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Erschienen in EasyLinux 06/2004   »   Ausgabe bestellen

Live-CD mit Multimedia-Funktionen

Kino zum Mitnehmen

von Torsten Kleinz


Sie wollen schnell einen Film ansehen, ohne erst einen Player zu installieren? Auch auf fremden Rechnern? Kein Problem mit Movix, Movix2 und eMovix. Die selbst-bootenden CDs versprechen Filmgenuss -- schnell und unkompliziert.

Sie kennen vielleicht die Situation: Sie haben eine Audio- oder Videodatei auf CD gebrannt, können sie aber nicht abspielen, weil Sie nicht am eigenen Rechner sind. Der richtige Codec fehlt, neue Software lässt sich nicht installieren oder die Konfiguration darf nicht verändert werden, weil der Rechner im Büro steht. Die Lösung heißt Movix -- und das gleich dreifach. Movix und Movix2 sind selbst-bootende CDs mit einem Mini-Linux, das Videos von CD, DVD, Festplatte oder übers Netzwerk abspielt -- selbst Fernsehen ist möglich. eMovix wird zusammen mit den anzusehenden Daten auf CD gebrannt. Man bootet von CD, und der Film beginnt.

Das Konzept ist mächtig: Mit etwas Geschick kann jeder seine eigene Movix-CD mit individuellen Einstellungen und Programmen zusammenstellen. Movix lässt sich sogar auf einem USB-Stick installieren. Auf Festplatte gebannt, verwandelt es den PC in ein Media-Center.

In diesem Artikel stellen wir Ihnen die CD-Versionen vor. Zum Brennen sollten Sie das Programm K3b installiert haben. Wer mit eMovix selbst Video-CDs erzeugen will, braucht dazu eine neuere Version als die bei den Distributionen mitgelieferte. Im Artikel "Allesbrenner" der letzten Ausgabe [1] finden Sie eine Anleitung, wie Sie das KDE-Brennprogramm auf den aktuellen Stand bringen.

Da Movix komplett in den Arbeitsspeicher geladen wird, sollte Ihr Rechner mindestens über 64 MByte RAM verfügen. Damit Filme ohne separate MPEG-Beschleunigerkarte flüssig laufen, empfiehlt sich ein Prozessor mit mindestens 600 MHz. Zum Abspielen von Audio-Dateien reicht hingegen auch ein wesentlich schwächerer Rechner.

Movix-CDs brennen

Eine Movix- oder Movix2-CD zu erstellen ist einfach: Der Autor Roberto de Leo stellt auf der Webseite http://movix.sourceforge.net fertige CD-Images bereit, die Sie nur noch brennen müssen.

Unter der Rubrik Download finden Sie die nötigen Daten. Für eine Movix-CD laden Sie die Datei movix-0.8.1-iso-de.zip (oder eine neuere Version davon) herunter und speichern diese auf Ihrer Festplatte. Das komprimierte CD-Image entpacken Sie vor dem Brennen. Klicken Sie dazu die Datei mit der rechten Maustaste an und wählen den Menüpunkt Hier entpacken... aus.

Abb. 1: Mit K3b ist das CD-Abbild von Movix schnell gebrannt.

Sie erhalten einen neuen Ordner, der unter anderem die Datei movix-0.8.1.iso enthält. Auch die klicken Sie mit der rechten Maustaste an und wählen CD-Abbild mit K3b erstellen.... Darauf öffnet sich das Brennprogramm K3b. Alle nötigen Optionen sind schon voreingestellt, Sie müssen nur noch einen CD-Rohling einlegen und auf Start drücken. Falls sich K3b nicht automatisch öffnet, starten Sie das Programm von Hand: Unter SuSE Linux über den Menüpukt Multimedia / CD/DVD im K-Menü, Mandrake Linux hat K3b unter Programme / Archivierung / CD-Brenner platziert. Unter Red Hat Linux heißt der Eintrag Sound & Video / K3b. Dann rufen Sie im Menü Extras den Menüpunkt CD -- Burn CD ISO Image auf und wählen im folgenden Dialog das CD-Image aus. Für Movix2 verfahren Sie genau so, verwenden aber die Datei movix2.0.3.1pre4-iso.zip.

Film ab!

Fahren Sie nun den Rechner herunter und legen sie die gebrannte CD ein. Eventuell müssen Sie Ihr BIOS so einstellen, dass es von CD startet. Im Normalfall bootet Movix automatisch und erkennt die vorhandene Hardware (Abbildung 2). In Ausnahmefällen muss man Movix einige Boot-Parameter übergeben, damit es auf der vorhandenen Hardware läuft. Sobald der boot:-Prompt erscheint, geben Sie dazu MoviX ein, gefolgt von den gewünschten Parametern. Mit den Tasten [F2] und [F5] erhalten Sie eine Liste der verfügbaren Optionen.

