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Erschienen in EasyLinux 08/2004   »   Ausgabe bestellen

Audio-CDs aus MP3-Files brennen

Virtuelle Musik auf echten Scheiben

von Kalle Gerwien


Mal schnell eine Audio-CD aus ein paar MP3-Dateien erstellen -- Für den Linux-Guru auf der Kommandozeile kein Problem. Für Einsteiger gibt's Kmp3burn.

Auch, wenn langsam der Download aus den Tauschbörsen zurückgedrängt wird: Noch liegen auf Deutschlands Rechnern mehr MP3-Files als Scheiben im Plattenschrank. Und wenn auch neue CD-Player mit dem Kompressionsformat zurecht kommen -- alte Stand-alone-Player und Autoradios beherrschen es meist nicht. Um die Songs auch dort abzuspielen, muss aus dem Dateisalat erst wieder eine Audio-CD werden. Das besorgt das Programm Kmp3burn [1].

Die Installation

Dank unserer EasyLinux-RPM-Archive ist die Installation gewohnt einfach. Laden Sie von unserer Download-Seite [2] das für Ihre Distribution passende Paket herunter.

Unter SuSE-Linux klicken Sie das heruntergeladene Paket im Konqueror an und wählen anschließend Installiere Paket mit YaST. Nach Eingabe des Administrator-Passworts startet YaST2 und spielt das Paket ein.

Unter Red-Hat heißt das Installationsprogramm redhat-install-packages, unter Mandrake RPM-Drake. Die Prozedur ist die gleiche.

mpg123

Kmp3burn benötigt das Programm mpg123 [3]. Um zu prüfen, ob es auf Ihrem System vorhanden ist, geben Sie auf einer Konsole den Befehl mpg123 ein. Meldet sich das Programm mit einer Liste verfügbarer Befehle, ist es installiert. Andernfalls laden Sie das für Ihre Distribution passende RPM von der EasyLinux-Hompage und installieren es genau so, wie das vorige Paket.

Starten Sie anschließend Kmp3burn durch [Alt+F2] und der Eingabe von /usr/local/kde/bin/kmp3burn. Nach angenehm kurzer Ladezeit präsentiert sich das Programm mit seiner typischen zweigeteilten Oberfläche.

Die Einstellungen

Wie die meisten Programme verlangt auch Kmp3burn nach dem ersten Start nach Grundeinstellungen. Rufen Sie dias Konfigurationsmenü mit Settings / Settings auf. Im Fenster ist der erste von vier Reitern, SCSI-Device, vorgewählt. Tragen Sie hier die SCSI-Geräte-Nummer Ihres Brenner ein. Weil Sie die natürlich nicht im Kopf haben, ermitteln Sie sie, indem Sie auf einer Konsole den Befehl cdrecord -scanbus ein (siehe Abbildung 1).

Aus der mehrzeiligen Ausgabe (je nachdem, wie viele CD-Laufwerke Ihr Rechner hat), suchen Sie Ihren CD-Brenner heraus und übertragen die Gerätenummer vom Anfang der Zeile in das Konfigurations-Fenster von Kmp3burn.

Unter mp3 dir legen Sie fest, in welchem Verzeichnis Ihre MP3-Files liegen, z.B. /home/BENUTZER/mp3 . Der Eintrag unter cdrecord settings bestimmt die Geschwindigkeit, mit der die CDs gebrannt werden. Im letzten Reiter mit dem Namen project filename wählen Sie, ob die Titelliste gebrannter CDs gespeichert werden soll. Dabei wird für den Namen entweder das Datum (Timestamp) oder der Titel des ersten Liedes (first track name) genommen. Möchten Sie die Images der gebrannten CDs nicht abspeichern, wählen Sie die letzte Option Don't save burned projects automaticly. Die Grundeinstellungen schließen Sie mit OK ab.

Abb. 1: cdrecord -scanbus hat zwei Laufwerke gefunden.

