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Erschienen in EasyLinux 09/2004   »   Ausgabe bestellen
 

Textverarbeitungen im Test

Schreiberlinge

von Tim Schürmann


Den Preis für die meistgenutzte PC-Anwendung der Welt dürfte mit großem Vorsprung die Textverarbeitung gewinnen. Sie löste einst die Schreibmaschine ab und ermöglicht Millionen von Anwendern das komfortable Erstellen von Schriftstücken aller Art. Grund genug, die aktuell verfügbaren Texter einem Vergleichstest zu unterziehen.

Anwender aus der Windows-Welt denken beim Begriff "Textverarbeitung" mit großer Wahrscheinlichkeit zunächst an den dortigen Quasistandard Microsoft Word. Daher suchen viele Linux-Umsteiger als Erstes nach einer adäquaten Alternative zum Microsoft-Pendant. Dabei buhlt eine ganze Reihe von Textverarbeitungen um die Gunst der Anwender. In der Regel sind sie neben Tabellenkalkulationen oder Präsentationsprogrammen Bestandteil kompletter Office-Pakete, es gibt aber auch alleinstehende Anwendungen.

Alle Linux-Texter werben mehr oder weniger laut mit ihrer Kompatibilität zur Microsoft-Konkurrenz. Diese Zusammenarbeit funktioniert je nach Textverarbeitung mit unterschiedlicher Zuverlässigkeit. Bei den meisten Vertretern orientieren sich auch Bedienung und Aussehen an der Oberfläche von Microsoft-Word um die Eingewöhnungszeit für Umsteiger zu verkürzen. Das wichtigste Kriterium bleibt dabei der möglichst korrekte Import bestehender Word-Dateien. Hier wird das Fehlen der originalen Microsoft-Schriftarten zum generellen Problem. Selbst ähnliche Ausweichschriften mit nur leicht abweichen Proportionen können ein aufwändiges Layout durcheinanderwürfeln.

Bei unserem Test treten neben der Textverarbeitungskomponente Writer aus OpenOffice 1.1.2 [1] und StarOffice 7 [2] mit KWord 1.3 [3] der Vertreter aus dem KOffice-Paket, sowie die Einzelgänger TextMaker 2002 [4] und AbiWord 2.0.5 [5] an. Die KWord- und AbiWord-Versionen stammen aus dem aktuellen SuSE-Linux 9.1. Keine Berücksichtigung fanden Textverarbeitungen, die nicht auf den deutschen Markt zugeschnitten sind.

Hierunter fallen zum Beispiel die Asiaten HancomOffice [6] und EIOffice sowie das amerikanische ThinkFree Office [7]. Sie verfügen weder über eine deutsche Menüführung, noch über eine deutsche Rechtschreibkorrektur. Ebenfalls außen vor blieb CrossOver-Office [8], das Microsoft-Office unter Linux betreibt.

OpenOffice und StarOffice

Gemessen an der Verbreitung übernehmen OpenOffice und sein großer Bruder StarOffice in der Linux-Welt beinahe die dominante Rolle von Microsoft-Office unter Windows. Die beiden Pakete mauserten sich im Laufe der Jahre zu den meistgenutzten Office-Paketen im freien Betriebssystem, OpenOffice liegt mittlerweile den meisten Linux-Distributionen standardmäßig bei.

Die Beziehung zwischen den beiden Paketen ist schnell erklärt: Nach der Übernahme des ursprünglichen Entwicklers StarDivision gab Sun das StarOffice-Paket zur kostenlosen Nutzung und Weiterentwicklung frei, das Ergebnis heißt mit vollem Namen OpenOffice.org, wie seine Internet-Adresse.

In regelmäßigen Abständen nimmt Sun eine aktuelle Version des Office-Paketes und ergänzt es um kommerzielle Komponenten. Im wesentlichen sind dies eine professionelle Rechtschreibprüfung nebst Thesaurus (Synonymwörterbuch) und Silbentrennung, sowie Vorlagen, zusätzliche ClipArts, kommerzielle Schriftarten, Importfilter und ein gedrucktes Handbuch. Das so geschnürte Paket kommt schließlich als kostenpflichtiges StarOffice für etwa 80 Euro in die Läden. Einige der Beigaben gleichen freie Alternativen in OpenOffice zumindest teilweise aus. So bieten zum Beispiel verschiedene Internet-Seiten zusätzliche Vorlagenpakete zum Download an. Die Oberflächen beider Programme unterscheiden sich aus diesen Gründen kaum voneinander.