Abb. 2: Movix bootet automatisch von CD.

Ist der Computer an einen Router angeschlossen, der DHCP anbietet, bindet sich Movix automatisch in das Netzwerk ein. In unserem Test erkannte das CD-Linux sogar die eingebaute TV-Karte von Hauppauge samt Fernbedienung, so dass sich Movix auch aus der Ferne steuern ließ.

Nach knapp einer Minute begrüßt Movix den Anwender mit einem aufgeräumten Textmenü, in dem Sie mit den Cursor-Tasten navigieren können. Mit der Tabulatortaste wählen Sie zwischen verschiedenen Eingabefeldern, mit der Leertaste oder [Return] bestätigen Sie jeweils Ihre Auswahl.

Die Menüs sind noch nicht völlig konsistent. Am besten wählt man die zu spielenden Dateien über das Play-Menü an. Mit [F5] erhalten sie zwar ein grafisch schöneres Mplayer-Menü, das bietet jedoch nicht alle Optionen der Textversion.

Um eine CD mit Audio- oder Videodaten abzuspielen, entnehmen Sie die Movix-CD und legen die CD mit den Daten ein. Wählen Sie im Menü Play den Punkt CD aus. Movix zeigt Ihnen dann alle gefundenen CD-Laufwerke an. Als Laufwerksnamen erscheinen die Herstellerbezeichnungen. Wählen Sie das passende Laufwerk aus und drücken Sie [Return]. Mplayer spielt nun alle Dateien nacheinander ab, die es auf der CD findet, egal ob DivX, Mpeg, MP3 oder Ogg-Vorbis. Mit der Tastatur steuern Sie den Player (siehe Tabelle "Shortcuts für Movix"). Um ins Movix-Menü zurückzukehren, drücken Sie zweimal die Escape-Taste.

Shortcuts für Movix (MPlayer)
Cursor-Tasten rechts, links Springen um zehn Sekunden vor und zurück
Cursor-Tasten huch, runter Springen um eine Minute vor und zurück
Bild hoch, Bild runter Springen um zehn Minuten vor und zurück
>nächster Titel
<vorheriger Titel
p und LeertastePause
Esc und qWiedergabe beenden
mMplayer-Menü
h und lÄnderung des TV-Kanals
9 und /leiser
0 und *lauter
F4grafisches Mplayer-Menü
Strg-KMovix beenden

Eine bestimmte Datei oder ein Verzeichnis auf der CD wählen Sie über den Menüeintrag Datei beziehungsweise Verzeichnis aus und bestätigen die Auswahl mit der Leertaste oder [Return].

Auch Video-CDs und unverschlüsselte DVDs spielt Movix ab. Dazu lesen Sie über den entsprechenden Menüpunkt das Inhaltsverzeichnis der Medien ein.

Selbst der Zugriff auf Festplatte funktioniert -- allerdings nummeriert Movix die Partitionen etwas kryptisch. Wer auf die erste Partition der ersten Festplatte zugreifen will, wählt disc0.part1, die zweite Partition der zweiten Festplatte heißtdisc1.part2.

Wie eingangs erwähnt, erkennt Movix auch TV- und Radiokarten. Das Fernsehprogramm startet man mit TV, das Radioprogramm mit Radio. Leider enthält die vorgefertigte Version von Movix noch keine deutsche Senderliste, die Frequenzeingabe für das Radio funktioniert aber tadellos. Falls der Lautsprecher trotzdem still bleibt, lohnt sich ein Blick auf die Audioeinstellungen, die Sie mit der Tastenkombination [Strg-Alt-F2] aufrufen. Einige Kanäle sind in der Grundeinstellung auf mute -- sprich: stumm -- gestellt. Da manche TV-Karten den Ton über den Eingang der Sound-Karte einspeisen, muss dieser lauter gestellt werden. Drücken Sie dazu die Taste m und regeln die Lautstärke mit der Cursor-Taste hoch. Um den Sound-Mischer wieder zu verlassen, drücken Sie nicht, wie dort angegeben, die Escape-Taste, sondern [Strg-Alt-F1].

Unter dem Punkt Netz wartet ein Schmankerl auf die Webradio-Freunde. Aus einer Reihe voreingestellter Webcast- und IceCast-Sender wählen Sie im Menü einfach die gewünschte Musikrichtung aus. Voraussetzung ist allerdings eine funktionierende Internet-Verbindung.

