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Erschienen in EasyLinux 06/2004   »   Ausgabe bestellen

Notensatz für den Hausgebrauch mit Rosegarden

Hausmusik im Rosengarten

von Inga Rapp


Rosegarden ist ein Musikkompositions-Tool, das neben seiner Fähigkeit, Midigeräte anzusprechen, auch einen Noten-Editor mitbringt. Dessen Features stellen wir in unserem Workshop vor.

Nicht nur Profis wollen gelegentlich ein paar Noten aufschreiben, auch Laien greifen ab und an zu fünffach liniertem Papier. Der kleine Chor unter Freunden weiß ordentlich gesetzte Noten ebenso zu schätzen wie die Profis -- und das allein ist schon Grund genug, einen näheren Blick auf Notensatzprogramme zu werfen. Rosegarden ist eines, das für den Hausgebrauch vollkommen ausreicht: Seine Möglichkeiten sind begrenzt, aber es überzeugt durch einfache Handhabung.

Installation

Rosegarden ein bei allen von EasyLinux unterstützten Distributionen bereits enthalten. Wie Sie das Programm nachträglich einrichten, wenn es noch nicht installiert ist, beschreibt der Kasten Installation.

Installation

Unter SuSE Linux finden Sie Rosegarden in YaST unter Software / Software installieren oder löschen. Wählen Sie als Filter Suche und geben Sie im Suchfeld "rosegarden" ein.

Unter Mandrake Linux 9.2 und Red Hat Linux 9 öffnen Sie im Konqueror die Web-Seite http://fr.rpmfind.net und geben als Suchbegriff rosegarden ein. Der oberste Treffer (rosegarden-2.1-1.i386.rpm) ist der richtige. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den rechten Link und wählen Sie aus dem Kontextmenü den Menüpunkt RpmDrake (Mandrake Linux) bzw. Install packages (Red Hat Linux).

Nach dem Download öffnet sich ein Fenster, in das Sie das Administratorpasswort eingeben, im folgenden Dialog bestätigen Sie die Installation von Rosegarden, und damit ist die Installation abgeschlossen. Das Programm erhält keinen Startmenüeintrag; Sie starten es über den Schnellstarter [Alt-F2] und Eingabe von rosegarden.

Es geht los

Nach dem Start präsentiert sich Rosegarden auf den ersten Blick alles andere als rosig: Graue Kästen füllen den Bildschirm, statt eines Hauptfensters bevölkern mehrere kleinere Fenster die KDE-Oberfläche. An allgemein vorgegebene Design-Schemata wie beispielsweise den Keramik-Look passen sie sich auch nicht an -- Rosegarden bleibt stets grau.

Abb. 1: Rosegarden bevölkert den Bildschirm mit vielen Fenstern.

Wir wünschen Euch Frieden

Mit Anwendungen wie Rosegarden machen Sie sich am effektivsten durch "learning by doing" vertraut. Das Lied "Dona nobis pacem" (lateinisch für "Gib uns Frieden") ist ein einfacher Kanon von einem unbekannten Komponisten aus dem 19. Jahrhundert. Chöre nutzen ihn gerne zum Einsingen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Noten dieses Kanons mit Rosegarden druckreif machen. Auf dem EasyLinux-Server finden Sie die Noten im Rosegarden-Format und als JPG-Bild.

Über den Menüpunkt File / New erstellen Sie ein neues Dokument. Rosegarden ist ein dialogfreudiges Programm, und schon an dieser Stelle möchte es eine erste Antwort von Ihnen haben: Wie viele Stimmen soll das neue Notensystem haben? Für einen Kanon benötigen Sie nur eine einzige, daher verändern Sie die hier vorgegebene Angabe 1 nicht.

Rosegarden versieht diese Stimme automatisch mit der Bezeichnung "Staff 1" und spendiert ihr einen Violinschlüssel und 4/4-Takt. Ebenso beginnt es standardmäßig jede neue Notenzeile in C-Dur respektive a-Moll -- also ohne jegliches globale Vorzeichen.

Abb. 2: Eine neue Stimme -- Rosegarden legt das Liniensystem auf Anweisung an.
Übersetzungshilfe

Englisch Deutsch Bar Taktstrich Chord Akkord Double Bar Doppelstrich Key Signature Tonart Slur Bindung Staff Notenzeile, Liniensystem Time Signature Metrum

Schon an dieser Stelle ist Ihr Einsatz gefordert: Markieren Sie die Zeile und wählen Sie Staff / Rename Staff. Im folgenden Dialogfenster können Sie eingeben, wie die Zeile heißen soll. Lassen Sie das Feld einfach leer, erscheint kein Name.

