![]() |
|
||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
von Andrea Müller
In der Juni-Ausgabe haben wir bereits einen Blick auf die frei im Internet verfügbare Community Edition von Mandrake Linux 10.0 geworfen [1]. Unser Hauptaugenmerk lag dabei auf der Frage, wie sich die Update-Routine in der Praxis schlägt. Inwischen hat Mandrakesoft alle Fehlerberichte zu dieser Vorabversion ausgewertet und viele Bugs beseitigt. Das Resultat ist die so ganannte offizielle Version (Official), die im EasyLinux-Test ihre Einsteigertauglichkeit unter Beweis stellen musste.
Für unseren Test wählten wir ein von LinuxLand [2] zur Verfügung gestelltes PowerPack, das mit sechs prall gefüllten CDs daherkommt. Die ersten fünf Datenträger enthalten sowohl freie Software als auch Programme, die zwar nicht frei, aber zumindest kostenlos im Internet erhältlich sind. Beispiele dafür sind der Acrobat Reader zum Betrachten von PDF-Dateien und der RealPlayer. Highlights bei den freien Anwendungen sind KDE 3.2, OpenOffice 1.1 und Mozilla 1.6. Der brandneue GNOME-Desktop 2.6 hat es nicht mehr auf die CDs geschafft, so dass Mandrake Linux wie schon in Version 9.2 GNOME 2.4 ausliefert. Die sechste CD enthält kommerzielle Anwendungen, von denen einige nur als abgespeckte Testversion beiliegen. Dort finden Anwender die freie Version der Turboprint-Druckertreiber [3] und die 2D- und 3D-CAD-Software VariCad. Diese gibt es allerdings nur mit englischer oder tschechischer Oberfläche.
In der Schachtel liegen zusätzlich zwei Handbücher, von denen der Starter Guide in vier Sprachen die Installation und die ersten Schritte mit Mandrake Linux beschreibt. Das Buch ist informativ und erschlägt den Einsteiger nicht gleich zu Beginn mit allzu vielen Details. Die Kehrseite der Medaille ist, dass es bei Problemen kaum weiterhilft.
Wesentlich mehr bietet das Reference Manual, das jedoch nur in englischer Sprache vorliegt. Es erklärt grundlegende Linux-Konzepte wie die Verzeichnisstruktur und Runlevel, gibt interessierten Anwendern eine Einführung in die wichtigsten Kommandozeilenwerkzeuge und macht sogar vor den Editoren emacs und vim nicht Halt. Die Referenz spricht zwar eher erfahrene Nutzer an, doch auch für Linux-Novizen lohnt sich dank der verständlichen Beschreibungen und den vielen Beispielen ein Blick hinein.
Eher mau sieht es dagegen mit dem Support aus. Wer die fast 60 Euro teure Box erwirbt, kommt in den Genuss des 60-tägigen Web-basierten Supports und einer einmonatigen kostenlosen Mitgliedschaft im Mandrake Club [4]. Club-Mitglieder dürfen weitere kommerzielle oder aktuelle Software herunterladen. Beide Offerten sind eher wenig verlockend, wenn gerade beim Einrichten des Internet-Zugangs etwas schief geht.
Die Suche nach einer Telefonnummer für fernmündliche Unterstützung führt ins Leere: Weder die Handbücher noch die Registrierkarte oder die Web-Seiten verraten eine Hotline-Nummer. Für alle, die auf Web-basierten Support und gedruckten Handbücher verzichten können, kommt daher eventuell die Version "Mandrake Linux 10.0 DVD only" in Frage. Sie enthält nur eine DVD mit der gesamten PowerPack-Software und ist 20 Euro günstiger als die Komplettversion.