Obwohl sich die beiden Pakete gegenüber ihren Vorgängern in puncto Geschwindigkeit und Hardware-Ansprüche bereits verbessert haben, verschlingt bereits der Start viel Zeit und Systemressourcen. Fühlt man sich hierbei noch an die Microsoft-Konkurrenz erinnert, findet die Vertrautheit in der Oberfläche einen abrupten Schnitt (Abbildungen 1a und 1b).

Abb. 1a: Die Benutzeroberflächenvon OpenOffice...

Abb. 1b: ...und StarOffice ist für Umsteiger gewöhnungsbedürftig.

Der Funktionsumfang lässt kaum etwas vermissen: Writer erlaubt die Zuweisung einer Sprache sogar zu einzelnen Buchstaben, auf diese Weise findet die automatische Rechtschreibkorrektur auch bei sprachlich gemischten Texten statt. Die Qualität dieser Prüfung schwankt zwischen Open- und StarOffice stark, denn OpenOffice benötigt den umständlichen Zugriff auf ein freies, externes Wörterbuch, das lediglich einfachen Ansprüchen genügt. Ein Thesaurus existiert hier nicht. Auch das kommerzielle Wörterbuch von StarOffice weist hier und da Mängel auf, schlägt aber in der Regel weniger sinnlose Alternativen vor als sein Kollege von Microsoft.

Eingabehilfen gibt es in beiden Paketen reichlich. Dies fängt bei der automatischen Ergänzung von Wörtern während der Eingabe an und geht bis zu der in unserem Testfeld einzigartigen Möglichkeit, unzusammenhängende Textstellen zum gleichzeitigen Bearbeiten zu markieren. In anderen Programmen ebenfalls rar ist die automatische Vermeidung so genannter Schusterjungen und Hurenkinder. Mit diesen Funktionen verhindert man, dass eine einzelne Zeile, getrennt vom Rest des Absatzes auf einer Seite steht. Dabei hält Writer die Registerhaltigkeit ein, die beim Druck für genau aufeinanderliegende Zeilen auf Vorder- und Rückseite sorgt.

Bei den Bildbearbeitungsfunktionen knicken Star- und OpenOffice etwas ein. Lediglich rudimentäre Korrekturfunktionen wie das Anpassen der Helligkeit, stehen zur Verfügung. Um zum Beispiel eine eckige Grafik rund zu schneiden, weist man sie umständlich als Füllmuster einem zuvor aufgezogenem Kreis zu. Über diese mageren Leistungen helfen auch die vielen unterstützten Bildformate und künstlerischen Effekte wie Mosaik oder Pop-Art kaum hinweg. Wer Bilder effizient bearbeiten möchte, muss auf ein externes Bildbearbeitungsprogramm ausweichen.

Alle in Writer eingefügten Elemente, wie die erwähnten Bilder, können an einem Zeichen, einem Absatz oder einer Seite verankert werden; so angekettet wandern sie bei Veränderungen mit.

Als Ausrichtungshilfe von Kästen und Bildern verwendet Writer ein festes Liniengitter und Hilfslinien, die es beim Verschieben eines Elements einblendet. Beide Hilfen schaltet man über den etwas verschachtelten Optionen-Dialog ein. Dort gibt es auch die Möglichkeit den Direkt-Cursor zu aktivieren; mit diesem erweiterten Mauszeiger klickt man auf eine beliebige Stelle im Textdokument und schreibt dort direkt los, um einzufügende Leerzeichen- und zeilen kümmert sich die Software.

Wer mit Layouts oder großen, strukturierten Dokumenten arbeitet, stolpert früher oder später über den in einem eigenem Fenster eingeblendeten Stylisten. Er verwaltet die Stilvorlagen, die in Writer häufig zum Einsatz kommen. Dabei unterscheidet die Textverarbeitung zwischen Zeichen-, Absatz-, und Seitenvorlagen.

