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von Elisabeth Bauer
Fragt man, welche Distribution sich für Linux-Anfänger besonders gut eignet, fällt meist sofort das Stichwort SuSE. Nachdem wir im letzten Heft das Update auf die neue SuSE-Linux-Version 9.1 getestet haben [1], richten wir diesmal das Augenmerk auf die Frage: Wie ist es um die Einsteigerfreundlichkeit bestellt? Sind Installation und Konfiguration so angelegt, dass auch der Laie, der mit Computer-Fachbegriffen wenig anfangen kann, zu einem funktionierenden Linux-System kommt -- vorausgesetzt natürlich, die Hardware spielt mit?
Für den Test verwendeten wir die Professional-Version von SuSE 9.1. Die von SuSE eigentlich für Einsteiger vorgesehene Personal-Linie wurde in der Version 9.1 radikal auf eine CD zusammengestrichen, so dass dort auch viele beliebte Anwendungen fehlen und aus dem Netz nachinstalliert werden müssen. Die Professional-Linie kommt mit fünf CDs und zwei Doppel-DVDs daher und enthält erstmals auch eine Version für 64-Bit-Prozessoren, die im Heimsektor allerdings noch eher selten anzutreffen sind. Die Installationsmedien hat SuSE wie schon in den Vorgängerversionen in ein handliches, aufklappbares Booklet verpackt. Wenig benutzerfreundlich erweist sich hingegen die Suche nach der passenden Installations-DVD: Dabei muss man schon fast zur Lupe greifen, um die Beschriftung der doppelseitigen DVDs zu entziffern und die richtige zu erwischen.
Der Installationsprozess ist aufgeteilt in eine Basisinstallation, bei der SuSE die Einstellungen automatisch vornimmt und eine Übersicht präsentiert, und die Konfiguration, in der nacheinander die restlichen Schritte erledigt werden, wie etwa das Einrichten eines Benutzer-Accounts und des Internet-Zugangs.
SuSE zwingt dem Benutzer keine feste Reihenfolge auf -- bis zum endgültigen Klick auf Installieren kann man von der Übersicht frei zu jeder Detaileinstellung navigieren und diese ändern. Auch ein Feld Auf Standardwerte zurücksetzen fehlt nicht, falls man noch einmal neu beginnen will.
Zu fast jedem Dialog während der Installation zeigt der SuSE-Installer ausführliche Erklärungen an. Nur bei manchen Punkten, zum Beispiel der Einstellung des "Standard-Runlevel" -- einem Begriff, mit dem ein Windows-Umsteiger wenig anfangen kann --, vermissten wir einen Hinweis. Hier sollte man sich an die sinnvolle Standardeinstellung halten, die dazu führt, dass das System automatisch in den grafischen Modus bootet.
In vielen Punkten hat SuSE speziell an Einsteiger gedacht: So warnt der Installer, wenn ein unsicheres Passwort gewählt wird, und verrät auch, warum es unsicher ist, etwa wenn es nur aus Ziffern oder nur aus Kleinbuchstaben besteht.
Wer schon andere Linux-Installationen auf seinem Rechner hat, muss den Boot-Manager nach der Installation nicht manuell anpassen: SuSE kann vorhandene Linux-Installationen suchen und ergänzt sie automatisch in der Konfiguration des Boot-Managers Grub. Vorhandene Windows-Partitionen trägt es automatisch ins Boot-Menü ein, ungeachtet, ob darauf tatsächlich ein System installiert ist oder die Partition nur als Datenspeicher dient. Hier heißt es beim Booten: Ausprobieren, welcher Eintrag der richtige ist. Wen der überflüssige Eintrag stört, der kann ihn später über SuSEs zentrales Administrationswerkzeug YaST aus dem Boot-Menü löschen.
Negativ fiel auf, dass SuSE während der Installation bei zwei Notebooks im Test den DMA-Modus fürs DVD-Laufwerk nicht aktivierte. Dieser beschleunigt normalerweise das Lesen der Daten von DVD. So kam es zu einer reichlich abenteuerlichen Schätzung der Installationsdauer.
Im zweiten Teil der Installation geht es dann Schritt für Schritt weiter, und auch hier lassen sich frühere Auswahlen über Zurück noch abändern. Falls dabei getätigte Einstellungen verloren gehen, hakt der Installer allerdings noch einmal nach.
Die Erklärungen muss man hier durch einen Klick auf den Rettungsring links unten extra aktivieren, standardmäßig werden sie nicht angezeigt.
Die DSL-Konfiguration ist dank der an den jeweiligen Provider angepassten Dialoge sehr komfortabel. In unserem Test erwischte SuSE zunächst die falsche von zwei vorhandenen Netzwerkkarten, nach dem Umstecken funktionierte die Verbindung jedoch tadellos. Ist die Netzverbindung erfolgreich eingerichtet, kann der Anwender schon während der Installation Updates herunterladen.
