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Erschienen in EasyLinux 08/2004   »   Ausgabe bestellen

Fedora Linux Core 2

Linux für lau

von Carsten Schnober


Linux ist frei -- das ist ein Leitsatz, der in der Praxis nicht für alle gilt, denn viele Distributionen kosten trotzdem Geld. Freie Projekte bieten meist weniger ausgefeilte Hilfsmittel zur Installation und Konfiguration und keine gedruckten Handbücher. Fedora Linux versucht, beides zu erreichen: Kostenlos erleichtert es auch Einsteigern die ersten Schritte.

Aus dem Hause Red Hat kommt die Distribution Fedora Linux [1], deren zweite Ausgabe Core 2 unter dem Codenamen "Tettnang" jetzt verfügbar ist. Auf vier CDs oder eine DVD lässt sie sich nach dem kostenlosen Download von brennen.

Zur Installation gelangt man ohne Hindernisse nach dem Start vom eingelegten Datenträger. Zunächst landet man in einer textbasierten Abfrage, die eine Überprüfung der verwendeten Medien anbietet, um unliebsamen Überraschungen durch defekte Datenträger vorzubeugen.

Hat man diesen Test durchlaufen oder übersprungen, gelangt man ins grafische Installationsprogramm, das zunächst in englischer Sprache empfängt. Nach einem Klick auf Next erhält man die Gelegenheit, auf eine deutschsprachige Umgebung umzustellen; damit ist nach einem weiteren Next alles auch ohne Englischkenntnisse verständlich.

Die Installationsprozedur ist übersichtlich gestaltet und den meisten Benutzern reichen die vorgeschlagenen Antworten aus, um ein funktionierendes Desktop-System zu erhalten; unter den drei vordefinierten Profilen erfüllt der Persönliche Desktop die Anforderungen eines Anwenders, der eine grafische Benutzerumgebung für den Arbeitsplatz wünscht.

Probleme hat Fedora Linux ebenso wie manche andere Distributionen auch, wenn es die Festplatte neu partitionieren soll, um auf einem bestehenden System Platz zu schaffen. In einigen Konfigurationen beschädigt ein Fehler im benutzen Partitionierungsprogramm die Partitionstabelle und macht damit z. B. eine Windows-Installation unbrauchbar. Neuere PCs haben jedoch im BIOS die Festplatten üblicherweise schon auf LBA voreingestellt, was diesen Fehler ausschließt. Um ganz sicher zu gehen, empfiehlt sich eine vorherige Partitionierung mit einem anderen Programm, so dass Fedora nichts mehr an der Festplattenaufteilung zu verändern braucht.

Erster Start

Nachdem die Pakete auf der Festplatte installiert sind, startet Fedora von der Festplatte, um die letzten Einstellungen vorzunehmen. Handelsübliche Grafikkarten und Bildschirme erkennt es dabei problemlos und fragt nach den Wünschen bezüglich Auflösung und Farbtiefe; letztere staffelt Fedora Linux in die etwas ungewohnten und wenig präzisen Stufen Millionen Farben, Tausende Farben und 256 Farben.

Eine vorhandene Windows-Installation erkennt das Installationsprogramm und bietet im Boot-Menü die Auswahl, zu diesem System zu gelangen. Bleibt man bei Linux, landet man zum Login im von Fedora umdekorierten GNOME Display Manager. Der Standard-Desktop ist zunächst GNOME, zu KDE gelangt man nur per manueller Nachinstallation.

Zum Fedora-eigenen Paketmanager führt der Startmenüeintrag Systemeinstellungen / Hinzufügen/Entfernen von Applikationen. Dort lässt sich nach Eingabe des root-Passworts der KDE-Desktop nachinstallieren, in der Vorauswahl markiert das Setup-Werkzeug sämtliche KDE-Pakete bis auf die Administrations-Tools. Danach taucht beim nächsten Login im Anmeldebildschirm unter Sitzung der Eintrag KDE auf, über den man die neue Desktop-Umgebung startet.

