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von Martin Loschwitz
Sie kennen das Problem: Sie haben eine Tonaufnahme auf der Festplatte -- sei es ein selbst aufgenommener Song oder die Kopie eines Lieds von CD -- und statt toller Audioqualität hören Sie vermehrt Knackgeräusche, die eher an Schallplatten aus dem Jahre 1952 erinnern. Oder: Sie wollen ein Lied für einen bestimmten Zweck verwenden, es müsste aber etwas schneller, langsamer oder mit stärkeren Bässen abgespielt werden.
Die bekannten Abspielprogramme stellen Sie hier vor große Probleme: Die Palette der verfügbaren Funktionen ist über das normale Abspielen hinaus nämlich meist sehr klein. Das ist eigentlich nicht weiter verwunderlich -- wer lediglich ein Tool zum Abspielen von Liedern benötigt, will nicht mit der Komplexität eines Audio-Editors konfrontiert werden. Wollen Sie also Musik verändern, brauchen Sie ein zusätzliches Programm.
Entgegen allen Unkenrufen gibt es mehrere Audio-Editoren für Linux. Protux (http://www.nongnu.org/protux/) stellt z. B. ein sehr großes Repertoire an Funktionen zur Verfügung -- Neulinge laufen aber Gefahr, von jener Fülle leicht erschlagen zu werden. Dann gibt es Sweep (http://www.metadecks.org/software/sweep/), das etwas einfacher strukturiert ist, bei dem die Notbremse manchmal aber trotzdem der einzige Ausweg ist. Unsere Entscheidung fiel auf Audacity (http://audacity.sourceforge.net/): Unter einer einfachen Oberfläche sind die Funktionen sehr schnell erreichbar, und das Programm ist nicht überladen.
Wie so oft im Leben ist vor das Vergnügen der Schweiß gesetzt, und so gilt es zunächst, audacity zu installieren. Leider ist es bei keiner der unterstützten Distributionen im Lieferumfang; große Probleme wirft dies aber nicht auf. Findige Entwickler und Freiwillige haben nämlich Pakete erstellt, so dass mittlerweile für SuSE, Red Hat und Mandrake Linux die nötigen Pakete zur Verfügung stehen. Auch die Art und Weise, wie Sie diese bei den verschiedenen Distributionen auf das System bekommen, unterscheidet sich kaum.
Noch ein kurzer Hinweis: Im Folgenden wird neben audacity stets auch ein Paket namens wxGtk auf das System kommen. wxGtk ist eine so genannte Toolkit-Bibliothek, die für das grafische Interface des Programms spezielle Funktionen bereithält. Für audacity ist sie zwingend notwendig. Außerdem können je nach Distribution zusätzliche Sonderpakete hinzukommen, die dann in die Installationsanleitung mit eingearbeitet sind.
So installieren Sie audacity für SuSE Linux 8.2
Bei der aktuellen SuSE-Version läuft die Installation ähnlich wie bei SuSE Linux 8.2 ab.
Für Red Hat Linux 9 ziehen Sie alle Pakete, die für audacity benötigt werden, vom EasyLinux-Server.
Auch für Mandrake Linux gibt es Pakete der aktuellen audacity-Version 1.2.0, besser noch: Sie liegen bei einigen Varianten der offiziellen Mandrake-Boxen auf der DVD bzw. den CDs vor und können bequem mit rpmdrake installiert werden. Suchen Sie einfach nach dem Paket mit dem Namen audacity, markieren Sie dieses zur Installation und bestätigen Sie die Auswahl. Das war's.
Wenn Sie mit dem EasyLinux-Starter-Kit 4 arbeiten, benötigen Sie zwei Pakete aus dem Download-Bereich: audacity und libwxgtk2.5. Laden Sie diese Pakete herunter und installieren Sie beide separat (zuerst libwxgtk2.5), indem Sie sie im Konqueror rechts anklicken und aus dem Kontextmenü RpmDrake wählen. Bei der Installation von audacity wird die EasyLinux-DVD angefordert, um eine weitere benötigte Bibliothek davon zu installieren.
Zum Abschluss der Installation noch ein kurzer Hinweis: Wenn sich ein Paket partout nicht installieren lassen will und rpm viele Meldungen der Art "audacity depends on XYZ.so.1.2.3" auswirft, ist eines der Pakete, die wxGtk oder audacity benötigen, nicht installiert. In diesem Fall können Sie die entsprechenden Pakete mit dem dafür von Ihrer Distribution vorgesehenen Programm nachinstallieren. Um die Pakete zu finden, suchen Sie idealerweise nach Paketen mit dem Teil im Namen, der auch in der Fehlermeldung als Abhängigkeit erwähnt wird.
Nun können Sie ihren Fähigkeiten als Toningenieur freien Lauf lassen. Wir geben im Folgenden noch eine kleine Hilfestellung für die ersten Schritte. Als Beispiel benutzen wir dabei übrigens den Westernhagen-Klassiker Willenlos.
Die meisten Anwender werden weniger mit der Erstellung eines eigenen Songs als mit der Modifizierung eines bereits vorhandenen Titels anfangen. Starten Sie dazu audacity über den Eintrag Sound/audacity im K-Menü. Es erscheint das Hauptfenster des Programms. Ein auf der Platte liegendes Lied öffnen Sie über Datei/Öffnen. Wählen Sie im Dialog die entsprechende Datei aus und bestätigen Sie mit Ok.
Es erscheint ein Zwischenfenster, in dem audacity den Status des Öffnens bekannt gibt. Ist dieser Schritt abgeschlossen, verändert sich das Aussehen des audacity-Fensters (Abbildung 2). Im Arbeitsbreich des Programms erscheint der so genannte Amplitudenverlauf. Mit diesem können Profis laute und leise Stellen erkennen.
