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von Andrea Müller
Digitalkameras sind etwas Feines: Statt im Fotolabor landen die Bilder gleich auf der Festplatte. Doch dort beginnen dann die Probleme: Was tun mit der ständig wachsenden Fotosammlung?
Das Programm Digikam nimmt sich solcher Sorgen an: Es überträgt nicht nur die Bilder auf die Festplatte, sondern organisiert auch gleich die Fotosammlung in Alben, erstellt CD-Archive und Slideshows oder wandelt die Bilderflut gar in ein Video. Selbst wer keine Digitalkamera sein Eigen nennt, kann das Komplettpaket als komfortablen Bildverwalter nutzen.
Digitalkameras unter Linux werden entweder wie Festplatten ins Dateisystem eingehängt, oder Sie greifen mit der gphoto2-Software auf die Bilder zu. Wie das im Einzelnen funktioniert, erfahren Sie unter [1].
Um in den Genuss der neuesten Digikam-Version zu kommen, führt der Weg über den EasyLinux-Download-Bereich [2]. Dort warten RPM-Pakete für alle von uns unterstützten Distributionen. Digikam selbst besteht aus den Paketen digikam und digikamplugins, die das Programm um einige Funktionen erweitern.
Unter Red Hat Linux brauchen Sie neben Digikam und dem Plugin-Paket noch die RPM-Dateien libexif und mjpegtools. Sie finden alle Pakete im EasyLinux-Download-Bereich. Bei der Installation müssen Sie die richtige Reihenfolge einhalten. Zuerst ist libexif dran, danach digikam, die mjpegtools und ganz zum Schluß die digikamplugins. Klicken Sie das jeweilige Paket doppelt an und authentifizieren Sie sich als Systemverwalter root. Das Programm redhat-install-packages prüft die Abhängigkeiten und installiert die heruntergeladenen Anwendungen. Haben Sie alle vier RPM-Pakete auf diese Weise eingespielt, finden Sie Digikam im Menü unter Grafik / Weitere Grafik-Applikationen / Digikam.
Mandrake-Linux-Nutzer laden die Pakete digikam und digikamplugins von unserer Download-Seite. Klicken Sie zuerst die Digikam-RPM-Datei im Konqueror an. Im folgenden Dialog geben Sie das Administrator-Passwort ein, damit rpmdrake startet. Er überprüft, ob noch weitere Software benötigt wird und spielt Digikam ein. Danach sind die Digikam-Plugins dran: Verfahren Sie ebenso wie mit dem Digikam-Paket und halten Sie Ihre Installations-DVD bereit. Damit Sie alle Plugins nutzen können, installiert rpmdrake zusätzlich noch einige Pakete wie K3b und die ImageMagick-Programmsammlung. Danach finden Sie Digikam im Startmenü unter Multimedia / Graphic / Digikam.
Am leichtesten gelingt die Installation mit der Professional-Version von SuSE Linux. Laden Sie die drei Pakete digikam, digikamplugins und mpeg2enc herunter. Das letztgenannte Paket brauchen Sie nur, wenn Sie mit Digikam erstellte Videos mit Sound unterlegen wollen. Klicken Sie erst das digikam-Paket im Konqueror an. Über den Button Installiere Paket mit YaST spielen Sie es ein. Danach ist das Plugin-Paket an der Reihe, bei dem YaST wahrscheinlich die Installationsmedien anfordert, um die Abhängigkeiten aufzulösen. Zuletzt installieren Sie mpeg2enc.
Nutzer der Personal-Version finden nicht alle nötige Software auf ihren CDs. Laden Sie sich in diesem Fall zusätzlich zu den drei Paketen aus unserem Download-Bereich die fehlenden Päckchen mjpegtools, avifile und die libquicktime vom SuSE-FTP-Server herunter [5, 4]. Spielen Sie die Software über den Schalter Installiere Paket mit YaST im Konqueror in der folgenden Reihenfolge ein:
Wollen Sie Ihre Fotos nicht in ein mit Sound unterlegtes Video umwandeln, lassen Sie das mpeg2enc-Paket einfach weg.
Ist Digikam installiert, starten Sie das Programm mit einem Schnellstartfenster ([Alt-F2]), in das Sie digikam eingeben. Zuerst will Digikam wissen, wo es die Fotoalben speichern soll (Abbildung 1). Das, was die Anwendung ganz klassisch Album nennt, ist nichts anders als ein Ordner auf der Festplatte. Wählen Sie zum Beispiel /home/benutzername/bilder als Albumbibliothekspfad und legen in Digikam ein Album namens Sommerurlaub an, liegen alle Fotos im Verzeichnis /home/benutzername/bilder/Sommerurlaub.