Leider fehlen die internationalisierten KDE-Pakete jedoch in der Auswahl des Paketmanagers, so dass es bei nachträglicher KDE-Installation zunächst nur eine englische Umgebung gibt; die Sprachpakete sind zwar auf den Datenträgern vorhanden, müssen aber manuell über die Kommandozeile nachinstalliert werden. Umgehen lässt sich dieser Umstand, wenn man schon bei der Installation das Profil Benutzerdefiniert wählt und die KDE-Pakete sofort mitinstalliert; dann landet man direkt in einer in der Systemsprache konfigurierten Oberfläche.

Der Desktop

Das Sprachenproblem bei KDE zeigt, dass Fedora Linux den GNOME-Desktop als Standard favorisiert. Wer den Umgang mit diesem gewohnt ist, hat damit kein Problem; er ist in puncto Einsteigerfreundlichkeit nicht unbedingt schlechter, aber Windows-Umsteiger finden dort weniger Gemeinsamkeiten mit ihrem alten System.

Unter beiden genannten Desktop-Umgebungen beschränkt sich die Vorkonfiguration auf ein Minimum. So fehlt unter KDE beispielsweise das Mixer-Applet in der Kontrollleiste um die Wiedergabelautstärke zu regeln auch bei konfigurierter Soundkarte, so dass man KMixer selbst starten und die Regler hochschieben muss, um etwas zu hören.

Das Menü ist teilweise wenig intuitiv strukturiert, beispielsweise gibt es die eng verwandten Einzelpunkte Systemtools, Systemeinstellungen und Präferenzen. In letzterem befinden sich die direkt zur Desktop-Umgebung gehörenden Konfigurationswerkzeuge, die Unterscheidung zwischen den anderen beiden Einträgen erscheint eher willkürlich. Zudem fehlen außer bei den Fedora-eigenen Applikationen Kurzbeschreibungen im Menü, zu sehen sind lediglich die oft wenig aussagekräftigen Programmnamen (Abbildung 1).

Abb. 1: Das Fedora-Menü ist teilweise wenig intuitiv.

Ein Hindernis für Windows-Umsteiger bildet die fehlende automatische Einbindung vorhandener Windows-Partitionen, hier sind die Systemkenntnisse des Benutzers gefordert. Ein verwandtes Problem zeigt sich beim Einstecken eines USB-Speichersticks; grundsätzlich von Linux unterstützt, funktioniert er zwar, aber der Desktop verweigert beim Einbinden jede Hilfe, so dass auch hier tiefergehende Kenntnisse erforderlich sind.

Bei anderer Hardware verhält sich Fedora zurückhaltend, aber größtenteils funktionstauglich. So gibt es für Drucker ein eigenes Konfigurationswerkzeug mit einer umfangreichen Liste unterstützter Geräte zahlreicher Hersteller (Abbildung 2), für Digitalkameras erfüllt das KDE-Programm DigiKam denselben Zweck. Beim Anschließen der neuen Hardware passiert jedoch zunächst nichts, man muss das richtige Programm manuell starten. Ob dies als Vor- oder als Nachteil gilt, entscheidet der individuelle Geschmack.

Abb. 2: Eigene Konfigurationswerkzeuge erleichtern die Installation mancher Hardware.

Multimedia

Frei bedeutet für eine Linux-Distribution gewöhnlich auch frei von kommerzieller Software. Selbst wenn diese kostenlos verfügbar ist, erlauben die Hersteller die Weiterverbreitung den Linux-Distributoren meist nicht kostenlos. Gerade im Bereich der Video- und Musikwiedergabe gibt es einige Formate, deren Hersteller und Erfinder die alleinige Kontrolle darüber behalten wollen.

Aus diesem Grund fehlen bei Fedora leider die beliebten Programme RealPlayer zur Ton- und Videowiedergabe von Dateien im Real-Format und Acrobat Reader zum Betrachten von PDF-Dokumenten. Für letzteres gibt es freien Ersatz, so dass man auch unter Fedora Texte dieses Dateiformats lesen kann, wenn auch mit leichten Einschränkungen im Bedienkomfort. Zum RealPlayer kommt man allerdings nur über nachträglichen Download und Installation.

