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Erschienen in EasyLinux 07/2004   »   Ausgabe bestellen

Tipps & Tricks für die Shell

Shell-Tipps

von Andrea Müller


Im Gegensatz zu Windows spielt unter Linux die Kommandozeile eine große Rolle. Obwohl es für fast jeden Zweck grafische Programme gibt, greifen viele Linux-Nutzer regelmäßig zur Shell. Wir stellen besonders praktische Befehle und Programme vor.

Tipp: Dateien nach Größe sortieren

Standardmäßig zeigt der Befehl ls eine alphabetische Liste der Inhalte eines Verzeichnisses. Wenn Sie stattdessen ls -S (Size=Größe) aufrufen, sortiert ls nach der Dateigröße, die größten Dateien am Anfang. Der Parameter lässt sich mit anderen kombinieren: Mit ls -lS zum Beispiel erhalten Sie eine ausführliche Ausgabe mit Besitzer und Größe der Dateien in sortierter Form.

Sind sehr viele Dateien in einem Verzeichnis, leiten Sie die Ausgabe an den Betrachter less um:

ls -lS | less

Interessieren Sie sich nur für die "dicksten Brocken" geht es mit dem Parameter -r auch ohne den Umweg über den Betrachter. Das Kommando ls -Sr (reverse=umgekehrt) sortiert die Dateien aufsteigend nach Größe. Die Platzfresser stehen am Ende der Liste, wo Sie sie direkt im Blick haben.

Tipp: Skripte über ein Desktop-Icon unter KDE starten

Haben Sie sich, wie unter [1] beschrieben, ein Skript erstellt, das mehrere Befehle nacheinander abarbeitet, ist es lästig, jedes Mal ein Konsolenfenster zu öffnen, um es auszuführen. Viel praktischer ist ein Icon, über das Sie das Skript per Mausklick starten. Eine solche Desktop-Verknüpfung ist unter KDE schnell angelegt:

  1. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine freie Stelle der Arbeitsoberfläche und wählen Sie Neu erstellen / Verknüpfung mit Programm.
  1. Im folgenden Dialog gehört der Pfad zum Skript in das Eingabefeld Befehl auf der Registerkarte Ausführen. Um Tippfehler zu vermeiden, öffnen Sie über Auswählen ein Dateiauswahlfenster. Navigieren Sie dort in das Skriptverzeichnis und markieren Sie die Datei. Ein Klick auf OK fügt sie in die Befehlszeile ein.
  1. Da Skripte in der Shell laufen, brauchen sie ein Kommandozeilenfenster. Damit KDE den passenden "Container", die KDE-Konsole, automatisch mitstartet, setzen Sie ein Häkchen vor In Terminal starten.
  1. Tragen Sie nun noch einen aussagekräftigen Namen für die Verknüfung in das Eingabefeld auf der Registerkarte Allgemein ein. Finden Sie das Zahnradsymbol, das KDE der Verknüfung verpasst, zu langweilig, wählen Sie über den Button direkt neben dem Namensfeld ein schöneres Icon aus. Sobald Sie den Einstellungsdialog mit Druck auf OK schließen, ist die neue Verknüpfung einsatzbereit.

Tipp: Schließen des Skriptfensters verhindern

Führen Sie ein Skript über ein Desktop-Icon aus, schließt sich das Kommandozeilenfenster, sobald es seine Arbeit beendet hat. So sehen Sie die Ausgaben des Skripts nicht, weder Fehler- noch Erfolgsmeldungen. Mit einem kleinen Trick sorgen Sie dafür, dass das Fenster geöffnet bleibt.

Öffnen Sie dazu den Einrichtungsdialog der Verknüfung über den Punkt Eigenschaften ihres Kontextmenüs. Dort nimmt der Reiter Ausführen die passende Option auf. Fügen Sie in die Zeile hinter Terminal-Option

--noclose

ein (Abbildung 1). Das ist ein Startparameter für das KDE-Terminal-Programm namens konsole. Er bewirkt, dass das Fenster nach dem Programmende geöffnet bleibt.

