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von Niki Kovacs
Die Distribution der kanadischen Firma Libranet baut auf einem aktuellen Debian-Linux auf. Das besondere Augenmerk der Entwickler liegt, neben einzelnen Änderungen, auf vereinfachter Installation und besserer Hardwareerkennung.
Libranet ist in zwei Versionen erhältlich: der kostenlosen Classic Edition und der kostenpflichtigen Flagship Edition. Die ISO-Images der Flagship können Sie nach Bezahlung von der Libranet-Homepage [1] laden oder Sie lassen sich die zwei CDs mit der Post schicken -- gegen einen Aufpreis von fünf Dollar. Die Firma hat die Testbestellung am selben Tag bestätigt und kaum eine Woche später waren die CDs da.
| Die Preise |
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Natürlich können Sie auch die Classic aus dem Internet laden. Die abgespeckte Version basiert auf der vorhergehenden Flagship Edition. Auf der Libranet-Homepage finden Sie einen detaillierten Vergleich der beiden Versionen. Übrigens: Sie können jedes Libranet-System mit den enthaltenen Online-Update-Tools auf den gleichen, aktuellen Stand bringen.
Libranet ist eine englischsprachige Distribution. Es ist zwar ohne weiteres möglich, jedes einzelne Programm oder zumindest die überwiegende Mehrheit davon im laufenden Betrieb einzudeutschen -- das Installationsprogramm spricht jedoch ausschließlich englisch. Die Installation setzt daher ein Minumum an Sprachkenntnissen voraus.
Im Gegensatz zum etwa gleich teuren Mandrake Power Pack hat Libranet kein gedrucktes Handbuch. Auf den ersten Blick enttäuschend. Die CD-Hülle enthält dürftige Anweisungen zur Installation und verweist ansonsten auf die Online-Dokumentation auf Libranet-Homepage. Die lässt zwar keine Wünsche offen, doch müssen so zumindest Einsteiger die Installationsanleitung ausdrucken und bei der Hand haben.
Auf der Hompage gibts noch eine Support Solutions Database, in der immer wieder auftauchende Probleme und Fragen behandelt werden, wie die Konfiguration eines Winmodems, das Einrichten eines Druckers mit CUPS, die Installation neuer Schriften und anderes. Thematisch übersichtlich, aber wieder nur in englischer Sprache. Genauso das Hompage-Forum, das im Gegensatz zu manch anderen durch höflichen Umgangston, Hilfsbereitschaft und gute Laune überrascht. Gerade hilfesuchende Anfänger werden hier nicht durch die bekannten "RTFM"s (Read The F *ing Manual) und "STFW"s ("Search The F *ing Web) vergrault.
Nicht zuletzt genießen registrierte Libranet-Benutzer unbeschränkten Online-Support. In der Praxis bedeutet das meist noch am selben Tag eine ebenso ausführliche wie befriedigende Antwort.
Libranet läuft auf gängiger Hardware, unter anderem getestet auf:
Eine Parallelinstallation mit Windows XP ("Dual Boot") ist möglich.
Libranets Installationsprogramm ist ein Gemenge aus klassichem Textmodus und moderner grafischer Oberfläche (Abbildung 2). Bisweilen spartanisch, doch praktisch und intuitiv.
Nach der Tastaturbelegung geht es zum Partitionierungsmenü. Für Einsteiger empfiehlt sich die automatische Partitionierung (Abbildung 3). In diesem Fall definiert das Installationsprogramm eine 150 MB große Swap-Partition und eine einzige ReiserFS-Partition.
Das System erkennt vorhandene Windows-Partitionen und legt automatisch einen passenden Eintrag im Boot-Loader (GRUB) an. Damit nicht genug: der Benutzer darf außerdem entscheiden, ob er Zugriff auf die Windows-Partition haben will oder nicht. Manuelles Editieren der Konfigurationsdatei /etc/fstab bleibt so erspart.
Nach der Zeitzonenkonfiguration wird das Basissystem installiert. Im Gegensatz zum reinen Debian gibt es hier keine komlexen Entscheidungen. Wer grafische Interfaces gewohnt ist, könnte hier allenfalls Fortschrittsbalken vermissen.
Nach einem Neustart definieren Sie die Paßwörter für Root und legen die Benutzer an, danach folgt die Konfiguration des grafischen Systems (Abbildung 4).