Die Oberfläche

Zwei Fenster dominieren die Oberfläche des Programms. Sie zeigen das Quellverzeichnis zur linken (Selectbox) und das Zielverzeichnis zur rechten (Burnbox). Wenn Sie mit File / Open den Dateidialog starten, bemerken Sie dass das Programm den Pfad aus der Voreinstellung übernommen hat. Wählen Sie eine Datei aus dem Verzeichnis und bestätigen Sie mit OK, dann lädt Kmp3burn das komplette Verzeichnis in das linke Fenster. Das rechte Fenster enthält, was auf die CD gebrannt werden soll.

Kopieren Sie die Stücke, indem Sie sie im linken Fenster markieren und dann den Rechts-Pfeil klicken, oder die entsprechende Datei mit der rechten Maustaste anklicken. Möchten Sie ein Lied aus der Auswahl löschen, benutzen Sie den Links-Pfeil. Die Reihenfolge der Songs im rechten Fenster ist die, in der sie auch auf die CD gebrannt werden: Der oberste Eintrag ist Lied Nummer 1. Um die Reihenfolge zu ändern, klicken Sie ein Lied an und verschieben es mit den Hoch- und Runter-Pfeilen.

Unterhalb des rechten Fensters zeigt Total Time einen genauen Überblick über die Gesamtspieldauer der CD. Auf eine Norm-CD mit 650 MB Kapazität passen 74 Minuten, auf die handelsüblichen 700MB-Rohlinge 80 Minuten. Kmp3burn warnt nicht, wenn Sie die Kapazität überschreiten; ein verbrannter Rohling ist in diesem Fall die Folge.

Abb. 2: Die Oberfläche von Kmp3burn.

Lieder anspielen

Möchten Sie sich ein Lied anhören, wählen Sie es im linken Fenster an und klicken auf den großen Play-Button unter dem Fenster. Mit dem Schieberegler forward springen Sie zu beliebigen Stellen.

Die CD Brennen

Haben Sie alle Lieder zusammen, geht es ans Brennen: Klicken Sie auf Create, dann erstellt Kmp3burn aus den einzelnen MP3-Dateien ein CD-Image. Die farbige Fortschrittsanzeige im rechten Fenster gibt Auskunft. Ist das Image fertig, klicken Sie auf Burn. Im folgenden Status-Fenster haben Sie zehn Sekunden, um den Vorgang abzubrechen, dann informiert es detailliert über den Brennstatus (Abbildung 3).

Abb. 3: Kmp3burn übergibt den Brennvorgang an Cdrecord.

Playlisten aus XMMS übernehmen

Vorhandene Playlisten im m3u-Format, zum Beispiel vom XMMS-Player, kann Kmp3burn übernehmen. So müssen Sie sich die Songs nicht erneut zusammensuchen. Öffnen Sie in XMMS die Playlist indem Sie n dessen Oberfläche auf den Butten PL klicken. In der Playlist finden Sie das Symbol List rechts unten. Klicken Sie auf List und halten die Maustaste gedrückt, öffnet das Programm ein Menü mit drei Optionen. Sie wählen die mittlere Option Save. In dem folgenden Dateiauswahl-Fenster wählen Sie den Speicherort für Ihre Playlist. Wählen Sie bei der Option Dateityp erkennen den Dateityp m3u. Anschließend geben Sie den Namen der Playlist ein, vergessen nicht diesen mit .m3u abzuschließen und speichern mit OK die Liste ab. Diese Liste laden Sie dann in kmp3burn mit Datei / Open Playlist.

