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von Martin Loschwitz
Früher war alles schlechter: Mozilla gab es nicht, und Netscape 4.7 kämpfte neben dem noch jungen Konqueror quasi alleine für Linux an der Front der grafischen Browser. Da mussten selbst die Linux-Enthusiasten eingestehen, dass der Internet Exlorer in Sachen Benutzerfreundlichkeit die Nase vorn hatte.
Im Jahre 2004 hat sich das grundlegend geändert: Konqueror ist stabiler und umfangreicher, und auch Mozilla setzt neue Maßstäbe. Der Browser, der aus den Überresten der ehemaligen Netscape Suite hervorging, entwickelte sich schnell zum festen Bestandteil von fast jeder Linux-Distribution.
Die Mozilla-Suite stellte sich schließlich als viel zu groß heraus und wurde aufgeteilt. Die Browser-Komponente hieß erst Phoenix, dann Firebird; heute heißt sie Firefox. Firefox hat es mittlerweile in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses geschafft: Vor allem dort, wo es gilt, eine brauchbare Alternative zum manchmal nicht ganz sicheren Internet Explorer zu finden, ist der freie Browser erste Wahl.
Wir zeigen, wie Sie Firefox weit über die Grenzen der Standardinstallation hinaus ausreizen. Zuvor müssen Sie den Browser selbst und gegebenenfalls eine deutsche Sprachdatei aufs System bringen.
SuSE Linux 9.0 liegt kein Firefox-Paket bei, so dass Sie mit Paketen aus dem Internet nachhelfen müssen. Den offiziellen Pfad verlassen Sie dabei aber nicht: SuSE selbst stellt Pakete auf einem FTP-Server bereit. Entsprechend einfach ist die Installation.
Als SuSE Linux 9.1 kürzlich veröffentlicht wurde, war der Firefox-Stern am Browser-Himmel bereits erschienen. Deswegen liegen sowohl SuSE Linux 9.1 Personal als auch der Professional-Variante fertige Firefox-Pakete bei, die Sie bequem mit YaST2 einspielen.
Mandrake Linux 9.2 wiederum ist zu alt, um Firefox bereits an Board zu haben. MandrakeSoft stellt offiziell auch keine Pakete bereit; es gibt aber Pakete im Mandrake Cooker (der Entwicklungsvariante von Mandrake), die für 9.2 neu kompiliert wurden.
Starten Sie einen Browser und öffnen Sie die URL [2]. Speichern Sie die Datei in Ihrem Home-Verzeichnis. Navigieren Sie im Datei-Manager zum Paket und klicken es doppelt an, um es zu installieren. Geben Sie Ihr Administratorpasswort ein und bestätigen Sie die Nachfrage von RPMDrake mit Ok. Das Installations-Tool spielt nun das Paket ein.
Als älteste EasyLinux-Distribution enthält Red Hat Linux 9 ebenfalls keine Firefox-Pakete. Auch hier haben findige Entwickler aber welche geschnürt.
Bei allen Distributionen starten Sie Firefox über das K-Menü: Mandrake-Nutzer finden den Eintrag unter Netzwerk / WWW, Red-Hat-Anwender unter Internet, unter SuSE liegt er in Internet / Web-Browser. Eventuell müssen Sie sich nach der Installation ausloggen und neu anmelden, damit Firefox im Menü erscheint.
Über die Grundfunktionen von Firefox finden Sie unter [4] einen ausführlichen Artikel. Diesmal beschäftigen wir uns mit einer recht unscheinbaren aber durchaus nützlichen Extension für Firefox. Der Begriff Extension beschreibt dabei ein kleines Stück Software, das auf Wunsch des Benutzers oder bei Bedarf in ein Programm geladen werden kann. Die Extension vergrößert dann das Funktionsspektrum des Programms.
