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von Elisabeth Bauer
Wer oft in Chats, Internet-Foren und Mailinglisten unterwegs ist, stellt schnell fest, dass er von vielen neuen Bekannten zwar eine Vorstellung im Kopf, aber kein Bild hat. Webcams schaffen hier Abhilfe: Mit einer kleinen Kamera auf dem Monitor und der Videokonferenz-Software GnomeMeeting reden Sie mit Freunden rund um den Globus von Angesicht zu Angesicht. Doch vor dem Spaß kommt für Linux-Nutzer das altbekannte Problem: Welche Geräte laufen unter Linux -- und laufen sie auch auf meiner Distribution? Wir haben sieben aktuelle Modelle unter SuSE Linux 9.0 und 9.1, Red Hat Linux 9 und Mandrake Linux 9.2 getestet.
Vier Webcams flogen bereits in der Vorrunde aus dem Test, da sie unter keiner Distribution liefen: die WebCAM NX Ultra und die WebCAM Notebook der Firma Creative, sowie die Logitech Quickcam Zoom. Diese wurde zwar von Linux erkannt, stellte jedoch kein Bild dar [1]. Das vierte Gerät, die TerraCAM USB, war zwar in Datenbanken im Internet als Linux-kompatibel aufgeführt, beim Test stellte sich jedoch heraus, dass der Hersteller in neueren Modellen den Chip-Satz ausgewechselt hat und es für den neuen Chip keine Linux-Treiber gibt [2].
Drei Modelle blieben übrig: die TerraCam 2Move von TerraTec, die QuickCam Express und die Quickcam Pro 4000 von Logitech. Auch unter den Distributionen zeigten sich große Unterschiede. Nur die TerraCam 2Move wurde von allen Linux-Versionen im Test unterstützt, dabei zeigten sich jedoch andere Probleme.
Um eine Webcam unter Linux zu benutzen, brauchen Sie den zur Kamera passenden Treiber, im Fachjargon Kernel-Modul. Unter [5] finden Sie eine Datenbank zur Linux-Unterstützung von USB-Geräten, dort steht auch immer das zuständige Kernel-Modul. Gerade bei Webcams herrscht dort eine gewisse Vielfalt, unsere drei Testgeräte brauchen beispielsweise jedes ein anderes Modul. Welche Module Ihre Distribution mitliefert, finden Sie mit einem Blick ins Verzeichnis /lib/modules heraus.
Für jeden installierten Kernel gibt es darin ein Unterverzeichnis mit der Versionsnummer, zum Beispiel 2.4.22-10mdk unter Mandrake Linux. Darunter liegen in kernel/drivers sämtliche Treiber, die nicht fest im Kernel integriert sind, sondern bei Bedarf geladen werden. Die Webcam-Module stecken im Verzeichnis usb, beim neuen Kernel 2.6 in usb/media. Finden Sie dort das in der Datenbank genannte Modul für eine Webcam, stehen die Chancen gut, dass das Gerät unter Ihrer Distribution läuft. Hundertprozentige Sicherheit gibt das leider, wie sich im Test herausstellte, nicht, da Sie nicht wissen, ob der Distributor möglicherweise noch eigene Patches eingespielt hat.
Bevor Sie eine Webcam das erste Mal anschließen, öffnen Sie eine Konsole und verfolgen dort das System-Logfile. Melden Sie sich dazu mit dem Befehl su und Ihrem Administratorpasswort an und geben Sie
tail -f /var/log/messages
bzw. unter Mandrake Linux
tail -f /var/log/syslog
ein. Stecken Sie dann die Kamera an.
Im Logfile sehen Sie nun, ob Ihre Distribution die Webcam erkennt. In Abbildung 1 lädt Mandrake Linux zum Beispiel den Treiber für die TerraCam 2Move und ordnet die Kamera der Gerätedatei /dev/video0 zu. Red Hat Linux liefert dagegen für die QuickCam Express keinen Treiber mit, wie Abbildung 2 zeigt. In so einem Fall müsste der Anwender das entsprechende Modul selbst kompilieren.
Ist das Modul geladen, steht dem Webcam-Spaß nichts mehr im Wege: Mit der Videokonferenz-Software GnomeMeeting [3] oder dem Fernseh-Tool Xawtv [4] bringen Sie die Bilder und Videos auf den Desktop.
Die TerraCam 2Move ist ein Zwitterwesen: Sie funktioniert nicht nur als Webcam, sondern auch mit den mitgelieferten Batterien als normale Digitalkamera. Das macht sich schon beim Design bemerkbar: So sieht das Gerät wie ein normaler Fotoapparat mit Sucher aus. Für den Webcam-Betrieb liefert der Hersteller einen reichlich wackligen Standfuß mit, in den man die Kamera wie in einen Liegestuhl hineinlegt.