Kmp3burn in das Startmenü integrieren

Möchten Sie Kmp3burn im Startmenü unter Multimedia / CD/DVD brennen eintragen, gehen Sie folgendermaßen vor: Starten Sie das Programm Kmenüedit mittels [Alt-F2] und der Eingabe von kmenuedit. Navigieren Sie im linken Fenster an die Stelle, unter der das Programm liegen soll -- in unserem Beispiel ist das Multimedia / CD/DVD. Klicken Sie anschließend auf Neues Element, haben Sie rechts einen neuen leeren Eintrag. Wechseln Sie in das Feld Name und geben dort Kmp3Burn ein. Als Kommentar schreiben Sie z.B. Ein Audio-CD Brennprogramm. Ins Feld Befehl tragen Sie /usr/local/kde/bin/kmp3burn ein. Rechts neben den Einträgen für Namen und Kommentar liegt die Wahlfläche für das Icon. Das Icon finden Sie, indem Sie sonstige Symbole an- und dann auf Auswählen klicken. Navigieren Sie in dem Datei-Auswahldialog zum Verzeichnis /usr/local/kde/share/icons/locolor/16x16/apps/ und wählen dort die Datei kmp3burn.png. Bestätigen Sie anschließend die Einstellungen mi einem Klick auf Anwenden und schließen Kmenüedit. Ab jetzt können Sie das Programm direkt über das K-Menü aufrufen. (fan)

Abb. 4: Kmp3burn wird mittels Kmenuedit im Startmenü eingetragen.
Wenn es klemmt.

Gibt cdrecord -scanbus statt der gewünschten Informationen eine Fehlermeldung aus, kann das zwei Ursachen haben: Die erste: Nur Root hat auf Ihrem System zugriff auf cdrecord. Um dies zu überprüfen, melden Sie sich mit su temporär als Root an und starten cdrecord -scanbus noch einmal. Bekommen Sie nun die gewünschte Auskunft, muss später Kmp3burn ebenfalls mit Rootrechten mittels des Befehls kdesu /usr/local/kde/bin/kmp3burn gestartet werden.

Die andere Ursache: Die Ide-Scsi-Emulation ist auf Ihrem System nicht gestartet. Damit cdrecord den Brenner ansprechen kann, muss ein Programm laufen, dass Ihren IDE-Brenner als SCSI-Gerät emuliert. Um von Hand die Emulation zu starten, sind zwei Dinge notwendig. Erstens muss dem Bootmanager (mittlerweile bei allen unterstützen Systemen Grub) die Option hdX=ide-scsi mitgegeben werden und zweitens muss das Modul von Root mittels modprobe ide-scsi geladen werden. Den Parameter hdX=ide-scsi tragen Sie in die Konfigurationsdatei nach. Editieren Sie dazu als Root die Datei /boot/grub/menu.lst: kdesu kate /boot/grub/menu.lst.

Hängen Sie an das Ende der Startzeile (Beginnt mit kernel (hd ...), den Befehl hdX=ide-scsi an. Ersetzen Sie dabei das X durch den Devicebuchstaben Ihres Brenners, z B. hdb. Kennen Sie den Kennbuchstaben nicht, schlagen Sie ihn in nach: Die Ausgabe des Kommandos less /var/log/boot.msg enthält eine Zeile ähnlich hdd: LG CD-RW CED-8080B, ATAPI CD/DVD-ROM drive. In diesem Beispiel hat der Brenner die Kennung hdd.

Als nächstes öffnen Sie in dem Editor die Datei /etc/init.d/boot.local und tragen im Ende die Zeile /sbin modprobe ide-scsi ein. Speichern Sie beide Dateien ab, beenden den Editor und starten Ihr System neu. Nach dem Neustart sollte der Zugriff auf den Brenner mittels cdrecord gelingen. Um die KDE-Verknüpfung auf das Gerät zu reparieren, sollten Sie allerdings noch in eine Konsole den Befehl ln -sf /dev/scd0 /dev/cdrecorder ausführen.

Infos
[1] Kmp3burn-Homepage: http://www.martin-keil.de
[2] EasyLinux-Download-Bereich: http://www.easylinux.de/Download
[3] Mpg123-Homepage: http://www.mpg123.de

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