Debian-Systeme sind nicht gerade bekannt für ihr komfortables Grafix-Setup, deswegen ist die Überraschung groß: Selbst die NVidia-Karte wird automatisch erkannt und korrekt eingerichtet! Das nächste Fenster fragt, ob die 3D-Beschleunigung aktiv sein soll, dann folgt die Konfiguration von Maus, Tastatur und Bildschirm nebst Auflösung. Haben Sie sich mit vielen OKs duchgeklickt, sehen Sie auch schon das Testbild: ein Pinguin mit vier Pfeilen in den jeweiligen Bildschirmecken. Dann schaltet das Installationsprogramm in den grafischen Modus um bietet die Auswahl der zu installierenden Programmgruppen (Abbildung 5).
Auch wenn auf nur zwei CDs gepackt, ist Libranet ein komplettes Linux mit vielen verfügbaren Paketen bzw. Paketgruppen. Die Gruppeneinteilung ist durchdacht: Wer zum Beispiel das Kästchen Internet Software ankreuzt, installiert damit die gängigen Webbrowser Mozilla, Galeon, Netscape, Opera, Konqueror, Dillo und Lynx. Wer nur bestimmte Programme aus einer Gruppe will, klickt im Auswahlfenster des Paketmenüs auf Details. Das freut Einsteiger wie Profi. Daneben gibt's -- für Experten -- noch die "Minimal Install", praktisch für ältereSysteme mit wenig Plattenplatz. So werden nur die nötigsten Pakete, und dann nach und nach weitere installiert.
| Paketgruppen der Libranet-Distribution |
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Folgende Paketgruppen sind auf den zwei CDs enthalten:
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Das vorgestellte Libranet 2.8.1 enthält Kernel 2.4.21, KDE 3.1.3, GNOME 2.2.2, Mozilla 1.4, Abiword 1.99.2, CUPS 1.1.19, gcc 3.3.1rc2, GIMP 1.2.5 und OpenOffice.org 1.0.3. Nicht mehr die taufrischesten Versionen, was daran liegt, daß Libranet 2.8.1 schon seit gut einem dreiviertel Jahr erhältlich ist. Die Libranet-Version 3.0 mit KDE 3.2, GIMP 2.0 und Kernel 2.6 soll ab Juli 2004 auf dem Markt sein.
Im Gegensatz zu manch anderer Distribution muss der Libranet-Installateur nicht mit den CDs jonglieren: Zuerst liest die Routine alle ausgewählten Pakete der ersten CD ein, dann von der zweiten.
Nach der Installation der Pakete geht es weiter mit der Einrichtung der Peripheriegeräte. Alle Soundkarten (Ensoniq und SoundBlaster) sind richtig erkannt, das entsprechende Modul wird geladen, und am Akkord hört der Benutzer, dass der Sound eingerichtet ist.
Die Einrichtung des CD-Brenners ist genauso einfach. Das Installationsprogramm schlägt vor, die zum Brennen nötige SCSI-Emulation zu aktivieren, und es genügt, mit "OK" zu bestätigen.
Beim Drucker -- ein nicht mehr ganz taufrisches Modell HP Photosmart 7345 aus dem früheren Angebot eines Lebensmitteldiscounters -- scheiterte bislang sogar eine Mandrake-Distribution. Libranet erkennt das Gerät, schlägt aber vor, es manuell im Adminmenu (siehe unten) zu konfigurieren. Dort den nächstverwandten Treiber augewählt (photosmart7350), funktioniert der Drucker in allen Betriebsarten einwandfrei -- Economy, Normal, Hochauflösend und Photoqualität.
Beim ersten Systemstart sagt der hauseigene Login Manager, ein von Libranet modifizierter gdm, dass der Libranet-Benutzer aus einer Reihe grafischer Interfaces unter Session wählen darf. Das Detail zeigt, dass der Distributor auch an Einsteiger denkt, die nicht mit mehr als einer Oberfläche rechnen.
Der Standard-Windowmanager, über Session / Libranet aufgerufen, ist ein mit Gnome-Applets erweiterter IceWM (Abbildung 7).
Libranets Homepage enthält eine Anleitung, die IceWM- und Gnome-Desktops mit gdesklets zu erweitern, Mini-Programmen, die lebenswichtige Infos wie Datum, Uhrzeit oderWettervorhersage auf den Hintergrund zaubern. Umsteiger aus der Windowswelt mögen die KDE-Umgebung bevorzugen (Abbildung 8), die sie über Session / KDE bekommen. Dort haben alle Programme ein homogenes Erscheinungsbild und genießen Details wie geglättete Schriften und anderes.
