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von Hans-Georg Eßer
Seit einigen Wochen ist das neue SuSE Linux 9.1 auf dem Markt. Es bringt eine Reihe von Neuerungen mit sich, vielleicht am spektakulärsten ist der Umstieg auf die Kernel-Reihe 2.6. Mit Mandrake Linux 10 haben wir bereits in der vorherigen Ausgabe eine Distribution vorgestellt, die diesen Sprung gewagt hat, nun hat SuSE gleichgezogen.
Geändert haben sich Umfang und Preis der Personal- und Professional-Versionen: Das Personal-Paket kommt nun für 29,95 Euro ins Haus (SuSE 9.0 Personal: 49,95 Euro), ist also günstiger geworden, während die Professional-Version stolze 89,95 Euro (SuSE 9.0 Pro: 79,90 Euro) kostet. (LinuxLand bietet die Professional-Version mit 83,90 Euro etwas günstiger an [2].)
Die Personal-Version enthält nur noch zwei CDs, von denen eine eine Live-CD ist: Der Hersteller schlägt vor, diese Live-CD für erste Tests zu verwenden und erst nach erfolgreicher Prüfung, dass alle Hardware unterstützt wird, von der zweiten CD das System auf Platte zu installieren. Die Live-CD ist auch als ISO-Image kostenlos auf der SuSE-Web-Seite erhältlich.
Bei der Professional-Version ist die Anzahl der Medien gestiegen: Zwei Doppel-DVDs (also vier DVDs) enthalten den bekannten Paketumfang einmal für Intel-Prozessoren und einmal mit speziellen Optimierungen für AMDs 64-Bit-Prozessorlinie (Athlon 64) -- wer schon einen Rechner mit diesem Prozessortyp besitzt, wird sich darüber freuen, weil nur die speziellen Athlon64-Pakete die Leistungsfähigkeit dieser Prozessoren ausreizen.
Zu den beiden Doppel-DVDs kommen bei der Pro-Version noch fünf CDs, von denen man die Intel-Version installieren kann, wenn kein DVD-Laufwerk vorhanden ist; ferner eine CD eines Drittanbieters (SQL iAnywhere Studio).
Für den Test haben wir SuSE Linux 9.0 Personal (aus dem EasyLinux Starter Kit 5) auf einem recht durchschnittlichen PC installiert. Als "ungewöhnliche" Eigenschaften hat dieser ein internes Soft-Modem, das den Intel-HAM-Treiber benötigt, und zwei Grafikkarten (ATI und nVidia), für die bei der Installation eine Dual-Head-Konfiguration eingerichtet wurde. Im Dual-Head-Betrieb ist keine 3D-Beschleunigung möglich.
Was die Paketauswahl angeht, wurde ein Standardsystem installiert, die vorgeschlagene Auswahl der Starter-Kit-Distribution also nicht geändert. Zusätzlich haben wir von der EasyLinux-Download-Seite die Pakete digikam und digikamplugins installiert, die für SuSE Linux 9.0 erstellt wurden.
Die spannende Frage war nun: Was wird beim Update passieren, wenn die neue Personal-Version von SuSE Linux 9.1 verwendet wird, die nur noch aus einer CD besteht?
Beim Update- oder Installationsversuch sollten Sie nicht dem Handbuch trauen, das dafür empfiehlt, von der ersten CD zu booten: Diese ist die Live-CD, die für die Installation nicht geeignet ist. Stattdessen wird von der zweiten CD gebootet.
Die Optik des Installers wurde gegenüber der Vorversion leicht modernisiert. YaST schlägt eine Neuinstallation vor, obwohl sich bereits ein älteres SuSE Linux 9.0 auf der Platte befindet. Ein Klick auf Modus bestätigt die böse Vorahnung, wie SuSE das Update-Problem ("von zwei CDs auf eine") gelöst hat: Es erscheint die Dialogbox "Dieses Produkt bietet lediglich eine Neuinstallation" (Abbildung 1). Damit bleibt nur die Möglichkeit, die alte Version zu löschen oder eine zusätzliche Linux-Installation anzulegen -- wer hier nicht vorgesorgt hat und eine separate Home-Partition verwendet, wird an dieser Stelle abbrechen müssen.

Verwirrend: Das 88-seitige Installationshandbuch, das der Personal-Box als einzige Dokumentation beiliegt, behauptet auf Seite 2, dass sehr wohl ein Update möglich ist. Es scheint sich damit auf die Professional-Version zu beziehen, denn die abgedruckten Screenshots passen zur weiter unten beschriebenen Vorgehensweise von SuSE 9.1 Professional.