Movix2 verhält sich ganz ähnlich wie Movix -- allerdings erblicken Sie nach dem Booten kein Textmenü, sondern eine grafische Oberfläche, die an einen DVD-Player erinnert (Abbildung 3). Um ein Video abzuspielen, klicken Sie auf den Auswurfknopf. Im Auswahlfenster wählen Sie nun die entsprechende Datei und klicken anschließend auf den Play-Button. Falls das Video zu klein erscheint, schalten Sie es über Zoom in den Vollbildmodus. Dann verschwindet zwar die Bedienoberfläche, aber mit der rechten Maustaste können Sie ein Kontextmenü aufrufen, das Zugriff auf alle Funktionen bietet. Über Normal size schalten Sie zurück zur Bedienoberfläche. Movix2 ist noch nicht so ausgereift wie das Schwesterprojekt, Fernsehen beispielsweise ist nicht möglich.

Abb. 3: Movix2 bietet ein grafisches Menü.

Erstellen einer eMovix-CD

eMovix ist eine Art Light-Version von Movix: ein Linux, das direkt mit den abzuspielenden Dateien auf CD gebrannt wird. Der Platzbedarf wurde auf etwa 8 MByte reduziert, um möglichst viel Raum für die Nutzdaten zu lassen.

Um eMovix-CDs mit K3b zu erzeugen, müssen Sie ein RPM-Paket nachinstallieren. Unter http://packman.links2linux.de/?action=363 finden Sie das für SuSE Linux 9.0 benötigte eMovix-Paket, unter http://packman.links2linux.de/?action=363&vn=2 das für SuSE 8.2. Laden Sie es herunter und navigieren Sie im Konqueror zu dem Paket. Mit einem Klick auf den Button Mit Yast installieren spielen Sie es ein. Auch bei Mandrake Linux 9.2 muss eMovix nachinstalliert werden. Unter http://rpm.pbone.net/index.php3/stat/4/idpl/1059225/com/emovix-0.9.0-0.pre1.1plf.noarch.rpm.html liegt ein aktuelles Paket, das Sie per Doppelklick einspielen.

Ein eMovix-Paket für Red Hat Linux 9 bietet die Website http://rpmseek.com/ an. Die genaue Adresse lautet http://rpm.livna.org/redhat/9/i386/RPMS.stable/emovix-0.8.0-0.lvn.2.rh90.i386.rpm?hl=de&nid=32049. Speichern Sie das heruntergeladene Paket in Ihrem Home-Verzeichnis und öffnen Sie eine Konsole, indem Sie im Schnellstarter ([Alt-F2]) konsole eingeben. Werden Sie Administrator durch Eingabe von su und geben Sie auf Nachfrage das Root-Passwort ein. Installieren Sie das RPM-Paket mit dem Aufruf

rpm -i *.rpm

Durch zweimalige Eingabe von [Strg-D] schließen Sie das Konsolenfenster.

Ab Version 0.9 von K3b lassen sich eMovix-CDs direkt im Brennprogramm erzeugen.

Abb. 4: eMovix-Projekte sind in K3b integriert.
  1. Wählen Sie im Menü Datei den Punkt Neues Projekt an. Im Untermenü finden Sie den Punkt Neues eMovix-CD-Projekt, in neueren K3b-Versionen auch Neues eMovix-DVD-Projekt (Abbildung 4). Im unteren Bildschirmteil öffnet sich dann eine Karteikarte.
  1. In der oberen Bildschirmhälfte sehen Sie einen Datei-Browser. Wählen Sie dort die Dateien aus, die auf die CD sollen. Greifen Sie diese mit dem Mauszeiger und lassen Sie auf der eMovix-Registerkarte fallen. Ganz unten zeigt ein grüner Balken an, wieviel Platz auf der CD noch frei ist (Abbildung 5).
  1. Wählen Sie im Projekt-Menü den Punkt Brennen an. Es öffnet sich ein neues Dialogfenster, in dem Sie zum Beispiel die Brenngeschwindigkeit festlegen können. Über einen Kartenreiter gelangen Sie zu den eMovix-Einstellungen (Abbildung 6). Hier legen Sie fest, wie oft alle Dateien auf der CD abgespielt werden sollen und ob das System danach herunterfahren soll. Wenn alles zu Ihrer Zufriedenheit festgelegt ist, legen Sie einen Rohling ein und bestätigen den Brennbefehl.

Abb. 5: Die Dateien werden einfach in den unteren Teil gezogen.

Abb. 6: Hier kann man seine eMovix-CD feinjustieren.

Die eMovix-CD bootet genau wie eine Movix-CD. Doch statt eines Auswahlmenüs beginnt der PC sofort mit der Wiedergabe der Videos in der Reihenfolge, in der sie auf CD gebrannt wurden.

Eine eMovix-CD lässt sich dabei auch problemlos auf anderen Systemen abspielen, ohne dass von ihr gebootet wird: Auf dem Datenträger liegen die unveränderten Mediendateien. (eba)

Infos
[1] Heike Jurzik: Allesbrenner, EasyLinux 05/2004, S. 16 ff.

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