Haben Sie einen Speicherordner ausgewählt, startet Digikam in einer Zweifenster-Ansicht. Die linke Spalte listet später alle Alben auf, im rechten Bereich präsentiert Digikam die Fotos in einer verkleinerten Vorschauansicht. Zuerst legen Sie über Album / Neu einen Bilderordner an. Digikam erfragt den Namen und legt das Album an. Um es zu füllen, gibt es zwei Wege: Entweder bestücken Sie es mit Bildern von der Digitalkamera oder Sie fügen Fotos hinzu, die bereits auf der Festplatte liegen. Eine Kamera als Bilderquelle ist schnell eingerichtet:
Haben Sie stattdessen ein Gerät, dass Sie mit dem mount-Befehl ins Dateisystem einbinden, funktioniert die Hardware-Erkennung nicht. Solche Kameras richten Sie von Hand ein.
Auf die Fotos einer eingerichteten Kamera greifen Sie über Kamera / Kameraname zu. Digikam öffnet ein weiteres Fenster, das eine Vorschau aller Bilder präsentiert (Abbildung 2). Am unteren Rand des Fensters wartet ein Dropdown-Menü, aus dem Sie das Zielalbum für die Fotos auswählen. Mit dem Menüpunkt Kamera / Download / Alle transferieren Sie alle Bilder in das Album auf der Festplatte. Wollen Sie einige misslungene Aufnahmen nicht auf den Rechner laden, markieren Sie mit gedrückt gehaltener [Strg]-Taste die Download-Kandidaten. Diese Auswahl verfrachten Sie danach über Kamera / Download / Ausgewählte in den Bilderordner.
Haben Sie die Fotos auf die Festplatte übertragen, schaffen Sie mit Kamera / Löschen / Alle Platz für neue Aufnahmen. In einem Dialog fragt Digikam nach, ob Sie wirklich alle Bilder auf der Kamera löschen wollen, und entfernt die Aufnahmen erst nach einem weiteren Klick auf Löschen. Kamera / Beenden trennt die Verbindung zur Kamera und schließt das Vorschaufenster. USB-Massenspeicherkameras hängt diese Aktion jedoch nicht aus dem Dateisystem aus. Sie müssen sie selbst entweder über die Kommandozeile oder über das Kontextmenü des KDE-Desktop-Icons "unmounten".
Wollen Sie Bilder auf Ihrer Festplatte ebenfalls von Digikam verwalten lassen, wählen Sie Album / Bilder hinzufügen -- schon öffnet Digikam ein Dateiauswahlfenster. Navigieren Sie in den Ordner mit den Bildern und markieren Sie die Wunschkandidaten mit gedrückt gehaltener [Strg]-Taste. Ein Klick auf Ok überträgt sie ins gerade markierte Album (Abbildung 3). Die Originaldateien bleiben dabei erhalten.
Der Übersichtlichkeit halber speichert man nicht alle Fotos in einem Album, sondern legt mehrere dieser praktischen Ordner an. Neben einem aussagekräftigen Namen können Sie jeden der Speicherordner einer Kategorie zuordnen. Klicken Sie dazu ein Album mit der rechten Maustaste an und wählen Sie Albumeigenschaften bearbeiten aus dem Kontextmenü. Hinter Kommentare versehen Sie das Album mit einer zusätzlichen Beschreibung, unter Albumkollektion ändern warten schon einige vordefinierte Kategorien, wie Reisen oder Freunde. Ist keine passende dabei, legen Sie mit dem Button Hinzufügen eine eigene an.
Haben Sie versehentlich ein Foto ins falsche Album einsortiert, verfrachten Sie es per Drag & Drop an den richtigen Ort. Sobald Sie die Datei über dem Zielalbum fallen lassen, blendet Digikam ein Popup-Menü ein, in dem Sie entscheiden, ob Sie das Bild kopieren oder verschieben wollen.
Klicken Sie eine Datei doppelt an, öffnet Digikam sie in einem neuen Fenster. Das Programm passt die Größe automatisch an die eingestellte Bildschirmauflösung an. Um das Bild in voller Größe zu sehen, klicken Sie auf das Lupen-Icon in der Werkzeugleiste.
