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Erschienen in EasyLinux 08/2004   »   Ausgabe bestellen

USB-Kartenlesegeräte in KDE einbinden

Die Karten, bitte


Die Flut der Speicherkarten-Geräte nimmt zu: Digitalkamera, MP3-Player oder Next-Generation-Handy, alle wollen per USB-Kabel Kontakt zum PC haben. Die vielen unterschiedlichen Karten-Standards erschweren das Ganze -- SM, CF, MMC, SD, MS, MD oder XD sind die geläufigsten. USB-Adapter helfen, dem Chaos zu entkommen. Für rund zehn Euro sind 6-in-1-Card-Reader eine lohnende Anschaffung.

von Kalle Gerwien

Der Anschluss

Obwohl ausschließlich Treiber für Windows -- und neuerdings öfter für Mac OS X -- mitgeliefert sind, lassen sich die Geräte auch unter Linux benutzen. Dank des USB-Mass-Storage-Moduls, bindet Linux den Card-Reader als SCSI-Laufwerk ins System ein -- mit wenig Aufwand integrieren Sie ihn in KDE. Die folgende Konfigurationsanleitung setzt ein IDE-System voraus; falls Sie ein SCSI-System mit mehreren Platten benutzen, ändern sie die Einträge entsprechend der Beschreibung in Kasten 1.

Die Einrichtung

Damit die verschiedenen Adapterschächte -- jeder stellt ein eigenes Laufwerk dar -- nicht nur der Systemadministrator mounten (ins System einbinden) kann, müssen sie in der Datei /etc/fstab eingetragen werden. (Dort sind die statischen Informationen zu Dateisystemen des jeweiligen Rechners gespeichert.) Starten Sie eine Konsole und erstellen als Root zuerst eine Sicherheitskopie der Datei:

su
cp /etc/fstab /etc/fstab.sav

Anschließend legen Sie die Verzeichnisse an, unter die später die Laufwerke gemountet werden sollen:

mkdir /media
mkdir /media/sda1
mkdir /media/sdb1
mkdir /media/sdc1
mkdir /media/sdd1
mkdir /media/sde1

In Notfällen können Sie die eben erstellte Sicherheitskopie (wieder nur als Root) mit dem Befehl cp /etc/fstab.sav /etc/fstab zurückspielen. Als nächstes passen Sie die Einträge in der Datei /etc/fstab an -- dort merkt sich Ihr System, an welche Stelle des Verzeichnisbaums es welche Datenträger mounten soll. Auch diese Datei darf nur der Systemadministrator ändern: Drücken Sie [Alt+F2] und geben den Befehl kdesu kate /etc/fstab ein. Mandrake-Benutzer haben Kate nicht automatisch installiert. Statt dessen geht auch kdesu kedit /etc/fstab. Nachdem Sie sich durch das Root-Passwort authentifiziert haben, lassen Sie die bereits vorhandenen Einträge unberührt und fügen am Ende der Datei folgende neue Zeilen hinzu:

/dev/sda1 /media/sda1 auto sync,noauto,user,exec 0 0
/dev/sdb1 /media/sdb1 auto sync,noauto,user,exec 0 0
/dev/sdc1 /media/sdc1 auto sync,noauto,user,exec 0 0
/dev/sdd1 /media/sdd1 auto sync,noauto,user,exec 0 0

Haben Sie einen USB-Stick, fügen Sie noch eine weitere Zeile für sde1 hinzu. Speichern Sie anschließend die Datei und beenden den Editor. Fahren Sie den PC herunter und stecken den Cardreader ein.

Abb. 1: Die Datei /etc/fstab im Editor.

Integration in KDE

Entfernen Sie zur besseren Übersicht alle anderen USB-Speichergeräte und starten den PC. Um auch auf der Arbeitsfläche Zugriff auf die Card-Reader-Laufwerke zu haben -- analog zu Verknüpfungen für Festplatten und CD-Laufwerken --, laden Sie von unserer Downloadseite [1] das Beispiel-Paket für diesen Workshop. Entpacken Sie die Symbole in einem eigenen Ordner, entweder bequem mit dem Konqueror (Rechtsklick auf das Archiv und dann Hier entpacken) oder in der Konsole mit Tar: tar xzvf icons.tar.gz. Anschließend erstellen Sie die Verknüpfungen auf dem Desktop. Dazu klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Arbeitsfläche und wählen aus dem Kontextmenü die Option Neu erstellen / Festplatte. Es öffnet sich ein Fenster mit der Bezeichnung "Eigenschaften für HD.desktop.