Ähnlich wie Mandrakes drakconf oder Suses Yast ist das Adminmenu von Libranet die zentrale Systemverwaltung. Die Oberfläche ist hier vielleicht nicht ganz so bunt, aber mindestens so funktionell wie bei der Konkurrenz.
Der Kernel-Abschnitt aus Abbildung 9 gestattet, ganz einfach einen neuen Kernel zu kompilieren und ebenso einfach zur Standardkonfiguration zurück zu kehren. Ideal also für exerimentierfreudige Einsteiger. Hier konfigurieren sie Kernelmodule, bauen Bootdisketten und schalten APM an oder aus.
Der Abschnitt Packages dient der Paketverwaltung (Abbildung 10), dem Installieren und Entfernen von Programmen. Hier rüsten Sie Paketgruppen nach, die Sie bei der Erstinstallation nicht ausgewählt haben, installieren oder entfernen individuelle Programme mit dem Paketmanager Synaptic. Sicherheitsupdates geschehen hier per Einfachklick. Doch auch erfahrene Debian-Benutzer werden mit Libranet ihre Freude haben -- sie editieren die Datei /etc/apt/sources.list, in der das System hinterlegt, auf welchen Datenträghern oder unter welcher Internetadresse die Debian-Programme in der jeweils aktuellen Version erreichbar sind und fahren ein perfektes Online-Update mit einem Befehl.
Der Abschnitt Desktop (Abbildung 11) des Adminmenu ist teilweise redundant zur Session-Auswahl bei der Anmeldung. Hier gibts nochmal die Auswahl der grafischen Oberfläche -- das verwirrt nicht nur Einsteiger. Andere Funktionen sind interessanter: Etwa die True-Type-Schriftenverwaltung, die bereits auf dem System vorhandene Fonts managt oder Microsoft-True-Type-Fonts auf Wunsch automatisch aus dem Internet lädt und installiert.
Der Disk-Abschnitt erlaubt, vorhandene Datenträger zu managen und mit der Schaltfläche Storage Devices Geräte einzubinden, die während der Systeminstallation nicht vorgesehen waren: Im Test genügte ein simpler Klick, um für ein internes Zip-Laufwerk und eine Digitalkamera die passenden Einträge in der Konfigurationsdatei /etc/fstab zu haben. Dann ließen sich beide mit mount /zip beziehungsweise mount /camera einbinden. Im Disk-Menü können Sie auch die SCSI-Emulation nachträglich aktivieren, falls dies nicht schon während der Systeminstallation geschehen ist (Abbildung 12).
Im Abschnitt Plugins richten Sie Programmerweiterungen wie Flash oder Java oder den RealPlayer ein. Damit kann Ihr Browser auch entsprechende Internet-Angebote anzeigen bzw. abspielen.
Die LaTeX-Pakete sind unvollständig; nur die Basispakete tetex-base und tetex-bin sind enthalten, nicht jedoch das wichtige Paket tetex-extra. Natürlich kann der Benutzer sich das Paket aus den Debian-Archiven laden. Weil bei dem Online-Update natürlich auch alle Paketabhängigkeiten automatisch aufgelöst werden, dauert der Download entsprechend lang und kostet auch -- wenn man keine Flatrate hat.
Unter KDE kommt es zu einem Konflikt zwischen ALSA und dem ARts-Soundserver. Ergebnis: Programme wie XMMS leiden plötzlich an unerklärlichem "Schluckauf". Abhilfe schafft hier nur, wer das Soundsystem manuell umkonfiguriert. Für Einsteiger eine schwierige Aufgabe.
Im Gegensatz zu so mancher großen Desktop-Distribution funktioniert hier einfach alles. Die mitgelieferten Programme laufen problemlos, die Installation neuer Programme ist dank Debian-Paketsystem ein Kinderspiel, ebenso wie die Systemverwaltung dank Adminmenu. Wer eine kohärente und stabile Desktop-Umgebung sucht, ist mit Libranet bestens bedient. Wobei sich diese kanadische Distribution ebenso an den Einsteiger wie an den Profi wendet -- vorausgesetzt, beide haben die nötigen Englischkenntnisse. Libranet besticht durch nahezu perfekte Hardwareerkennung und automatische Konfigurationsprozeduren, die so manches graue Haar ersparen. Vor diesem Hintergrund relativiert sich auch der hohe Preis. (fan)
| Infos |
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[1] http://www.libranet.com
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Last modified: 2007-01-25 17:17
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