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Erschienen in EasyLinux 08/2004   »   Ausgabe bestellen

Knoppix

Life is live!

von Heike Jurzik


Knoppix ist eine Linux-Distribution im Westentaschen-Format -- das Linux-Live-System läuft komplett von CD-ROM, bietet automatische Hardware-Erkennung und verändert bestehende Betriebssysteme und Daten nicht. Als Rettungssystem steht Knoppix außerdem bei Computer-Problemen hilfreich zur Seite.

Der Name Knoppix erinnert an den Erfinder Klaus Knopper ("Knopper's Unix"); dahinter verbirgt sich eine komplett von CD lauffähige Linux-Distribution mit automatischer Hardware-Erkennung. Zugrunde liegt die bekannte Debian-GNU/Linux-Distribution [1], keine Firma, sondern eine weltweite Gemeinschaft von mehr als 900 Entwicklern, die das freie Betriebssystem ehrenamtlich unterstützen.

Auf einer Knoppix-CD befinden sich in komprimierter Form ca. 1,7 GByte Software (über 900 Pakete), darunter KDE 3.2.2 als Standard-Desktop, Multimedia-Programme inklusive MP3-/Ogg- und Video-Player, Programme zum Konfigurieren des Internet-Zugangs, Web Browser, E-Mail- und Bildbearbeitungsprogramme. Auch für Linux-Profis und Software-Entwickler hat Knoppix die passenden Tools an Bord -- zahlreiche Programmiersprachen, Compiler und Bibliotheken sind dabei.

Wir zeigen erste Schritte mit Knoppix, wie Sie persönliche Daten und Konfigurationen auf Diskette oder USB-Memorystick sichern, mit Knoppix ins Internet finden und die Distribution als letzten Rettungsanker bei Festplatten-Problemen verwenden.

Geschnitten oder am Stück?

Die aktuelle Knoppix-Version (zur Zeit des Artikels war das Version 3.4 vom 17. Mai 2004) finden Sie auf einem der Download-Mirrors, die von [2] aus verlinkt sind. Wer über keine ausreichend schnelle Internet-Verbindung verfügt, kann Knoppix auch auf CD bestellen, eine Liste von Anbietern finden Sie unter [3].

Haben Sie sich entschieden, Knoppix selbst herunterzuladen, finden Sie anschließend auf der Platte ein so genanntes ISO-Image (ein Abbild einer kompletten Daten-CD als Datei). Dieses muss nun mit einem Brennprogramm, z. B. K3b [4], auf einen CD-Rohling gepresst werden. Achten Sie in jedem Fall darauf, dass Sie das Image direkt brennen und nicht noch vorher ein Image vom Image generieren.

Mit K3b brennen Sie das Image mit wenigen Mausklicks, wenn Sie im Menü auf Extras / CD / CD-Abbilddatei brennen (oder Extras / CD / Burn CD Image) gehen. Unter Abbild zum Brennen suchen Sie mit dem Dateiauswahldialog nach der richtigen ISO-Datei und klicken dann auf Start.

Abb. 1: Fertig zum Brennen -- ISO-Image mit K3b brennen.

Auf Boot geht's los!

Um in den vollen Knoppix-Genuss zu kommen, sollte Ihr Rechner mindestens 20 MByte RAM (für den reinen Textmodus), mindestens 82 MByte RAM (für die grafische Oberfläche), besser aber 128 MByte oder mehr haben, wenn Sie auch die mitgelieferten Office-Programme nutzen wollen. Weiterhin benötigt der Computer ein boot-fähiges CD-ROM/DVD-Laufwerk (IDE/ATAPI, Firewire, USB oder SCSI), eine Standard-SVGA-kompatible Grafikkarte und eine serielle oder PS/2-Standardmaus oder eine IMPS/2-kompatible USB-Maus.

Schalten Sie den Computer ein und überprüfen Sie, ob im BIOS die richtige Boot-Reihenfolge eingeschaltet ist. Wichtig ist, dass das First Boot Device auf CDROM steht. Als Second Boot Device können Sie die Festplatte (HDD-0) auswählen (Abbildung 2).

Abb. 2: Von CD booten -- BIOS-Einstellungen.

Speichern Sie die Einstellungen und setzen Sie den Boot-Vorgang fort. Am Boot-Prompt (boot:) haben Sie verschiedene Möglichkeiten -- Sie können einfach mit [Return] bestätigen und den Knoppix-Startvorgang fortsetzen oder sich weitere Boot-Optionen (Taste [F2]) und die Knoppix-"Cheatcodes" (Taste [F3]) anschauen. Diese Codes geben Sie am Boot-Prompt ein. (Kombinationen sind möglich.) Sie schalten damit selektiv problematische Hardware ab, verändern das Tastaturlayout, wählen einen anderen Window-Manager als KDE und vieles mehr. Eine vollständige Liste der Optionen finden Sie auf der Knoppix-CD in der Datei KNOPPIX/knoppix-cheatcodes.txt (Abbildung 3).