In der Disziplin Hardware-Erkennung war Mandrake Linux schon immer stark und hat sich bei Version 10 sogar noch einen Tick gesteigert. Dank des neuen Kernels 2.6 ist die Unterstützung für viele neue Geräte, wie Notebooks und USB-2-Hardware, besser als je zuvor. Der Benutzer hat kaum mehr zu tun als die gewünschte Sprache auszuwählen; nicht einmal partitionieren muss er von Hand. Diskdrake verkleinert auf Wunsch sowohl FAT- als auch NTFS-Partitionen und erstellt für Linux drei neue: je eine für /home mit den Benutzerdaten, / für das restliche System und eine Auslagerungspartition.
Standardmäßig installiert Mandrake Linux einen Arbeitsplatzrechner mit KDE-Desktop, der Nutzer kann jedoch weitere Paketgruppen auswählen, wie z. B. die Kategorien Spiele und GNOME-Desktop. Die Individuelle Paketauswahl listet gar jede einzelne Anwendung auf. Leider sind die Paketbeschreibungen größtenteils englisch -- hin und wieder tauchen gar französische Textfragmente auf und erinnern an das Herkunftsland der Distribution.
Sobald Mandrake Linux die Software auf die Festplatte kopiert hat, präsentiert das Installationsprogramm eine Zusammenfassung. Sie bietet einen Überblick über die Systemeinstellungen und die erkannte Hardware.
Geräte, die der Installer nicht selbst einrichten konnte, erscheinen dabei in roter Farbe -- ein Klick auf die zugehörige Kategorienüberschrift ruft einen Assistenten auf den Plan, der hilft, die Hardware zu konfigurieren. Wir mussten bei unserem Test nur die Auflösung des Flachbildschirms von Hand eintragen. Zu unserer Überraschung erkannte Mandrake Linux den angeschlossenen Drucker auf Anhieb, ohne dass wir ihn aus der umfangreichen Druckerdatenbank heraussuchen mussten. Auch die Nvidia-Treiber, unabdingbar für die 3D-Beschleunigung aktueller Nvidia-Grafikkarten, spielt der Installer automatisch ein.
Schwächen erlaubt sich Mandrake Linux bei der Netzwerkeinrichtung: Aus den Problemen, die viele Nutzer bei der Konfiguration einer Modem-Verbindung hatten, hat der Distributor gelernt, und nutzt für diese Aufgabe inzwischen das KDE-Programm kppp. ISDN macht wie in der Community Edition noch Ärger: Will man eine Karte einrichten, muss man zunächst die Infobox wegklicken, man brauche einen Kernel in einer höheren Version als 2.4, danach gelangt man zur Kartenliste (Abbildung 1). Eine so konfigurierte ########################## funktionierte später ########################. Gibt der Anwender stattdessen an, er wolle ein externes Gerät nutzen, erscheint derselbe Infodialog, jedoch gefolgt von der Fehlermeldung aus Abbildung 2.
Hier wartet noch eine Stolperfalle auf den Nutzer: Richtet er während der Installation zwei Netzwerkgeräte ein, funktioniert später nur eines davon. Am besten konfiguriert man zunächst nur den Zugang zum Internet und richtet das Heimnetzwerk später im Kontrollzentrum der Distribution ein.
Der erste Start sorgte für eine Überraschung, hatte Mandrake Linux doch gleich drei Windows-Einträge in den Boot-Manager aufgenommen. Zwei zeigten jedoch auf eine Datenpartition und einen bei der Installation angeschlossenen USB-Stick -- offenbar entscheidet Mandrake Linux allein anhand des Partitions- oder Dateisystemtyps darüber, ob Windows installiert ist. Bei unserem Testrechner ließ sich das vorinstallierte Windows XP nur über den ersten Eintrag starten, im Zweifelsfall probiert man einfach jeden Windows-Menüpunkt aus.