Das "Dona nobis pacem", das hier als Beispiel dient, setzt 3/4-Takt voraus. Über das Menü Bar / Time Signature ändern Sie die metrische Vorgabe. Im Dialogfeld, das nach dieser Auswahl erscheint, können Sie mit der Maus und den Pfeilbuttons oben eine "3" und unten eine "4" hervorzaubern.

Abb. 3: Ändern Sie die "Time Signature", d. h., das Metrum des Stückes.

Bestimmen Sie nun über Bar / Key Signature die Tonart. In diesem Fall benötigen Sie F-Dur, also ein globales b. Rosegarden kommt Ihnen im Aufbau des Dialogfelds freundlich entgegen -- ein einfaches Auf oder Ab über die Pfeilbuttons führt zum Ziel. Sie können nach Herzenslust mit Vorzeichen jonglieren, quer durch den Quintenzirkel hindurch. Rosegarden hilft dabei sogar Ihrem Gedächtnis auf die Sprünge und zeigt Ihnen an, um welche Dur- beziehungsweise Moll-Tonart es sich handeln kann.

Abb. 4: Rosegarden hat auch den Quintenzirkel parat -- und auf Knopfdruck quasi jede gewünschte Tonart.

Palettenweise Noten

Die Noten geben Sie mit der Maus und der Palette, die Rosegarden direkt neben dem Editor-Fenster anzeigt, ein: Markieren Sie den gewünschten Notenwert und klicken Sie mit der Maus im Editor auf oder zwischen die Notenlinien an exakt die Stelle, wo der Notenkopf hin soll. Die Form des Cursors verändert sich in eine stilisierte Notenlinie. Das hilft dabei, die außerhalb des Systems notwendigen Hilfslinien ungefähr zu lokalisieren und so die Notenköpfe auf die richtige Höhe zu bringen.

Punktierungen erreichen Sie, indem Sie vor dem Eintragen einer Note den Punkt-Button oben rechts in der Palette anklicken. Ebenso verfahren Sie bei eventuell nötigen zusätzlichen Vorzeichen. Vorsicht: Keiner der Paletten-Buttons deaktiviert sich automatisch wieder, alle bleiben so lange aktiv, bis Sie sie entweder ein zweites Mal betätigen und dadurch deaktivieren oder einen anderen Button auswählen.

Abb. 5: Die Palette ist ein unverzichtbares Utensil für die Noteneingabe.

Wenn Sie die Noten von "Dona nobis pacem" eingeben, werden Sie feststellen, dass Rosegarden mitdenkt: Einige Dinge beachtet es von sich aus beziehungsweise setzt sie direkt um. Balken zwischen aufeinander folgenden Achtelnoten setzt es selbst, außerdem berechnet es, wie viele Noten in einen Takt passen und beginnt bei Bedarf einen neuen. Auch die Richtung der Tonhälse legt es auf Anhieb richtig fest.

In einem Punkt gehen Rosegarden allerdings die Kristallkugelfähigkeiten aus: Es bricht Notenzeilen nicht automatisch um. Das komplette Stück steht nach der Eingabe erst einmal in einer einzigen Zeile. Mit den Pfeil-Buttons am unteren Rand des Editor-Fensters können Sie sich innerhalb dieser Zeile hin und her bewegen. Die einfachen Pfeile schieben das Notenbild jeweils einen Takt vor und zurück, die doppelten verschieben es um eine Bildschirmbreite nach links oder rechts. Die Angabe Bar zwischen den Pfeilbuttons hält Sie darüber auf dem Laufenden, welcher Takt gerade links außen steht.

Abb. 6: Rosegarden denkt schon bei der Noteneingabe mit -- nur umbrechen will es das Liniensystem nicht.

Editier mich!

Rosegarden macht zwar relativ viel von sich aus, aber einiges an Handarbeit ist beim Editieren schon noch nötig. Die Palette benötigen Sie nicht mehr. Achten Sie darauf, dass kein Punkt dieses Fensters aktiviert ist, um nicht aus Versehen weitere Noten hinzuzufügen. Sollte Ihnen trotzdem einmal ein Missgeschick in Form einer unnötigen Note passieren, markieren Sie diese einfach und entfernen Sie sie mit Edit / Delete.

