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Erschienen in EasyLinux 06/2004   »   Ausgabe bestellen

Mit GnomeMeeting Video-Verbindungen aufbauen

Videokonferenz

von Hans-Georg Eßer


Beim Umstieg von Windows auf Linux sucht man gelegentlich vergeblich nach Gegenstücken zu lieb gewonnenen Programmen. Anwender von Microsoft NetMeeting können aufatmen: GnomeMeeting ist ein kompatibles Programm für den Video-Chat.

Internet-Telefonie ist für viele Flatrate-Nutzer ein möglicher Weg, hohe Telefongebühren zu vermeiden -- vor allem, wenn viele Bekannte ebenfalls zum Festpreis im Internet surfen können. Auch mit GnomeMeeting telefonieren Sie über das Netz, können aber neben dem Ton auch ein Videobild übertragen und bei Bedarf einen Text-Chat-Bereich nutzen, um Daten zu schicken: Vielleicht hat der Gesprächspartner einen nützlichen Linux-Befehl für Sie parat, der schneller getippt als diktiert ist.

Voraussetzungen

Um GnomeMeeting voll nutzen zu können, müssen Sie drei Voraussetzungen erfüllen: Ihr Rechner benötigt eine korrekt eingerichtete Sound-Karte, die Duplex-Betrieb beherrscht (Mikrofon und Lautsprecher funktionieren parallel), und eine von Linux unterstützte Web Cam. Welche Geräte sich dafür eignen, entnehmen Sie den Hardware-Support-Datenbanken Ihrer Distribution. Die dritte Anforderung ist, dass der Rechner, auf dem GnomeMeeting läuft, mit eigener IP-Adresse im Internet ist, also nicht hinter einer Firewall / einem Router hängt.

Beim Anschluss einer unterstützten (USB-) Web Cam erscheint in der zentralen Log-Datei /var/log/messages ein Eintrag der Form

Apr 19 08:43:20 server kernel: pwc Creative Labs Webcam 5 detected.
Apr 19 08:43:20 server kernel: pwc Registered as /dev/video0.

Wichtig ist vor allem die letzte Zeile mit dem Gerätenamen /dev/video0 -- daran erkennen Sie, dass Linux den richtigen Treiber geladen hat.

Installation und Einrichtung

GnomeMeeting benötigt für seine Arbeit mindestens die beiden Bibliothekspakete openh323 und pwlib; Details zur Installation auf den von EasyLinux unterstützten Distributionen finden Sie im Kasten "Installation". Beim ersten Aufruf des Programms (z. B. über den KDE-Schnellstarter [Alt-F2] und Eingabe von gnomemeeting) startet der Einrichtungsassistent. (Wenn Sie die aktuellste Version 1.x installiert haben, sehen die Dialoge geringfügig anders aus als hier dargestellt.)

  1. Die Begrüßungsseite klicken Sie direkt mit OK weg.
  1. Auf Seite 2 geben Sie Vor- und Nachname und Ihre E-Mail-Adresse ein. Mit dieser Mail-Adresse können Sie sich später (bei Bedarf) an einem Server anmelden und werden dann leichter gefunden. Bleiben Sie lieber anonym, geht es auch ohne Server-Anmeldung, trotzdem erwartet das Feld hier die Eingabe einer Mail-Adresse. Klicken Sie dann auf Vor.
  1. Auf Seite 3 legen Sie Ihre Internet-Verbindung fest. Für die meisten Anwender wird Modem, ISDN oder DSL/Kabelmodem die richtige Wahl sein.
  1. Seite 4 dient der Audiokonfiguration. GnomeMeeting wählt automatisch die gefundenen Audiogeräte für Aufnahme und Wiedergabe aus. Schließen Sie ein Mikrofon an und klicken Sie auf Audio testen -- dann können Sie in das Mikrofon sprechen, und Ihre Worte sollten mit einigen Sekunden Verzögerung wieder ausgegeben werden. Klappt das nicht, werden Sie den Audioteil der Kommunikation nicht oder nur begrenzt nutzen können. Siehe auch Kasten "Sound-Konfiguration".
  1. In Schritt 5 wird die Web Cam getestet. Die möglichen Geräte heißen unter Linux /dev/video0, /dev/video1 usw. Wenn Sie nur die Web Cam (und keine TV-Karte) angeschlossen haben, ist immer /dev/video0 die richtige Wahl -- bei mehreren Geräten kann es auch eine höhere Nummer sein. Klicken Sie auf Video testen, prüft GnomeMeeting, ob es mit der Web Cam sprechen kann.
  1. GnomeMeeting kann nach Anmeldung bei einem Provider auch (gebührenpflichtig) ins Festnetz telefonieren. Auf dieses Feature gehen wir hier nicht weiter ein.
  1. Die siebte Seite fasst alle Einstellungen zusammmen. Bestätigen Sie mit Anwenden.