Da wir die Update-Funktionen prüfen wollten, war der Test der Personal-Version an dieser Stelle beendet -- weiter geht es mit der Professional-Version.
Vor den zweiten Versuch mit der Professional-Versuch stellt SuSE eine Geschicklichkeitsaufgabe: Die DVD steckt in einer weißen Papierhülle, die in eine auseinanderklappbare Konstruktion eingeklebt ist und sich nicht leicht ablösen lässt (Abbildung 2).
Immerhin: Nach dem Booten von der DVD bietet der Installer ein Update ein; das wählen wir aus. YaST erkennt die installierte Version 9.0, und wir übernehmen alle Voreinstellungen.
Nach dem Einspielen der Pakete bootet das System neu. Ein Update-Versuch über das Internet, der wie in früheren Versionen angeboten wird, schlägt fehl, weil das Modem nicht erkannt wird, die korrekt übernommene Verbindung mit dem lokalen Netz aber nicht genutzt wird. Dieses Phänomen zeigte auch schon der SuSE-9.0-Installer, wenn man lokales Netzwerk und einen normalen Internet-Zugang einrichtete: Er wollte sich dann stets über das Modem ins Netz einwählen.
Ansonsten muss hier nichts mehr eingestellt werden: Alle Vorgaben übernimmt SuSE Linux 9.1 vom Vorgänger.
Schön: Sogar die Dual-Head-Konfiguration der beiden Grafikkarten hat YaST korrekt erkannt und übernommen. Auch die Vorgabe, den Standardbenutzer anzumelden, wurde nicht überschrieben, so dass nach dem Abschluss gleich der KDE-Desktop erscheint: SuSE Linux 9.1 enthält mit KDE 3.2.1 eine recht aktuelle Version.
Das nachinstallierte Digikam-Paket von der EasyLinux-Download-Seite ist nach dem Update noch vorhanden; YaST hat nicht die aktuellere Version eingespielt, weil es einen Konflikt mit digikamplugins gab. Diese Vorgehensweise ist in Ordnung.
Mit der Umstellung auf eine neue Kernel-Hauptversion (von 2.4.x auf 2.6.x) sind oft Änderungen bei den unterstützten Geräten verbunden: Für manche, vor allem aktuelle, Hardware wird die Nutzung mit dem Wechsel zu Version 2.6 überhaupt erst möglich, andere werden dafür nicht mehr unterstützt.
Das interne Soft-Modem, das unter SuSE Linux 9.0 problemlos seinen Dienst tat, wurde von Version 9.1 nicht erkannt; der "SuSE-Plugger" führt es in der Liste der unbekannten Geräte auf und erlaubt keine Einrichtung (Abbildung 3). Auch eine manuelle Konfiguration (für die fortgeschrittene Kenntnisse nötig sind) brachte keinen Erfolg: Das Kernel-Modul ham scheint es in der neuen Kernel-Version nicht mehr zu geben. "Richtige" (meist externe) Modems sind von diesem Problem natürlich nicht betroffen.
Tests mit Kameras (Firewire-Videokamera, USB-Digitalkamera) waren erfolgreich: Die Geräte wurden sofort eingebunden und waren mit Kino bzw. über den Konqueror ansprechbar.
Bei der Ausstattung der Professional-Version gibt es nichts zu bemängeln; sowohl Einsteiger als auch fortgeschrittene Anwender bis hin zu Programmierern sowie Datenbank- und Netzwerkadministratoren finden hier alles, was man braucht. Typisch für den Linux-Markt ist, dass diverse Audio- und Video-Codecs nicht unterstützt werden -- das ist aber nicht neu. Wer MP3-Dateien erzeugen oder CSS-geschützte DVDs abspielen will, muss Software aus dem Internet nachinstallieren.
Eine aktuelle KDE-Version ist selbstverständlich; das brandneue GNOME 2.6 hat es nicht mehr in neue SuSE-Version geschafft. Interessant: GnomeMeeting bricht beim Start mit einer obskuren Fehlermeldung ab -- das ist ein Fehler in der Update-Routine, über YOU (YaST Online Update) kann aber bereits ein Patch eingespielt werden, der dieses Problem behebt (Paket gconf2). Nach Ab- und wieder Anmelden funktioniert das Programm dann. Eine Firewire-Digitalkamera ließ sich damit allerdings nicht als hochauflösende Webcam nutzen.
Eine ältere USB-Webcam, die mit SuSE Linux 9.0 noch lief, wurde von der neuen Version nicht erkannt; das alte Kernel-Modul pwc gibt es nicht mehr.