Sie haben zwei Möglichkeiten, mit der Maus Einzelteile im Notenbild zu markieren. Nach einem einfachen Linksklick erscheinen zwei angedeutete Dreiecke oberhalb und unterhalb des Liniensystems. Änderungen, die Sie nach einer solchen Markierung tätigen, beziehen sich auf den gesamten Takt. Meist handelt es sich um Meta-Angaben wie Text oder Tempi. Wenn Sie Angaben einfügen wollen, die sich auf konkrete Noten oder Notengruppen beziehen, markieren Sie diese einfach, indem Sie die Maus mit gedrückter linker Maustaste daran entlang ziehen. Es erscheint eine Art horizontale eckige Klammer.

Beispielsweise benötigt das Ende jeder Phrase in "Dona nobis pacem" eine Fermate. Die erste Note, die eine solche verlangt, ist das punktierte F in Takt 8. Markieren Sie die Note mit dem Cursor und wählen Sie Marks / Pause. Verfahren Sie mit den anderen Phrasenenden in den Takten 16 und 24 ebenso. Wenn Sie sich schon am Ende der Notenzeile befinden, können Sie auch gleich die Gelegenheit nutzen, um sie ordnungsgemäß mit einem Doppelstrich abzuschließen. Das erledigt der Menüpunkt Bar / Double Bar.

Bindungsprobleme

Einige Noten im "Dona nobis pacem" sind gebunden. Bindebögen erzeugen Sie, indem Sie die zu bindenden Noten markieren und dann Group / Slur wählen. Alternativ können Sie auch den entsprechenden Button (dritter von rechts im zweiten Block von rechts) nutzen.

Beim lustigen flächendeckenden Verteilen von Bindebögen werden Sie an einer Stelle stolpern, und zwar in Takt 19: Dort hat Rosegarden das g' und das a' mit einem Balken verbunden, das b' jedoch nur mit einem Fähnchen versehen. Da Sie aber durch den Bindebogen das g' an das vorausgehende f' gebunden haben, muss auch dieser Balken auf die Kombination a' und b' verlagert werden. Markieren Sie also zunächst das g' und das a', die jetzt durch einen Balken verbunden sind. Wählen Sie dann Group / Break Group. Schon verflüchtigt sich der Balken zugunsten zweier Fähnchen. Markieren Sie nun das a' und das b', die letzten beiden Noten in diesem Takt. Sie sollen verbunden werden. Das erledigen Sie mit Group / Beam.

Abb. 7: Notenbindungen zu lösen und neu zu editieren ist ganz einfach.

Nun fehlt vor allem noch eines: die Einsätze der drei Stimmen des Kanons. Diese werden im Normalfall durch kleine Zahlen signalisiert, die über dem Liniensystem stehen. Setzen Sie den Cursor in den ersten Takt. Wählen Sie Bar / Label. Rosegarden fragt Sie, wie Sie den Takt benennen möchten. An dieser Stelle setzt die erste Stimme ein, also ist hier eine "1." fällig. Verfahren Sie ebenso für Takt 9 und 17.

Zugetextet

Ein ganz wesentliches Element fehlt noch: der Text, mit dem die Noten unterlegt sind. Rosegarden nimmt ihn taktweise entgegen. Zu diesem Zweck nutzen Sie am besten das Menü Text. Sie können wählen, ob Sie den Text oberhalb oder unterhalb des Liniensystems ansiedeln wollen und ob er normal oder kursiv erscheinen soll.

Bei einstimmiger Musik wird Text im Allgemeinen unterhalb des Notenbildes notiert, daher wählen Sie an dieser Stelle Text / Text Below. Geben Sie den Text ein, der unter den markierten Takt gehört. Bestätigen Sie mit Apply, markieren Sie den nächsten Takt und tragen Sie auch dort ein, was zu singen ist. Nachträgliches Korrigieren des Textes, um vergessene Kommata oder ähnliches einzutragen, ist leider nicht möglich.

Abb. 8: Text muss sein -- in diesem Fall unterhalb der Notenzeile.

Das "Dona nobis pacem" hat nun alles, was es braucht. Sie können es speichern. Wenn Sie die Datei ohne Angabe von Dateiendungen auf Platte schreiben, legt Rosegarden ein reines Textformat an. Wenn Sie die Datei im Konqueror öffnen, sehen Sie die Daten im Klartext (Abbildung 9).

Abb. 9: Rosegarden völlig schnörkellos -- reiner Text ist das Geheimnis.