Beim Werdegang vom festen Bestandteil der riesigen Mozilla-Suite hin zum schlanken, separaten Browser, hat Firefox einige Änderungen mitgemacht, die vor allem der Benutzerfreundlichkeit dienen sollten. Ein ganz konkretes Beispiel ist der Konfigurationsdialog. Aus diesem entfernten die Entwickler viele Optionen und ersetzten Sie durch festgelegte Standardwerte. Das ist einerseits sicher von Vorteil: Anwender werden so nicht von der Vielfalt der Möglichkeiten erschlagen. Es gibt aber auch die Kehrseite der Medaille: Manchmal will der Anwender genau diese rausgeworfenen Optionen ändern. Zu denen gehören u. a. die Spracheinstellung des Browsers, die Dateizuordnungen und das Scroll-Verhalten des Mausrads.
Hier setzt die vorgestellte Extension an: "Dinge, die sie weggelassen haben" -- "Things They Left Out" oder kurz und knackig "TTLO" nennt sich das Utility, das dem Benutzer all die im Lauf der Zeit absichtlich versteckten Konfigurationsoptionen wiederbringt.
Unter Red Hat und Mandrake Linux bricht die normale Installation der Erweiterung mit einem Fehler ab. Auf diesen Distributionen steht daher ein kleiner Umweg an: Öffen Sie eine Shell und melden sich als Administrator an. Geben Sie mozilla-firefox (Mandrake Linux) bzw. firefox (Red Hat Linux) ein, um den Browser unter Root-Rechten zu starten. Anschließend installieren Sie TTLO wie oben beschrieben.
Als letzten Schritt korrigieren Sie in der offenen Konsole noch die Zugriffsrechte auf die Erweiterung. Das geschieht unter Mandrake Linux mit dem Befehl
chmod o+rx /usr/lib/mozilla-firefox-0.8/chrome/ttlo2.jar
unter Red Hat Linux 9 mit
chmod o+rx /usr/lib/firefox/chrome/ttlo2.jar
Nun schließen Sie die Konsole und starten Firefox neu. Auf den ersten Blick sieht alles aus wie zuvor. Wenn Sie jedoch oben in der Menüleiste, wo File, Edit & Co. zu finden sind, auf Tools klicken, sehen Sie die Option More Options. Wählen Sie diesen Eintrag, erhalten Sie ein Konfigurationsfenster, wie Sie es von früheren Mozilla-Versionen gewohnt sind.
Im Konfigurationsmenü von TTLO finden Sie einige interessante Optionen (Abbildung 3). Haben Sie sich beispielsweise schon einmal über GIF-Animationen aufgeregt, die heftig flackern und deswegen eine Website völlig unlesbar machen? Mit TTLO schaffen Sie Abhilfe. Denn die Extension erlaubt es, entweder die Anzahl der Wiederholungen einer GIF-Animation zu begrenzen oder das Abspielen von solchen Bildern vollständig abzuschalten. Sie finden diese Option im Menüpunkt General.
Über den Menüpunkt MIME-Types lässt sich konfigurieren, welches Programm Firefox für einen bestimmten Dateityp zum Öffnen benutzt. Nehmen Sie sich etwas Zeit und erkunden Sie all die Optionen, die die TTLO-Extension zur Verfügung stellt. Seien Sie dabei aber vorsichtig, um nicht versehentlich wichtige Einstellungen zu verändern und damit den Browser kurzzeitig außer Gefecht setzen -- TTLO erlaubt tiefgreifende Veränderungen. (eba)
| Infos |
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[1] Firefox-Paket für SuSE Linux 9.0: ftp://ftp.gwdg.de/pub/linux/suse/ftp.suse.com/projects/mozilla/firefox/0.8/9.0-i386/MozillaFirefox-0.8-33.i586.rpm
[2] Firefox-Paket für Mandrake Linux 9.2: http://wwwra.informatik.uni-rostock.de/~waschk/Mandrake/9.2/mozilla-firefox-0.8-0.92.3mdk.i586.rpm [3] Firefox-Paket für Red Hat Linux 9: http://dag.wieers.com/packages/firefox/firefox-0.8-1.rh90.dag.i386.rpm. [4] Elisabeth Bauer: "Browsen mit dem Feuervogel", EasyLinux 12/2003 S. 35 ff. [5] "Things they left out"-Erweiterung: http://texturizer.net/firefox/extensions/#ttlo |
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Last modified: 2007-01-25 17:15
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