Nach dem zügigen Boot-Vorgang erwartet den Anwender ein aufgeräumter KDE-3.2-Desktop, der nur Icons für das Home-Verzeichnis, den Mülleimer und die Mandrake-Linux-Willkommensseite enthält. Sie öffnet sich automatisch und bietet über Links Zugang zu Mandrake-Web-Seiten und der installierten Dokumentation. Der Punkt Konfigurationswerkzeuge startet das überarbeitete Kontrollzentrum (Abbildung 3). Dank der übersichtlichen Gestaltung findet man schnell das richtige Modul für administrative Aufgaben: Hardware einrichten, Boot-Manager-Einstellungen ändern, Software nachinstallieren, das Netzwerk konfigurieren, Dienste verwalten oder neue Benutzer hinzufügen -- für jeden erdenklichen Zweck bringt Mandrake Linux einen Assistenten mit.
Zusätzlich nimmt es Windows-Umsteiger das ungewohnte "Mounten" [5] von CDs, Disketten und Laufwerken ab. Die standardmäßig eingebundenen Windows-Partitionen findet der Benutzer unterhalb des Ordners /mnt. Legt man eine CD oder Diskette ein, bindet das Hilfs-Programm magicdev sie automatisch ein und öffnet ein Konqueror-Fenster im Mount-Verzeichnis. Mit USB-Sticks funktioniert der praktische Automatismus leider nicht: hier gilt es für frischgebackene Administratoren, selbst Hand anzulegen [6].
Auf dem neuen, schnelleren KDE-Desktop arbeitet es sich sehr angenehm. Das von Mandrake Linux umstrukturierte Startmenü ist übersichtlicher als früher und lässt einen schneller das richtige Programm finden. Leider taucht dort erneut die Schwäche auf, an der wir uns schon während der Installation gestört haben: die schlechte Lokalisierung. Zwischen den deutschen Einträgen stößt man immer wieder auf englische Menüpunkte, wie More Applications oder Büroprogramme / Drawing. Einige Einträge in den Menüs haben beschreibende Namen, beispielsweise Adressverwaltung, unter denen jeder Anwender sich etwas vorstellen kann, andere wiederum zeigen nur den für Windows-Umsteiger wahrscheinlich unbekannten Namen der Anwendung. Die Kategorien helfen ein wenig weiter, doch aus ergonomischer Sicht wäre ein einheitliches Menü sinnvoller -- das vorhandene wirkt wie ein lieblos erstellter Flickenteppich.

Anwender, die auf perfekte Lokalisierung keinen Wert legen und auf telefonischen Support verzichten können, erhalten mit Mandrake Linux ein schnelles System mit vielen aktuellen Programmen. Besonders gelungen ist die automatische Installation der Nvidia-Grafiktreiber -- ein Feature, das sonst keine der von EasyLinux unterstützten Distributionen bietet.
| Infos |
|
[1] Andrea Müller: "Runder Geburtstag", EasyLinux 06/2004, S. 44 ff.
[2] LinuxLand: http://www.linuxland.de/katalog/01_linuxdistri_bs/mandrake/liste [3] Hans-Georg Eßer: "Mit Tempo drucken", EasyLinux 10/2003, S. 22 f. [4] Mandrake Club: http://www.mandrakeclub.com/ [5] Heike Jurzik und Hans-Georg Eßer: "Bergsteiger", EasyLinux 06/2004, S. 80 ff. http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/06/080-guru-mount/ [6] Andrea Müller: "Speicher im Stecker"", EasyLinux 11/2003, S. 30 ff. |
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.
Druckerfreundliche Version |
Feedback zu dieser Seite |
Datenschutz |
© 2012 Linux New Media AG |
Last modified: 2007-01-25 17:17
[Linux-Magazin]
[LinuxUser]
[Linux-Community]
[Admin-Magazin]
[Ubuntu User]
[Smart Developer]
[Linux Events]
[Linux Magazine]
[Ubuntu User]
[Admin Magazine]
[Smart Developer]
[Linux Magazine Poland]
[Linux Community Poland]
[Linux Magazine Brasil]
[Linux Magazine Spain]
[Linux Technical Review]