Abb. 3: Die vollständige Liste der Cheatcodes auf der Knoppix-CD.

Als nächstes bootet der Kernel und verrät, welche Hardware erkannt wird (Abbildung 4). Nach kurzer Zeit starten das grafische System und der KDE-Desktop, den Sie als EasyLinux-Leser ja schon kennen, begrüßt Sie. Unten links befindet sich wie gewohnt das K-Menü, über welches Sie Programme starten.

Daneben -- hinter dem kleinen Pinguin -- versteckt sich das Knoppix-Menü. Hier sind sämtliche Tools zur Konfiguration des Systems per Shortcut erreichbar. (Alternativ finden Sie die gleichen Einträge auch im K-Menü / KNOPPIX.) Auf dem Desktop standardmäßig abgelegt finden Sie Icons für die erkannten Datenträger.

Abb. 4: Der Kernel -- das "Herz" des Betriebssystems.

Abb. 5: Fertig zum Spielen -- Knoppix begrüßt sie.

Abb. 6: Alles fürs Office mit dabei -- OpenOffice, Scribus und KDE-Adressbuch.

Wer bin ich?

Standardmäßig sind bei Knoppix alle Passwörter deaktiviert. Der angelegte Benutzer-Account heißt knoppix -- ebenso wie der Rechner. Wenn Sie als Administrator arbeiten möchten, steht Ihnen das Kommando sudo ("substitute user do") zur Verfügung. Dieses Programm gibt einzelnen Benutzern oder Gruppen für einen begrenzten Zeitraum oder dauerhaft Administratorrechte. Um einen Befehl mit Root-Rechten auszuführen, tippen Sie sudo befehl; für eine Root-Shell geben Sie auf der Kommandozeile sudo -s ein.

Die "fehlenden" Passwörter machen sich häufig bemerkbar, wenn Altbekanntes nicht so funktioniert wie gewohnt: Benutzer, die KDE-Programme mit Root-Rechten normalerweise über den Schnellstarter mit [Alt-F2] und Eingabe von kdesu befehl starten, können kein Root-Passwort eingeben, weil es ja deaktiviert ist -- das Feld leer zu lassen, hilft allerdings auch nicht (Abbildung 6). Lösung: Tippen Sie ins Eingabefeld des Schnellstarters einfach sudo befehl oder rufen Sie genau dieses aus einer Konsole heraus auf.

Abb. 7: Kein Root-Passwort? Nehmen Sie "sudo" statt "kdesu".

Zum Problem werden die fehlenden Passwörter auch, wenn Sie den Passwortschutz des Bildschirmschoners eingeschaltet haben -- Sie können das Passwortfeld nicht einfach leer lassen und Ok klicken, Knoppix weigert sich und sagt Anmeldung fehlgeschlagen. In dem Fall hilft nur noch ein Ausflug auf die Konsole. Drücken Sie [Strg-Alt-F2], um eine Root-Shell zu finden. Tippen Sie hier passwd knoppix, geben Sie ein Passwort für den User knoppix ein und wiederholen sie dieses auf Aufforderung. Gehen Sie mit [Strg-Alt-F5] zurück zur grafischen Oberfläche und entsperren Sie den Bildschirm.

Gut verbunden

Eine Netzwerkverbindung stellen Sie unter Knoppix in wenigen Schritten her. Zunächst richten Sie die Netzwerkkarte ein. Gehen Sie dazu im Knoppix-Menü auf Netzwerk/Internet / Netzwerkkarte konfigurieren. Die erste Frage lautet, ob Sie die Karte mit DHCP (Dynamic Host Configuration Protocol) oder manuell einrichten wollen. DHCP können Sie wählen, wenn Sie genau wissen, dass Sie in einem Netzwerk mit DHCP-Server sind. Im Privathaushalt ist dies eher unüblich -- dann wählen Sie die manuelle Konfiguration, klicken also auf Nein.

Als nächstes geben Sie die IP-Adresse ein, z. B. 192.168.0.1. Die Netzwerkmaske können Sie bei der Voreinstellung (255.255.255.0) belassen. Auch die Broadcast-Adresse im folgenden Dialog (192.168.1.255) können Sie so übernehmen. Ein Default-Gateway stellen Sie nur ein, wenn Sie sich in einem Netzwerk mit einem Router befinden, an den Sie sämtliche Internet-Anfragen weiterleiten wollen. Soll Ihr Computer später direkt mit dem Internet verbunden werden (Modem, ISDN oder DSL), lassen Sie dieses Feld leer. Auch der Nameserver wird in diesem Fall nicht eingetragen. Bestätigen Sie mit OK.