Abb. 1: Der Parameter --noclose verhindert, dass sich die KDE-Konsole automatisch schließt.

Tipp: Skriptstart per Mausklick: die GNOME-Variante

Ebenso wie KDE beherrscht auch GNOME den Skript-Start über ein Desktop-Verknüpfung.

  1. Der Weg zum neuen Icon führt über das Kontextmenü der Arbeitsfläche: Dort ist Starter erstellen die richtige Wahl.
  1. Hinter Name gehört die Symbolbeschriftung, die Sie dem Icon verpassen wollen, im Kommentar-Feld ist Platz für eine kurze Beschreibung.
  1. Befehl nimmt den Namen des auszuführenden Skripts auf. Der Button Auswählen öffnet den Dateidialog. Wechseln Sie dort in das Verzeichnis mit dem Skript und markieren Sie es. Ein Klick auf OK trägt den vollen Pfad in die Befehlszeile ein.

  1. Damit GNOME das Skript in einem Kommandozeilenfenster ausführt, setzen Sie noch ein Häkchen vor In einem Terminal ausführen.
  1. Wer mag, verpasst dem neuen Starter jetzt noch über den Icon-Button ein hübsches Symbol. Ein Druck auf OK erstellt danach die neue Verknüpfung.

Im Gegensatz zur KDE-Konsole kennt das gnome-terminal keinen Parameter wie --noclose, der verhindert, dass sich das Fenster am Ende des Programmes schließt. Haben Sie ein Skript, dessen Ausgabe Sie studieren wollen, tricksen Sie GNOME mit einer zusätzlichen Zeile im Skript aus. Schreiben Sie ans Ende, hinter alle anderen Befehle read in eine neue Zeile. read weist das Skript an, auf eine Bestätigung mit [Enter] zu warten. So haben Sie genug Zeit, durch die Ausgaben zu scrollen, bevor Sie das Terminal-Fenster mit [Enter] schließen.

Tipp: Alle Dateien im Midnight Commander markieren

Um alle Dateien eines Verzeichnisses im Datei-Manager Midnight Commander (Sie starten das praktische Tool über den Befehl mc) zu markieren, müssen Sie sie nicht alle der Reihe nach mit [Einfg]-Taste auswählen. Eine praktische Abkürzung bietet die Sternchen-Taste (*). Sobald Sie sie drücken, markiert mc automatisch alle Dateien, nicht jedoch eventuell vorhandene Unterverzeichnisse. Überlegen Sie es sich doch noch anders, hebt ein erneuter Druck auf * die Markierung wieder auf.

Tipp: Markierung in mc umkehren

Ein Druck auf * hat im Midnight Commander noch eine weitere Funktion: Sind bereits einige Dateien eines Verzeichnisses markiert, invertiert die Sternchen-Taste die Auswahl. Das ist besonders praktisch, wenn man alle Dateien außer zwei bis drei kopieren will: Markieren Sie die Dateien, die nicht von der Aktion erfasst werden sollen, mit [Einfg] und invertieren Sie danach die Auswahl mit einem Druck auf *.

Tipp: Fensterdekoration mit import aufnehmen

Das Grafik-Tool import aus dem ImageMagick-Paket (wie Sie es nachinstallieren, lesen Sie unter [2] nach) bietet eine schnelle Möglichkeit, von der Kommandozeile aus Screenshots aufzunehmen: Mit dem Befehl import fenster.png verwandeln Sie den Mauszeiger in ein Fadenkreuz. Sobald Sie damit ein Fenster anklicken, macht import ein Bild davon und schreibt das Ergebnis in die Datei fenster.png. Leider fehlt bei so aufgenommenen Fotos die Fensterdekoration, wie Titelleiste und Rahmen. Möchten Sie diese Elemente mit im Bild haben, benutzen Sie zusätzlich den Schalter -frame (Rahmen). Der Aufruf

import -frame fenster_mit_dekoration.png

bewirkt, dass import, sobald Sie ein Fenster anklicken, nicht nur den Inhalt, sondern zusätzlich Rahmen und Titelleiste aufnimmt.

