-Mails nicht fehlen. Weitergehende Optionen wie die akustische Untermalung beim Öffnen und Schließen von Fenstern kennt KDE ebenfalls. Besonders für Benutzer mit Sehproblemen könnten sie interessant sein.

Kontrollierter Sound

Abb. 2: Systemnachrichten mit Klängen versehen -- das erledigen Sie in KDEs Kontrollzentrum.

Das Auswahlfenster (Abbildung 2) ist in allen vier Distributionen fast gleich aufgebaut: Im oberen Bereich werden die Ereignisse aufgeführt, die Sie mit Sound belegen können. Viele sind nicht von Haus aus dazu bestimmt, Laut zu geben, ihnen fehlt also das kleine Sound-Icon vor der Beschreibung. Wenn Sie eine solche Aktion markieren und dann im unteren Teil vor der Option Klang abspielen einen Haken setzen, erscheint auch für diese Aktion ein Icon.

Neben der Option Klang abspielen im unteren Bereich des Fensters zeigt Linux in einer Adressleiste an, welcher Klang abgespielt werden soll. Wenn KDE von sich aus keinen Sound vorgesehen hat, bleibt das Fenster leer. Ist akustische Untermalung eingeplant aber noch nicht aktiviert, wird der vorgesehene Klang angezeigt. Wenn Sie auf den kleinen Pfeil links neben der Adressleiste klicken, können Sie sich den zur Diskussion stehenden Sound testweise anhören. Diese Wiedergabe abzubrechen, sieht KDE allerdings nicht vor. Auch mit Doppelklicks sollten Sie an dieser Stelle vorsichtig sein -- nichts ist so schrecklich wie zweimal dieselbe Melodie parallel, nur durch eine halbe Sekunde zeitversetzt.

KDEs voreingestellte Musik können Sie jederzeit durch die eigenen Lieblingsklänge ersetzen.

Klicken Sie auf das Ordner-Icon rechts neben der Adressleiste. Es öffnet sich der Auswahldialog, der Ihnen aus anderen Situationen schon bekannt ist. Sie können sich nun in aller Ruhe bis zu der Stelle Ihrer Festplatte durchhangeln, an der Ihre Lieblingsklänge warten. Markieren Sie den gewünschten, bestätigen Sie mit OK -- et voilà!

Abb. 3: Soviel Auswahl -- KDEs eigene Klangwelt.

Unendliche Weiten

SuSE Linux versteckt die System-Sounds im Verzeichnis /opt/kde3/share/sounds, Mandrake Linux und Red Hat Linux lagern sie in /usr/share/sounds. Dort stehen sie allen Benutzern zur Verfügung, jeder kann sie einbinden. Neue Klänge können Sie auch direkt dorthin entpacken. Allerdings sollten Sie dies als Administrator tun -- "normalsterbliche" Benutzer haben hier keine Schreibrechte. Jeder Benutzer sucht sich dann individuell die Klänge heraus, die für ihn passend sind.

Wer nicht auf die systemweiten Klänge zurückgreifen möchte, kann die eigenen Sounds auch im Home-Verzeichnis ablegen. Der übliche Ort für solche lokalen Einstellungen ist das versteckte Verzeichnis /home/<user>/.kde/share/sounds.

Akustische Vielfalt

KDE ist sehr großzügig in der Frage, was es sich musikalisch unterjubeln lässt. Gängige Musikdateiformate wie MP3 und WAV nimmt es ebenso klaglos entgegen wie das noch relativ neue OGG-Format. MIDI-Dateien mag es allerdings nicht auf Anhieb. Mit einem kleinen Trick umgehen Sie aber diese Widerspenstigkeit -- Details dazu finden Sie im Notededit-Artikel auf Seite ##.

Audiodateiformate

Für digitale Musik gibt es mehrere Dateiformate. Auf den ersten Blick unterscheiden sie sich vor allem im benötigten Speicherplatz. Das hängt mit der so genannten Komprimierungsrate zusammen: Um Klangdateien auf ein erträgliches Maß zurechtzustutzen, verwendet man unterschiedliche Verfahren.