Im Anschluss kann man noch einen normalen Benutzer einrichten (Abbildung 1) und angeschlossene Hardware konfigurieren. Das lässt sich jedoch auch später im normalen Betrieb über YaST erledigen -- wer also endlich sein neues System bewundern will, kann diese Schritte überspringen. Hat man bei der Benutzereinrichtung die automatische Anmeldung ausgewählt, startet SuSE direkt den KDE-Desktop in der neuen Version 3.2.
Dort hat sich im Vergleich zur Vorgängerversion viel getan. Das K-Menü ist übersichtlicher geworden, und statt nach den für Einsteiger oft nichtssagenden Programmnamen sind die Menüeinträge jetzt meist nach der Funktion der Programme benannt. Eine Ausnahme bilden leider noch die SuSE-Konfigurationswerkzeuge: Hier muss man wissen (oder im Handbuch nachlesen), dass sich hinter dem Begriff "Sax2" SuSEs Grafikkarten- und Monitorkonfigurations-Tool versteckt (Abbildung 2).
Eine Neuheit in SuSE Linux 9.1 macht vor allem Windows-Umsteigern den Einstieg in Linux leicht: Den Desktop ziert nun ein Icon Arbeitsplatz, das Zugriff auf Laufwerke, weitere Festplattenpartitionen, Digitalkameras und andere Hardware bietet (Abbildung 3). Wer viele Partitionen und Laufwerke besitzt, die früher direkt auf der Schreibtischoberfläche angezeigt wurden, darf sich also auf einen aufgeräumten Desktop freuen. Digitalkameras und USB-Sticks mountet das System automatisch.
Die Tintenstrahl- und Laser-Drucker im Test erkannte SuSE beide automatisch. Ärger machte hingegen der Nvidia-Grafikkartentreiber: Auf zwei Testgeräten ließ sich die 3D-Beschleunigung nicht aktivieren, das Konfigurations-Tool Sax brach mit einem Fehler ab. Den Versuch, den Nvidia-Treiber manuell einzustellen, quittierte der Rechner, indem er komplett einfror, sobald man ein Programm startete, das die 3D-Beschleunigung zu nutzen versucht.
Wohl kaum eine Distribution bringt soviel Papier mit wie SuSE Linux: Zwei dicke gedruckte Handbücher liegen der Professional-Version bei. Während normale Anwender, sofern sie keine Server betreiben wollen, das sehr tiefgehende Administrationshandbuch erst einmal beiseite legen können, ist das Benutzerhandbuch für den Anfänger genau das Richtige, um sich in Linux einzulesen. Detailliert behandelt es die Installation und Konfiguration des Systems, in der zweiten Hälfte stellt es außerdem die Desktop-Umgebungen KDE und Gnome sowie die wichtigsten Anwendungsprogramme vor. Ein Glossar erklärt verwendete Fachbegriffe. An Stellen, an denen zum Verständnis Grundlagenwissen gebraucht wird, vermittelt das Handbuch kurz die nötige Theorie.
Wenig benutzerfreundlich gestaltet sich jedoch die Suche im Handbuch: Im 16-seitigen Inhaltsverzeichnis übersieht man recht leicht das gesuchte Unterkapitel, und die Sortierung der Einträge im Index ist für den Anfänger kaum verständlich. Die Aktivierung der 3D-Beschleunigung der Grafikkarte fanden wir nicht etwa unter 3D oder Grafikkarte, wo wir es naiv erwartet hätten, sondern unter X einsortiert. Oft setzt das Handbuch auch voraus, dass der Leser die Namen der Anwendungsprogramme schon kennt: Wer nach dem Stichwort "Textverarbeitung" fahndet, wird unpassenderweise auf den schlichten Text-Editor kwrite verwiesen -- ein Hinweis auf OpenOffice fehlt dort.
Wenn auch das Handbuch nicht weiterhilft, bietet SuSE bei der Professional-Version 90 Tage kostenlosen Installations-Support. Dazu sollte man sich jedoch unbedingt über das Kleingedruckte der Support-Bedingungen schlau machen [2] -- bei vielen Käufern ist hinterher die Enttäuschung groß. Die Konfiguration von Peripheriegeräten wie Drucker und Scanner, aber auch Sound-Karten fällt für SuSE nicht unter den Installationssupport, hierzu wird an die kostenpflichtige Hotline verwiesen. Gerade SuSE Linux besitzt jedoch im deutschsprachigen Raum eine große Fan-Gemeinde, so dass man zu vielen Problemen auch Hilfe in Internet-Foren und vor allem auf den Mailing-Listen findet. (eba)
| Infos |
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[1] Hans-Georg Eßer: "Up oder down? -- SuSE Linux auf Version 9.1 updaten", EasyLinux 07/2004, S. 32, http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/07/032-suse91/
[2] SuSE-Installationssupport: http://www.suse.de/de/private/support/inst_support/support_overview.html |
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Last modified: 2007-01-25 17:17
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