Um im Aplitudenverlauf bestimmte Stellen zu markieren -- das ich wichtig, weil Sie nur markierte Teile bearbeiten können --, klicken Sie zunächst auf die Stelle im Verlauf, an der die Markierung beginnen soll. Dort sehen Sie dann eine senkrechte Linie.
Den Auswahlbereich legen Sie fest, indem Sie sich mit dem Mauszeiger jener Linie von rechts langsam nähern, bis aus dem normalen Mauszeiger ein kleiner Pfeil wird, der entweder nach links oder rechts zeigt. Dann können Sie mit einem Klick und anschließendem Gedrückthalten der linken Maustaste den Bereich aufziehen, in dem Sie arbeiten wollen. Lassen Sie sich von der Richtung, in die der Pfeil zeigt, nicht irritieren -- Sie können den Auswahlbereich in beide Richtungen vergrößern, unabhängig von der Pfeilrichtung. Nachdem Sie eine Stelle markiert haben, klicken Sie auf den grünen Pfeil in der oberen Toolbar -- wird dann nur der gewünschte Teil des Lieds abgespielt, war die Auswahl erfolgreich.
Eine alltägliche Aufgabe beim Bearbeiten von Musikstücken ist das Entfernen von lästigem Hintergrundrauschen, denn dieses verwandelt selbst die schönsten Lieder in nervige Krachmacher. Mit audacity schaffen Sie Abhilfe:
Neben der Rauschentfernung, mit der Sie die Qualität verbessern, unterstützt audacity auch viele Effekte, mit denen man ein Lied direkt und deutlich hörbar verändern kann. Haben Sie sich zum Beispiel jemals gefragt, wie sich ein Lied anhört, wenn es mit leicht erhöhter Geschwindigkeit läuft? Dank audacity muss das keine Überlegung bleiben. Um ein Lied zu beschleunigen, gehen Sie wie folgt vor:
Endet ein Lied abrupt, hinterlässt das beim Hörer oft Unbehagen. Abhilfe schaffen Sie, indem Sie die Song-Enden "ausfaden", also langsam ausblenden:

Natürlich bitet audacity auch Funktionen, um verschiedene Lieder zu vermischen. Es gilt dabei aber, zwei Arten des Mischens zu unterscheiden: Sie können entweder zwei komplette Lieder übereinander legen und diese gleichzeitig abspielen oder verschiedene Passagen aus zwei Liedern herauskopieren und dann in einem neuen Lied zusammensetzen.
Beide Arbeitsschritte sind mit audacity problemlos möglich; wir erklären aber zunächst, wie Sie verschiedene Passagen aus zwei Liedern zu einem Lied zusammensetzen.
Hier gibt es noch eine Besonderheit: audacity verwendet ein eigenes Format zum Speichern: Dessen Vorteil ist, dass jeder Arbeitsschritt gespeichert wird und auch wieder rückgängig gemacht werden kann. Um das Musikstück mit XMMS oder im mobilen MP3-Player abspielen zu können, exportieren Sie es in eines der bekannten Audioformate. Die Exportfunktionen sind im Menü Datei angesiedelt. Je nachdem, welches Audioformat Sie wählen, benötigen Sie eventuell zusätzliche Programmpakete. Für das OGG/Vorbis-Format empfiehlt sich oggenc. Zum MP3-Export nutzen Sie LAME (siehe Kasten "Installation von LAME"). (hge)
| Installation von LAME |
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audacity exportiert Lieder nicht direkt ins MP3-Format sondern verwendet die LAME-MP3-Bibliothek, kurz: die Datei libmp3lame.so.0. Aus lizenzrechtlichen Gründen ist das Programm bzw. die Bibliothek aber bei keiner Distribution im Lieferumfang. Diese müssen Sie daher zunächst installieren, um überhaupt Lieder ins MP3-Format bringen zu können. Das ist jedoch nicht weiter schwierig. Sie installieren LAME idealerweise in Form eines rpm-Pakets. Das finden Sie unter http://ftp.freshrpms.net/pub/freshrpms/redhat/9/lame/lame-3.93.1-fr2.i386.rpm. Geben Sie diese URL in die Adresszeile Ihres Browsers ein und speichern Sie die Datei in Ihrem Home-Verzeichnis. Öffnen Sie dann eine Konsole und führen Sie als Administrator root (also nach Eingabe von su und des Root-Passworts) den Befehl rpm -i lame-3.93.1-fr2.i386.rpm aus. Danach teilen Sie audacity noch mit, wo es die LAME-Bibliothek findet. Wenn Sie versuchen, zum ersten Mal eine Datei im MP3-Format abzuspeichern, wird audacity Sie nach der Bibliothek fragen. Es bietet dann an, nach der .so-Datei zu suchen, alternativ geben Sie selbst an, wo diese zu finden ist. Im Suchdialog ist als Name für die Datei "libmp3lame.so.0" festgelegt, auf Ihrem System heißt die Datei nach der Installation des LAME-Pakets aber libmp3lame.so.0.0.0. Ändern Sie den Namen im Suchfeld auf /usr/lib/libmp3lame.so.0.0.0 und klicken dann auf Ok. Achten Sie auf Tippfehler; der hier eingetragene Pfad ist später nämlich nur durch Bearbeiten der Konfigurationsdatei von audacity zu ändern. Den anschließenden Warnhinweis von audacity können Sie mit Yes quittieren. audacity sollte dann problemlos Lieder ins MP3-Format exportieren können. |
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Last modified: 2007-01-25 17:14
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