    Los geht's

    Nach der Konfiguration erscheint das Hauptfenster von GnomeMeeting, das zunächst recht unspektakulär und klein ist. Klicken Sie auf den vierten Button von oben in der linken Symbolleiste (Bilder von der eigenen Kamera anzeigen), um die Web Cam zu testen (Abbildung 1).

    Abb. 1: GnomeMeeting zeigt das Bild der eigenen Web Cam an.

    Um einen Teilnehmer anzurufen, benötigen Sie die IP-Adresse der Gegenstelle. Geben Sie die Adresse oben in die URL-Zeile hinter h323: ein, also z. B. h323:192.168.1.118 für einen Test im lokalen Netz -- die Gegenstelle kann mit GnomeMeeting oder einer anderen H323-kompatiblen Video-Chat-Anwendung arbeiten, beispielsweise mit Microsoft NetMeeting. Beim angerufen Teilnehmer klingelt es, und ein Dialog zeigt an, wer anruft (Abbildung 2). Um den Anruf anzunehmen, klicken Sie einfach auf Annehmen; wollen Sie nicht gestört werden, ist Zurückweisen die richtige Wahl.

    Abb. 2: Dieser Dialog erscheint, wenn Sie angerufen werden.

    Text-Chat

    Wenn es mit dem Sound nicht klappt, müssen Sie nicht auf die Kommunikation "mit Hand und Fuß" zurückgreifen; klicken Sie einfach auf den obersten Button in der Symbolleiste (Open Text Chat). Dann erscheint ein Chat-Bereich, in dem Sie der Gegenseite Textnachrichten schicken und auch empfangen. Über Ansicht/Ansicht vergrößern wird nicht nur das Videobild größer, sondern Sie erhalten auch mehr Platz zum Lesen der Textnachrichten.

    Wenn es mit der Sound-Karte nicht klappt, bleibt immer noch der Text-Chat zum Unterlegen der Bilder.

    Mit der Tastenkombination [Strg-F] schalten Sie in den Vollbildmodus. Da die Qualität der übertragenen Bilder allerdings recht niedrig ist, führt das meist zu sehr pixeliger Darstellung. Sinnvoller ist das einfache Vergrößern.

    Extras

    GnomeMeeting bietet noch weitere Features: So gibt es etwa die Möglichkeit der Anrufweiterleitung an Dritte. Details finden Sie in der (leider nur englischsprachigen) Online-Hilfe. (hge)

    Installation

    Die aktuellsten Pakete für GnomeMeeting finden Sie immer direkt auf der GnomeMeeting-Seite http://www.gnomemeeting.org. Da SuSE und Mandrake Linux bereits Pakete enthalten, beschreiben wir für diese Distributionen die (einfachere) Installation der vorhandenen Pakete.

    SuSE Linux 8.2/9.0

    Unter SuSE Linux öffnen Sie YaST, wechseln zum Modul Software/Software installieren oder löschen und stellen im erscheinenden Fenster den Filter auf Suche. Geben Sie dann in der Suchmaske gnomemeeting ein. Rechts erscheint das GnomeMeeting-Paket, das Sie für die Installation vorsehen, indem Sie in das vorstehende Kästchen klicken. Wenn Sie dann auf Akzeptieren klicken, fügt YaST der Auswahl noch die Pakete openh323 und pwlib hinzu -- akzeptieren Sie diese Zusatzpakete per Klick auf Weiter; dann werden die Pakete eingespielt.