Weniger klar ist der Grund für die fehlende Unterstützung zur Wiedergabe von MP3-Tondateien (Abbildung 3). Zwar gab es um dieses Format immer wieder patentrechtliche Streits, diese betrafen bisher allerdings nie die bloße Wiedergabe und schrecken andere Distributoren nicht von der Verbreitung entsprechender Software ab. Bei Red Hat ist dies aber selbst bei der kommerziellen Variante der Fall; auch hier führt also bei Fedora kein Weg an eigenständiger Nachinstallation vorbei, wenn man sich MP3-Musik anhören möchte.

Abb. 3: Im Multimediabereich hinkt Fedora hinterher.

Systemwerkzeuge

Den Hauptunterschied zwischen verschiedenen Linux-Varianten machen die distributionseigenen Werkzeuge aus, über die man grundlegende Systemeinstellungen vornimmt. Fedora Linux kennt dazu kein zentrales Programm, die Distributions-Tools verteilen sich übers Startmenü.

Neue Pakete fügt man mit system-config-packages hinzu, das sich hinter dem Menüeintrag Systemeinstellungen / Hinzufügen/Entfernen von Applikationen verbirgt. Es gliedert die verfügbaren Pakete in Kategorien von grafischen Applikationen über Server-Programme bis zu Systemverwaltungswerkzeugen (Abbildung 4). Darunter gibt es Gruppen wie Office/Produktivität bei den Anwendungen. Klickt man eine solche Gruppe an, installiert das Paket-Management eine Voreinstellung dieses Bereichs; über den Button Details gelangt man zur Feinabstimmung in eine Liste der enthaltenen Programme nebst Kurzbeschreibung.

Abb. 4: Der Paketmanager lässt wichtige Funktionen vermissen.

Zur Nachinstallation großer Programmgruppen wie dem KDE-Desktop hilft diese Unterteilung. Sucht man jedoch ein spezielles Programm, vermisst man schnell eine Suchfunktion. Ein weiteres Manko bildet zudem die Tatsache, dass einige auf den Datenträgern vorhandenen Einzelpakete in dieser Liste gar nicht auftauchen. Dieses Werkzeug führt deshalb ohne Hilfe über die Kommandozeile schnell zur Frustration, für manche Aufgaben ist es gänzlich unbrauchbar.

Von verfügbaren Updates erfährt man über ein Icon in der Kontrollleiste, das bei vorhandener Internet-Verbindung auf Neuigkeiten mit einem Ausrufezeichen hinweist. Klickt man dieses an, präsentiert ein Fenster eine Liste, aus der man die gewünschten neuen Programmversionen zur Installation mit dem Werkzeug up2date markiert.

Bedingt einsteigerfreundlich

Im Vergleich zu anderen freien Distributionen wie Debian Linux [2], legt das Fedora-Entwicklungsteam offensichtlich mehr Gewicht auf Einsteigerfreundlichkeit; auch wenn es dabei noch einen weiten Weg vor sich hat. Mit anderen Distributionen im eher an Desktop-Benutzern und Einsteigern orientierten Bereich können die Fedora-Installations- und Konfigurationshilfen derzeit noch nicht mithalten.

Zwar gelangt man auch ohne nähere Linux-Kenntnisse problemlos zu einem funktionstüchtigen Desktop-Rechner, aber die Integration neuer Hard- und Software gestaltet sich oft schwierig. Das Paketmanagement folgt einem vielversprechenden Ansatz, da es versucht, durch Übersichtlichkeit nachvollziehbare Gliederungen zu schaffen, aber wichtige Funktionen fehlen und lassen Einsteiger schnell alleine.

Mit dem Ehrgeiz, auch den Umgang mit der Kommandozeile zu erlernen, bietet Fedora einen sanften Einstieg durch seine unterstützenden grafischen Werkzeuge. Wer allerdings ohne Vorkenntnisse möglichst schnell zu einem produktiven System gelangen möchte, könnte von Fedora überfordert sein, zumal es weder Handbuch noch ausführliche Dokumentation oder offiziellen Support gibt. (csc)

Infos

[1] Fedora Linux: http://fedora.redhat.com/
[2] Debian Linux: http://www.debian.de/

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