Sogar einfache Bildbearbeitungsfunktionen beherrscht der Fotoverwalter: Haben Sie ein Foto mit Doppelklick geöffnet, bietet das Kontextmenü die Optionen, die Helligkeit oder den Kontrast der Aufnahme zu erhöhen oder zu senken (Abbildung 4). Wurde ein Bild mit senkrecht gehaltener Kamera geknipst, klicken Sie es in der Thumbnail-Ansicht mit der rechten Maustaste an und drehen es über Transformiere / Drehen in die richtige Position.

Um seine digitalen Schätze auch herzuzeigen, bringt Digikam ein Slideshow-Plugin mit, das alle oder ausgewählte Bilder im Vollbildmodus nacheinander anzeigt. Markieren Sie dafür ein Album und starten Sie die Präsentation über Extras / Diashow. Im oberen Abschnitt des nun geöffneten Dialogs legen Sie fest, ob Sie alle Bilder oder nur die gerade markierten anzeigen wollen. Hinter Verzögerung zwischen den Bildern (ms) stellen Sie ein, wie viele Millisekunden Digikam jedes Foto zeigt. Im Dropdown-Feld Übergangseffekt bestimmen Sie den Überblendeffekt. Standardmässig nimmt Digikam jedesmal einen anderen. Wer die Hardware-Beschleunigung seiner Grafikkarte [3] eingerichtet hat, sollte Benutze OpenGL Übergänge in der Diashow aktivieren: Dann nutzt Digikam spektakuläre dreidimensionale Effekte zur Überblendung, von denen Würfeln besonders gut gelungen ist. Nach einem Klick auf Ok beginnt die Diashow, die Sie jederzeit mit einem Mausklick oder Druck auf [Esc] unterbrechen können.
Wer seine Bilder auf der eigenen Homepage veröffentlichen oder in ansprechender Form weitergeben will, freut sich über den HTML-Export. Dank eines komfortablen Assistenten ist das auch ohne HTML-Kenntnisse schnell erledigt:
Jetzt heißt es ein wenig warten, bis Digikam die HTML-Seiten generiert hat. Anschließend öffnet es die Hauptseite im Browser, sofern Sie diese Option im Abschnitt Optik aktiviert haben. Ein Klick auf eines der Vorschaubilder zeigt das Foto in der vollen Größe; im oberen Abschnitt dieser Detailansicht liegt eine Navigationsleiste, mit der Sie bequem durch alle Dateien eines Albums blättern (Abbildung 5).
Hat man am HTML-Export einmal Gefallen gefunden, kommt man schnell auf den Gedanken, dass sich diese Form prima eignet, eine Fotosammlung an Freunde und Bekannte auf CD weiterzugeben. Auch diese Arbeit nimmt Digikam dem Hobbyfotografen ab: Der Fotoverwalter ruft K3b auf, um die CD zu schreiben. Leider funktionierte das auf unseren Testsystemen nicht unter SuSE Linux 9.0. Anwender dieser Distribution lesen im Kasten "CD-Archiv mit SuSE Linux 9.0 erstellen" nach, mit welchem Trick sie K3b die zu brennenden Dateien trotzdem unterjubeln.
| CD-Archiv mit SuSE Linux 9.0 erstellen |
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Beim Archivieren auf CD wartet unter SuSE Linux 9.0 nur eine Fehlermeldung auf den Anwender, sobald er im Digikam-CD-Dialog auf OK drückt.
Das nicht auffindbare Dokument, das K3b bemängelt, ist die XML-Datei, die Digikam ihm auf der Kommandozeile übergeben hat. Dort steht die Liste der Dateien, die auf die CD sollen. Schuld daran ist K3b selbst: Nach dem Start erzeugt es sofort einen weiteren K3b-Prozess, eine Art Speicherkopie von sich selbst, die den Brennauftrag erledigen soll. Vom zuerst gestarteten K3b-Prozess bekommt Digikam die Rückmeldung "Bin fertig". Wie es sich für ein ordentliches Programm gehört, löscht Digikam daraufhin alle gerade erstellten temporären Dateien, auch die XML-Liste mit den Namen der zu brennenden Bilder. Das müssen Sie sich nicht gefallen lassen -- mit den folgenden Schritten tricksen Sie die beiden unkooperativen Programme aus:
#!/bin/bash k3b --nofork $1
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Auf Wunsch produziert Digikam aus Ihren Fotos ein Video, das Sie später auf eine Video-CD (VCD) oder SVCD brennen können. Alternativ sehen Sie es mit einem Video-Player wie Kaffeine oder Xine an. Es zeigt jedes Bild für eine gewisse Zeit an und dient damit als portable Diashow.