Mit Rekall enthält SuSE Linux erstmals eine Datenbankanwendung, die das ehrgeizige Ziel hat, eine Alternative zu Microsoft Access zu sein -- bisher ist die Bedienung aber noch recht umständlich und wenig intuitiv. Eine Vorabversion des brandneuen GIMP 2.0 läutet die nächste Generation der populären Bildbearbeitung ein.
Textmaker und Planmaker (letzteres als Beta) sind als Textverarbeitung und Tabellenkalkulation eine Alternative zu OpenOffice. Als kommerzielle Programme sind sie eine kostenlose Zugabe. OpenOffice selbst ist in der aktuellen Version 1.1.1 dabei.
Mit submount [5] will SuSE Anwendern das Einbinden von Datenträgern erleichtern: Dabei geht es um externe Datenträger, die nur bei Bedarf verwendet werden -- neben CDs/DVDs also auch USB-Speicher, externe Platten oder Kameras. Die Geräte tauchen automatisch im Fenster Arbeitsplatz auf: In Abbildung 6 erkennt man eine als "USB-Festplatte" bezeichnete Digitalkamera.
Die Professional-Box enthält ein üppiges Angebot an Informationen: Zwei Handbücher (Administration: 601 Seiten, Benutzerhandbuch: 503 Seiten) machen die Schachtel so dick. Bei der Personal-Version gibt es nur das bereits erwähnte 88-Seiten-Buch, das zudem nicht perfekt auf die Personal-Version zugeschnitten ist.
Die Live-CD, die in der Personal-Box mitgeliefert wird, hat ein ernstes Sicherheitsproblem: Bauen Sie über die Live-CD einen Internet-Zugang auf oder melden Sie sich in einem lokalen Netzwerk an, kann sich jeder Anwender im gleichen Netzwerk via SSH ohne Passwort als Administrator root anmelden [3]. Sie sollten daher die Live-CD auf keinen Fall zur Einwahl ins Internet verwenden. Ein aktualisiertes CD-Image ohne diesen Fehler bietet SuSE unter [4] an.
Wenn Sie bereits ein SuSE-System auf Ihrer Festplatte haben und dessen Einstellungen übernehmen wollen, führt zunächst (zumindest, bis ein EasyLinux Starter Kit erscheint) kein Weg am Kauf der Professional-Version vorbei, da die Personal-Version nicht mehr update-fähig ist.
Die Professional-Version bietet den SuSE-üblichen Maximalumfang; hier fehlt nichts, und dank der Athlon64-Unterstützung werden auch die neuesten 64-Bit-Rechner unterstützt. Für den Normalanwender sind allerdings viele Pakete auf den DVDs überflüssig, etwa ein Großteil der Entwicklungs- und Server-Anwendungen.
Die Personal-Edition, die zwar in früheren Versionen schon einige interessante Pakete vermissen ließ, ist jetzt so stark abgespeckt, dass sie nur noch für einen ersten interessierten Blick auf Linux nützlich ist: Für eine Linux-Neuinstallation eignet sie sich auch, wenn man sich mit einer Basisauswahl von Programmen zufrieden gibt.
Paradox: Wer sich schon ein wenig mit Linux auskennt und einen schnellen Internet-Zugang hat, kann die Personal-Version als Basis verwenden und fehlende Pakete, die der Pro-Version vorbehalten sind, vom SuSE-FTP-Server nachinstallieren (sobald diese dort veröffentlicht werden) -- Einsteiger haben diese Möglichkeit nicht und müssen daher auf die Professional-Version ausweichen, wenn sie sich nicht mit dem reduzierten Umfang von SuSE Linux 9.1 Personal abfinden wollen. (hge)
In letzter Minute erreichte uns ein Hinweis des SuSE-Supports, dass sich die Personal-Version doch zum Update eignet -- wenn auch etwas umständlich. Dafür stellen Sie beim Start von CD zunächst im Boot-Menü mit [F4] die deutsche Sprache ein, wählen mit den Cursortasten Installation aus und geben dann die Option suse_update (mit Unterstrich) ein. Danach ist die Update-Möglichkeit wieder aktiviert.
Ob und wie gut das Update auf SuSE 9.1 Personal funktioniert, konnten wir nicht mehr testen.
| Infos |
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[1] SuSE Linux 9.1: http://www.suse.de/de/private/products/suse_linux/
[2] LinuxLand, SuSE Linux: http://www.linuxland.de/katalog/01_linuxdistri_bs/suse/liste [3] Live-CD-Sicherheitsproblem: Linux-Community, http://www.linux-community.de/story?storyid=13249 [4] Aktualisierte Live-CD: ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/live-cd-9.1/LiveCD-9.1-01.iso [5] Submount: http://submount.sourceforge.net/ |
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Last modified: 2007-01-25 17:15
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