Die Kamera hat eine Auflösung von 640x480 Pixeln und besitzt laut Packungsangabe 8 MByte Speicher für über hundert Bilder. Einzige Bedienelemente sind der An/Aus-Schalter und ein Mode-Button, mit dem sich die Auflösung umschalten lässt -- im Test weigerte sich die Kamera jedoch, auf die niedrigere Auflösung (352x288) herunterzuschalten, so dass wir jeweils nur 26 Bilder aufnehmen konnten. Betätigt man den Ausschalter, werden alle Aufnahmen gelöscht.
Die Zwitternatur machte sich auch im Distributionsvergleich bemerkbar: Prinzipiell lassen sich beide Funktionen nutzen, allerdings nur exklusiv: Ist der Treiber für die Webcam-Funktion geladen, können Sie auf die Bilder auf der Kamera nicht zugreifen.
SuSE Linux 9.0 erkennt die TerraCam als USB Digicam und stellt beim Anstecken ein Icon Standbildkamera auf dem Desktop dar, über das Sie die im PNM-Format gespeicherten Bilder auf den Rechner kopieren können. Unter SuSE Linux 9.1 funktioniert der Zugriff ähnlich: Hier klicken Sie auf Arbeitsplatz und finden dort die TerraCam unter Digitalkamera.
Wer die TerraCam als Webcam nutzen will, muss den Treiber -- das Kernelmodul stv680 -- von Hand laden. Das geht nur als Administrator im Terminal: Öffnen Sie eine Konsole und geben dort su ein, gefolgt von Ihrem Root-Passwort. Als nächstes rufen Sie
modprobe stv680
auf. Mit dem Befehl
tail -f /var/log/messages
können Sie, ebenfalls als Root, in einem zweiten Terminal-Fenster verfolgen, was passiert.


Startet man nun Xawtv, kann man sich oder die jeweilige Umgebung in einem Fenster auf dem Desktop bewundern. Leider erwies sich die Kamera unter Linux dabei als völlig farbenblind: Rote Haare erscheinen in leuchtend Blau, ein blauer Schal dagegen Dunkelbraun, Gelb in leuchtendem Hellblau (Abbildung 3). Beim Vergleichstest unter Windows XP stellte sich heraus, dass die Probleme mit dem Linux-Treiber zusammenhängen. Anders als der vom Hersteller mitgelieferte Windows-Treiber interpretiert dieser offenbar die von der Kamera gelieferten Daten falsch.
Red Hat 9 und Mandrake Linux 9.2 laden das richtige Modul für die Webcam beim Einstecken automatisch, auch hier zeigt sich jedoch wieder der Farbfehler. Da schon das Webcam-Modul geladen ist, weigert sich gphoto2, die auf der Kamera gespeicherten Bilder herunterzuladen. Deshalb ist bei diesen Distributionen Handarbeit angesagt: Mit dem Befehl rmmod stv680 entladen Sie als Administrator im Terminal den störenden Treiber. Anschließend können Sie mit einer grafischen Anwendung wie Digikam oder dem Befehl gphoto2 -P die Bilder herunterladen. Gphoto2 erkennt die TerraCam automatisch als AEG Snap 300.
Die QuickCam Express von Logitech ist ein schlichtes Modell, das aber einen robusten und stabilen Eindruck macht. Die kugelförmige Kamera wird in den mitgelieferten Standfuß gesteckt. In der Vertikale lässt sie sich allerdings nur recht schwer bewegen.
Unter SuSE Linux 9.0 genügt es, die Kamera einzustecken. Den Treiber lädt das System automatisch. Auch Mandrake Linux 9.2 erkennt die Kamera beim Anstecken und lädt den richtigen Treiber.
Bei SuSE Linux 9.1, das mit dem neuen Kernel 2.6 daherkommt, fehlt dagegen der passende Treiber. Auch Red Hat Linux 9 liefert das für die Quickcam Express benötigte Modul quickcam nicht mit -- hier hilft nur selbst kompilieren, eine Aufgabe, die Einsteiger deutlich überfordert.
In Xawtv braucht die QuickCam jeweils einige Zeit, um sich der Helligkeit des Raums anzupassen, anschließend ist die Darstellung gut, wenn auch etwas unscharf (Abbildung 4 und 5).


Die besten Ergebnisse im Test lieferte die QuickCam Pro 4000. Zwar erreicht auch diese Kamera unter Linux nicht die volle Auflösung, doch besticht sie mit guter Farbqualität und Schärfe sowie ruckelfreier Darstellung (Abbildung 6). Das solide verarbeitete Gerät ist fest auf einen Standfuß montiert, über ein Kugelgelenk lässt es sich in alle Richtungen frei bewegen.
SuSE Linux 9.0 erkennt die Kamera beim Einstecken in der Regel automatisch, in Einzelfällen mussten wir den benötigten Treiber mit dem Befehl
modprobe pwc
als Administrator von Hand laden. Die Nachfolgerversion 9.1 liefert das Modul jedoch nicht mehr mit.