Tipp: X-Konfiguration unter Mandrake reparieren

Schnell hat man bei der Installation eine falsche Monitorauflösung ausgewählt oder sich vertippt, wenn man die Konfigurationsdatei der grafischen Oberfläche mit einem Text-Editor anpassen will. Im schlimmsten Fall startet der Desktop danach gar nicht mehr. Selbst wenn Sie sich im Textmodus nicht zu Hause fühlen, reparieren Sie unter Mandrake Linux mit wenigen Schritten die Konfiguration:

  1. Per Default versucht das System, im grafischen Modus zu starten. Gelingt das nicht, kommen Sie also gar nicht bis zur Anmeldemaske, wechseln Sie mit der Tastenkombination [Strg-Alt-F1] auf eine Textkonsole.
  1. Da nur root systemweite Einstellungen ändern darf, melden Sie sich als Administrator an. Geben Sie root und in der nächsten Zeile das Passwort ein. Das System zeigt nicht einmal Sternchen an, so dass Sie blind tippen müssen. Schließen Sie die Eingabe mit Druck auf [Enter] ab.
  1. Das Programm zur Konfiguration des grafischen Systems ist unter Mandrake Linux auch in einer Textmodusvariante dabei. Geben Sie XFdrake ein, um es zu starten.
  1. Das Tool präsentiert einen pseudografischen Auswahldialog mit den Kategorieren Grafikkarte, Monitor, Auflösung, Test und Optionen. Was für die ersten drei Kategorien eingestellt ist, steht direkt dahinter. Die Navigation im Programm ist einfach: Haben Sie z. B. versehentlich eine zu hohe Auflösung ausgewählt, gehen Sie mit der [Pfeil-runter]-Taste bis zum Punkt Auflösung. Die aktive Auswahl erscheint immer in gelber Schrift.
  1. Wechseln Sie durch zweimaligen Druck auf [Tab] zur Schaltfläche Los und bestätgen Sie die Wahl mit [Enter].
  1. Im folgenden Auswahldialog entscheiden Sie, mit welcher Farbtiefe und Auflösung Sie den Monitor betreiben wollen. Was Ihr Modell kann, steht im mitgelieferten Handbuch oder auf der Web-Seite des Herstellers. Haben Sie diese Informationen nicht vorliegen, sollten Sie sicherheitshalber konservative Werte, wie eine Auflösung von 1024x768 bei 16 Bit Farbtiefe, wählen. Alternativ tragen Sie die Auflösung ein, mit der Sie auch unter Windows arbeiten.
  1. Haben Sie eine Auflösung markiert, wechseln Sie mit [Tab] auf Ok und drücken [Enter]. Ebenso wählen Sie unter Grafikkarte das richtige Modell aus. Kennt Mandrake Linux Ihre Karte nicht, können Sie es als letzten Ausweg mit XFree 4 / vesa probieren. Auf Hardware-Beschleunigung und die volle Auflösung müssen Sie dann zwar verzichten, aber mit diesem Treiber sollte das grafische System zumindest starten.
  1. Bevor Sie das Programm beenden, navigieren Sie mit den Pfeiltasten auf Test. Wechseln Sie durch Druck auf Tab zum Button Los und drücken Sie Enter. Sind die Einstellungen korrekt, sehen Sie den in Regenbogenfarben gestreiften Testbildschirm. Eine Dialogbox fragt, ob das Bild so in Ordnung ist. Durch Auswahl von Ja verlassen Sie den Testmodus.
  1. Über die Schaltfläche Verlassen, die Sie ebenfalls über die [Tab]-Taste aktivieren, schließen Sie die Konfiguration ab. Beim nächsten Start sollte Sie der Anmeldebildschirm von KDE begrüßen. (amü/hge)
Infos
[1] Elisabeth Bauer und Andrea Müller: "Shell-Tipps", EasyLinux 01/2004, S. 69 ff.
[2] Andrea Müller: "Shell-Tipps", EasyLinux 01/2004, S. 69 ff. http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/01/069-shell-tipps

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