Aus Sicherheitsgründen sind sämtliche Netzwerkdienste standardmäßig abgeschaltet und auch die Passwörter deaktiviert. Wenn Sie sich von einem anderen Rechner auf dem Knoppix-System anmelden wollen, müssen Sie den SSH-Server starten. Gehen Sie im Knoppix-Menü auf den Eintrag Server-Dienste / SSH Server starten, fordert Knoppix Sie auf, ein Passwort für den User knoppix zu setzen, falls das nicht bereits geschehen ist (Abbildung 8). Tippen Sie das Passwort zweimal "blind" am Prompt ein. Danach geht es mit der [Return]-Taste weiter. Ob der Server läuft, können Sie auf der Kommandozeile ganz einfach testen: Starten Sie dazu eine Konsole (Klick auf das Terminal-Programm-Icon oder [Alt-F2] und Eingabe von konsole) und geben Sie ssh localhost ein.

Abb. 8: Für jedes Problem ein Tool an Bord -- den SSH-Server starten.

DSL, ISDN & Co.

Tools zur Konfiguration einer Internet-Verbindung finden Sie ebenfalls im Knoppix-Menü. Ist der Rechner mit einer ISDN-Karte ausgestattet, gehen Sie zum Punkt Netzwerk/Internet / ISDN-Karte konfigurieren, um das Programm ISDN config zu starten. Dort finden Sie verschiedene Registerkarten, mit denen Sie die ISDN-Karte und den Provider konfigurieren. Auch die Verbindung kann von hier aus aufgebaut werden.

Ähnlich einfach gestaltet sich die Einrichtung eines DSL-Zugangs. Starten Sie das Konfigurationswerkzeug über das Knoppix-Menü / Netzwerk/Internet / ADSL/PPPOE konfigurieren. Nach der Erkennung der Netzwerkkarte sucht das Programm nach einem daran angeschlossenen DSL-Modem (Abbildung 9).

Abb. 9: Kinderleicht -- Knoppix hat ein DSL-Modem erkannt.

Das Programm fragt die Benutzerdaten ab -- die Eingabe des Passwortes erfolgt im Klartext. Geben Sie alle relevanten Daten ein, für die meisten Abfragen setzt das Programm sinnvolle Standardwerte. Zum Schluss werden Sie gefragt, ob Sie während des Bootens eine Verbindung aufbauen möchten -- alternativ starten Sie die Verbindung manuell (als Administrator) mit dem Aufruf pon dsl-provider. Sie können die DSL-Verbindung auch jederzeit trennen, das geht mit dem Befehl poff. Damit die Einstellung zum automatischen Verbindungsaufbau erhalten bleibt, müssen Sie die Konfigurationsdaten speichern -- auf die CD können Sie ja nicht schreiben. Knoppix bietet dafür eine Lösung.

Gesichert!

Knoppix eignet sich prima als mobiles Büro. Immer, wenn kein Linux-PC in Reichweite ist, können Sie die CD zücken, booten und direkt loslegen. Damit Sie Ihre vertraute Arbeitsumgebung nicht jedesmal neu konfigurieren müssen, bietet Knoppix an, die eigenen Einstellungen und/oder ein eigenes Home-Verzeichnis zu sichern. Für die reinen Konfigurationsdateien reicht eine Diskette aus; ist ein ganzes Home-Verzeichnis gewünscht, bietet sich eher ein USB-Memorystick an.

Um die Konfiguration auf Diskette zu sichern, legen Sie zunächst eine leere Diskette ins Laufwerk ein. Anschließend wählen Sie im Knoppix-Menü Konfiguration / KNOPPIX-Konfiguration speichern. Hier stehen verschiedene Dinge zur Auswahl -- es empfiehlt sich, alle Dateien auszuwählen (Abbildung 10).

Abb. 10: Konfigurationsdateien zum Speichern auswählen.

Klicken Sie auf OK, wählen Sie den Datenträger aus (in diesem Fall /mnt/floppy) und bestätigen Sie wieder durch Klick auf OK. Knoppix fordert Sie nun auf, eine Diskette einzulegen; klicken Sie OK, werden die Daten übertragen. Ist alles glatt gelaufen, informiert eine Dialogbox darüber, wie Sie die Dateien beim nächsten Boot-Vorgang wieder einlesen. Auf dem Testsystem funktionierte die Empfehlung knoppix myconfig=/mnt/auto/floppy allerdings nicht -- am Boot-Prompt hilft stattdessen der Aufruf:

boot: knoppix floppyconf

Auf einem USB-Memorystick (Abbildung 11) steht natürlich wesentlich mehr Speicherplatz zur Verfügung. Sie können daher nicht nur die eigenen Einstellungen sichern, sondern auch auch ein ganzes Home-Verzeichnis anlegen -- so haben Sie wichtige Daten immer dabei.

