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Erschienen in EasyLinux 06/2004   »   Ausgabe bestellen

Ein Leben ohne Laufwerksbuchstaben

Laufwerke A:, B: und C:

von Hans-Georg Eßer


Programme liegen auf C:, die Diskette heißt A: und das DVD-Laufwerk D: -- so kennt man es von Windows. Linux verwaltet Datenträger anders. Welche Vorteile das hat, verrät dieser Artikel.

Basics

In der neuen Rubrik Basics finden Sie ab sofort Grundlagenwissen rund um Linux, das nicht distributionsspezifisch ist.

Die Artikel der neuen Rubrik sind daher etwas "trockener", beantworten dafür aber viele Fragen.

Schon seit über 20 Jahren gibt es Betriebssysteme, die Datenträger über so genannte Laufwerksbuchstaben ansprechen: Die Bezeichnungen A: und B: für die ersten beiden Diskettenlaufwerke in einem PC verwendet Windows als Nachfolger von Microsoft DOS (Disk Operating System), und MS-DOS hat dieses Konzept von dem noch älteren System CP/M (Control Program for Microprocessors) übernommen, das zum Beispiel auf alten Heimcomputern wie dem Commodore C128 und dem Schneider CPC lief.

Als dann die ersten Festplatten für PCs auf den Markt kamen, wurde einfach weiter gezählt, und so erhielten DOS-Partitionen die Bezeichnungen C:, D: usw.; mit CD-/DVD-Laufwerken und sonstigen Geräten kamen noch mehr Buchstaben dazu, und Netzwerk-Volumes (Freigaben) werden unter Windows typischerweise mit "höheren" Buchstaben (H:, M:, ...) angesprochen.

Schön kurz, aber ...

Das Konzept der Laufwerksbuchstaben ist eigentlich recht praktisch: Mit nur zwei Zeichen (Buchstabe und Doppelpunkt), die einem Pfad vorangestellt werden, gibt man das Gerät an, auf dem zu suchen ist. Die Unterscheidung zwischen Diskette, Festplatte und CD als verschiedenen Geräten wird so auch durch die unterschiedlichen Buchstaben passend symbolisiert.

Wer mit mehreren Platten oder vielen Partitionen arbeitet, verliert aber schnell die Übersicht: Jede Partition (mit einem DOS-/Windows-Dateisystem) erhält unter Windows einen eigenen Laufwerksbuchstaben, und bei zwei "Laufwerken" C: und D:, die auf der gleichen Festplatte liegen, werden die Begriffe unlogisch, denn das "C-Laufwerk" und das "D-Laufwerk" sind ja nur zwei benachbarte Partitionen auf demselben Laufwerk.

Dazu kommt noch, dass frühere Windows-Versionen (95/98/ME) beim Einbau einer neuen Platte eventuell die Laufwerksbuchstaben durcheinander geworfen haben: Die Regel zur Nummerierung war dort "erst die primären Partitionen, dann die logischen in einer erweiterten Partition". Wird zu einer Platte mit primärer Partition C: und logischem "Laufwerk" D: in der erweiterten Partition eine neue Platte eingebaut und dort eine primäre Partition angelegt, heißt diese ab dem nächsten Windows-Start D:, und das alte D: wird zu E:. Wer beispielsweise Startmenü-Einträge mit Verweisen auf D: hat, muss die anpassen...

Windows NT bis XP haben dieses Problem nur ansatzweise, weil man dort für die meisten Partitionen von Hand Laufwerksbuchstaben vergeben und so nach dem Einbau einer neuen Platte die alte "Ordnung" aufrecht erhalten kann.

Wer unter DOS nicht mit verschiedenen Laufwerksbuchstaben hantieren wollte, konnte in älteren Versionen den Befehl join verwenden, um ein Laufwerk über ein Unterverzeichnis eines anderen Laufwerks anzusprechen, das ging etwa so:

C:\> join e: c:\daten

Danach waren die Dateien auf Laufwerk E: unterhalb von C:\daten\ verfügbar.

Mount Unix

Der alte DOS-Befehl join versuchte im Grunde, ein altes Unix-Feature nachzubilden: nämlich die Fähigkeit, Datenträger über frei wählbare Verzeichnisse anzusprechen. So hat es Unix schon Jahrezehnte lang gemacht, und auch Linux nutzt den als "Mounten" bekannten Mechanismus, bei dem ein Datenträger (etwa eine Plattenpartition, eine Diskette oder CD) über ein Verzeichnis verfügbar gemacht wird.