Das wohl bekannteste Format für digitale Musik ist MP3. Die Abkürzung steht für "Moving Picture Experts Group - Audio Layer 3". Im Gegensatz zu anderen MPEG-Formaten handelt es sich bei MP3 nicht um ein Video- sondern um ein Audioformat. MP3 ist in der Lage, Musikstücke auf etwa ein Zehntel ihrer ursprünglichen Größe zu komprimieren. Als Faustregel gilt hier: Eine Minute Musik benötigt etwa 1 MByte Speicherplatz. Ob dabei nun ein Qualitätsverlust hörbar ist oder nicht, darüber streiten sich Gelehrte und Anwender. MP3 filtert bei der Komprimierung unter anderem die Frequenzen heraus, die für das menschliche Gehör im Allgemeinen sowieso nicht wahrnehmbar sind. Entwickelt wurde das Verfahren am Fraunhofer-Institut.

OGG ist ein Open-Source-Projekt. Der Name geht auf das Computerspiel "Netrek" zurück. Am bekanntesten ist der Ogg-Vorbis-Codec, der für die Komprimierung von Audiodaten zuständig ist. In Tests schnitt er teilweise besser als MP3 ab, OGG-Dateien wurden also als näher am Originalklang empfunden.

WAV ist eigentlich ein Windows-eigenes Format. WAV-Dateien sind im Allgemeinen unkomprimiert, benötigen also etwa zehnmal so viel Platz wie MP3s. Sie enthalten gewissermaßen die "Rohdaten" der Klänge.

MIDI ist das wohl älteste Format in der Reihe der hier genannten. MIDI-Klänge haben meist wenig mit natürlichen Klängen zu tun, sie werden komplett synthetisch erzeugt. Tonhöhe, -länge, -lautstärke und musikalische Attribute wie Vibrationen werden in Bits und Bytes definiert. Frequenzen, die man herausfiltern könnte, existieren hier zwangsläufig nicht. Daher ist es nicht nötig, MIDI-Dateien zu komprimieren. Sie benötigen von sich aus sehr wenig Speicherplatz.

Allerdings hat auch alle Vielfalt ihre Grenzen. Komplette Sound-Schemata lassen sich nicht definieren. Eine akustische Neueinkleidung des Systems ist also mit viel mühevoller Kleinarbeit verbunden, da jeder Klang einzeln definiert werden muss. Außerdem können Sie nur bereits vordefinierte Ereignisse mit Sound belegen, die Definition neuer Ereignisse ist nicht vorgesehen. Sprich: Sie können zwar einen Klang abspielen lassen, wenn eine neue Mail kommt, aber zum Beispiel einen speziellen Klang zu spielen, wenn Mails eines bestimmten Absenders in der Mailbox landen, ist nicht möglich.

Auch kleine Ungereimtheiten hat die Sound-Schaltzentrale noch: Der Shutdown-Sound sollte nicht länger als eine Sekunde dauern. Ist er länger, wird er spätestens nach dieser Zeit von KDE abgewürgt, weil beim "Herunterfahren" von KDE auch das Sound-System abgeschaltet wird.

Neuer Akustik-Look

So weit die Theorie. Schön und gut -- aber wo findet man überhaupt noch legale Sounds im Netz, die man in KDE einbinden kann? Eine gute Anlaufstelle ist http://www.kde-look.org. Alle Dinge, die das "Look & Feel" von KDE betreffen, finden Sie hier online. Auch der Bereich "Sounds" ist gut ausgestattet. Die verfügbare Bandbreite reicht von psychedelisch angehauchten Space-Sounds bis zu klassischen Mozart-Themen. Alle hier verfügbaren Klänge sind kostenlos, ebenso diejenigen, die Sie unter http://kdevibes.artemio.net finden. Suchmaschinen wie Google liefern weitere Anlaufstellen zum Download, eine intensivere Suche lohnt sich. Manchmal finden Sie dabei Schmuckstücke wie http://www.langeoognews.de/images/sounds/sounds.shtml -- damit spricht Ihr Rechner nach wenigen Klicks Plattdeutsch. (hge)

Abb. 4: Hier gibt's was auf die Ohren -- www.kde-look.org.

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