Abb. 11: USB-Memorystick -- Home-Verzeichnis und Konfiguration immer dabei.

  1. Dazu wählen Sie im Knoppix-Menü Konfiguration / Permanentes KNOPPIX-Heimverzeichnis einrichten.
  2. Es erscheint einen Dialog, der verschiedene Datenträger zum Speichern anbietet. Für den Memorystick wählen Sie beispielsweise /dev/sda1 und bestätigen mit OK.
  3. Als nächstes werden Sie gefragt, ob Sie eine komplette Partition verwenden und mit einem Linux-Dateisystem formatieren möchten -- wählen Sie hier Nein, um nur ein Image der Daten anzulegen, da sonst bereits auf dem Memorystick vorhandene Daten gelöscht werden.
  4. Nun geben Sie nur noch die gewünschte Größe für Ihr neues Home-Verzeichnis an, diese richtet sich nach dem vorhandenen Speicherplatz -- der Dialog informiert darüber, wie viel noch frei ist. Tragen Sie eine Zahl ein und klicken Sie auf OK.
  5. Im letzten Schritt können Sie wählen, ob Sie die Daten verschlüsseln wollen oder nicht. Anschließend formatiert Knoppix die Partition (oder legt die Image-Datei an) und kopiert die Daten.

Abb. 12: Persönliches Home-Verzeichnis auf dem USB-Memorystick anlegen.

Achten Sie beim Beenden Ihrer Knoppix-Sitzung darauf, dass Sie das System korrekt herunterfahren, da die Daten auf dem Stick jedesmal aktualisiert werden. Dazu wählen Sie im K-Menü Knoppix abmelden. Auf der Konsole sehen Sie dann u. a. die Meldung "/dev/sda1 umounted".

Beim nächsten Boot-Vorgang schließen Sie den Memorystick an und tippen am Boot-Prompt einfach:

boot: knoppix home=scan

Knoppix durchsucht die Peripherie nach Knoppix-Konfigurationen und bindet diese ein. So sollten Sie für das Home-Verzeichnis auf dem Memorystick etwa eine solche Meldung sehen:

Mounting /mnt/sda1/knoppix.img as /home/knoppix... /home/knoppix mounted OK.

Letzte Rettung: Dr. Knoppix

Sie haben einen Festplattenschaden, und das letzte Backup ist trotz guter Vorsätze schon ein bisschen älter? Sie haben sich unter Windows einen Wurm oder einen Virus eingefangen? Mit Knoppix sichern Sie nicht nur Daten von Linux- sondern auch von Windows-Partitionen.

Dabei beschreiten Sie verschiedene Wege zur Datenrettung: Gibt es ein zweites CD-ROM- oder DVD-Laufwerk, können Sie jederzeit die Daten auf einen CD- oder DVD-Rohling sichern. Natürlich ist hier die Kapazität beschränkt -- bei einem Festplattenschaden ist diese Methode also nur eine Notlösung, um schnell die wichtigsten Dinge zu retten.

Alternativ starten Sie das Programm Partition Image [5] (K-Menü / System / Partition Image), das mit sämtlichen Dateisystemen umgehen kann und ein komprimiertes Abbild einer Partition erstellt. Dieses Image kann außerdem aufgeteilt werden, so dass es auf CD- oder DVD-Rohlinge passt (Abbildung 13).

Abb. 13: Partition Image sichert einzelne Partitionen.

Noch mehr Knoppix

Wer Spaß an Knoppix hat und mehr wissen möchte, kann sich in den Knoppix-Foren [6] umschauen oder auf der (englischsprachigen) Mailingliste [7] eintragen (siehe auch Artikel "Der Knigge des Internet"). Es gibt viel zu entdecken! (hge)

Infos

[1] Debian GNU/Linux: http://www.debian.org
[2] Download-Mirror: http://www.knopper.net/knoppix-mirrors/
[3] Knoppix auf CD bestellen: http://www.knopper.net/knoppix-vendors/
[4] Heike Jurzik: "K3b -- Allesbrenner", EasyLinux 2004/05, S. 16f., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/05/016-k3b/
[5] Partition Image: http://www.partimage.org/
[6] Deutschsprachiges Knoppix-Forum: http://www.linuxtag.de/forum/
[7] Debian-Knoppix Mailingliste (englisch): http://mailman.linuxtag.org/mailman/listinfo/debian-knoppix

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