    Die so installierte GnomeMeeting-Version 0.96 (SuSE Linux 8.2) bzw. 0.98.1 (Version 9.0) ist nicht mehr ganz aktuell, unterscheidet sich aber in der Bedienung nicht wesentlich von den neueren Versionen 1.0.x.

    Red Hat Linux 9

    Für Red Hat Linux 9 verwenden Sie die Pakete auf der GnomeMeeting-Download-Seite http://www.gnomemeeting.org/index.php?rub=5&path=redhat/rh9. Um die URL nicht eingeben zu müssen, gehen Sie einfach zu www.gnomemeeting.org, klicken dort in der oberen Menüzeile auf Downloads und dann links auf rh9 (unterhalb von Red Hat).

    Kopieren Sie alle dort zu findenden Pakete in ein leeres Verzeichnis, z. B. gnomemeeting unterhalb Ihres Home-Verzeichnis, öffnen Sie dann ein Terminal-Fenster, werden Sie durch Eingabe von su und des Root-Passworts zum Systemadministrator und geben Sie die folgenden Befehle ein:

    cd gnomemeeting
    rpm -Uvh --nodeps *.rpm

    Falls Sie auch Kino aus dem vorigen Artikel installiert haben, benötigen Sie im rpm-Aufruf zusätzlich die Option --force.

    Mandrake Linux 9.2

    Prüfen Sie zunächst, ob GnomeMeeting bereits installiert ist -- dazu suchen Sie im Startmenü den Eintrag Programme/Kommunikation/GNOME-Meeting. Wenn Sie dort nicht fündig werden, rufen Sie Einstellungen/Paketierung/Software installieren auf und geben das Administratorpasswort ein. In das Suchfeld geben Sie dann gnomemeeting ein und installieren das Paket und alle abhängigen Pakete; die zusätzlich benötigten Pakete findet der Installer selbst.

    Sound-Konfiguration

    Ein häufiges Problem bei der Sound-Konfiguration ist, dass der falsche Treiber verwendet wird: Es gibt zwei große Treiberfamilien, OSS (Open Sound System) und ALSA (Advanced Linux Sound Architecture). ALSA ist neuer, aber viele Distributionen (u. a. SuSE Linux) verwenden standardmäßig OSS. Sie erkennen das daran, dass ein Modul snd-pcm-oss geladen ist:

    # /sbin/lsmod | grep snd

    Wenn Sie das OSS-Modul benutzen, ist es wahrscheinlich, dass der Full-Duplex-Betrieb der Sound-Karte nicht funktioniert. Dann können Sie zwar Audiodateien wiedergeben, aber der Mikrofoneingang funktioniert nicht -- das erkennen Sie beim Sound-Test in Schritt 4 der GnomeMeeting-Erstkonfiguration. Ist der OSS-Treiber aktiv, fahren Sie (SuSE!) Linux herunter und starten das System im so genannten Runlevel 1 neu: Dazu geben Sie beim Boot-Manager eine "1" ein und drücken [Return]. Nach den Startmeldungen werden Sie aufgefordert, das Root-Passwort einzugeben. Tun Sie das und geben Sie dann das Kommando

    alsaconf

    ein. Damit startet ein Konfigurationsprogramm im Textmodus. Übernehmen Sie alle Vorgaben und prüfen Sie am Ende, ob der Testton ausgegeben wird. Danach wird alsaconf beendet. Geben Sie

    init 5

    ein, um das System normal hochzufahren. Danach sollte die Sound-Karte im Full-Duplex-Modus funktionieren. Eventuell muss das Mikrofon im Mixer aktiviert werden; dazu starten Sie später in einem Terminal-Fenster alsamixer und passen die Lautstärke für Mic an.

    KDE-Probleme

    Eventuell funktioniert GnomeMeeting nicht direkt unter KDE, weil der KDE-Sound-Daemon artsd die Sound-Karte kontrolliert. Dann starten Sie GnomeMeeting aus einem Terminal-Fenster heraus durch Eingabe von

    artsdsp gnomemeeting

    Das Programm artsdsp sorgt dafür, dass Programme "KDE-kompatibel" sind, was den Sound angeht.

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