Abb. 2: Der Dialog Neu erstellen / Festplatte.

Der Cursor wird automatisch in ein Eingabefeld, in dem die Bezeichnung Festplatte steht, positioniert. Ändern Sie die Bezeichnung in CF-Card. Klicken Sie anschließend auf das Festplatten-Symbol links neben dem Eingabefeld. In dem sich nun öffnenden Dialog, bestimmen Sie das Desktop-Symbol des Gerätes bei eingebundenem (gemountetem) Zustand. Wählen Sie Sonstige Symbole und klicken auf den Button Auswählen. Öffnen Sie das Verzeichnis in dem Sie zuvor die Icons entpackt haben und wählen das Icon cf_mount.xpm. Nachdem Sie mit OK bestätigt haben, sind Sie wieder im Ausgangsfenster. Da im Bereich Allgemein alles eingestellt ist, widmen Sie sich den weiteren Optionen: Wählen Sie Gerät und aus der Drop-Down-Liste den Eintrag /dev/sda1 (/media/sda1). Hier wird das Gerät und der zugeordnete Mountpoint angezeigt. Die Option Nur lesen würde jeden Schreibzugriff auf das Gerät verhindern. Der darunter liegende Eintrag Mountpoint dient der schnellen Überprüfung und hat keine weitere Funktion.

Abb. 3: Auswahl des Gerätes.

Eingebunden oder nicht

Dateisysteme auf Festplatten, Disketten, CDs oder anderen Datenträgern sind entweder in den Verzeichnisbaum eingebunden (gemountet) oder nicht. Damit Sie auf den ersten Blick diesen Status erkennen können, wird er durch verschiedene Symbole angezeigt. Im allgemeinen hat das Symbol für ein eingebundenes System einen zusätzlichen grünen Pfeil -- so wie das, das Sie schon in der Option Allgemein ausgewählt haben. Um nun noch ein Symbol für den nicht eingebundenen Zustand zu wählen, klicken Sie auf die Schaltfläche Symbol für nicht eingebundene Laufwerke. Wählen Sie in dem darauf folgenden Dialog aus Ihrem Symbol-Verzeichnis die Datei cf_umount.xpm. Den Abschluss der Einrichtung bestätigen Sie mit OK, dann erstellt KDE eine Verknüpfung auf dem Desktop. Bei eingesteckter CF-Karte können Sie diese sofort überprüfen. Verfahren Sie mit den anderen drei Laufwerken genau so. /dev/sdb1 für den Sony Memorystick, /dev/sdc1 für die Smartmedia-Karte und /dev/sde1 für MMC- und SD-Karten. Sollte die Reihenfolge Ihres Adapters davon abweichen, passen Sie die Bezeichnungen Ihrem System an; eine Modifikation der fstab ist nicht nötig. Einen eventuell vorhandenen USB-Stick können Sie auf die gleiche Weise einbinden.

Abb. 4: Auswahl des Laufwerk-Sybols.

Unmounten nicht vergessen

Der Umgang mit so erstellten Laufwerken erfodert eine gewisse Disziplin: Die Card Drives müssen genau wie CD-Laufwerke durch einen umount-Befehl aus dem Dateisystem gelöst werden, sonst wird das Dateisystem inkonsitent und es droht Datenverlust. Im Gegensatz zu CD-Laufwerken, die sich nicht öffnen lassen wenn sie noch eingebunden sind, lassen sich Speicherkarten und USB-Sticks jederzeit abziehen -- ein häufiger Fehler. Vergessen Sie also vor dem Entfernen des Mediums nie den Rechtsklick auf die Verknüpfung und den Klick auf Laufwerk-Einbindung lösen