Auch Red Hat Linux 9 verhält sich vorbildlich -- nach dem Anstöpseln lief die Kamera sofort.
Die ärgsten Probleme bereitete Mandrake Linux 9.2. Diese Distribution liefert den benötigten Treiber zwar mit, doch nachdem wir die Kamera angeschlossen hatten, fror das System komplett ein.
Das Einspielen eines aktuelleren Kernel-Pakets löste zwar dieses Problem, als Bild zeigte die QuickCam jedoch noch immer nur Grün mit hellgrünen Streifen.
Mit einem zusätzlichen Modul von der Homepage des Treibers [6] präsentierte die QuickCam schließlich ein vernünftiges Bild. Das heruntergeladene Paket enthält mit unterschiedlichen Versionen des GNU-C-Compiler übersetzte Module für Kernel 2.4.23 und 2.6. Als Root luden wir mit
insmod -f /pfad/zu/pwcx.o
das mit gcc-3.2 kompilierte Modul für den Kernel 2.4.23 nach. Mandrake Linux 9.2 enthält jedoch eine ältere Version. Von solchen Spielereien -- nicht zur Kernel-Version passende Module zwangshalber (-f für "force") zu laden --, wird üblicherweise abgeraten, und das zu Recht. Tatsächlich funktionierte zwar nun die Kamera wunderbar, doch in der System-Logdatei überschüttete uns das Modul pwc, nachdem wir die Kamera ausgesteckt hatten, mit Fehlermeldungen im Sekundentakt. 1 GByte Logfile kommt so schnell zusammen. Am Samstag morgen gab der einsam in der Redaktion stehende Testrechner dann auf: Platte voll. Nur gut, dass Linux für den Administrator Root immer noch ein Quäntchen Speicher zum Arbeiten frei hält. Nach dem Leeren des Logfiles ließ sich dieser Fehler zwar nicht mehr reproduzieren, doch auch so muss man Anfängern von der QuickCam Pro 4000 unter Mandrake Linux eher abraten.

Drei von sieben Modellen unterstützt, nur eines davon sowohl unter SuSE, Mandrake als auch Red Hat Linux -- das ist kein Traumergebnis für den Linux-Anwender, aber auch ein Armutszeugnis für die Hersteller: Keines der Geräte wird mit Linux-Treibern ausgeliefert, der Verdienst, dass manche Kameras unter Linux trotzdem laufen, ist allein den freiwilligen Entwicklern der Open-Source-Community zuzurechnen. Dass bei der Programmierung auch so einiges schiefgehen kann, zeigt die Rot-Blau-Verwechslung bei der TerraCam 2Move. Die QuickCam Express und die QuickCam Pro 4000 lieferten dagegen auch unter Linux erfreulich gute Bilder. (eba)
| Webcams | |||
| QuickCam Express | Quickcam Pro 4000 | TerraCAM 2Move | |
| SuSE 9.0 | ja (automatisch) | ja (automatisch) | ja (modprobe) |
| SuSE 9.1 | nein | nein | ja |
| Mandrake 9.2 | ja (automatisch) | nein | ja (automatisch) |
| Red Hat 9 | nein | ja (automatisch) | ja (automatisch) |
| Mandrake 10 | nein | nein | ja |
| Auflösung | 640 x 480 | 640 x 480 (Standbildauflösung: bis zu 1280 x 960 Pixel) | 640 x 480 |
| Besonderheiten | integriertes Mikrofon | auch als Digitalkamera verwendbar | |
| Hersteller | Logitech | Logitech | TerraTec |
| Website des Herstellers | http://www.logitech.de/index.cfm/DE/DE | http://www.logitech.de/index.cfm/DE/DE | http://de.terratec.net |
| Kernel-Modul | quickcam | pwc | stv680 |
| URL | http://qce-ga.sourceforge.net/ | http://www.smcc.demon.nl/webcam | http://stv0680-usb.sourceforge.net/ |
| Preis | 37,99 Euro | 89,00 Euro | 79,99 Euro |
| Infos |
|
[1] Logitech QuickCam Zoom: http://www.smcc.demon.nl/webcam/zoom.html
[2] TerraCam USB: http://www.qbik.ch/usb/devices/showdev.php?id=2010 [3] Hans-Georg Eßer: "Videokonferenz", EasyLinux 06/2004 S. 20 [4] Christian Baun: "Fernseh-Programm", EasyLinux 01/2004 S. 36 [5] Infos zu Linux-Unterstützung von USB-Geräten: http://www.qbik.ch/usb/devices [6] Decompressor-Modul für Mandrake: http://www.smcc.demon.nl/webcam/pwcx-8.4.tar.gz |
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Last modified: 2007-01-25 17:16
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