Um einen Datenträger unter Linux zu mounten, kann man (mit Administratorrechten ausgestattet, also als Benutzer root) das Kommando mount verwenden, dem man im Wesentlichen eine Gerätedatei und ein Verzeichnis übergibt:

Ein entsprechender Aufruf könnte also die Form

mount /dev/cdrom /media/cdrom

haben -- damit binden Sie unter SuSE Linux eine CD in das Gesamt-Dateisystem ein.

Einige Datenträger werden aber fest eingebunden, dazu gehört in jedem Fall die Linux-Partition, auf der sich das Wurzel- oder Root-Verzeichnis / befindet -- diese Partition heißt darum auch die Root-Partition. Sie wird bereits beim Booten des Systems gemountet; zum einen, weil der Bootloader weiß, welche die Root-Partition ist, zum anderen aber auch, weil das in der Konfigurationsdatei /etc/fstab so festgelegt ist: Dort stehen nämlich in einem Linux-System Informationen über alle bekannten Datenträger und die Verzeichnisse, über die sie erreichbar sein sollen.

Wozu ist das gut?

Welchen Vorteil bringt es nun, verschiedene Geräte über Unterverzeichnisse statt über Laufwerksbuchstaben anzusprechen -- ist die Vergabe verschiedener Laufwerksnamen wie A:, C: und D: für Diskette, Festplatte und CD nicht logischer?

Wie schon weiter oben beschrieben, ist das ein vernünftiger Ansatz, solange man genau eine Festplatte (genauer: eine einzige Partition), ein Disketten- und ein CD-Laufwerk hat und an der Hardware nichts ändert -- das garantiert nämlich unter Windows, dass die Laufwerksbuchstaben sich nie ändern.

In ein Linux-System können Sie jederzeit zusätzliche CD-Laufwerke, Festplatten oder andere Speichermedien integrieren oder beispielsweise die Reihenfolge der Festplatten ändern, auch der Ausbau einer internen IDE-Platte und anschließende Anschluss über ein externes USB- oder Firewire-Gehäuse ist relativ problemlos: Dadurch ändern sich zwar die Namen der Gerätedateien, über die Linux diese Geräte anspricht -- nach einer entsprechenden Anpassung in der Zuordnungsdatei /etc/fstab ist aber wieder alles beim Alten: Die Inhalte der Datenträger finden sich wieder in den Verzeichnissen, in die sie gehören.

Linux unterstützt außerdem die Verwendung von Labels, also Namen, die den Festplattenpartitionen gegeben werden: Damit können Sie (mit etwas Vorsicht) die Platten sogar umstrukturieren, ohne etwas an der Zuordnungsdatei zu ändern, wenn auch diese mit Labels arbeitet. (Das ist allerdings eine fortgeschrittenere Aufgabe.)

Platz schaffen

Die Flexibilität, die einem das Mounten verschafft, nutzt man auch, wenn der Platz auf einer Partition knapp wird: Arbeiten Sie beispielsweise mit einer einzigen Linux-Partition, die zu 95% gefüllt ist, können Sie als normaler Anwender keine Dateien mehr speichern. Eine neue Platte löst dann das Platzproblem auf einfache Weise: Kopieren Sie ein gesamtes Unterverzeichnis, wie beispielsweise /home oder /usr, auf die neue Platte und löschen Sie die Inhalte des ursprünglichen Verzeichnis -- dann mounten Sie die Kopie einfach in das jetzt leere Verzeichnis, und fertig ist das neue System.

Bei Verwendung von Laufwerksbuchstaben müssten Sie beispielsweise C:/home/benutzer nach dem Verschieben als D:/benutzer ansprechen, was vielleicht nicht jedem Programm gefällt, das Dateien "auf" C: gespeichert hat -- unter Linux bemerken Programme gar nicht den Unterschied: Was vorher /home/benutzer war, ist auch nach dem Umbau /home/benutzer; dass die Dateien jetzt auf einer anderen Partition liegen, interessiert die Software nicht.

Details!

Hat Sie diese Beschreibung neugierig auf das Mounten gemacht? Detailinformationen zum Einsatz des mount-Befehls und zur Verwendung der Konfigurationsdatei /etc/fstab bietet der Artikel "Bergsteiger" auf Seite ## in dieser Ausgabe. (hge)

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