Die Elegante Lösung: Automount

Um dieses Problem zu lösen, gibt es Autofs [2]. Suse und RH9-Benutzer sind fein raus, ist bei ihnen das Auto-Filesystem-Paket schon installiert. Mandrake-Benutzer müssen es von der Installations-CD nachinstallieren: Rufen Sie das Programm RpmDrake unter Einstellungen / Paketierung / Software installieren auf. Suchen Sie nach dem Programm autofs und installieren es. Anschließend müssen alle Dateisysteme, die automatisch ausgehängt werden sollen, in der Datei /etc/auto.misc eingetragen werden. Drücken Sie [Alt+F2] und geben als Befehl kdesu kate /etc/auto.misc ein. Nach der Eingabe des Administratoren-Passworts öffnet der Editor die Datei auto.misc, in der Sie einige Beispiel-Einträge sehen. Alle Einträge die mit einer Raute # beginnen sind inaktiv (auskommentiert). Tragen Sie alle Laufwerke ein, die automatisch ausgehängt werden sollen. Das dabei benutzte Schema sieht wie folgt aus: Bezeichnung, Parameter,Laufwerk. Für das Compact-Flash-Laufwerk geben Sie die Zeile

CF-Card  -fstype=auto,sync  :/dev/sda1

ein. Die Bezeichnung "CF-Card" ist nicht vorgeschrieben, sie können Sie umbenennen. Der Parameter fstype=auto lässt das Programm das Dateisystem selbstständig erkennen. Der Parameter sync sorgt dafür das Daten ohne Zeitverzögerung auf den Datenträger geschrieben werden. Der letzte Eintrag ist das physische Laufwerk.

Erstellen Sie weitere Einträge nach dem gleichen Muster für die anderen Laufwerke (Abb. 5). Anschließend speichern Sie die Datei und öffnen mittels Datei / öffnen die Datei auto.master die sich im gleichen Verzeichnis befindet. Entfernen Sie die Raute # vor dem Eintrag

/misc     /etc/auto.misc

und speichern die Datei. Verlassen Sie den Editor.

Abb. 5: Die Datei /etc/auto.misc. Der letzte Eintrag bindet ein externes Zip-Drive ein.

Autofs beim Hochfahren aktivieren

Damit Autofs korrekt arbeitet, muss es beim Starten aktiviert werden. Unter Suse starten Sie YaST und rufen unter System den Runlevel-Editor auf. Wechseln Sie in den Experten-Modus und suchen den Eintrag autofs. Bei den Optionen Der Dienst wird in folgenden Runleveln gestartet haken Sie die Runlevel 3 und 5 an. Wählen Sie anschließend aus der Drop-Down-Liste Starten/Anhalten/Aktualisieren den Punkt Jetzt Starten. Nach erfolgreichen Start beenden Sie den Runlevel-Editor und YaST.

Bei Redhat finden Sie die Option unter Systemeinstellungen / Servereinstellungen / Dienste. Hier muss vor den Eintrag autofs ein Haken.

Unter Mandrake starten Sie Drakeconf über Einstellungen / Configure your Computer. Nach der Eingabe des Administratoren-Passworts startet das Mandrake Kontrollzentrum. Wählen Sie den Punkt System und dort DrakXServices. Suchen Sie den Eintrag autofs und aktivieren das Kästchen Beim Systemstart. Klicken Sie anschließend auf Start und beenden das Programm mit einem Klick auf OK. Ab jetzt ist Autofs bereit. Durch die Einträge sync in der fstab und der auto.misc werden Daten anders als normalerweise, sofort auf den Datenträger geschrieben. Dadurch wird ein Datenverlust durch vorzeitiges entfernen des Datenträgers verhindert. (fan)

Abb. 6: Aktivierung des Autofs-Dienst unter RH9.
SCSI-System

Haben Sie bereits eine SCSI-Festplatte in Ihrem System, trägt diese den Eintrag /dev/sda, eine zweite hieße /dev/sdb. Der nächste, für die Kartenschächte freie Name wäre in diesem Fall /dev/sdc. Ändern Sie selbstständig alle Einträge des Artikels so ab, dass die Cardreader-Laufwerke an der in Ihrem System ersten freien Adresse anfangen. SCSI-CD-Laufwerke spielen dabei keine Rolle; diese heißen stets /dev/scd.

@KE

Infos
[1] EasyLinux-Download-Bereich: http://www.easylinux.de/Download
[2] Autofs-Homepage: http://freshmeat.net/projects/autofs/

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