Manchmal reicht auch im Hausgebrauch eine einzige Zeile nicht aus -- beispielsweise dann, wenn der Kanon zum Einsingen vom Klavier oder einem anderen Akkordinstrument begleitet werden soll. Um eine zweite Zeile hinzuzufügen, nutzen Sie den Menüeintrag Staff / Add Staff. Rosegarden fragt dann, ob es die neue Zeile oberhalb oder unterhalb der bereits existierenden einfügen soll (first oder last). Im Falle der Begleitung bietet sich eine Zeile unterhalb an.

Abb. 10: Oberhalb oder unterhalb? Neue Zeilen sind kein Problem.

Vergessen Sie auch hier nicht, wieder Metrum und Tonart zu ändern -- Rosegarden ist in manchen Dingen stur und nicht fähig, eine zweite Zeile eines Notensystems direkt der ersten anzupassen. Der Menüpunkt Staff / Bracket with next sorgt dafür, dass Verbindungen zwischen den beiden Zeilen hergestellt werden, sie also zu einem zusammengehörenden Notensystem werden. Die geschweifte Klammer vorab gehört ebenso dazu wie die durchgehenden Taktstriche. Die Funktion Staff / Fill to end sorgt dafür, dass auch in der zweiten Reihe bis zum Ende fünf Linien vorhanden sind. Rosegarden füllt sie automatisch mit Pausenzeichen auf (Abbildung 11).

Abb. 11: Eine Begleitung ist schnell ergänzt.

Begleitet

Eine anspruchsvolle Untermalung wäre hier sinnlos, daher bietet es sich an, nur wenige Akkorde zur Untermalung des Gesanges einzutragen. Sie haben zwei Möglichkeiten, Akkorde zu bilden: Entweder geben Sie die Noten, die Bestandteil des Akkordes sind, einzeln ein und fassen sie dann zusammen, oder sie lassen Rosegarden den Akkord automatisch bilden.

Für den ersten Takt liegt ein F-Dur als Untermalung nah. Geben Sie f', a' und c" als einzelne Viertel ein und markieren Sie diese Notengruppe. Ein Klick auf den Menüpunkt Chord / Create Chord sorgt dafür, dass die drei einzelnen Viertel sich zu einem gemeinsamen Akkord im Notenbild verbinden. Alternativ wählen Sie den Punkt Chord / Create by Name: Im darauf erscheinenden Dialogfenster geben Sie den Namen des Akkordes ein. Gitarristen werden sich mit der zweiten Möglichkeit sicherlich leichter tun, denn diese Art der Schreibweise ist eher für Gitarrennotation gebräuchlich.

Das Ergebnis ist ein simpler Dreiklang in der Grundform. Der Menüpunkt Chord / Edit Chord hilft, ihn anzupassen. Kehren Sie ihn um, fügen Sie ergänzende Töne hinzu -- Rosegarden bietet Ihnen durch die vier Pfeile alle notwendigen Möglichkeiten.

Abb. 12: Alles in Butter -- So könnte auch Ihr "Dona nobis pacem" letztendlich aussehen...

Spiel mich!

So schön ein sauberes Notenbild aussehen kann -- nur den wenigsten Hausmusikern erschließt sich beim bloßen Lesen, ob ein Fehler drin steckt. Rosegarden hat einen Sequenzer im Gepäck, der sich gerade in diesem Fall gut nutzen lässt: Der Menüpunkt File / Sequence! aktiviert hörbar ein virtuelles Klavier. Besonders naturgetreu klingt es nicht, aber das liegt in der Natur der Sache -- Rosegarden gibt an dieser Stelle so genanntes Midi-Format aus. Details dazu finden Sie im Kasten "Audiodateiformate" im Artikel "Hier spielt die Musik" auf Seite ##. Starten Sie das Abspielen Ihrer selbst eingegebenen Noten mit einem Klick auf den Play-Button.

Ist nichts zu hören, liegt das wahrscheinlich daran, dass der Alsa-Server noch nicht aktiviert ist. Wie das geht, beschreibt der Kasten "NoteEdit und MIDI-Ausgabe" im Artikel "Musik liegt in der Luft" auf Seite ##.

Für einfache Aufgaben reichen die Funktionen von Rosegarden vollkommen aus. Profimusiker werden sicher die eine oder andere Option vermissen -- beispielsweise ist es nicht möglich, mehrere Stimmen in ein Liniensystem zu setzen. Außerdem lässt die Stabilität sehr zu wünschen übrig: Im Test stürzte Rosegarden mehrfach unvermittelt ab. Häufiges Zwischenspeichern kann daher nicht schaden. (hge)

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