Ein Bildervideo erstellen Sie über den Assistenten, der sich hinter dem Menüpunkt Extras / MPEG Kodierer verbirgt. Starten Sie den Dialog das erste Mal, bittet Sie Digikam, den Programmpfad für die Anwendungen des ImageMagick-Pakets zu kontrollieren. An dieser Stelle stolpert man leicht in eine Falle: Die Fehlermeldung erscheint vor dem Digikam-Fenster, dahinter geht jedoch noch ein Konfigurationsdialog auf. Schließen Sie die Fehlermeldung mit Klick auf OK und verschieben oder minimieren Sie dann das Digikam-Hauptfenster, um den Konfigurationsdialog nach vorne zu holen. Dort klicken Sie auf Optionen und schließen das Fenster gleich danach über den OK-Button wieder, ohne in den Optionen etwas zu ändern. Die Voreinstellung /usr/bin ist auf allen vier von uns getesteten Distributionen korrekt.
Als Videoformat haben Sie die Wahl zwischen VCD, XVCD, SVCD und DVD. Die Einstellung PAL behalten Sie bei: Diese Fernsehnorm ist die richtige Wahl, wenn Sie die Videodatei später im DVD-Player am Fernseher abspielen wollen. Passen Sie gegebenenfalls den Wert hinter Bildanzeigedauer an -- voreingestellt sind zehn Sekunden. Bei Geschwindigkeit des Bildübergangs legen Sie fest, ob das Video direkt zum nächsten Bild springt (keine) oder mit einem Überblendeffekt zum nächsten wechselt. Am Name der MPEG Ausgabedatei müssen Sie nichts ändern; merken Sie sich nur den Pfad, damit Sie wissen, wo Sie das Video später finden. Optional suchen Sie sich noch eine Audio-Eingabedatei (Abbildung 6) aus, mit der Digikam das Video musikalisch unterlegt. Ist der Song jedoch kürzer als die Anzeigedauer aller Bilder, bricht der Sound mitten im Video ab. Bei den Bilddateien hat Digikam schon alle Fotos des aktiven Albums eingetragen. Einzelne Exemplare können Sie markieren und über Löschen aus der Liste entfernen. Die Schaltflächen Bild nach oben und Bild nach unten zum Einstellen der Reihenfolge der Bilder sind nicht nutzbar: Versucht man, die Bilder umzusortieren, stürzt Digikam reproduzierbar ab.
Ein Klick auf Kodieren startet die Videoproduktion. Der Vorgang braucht sehr viel Rechenleistung und dauert auch auf modernen Rechnern ziemlich lange -- Zeit für Kaffee und Kuchen. Sobald das Video fertig ist, blendet Digikam eine Erfolgsmeldung ein.
Wollen Sie aus dem Video eine VCD oder SVCD erstellen, brauchen Sie das vcdimager-Paket, das K3b automatisch nutzt, wenn es installiert ist. Bei der Professional-Version von SuSE Linux ist es dabei, Personal-Nutzer laden es vom SuSE-FTP-Server herunter [4, 5]. Für Mandrake Linux liegt ein passendes Päckchen unter [6], und wer mit Red Hat Linux 9.0 arbeitet, wird unter [7] fündig. Sie installieren die Software ebenso wie die Digikam-Pakete.
In K3b wählen Sie danach Datei / Neues Projekt / Neues Video-CD-Projekt und ziehen das eben erstellte Video ins Projektfenster. Ein Klick auf das Brennen-Symbol öffnet den Video-CD-Dialog, dessen Voreinstellungen Sie übernehmen können. K3b erkennt automatisch, ob Sie eine VCD oder SVCD erstellen wollen. Ein Druck auf Schreiben startet den Brennvorgang (Abbildung 7) (eba).
| Infos |
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[1] Andrea Müller: "Bitte recht freundlich", EasyLinux 07/2003, S. 26 ff.
[2] EasyLinux-Download-Seite: http://www.easylinux.de/Download/ [3] Mirko Dölle: "Die dritte Dimension", EasyLinux 03/2004, S. 66 ff. [4] FTP-Ordner mit Paketen für SuSE Linux 8.2: ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/8.2/suse/i586/ [5] FTP-Ordner mit Paketen für SuSE Linux 9.0: ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/9.0/suse/i586/ [6] vcdimager für Mandrake Linux: ftp://fr.rpmfind.net/linux/Mandrake/9.2/contrib/i586/vcdimager-0.7.18-1mdk.i586.rpm [7] vcdimager für Red Hat Linux: ftp://194.199.20.114/linux/freshrpms/redhat/9/vcdimager/vcdimager-0.7.14-fr1.i386.rpm |
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Last modified: 2007-01-25 17:14
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