Auch die dazugehörigen Verwaltungsmöglichkeiten gestalten sich flexibel: In strukturierten Dokumenten wie Büchern folgen unterschiedliche Stile aufeinander -- für Kapitelüberschriften verwendet man in der Regel ein anderes Format als für den Fließtext. Statt jedes Mal den Stil manuell zu wechseln, benutzt man mit Writer das Prinzip der Folgevorlagen: Jede Vorlage besitzt einen Nachfolger, der sich automatisch aktiviert: Hat man alle Vorlagen eingerichtet, braucht man sich im Idealfall um den Stil mehr zu kümmern. Allerdings verirren sich gerade Einsteiger schnell in den vielen Dialogfenstern und Menüs, so dass nicht selten ein unerwünschtes Verhalten auftritt. Hat man sich aber mit den Vorlagen angefreundet, überwiegen ihre Vorteile.

Stilvorlagen kommen auch bei den Unterschriften für Kästen und Bilder zum Einsatz, zum Beispiel zum automatischen Durchnummerieren. Dank dieser zahlreichen Möglichkeiten gehört die Betitelungsfunktion zu den Besten im Testfeld.

Inhalts- und andere Verzeichnisse definiert der Anweder selbst und lässt sie anschließend automatisch generieren. Auch sie sind über Stilvorlagen steuerbar, so dass hier nach entsprechender Eigenleistung kaum gestalterische Grenzen gesetzt sind.

Auch zum Referenzieren externer Literatur bietet Writer eine effiziente Möglichkeit: Eine eingebaute Literaturdatenbank lässt sich beliebig ausbauen und in den Text einbinden.

Abb. 2: In Open- und StarOffice gibt es eine eingebaute Literaturdatenbank.

Als einzige Programme im Test setzen Star- bzw. OpenOffice auf Wunsch Dokumente aus separaten Dateien zusammen. Auf diese Weise können zum Beispiel einzelne Kapitel eines Buchs auf mehrere, schlanke Dokumente verteilt werden. Erst zum Ausdruck fügt Writer die Dateien dann wieder zusammen.

Serienbriefe erstellt man komfortabel mit dem zuständigen Assistenten. Als Quelle dient jede beliebige Datenbanktabelle in einem der zahlreichen unterstützten Formate. Auf diese Weise versieht man nicht nur Briefe mit Adressen, sondern vermischt auch beliebige andere Dokumententypen aus der Office-Suite. StarOffice bringt zusätzlich die kommerzielle Datenbank Adabas D mit; OpenOffice-Benutzer müssen auf ein freies Pendant ausweichen. Für passende Briefumschläge sorgen in StarOffice entsprechende Vorlagen.

Die beiliegende Online-Hilfe (Abbildung 3) lässt kaum Fragen komplett unberücksichtigt, ab und an bleibt sie aber etwas vage. Das Gegenstück zu Microsofts "Karl Klammer" heißt HelpAgent und ist wesentlich zurückhaltender als sein Kollege unter Windows; mit einer dezenten Glühbirne am unteren Rand macht er auf sich aufmerksam. Mit dem Kauf von StarOffice 7 erwirbt man neben dem gedruckten und gut aufgebauten Handbuch zudem Anspruch auf telefonischen Support.

Abb. 3: Die Online-Hilfe von Open- bzw. StarOffice orientiert sich optisch an MS-Word.

In unserem Testfeld ebenfalls einzigartig ist die Möglichkeit, Makros aufzuzeichnen und in einem eigenen BASIC-Dialekt zu programmieren. Mit VisualBasic aus der Microsoft-Welt ist dieser leider nicht kompatibel.

Ein weiteres Highlight ist der direkte Export von Schriftstücken ins weit verbreitete Dokumentenformat PDF. PocketPC- und Palm-Besitzer wird freuen, dass Open- und StarOffice auch deren Dokumente aus AportisDoc und Pocket-Word schlucken. An der Importqualität von MS-Word-Dokumenten gab es kaum etwas auszusetzen: sowohl Fußnoten als auch komplexere Grafiken übernahm Writer ohne Abstriche. Gerade Umsteigern hilft der integrierte Assistent, der ganze Verzeichnisse mit Word-Dokumenten auf einen Schlag konvertiert.

KWord

Die Textverarbeitung KWord ist Bestandteil von KOffice, dem Büropaket des KDE-Projekts. Obwohl mit dem gleichnamigen Desktop eng verzahnt, lässt es sich auch unter anderen Umgebungen wie Gnome betreiben. Ähnlich wie OpenOffice liegt KOffice den meisten Distributionen standardmäßig bei.

In der Bedienung geht KWord eigene Wege. So basiert seine Arbeitsweise auf so genannten Rahmen, wie man sie von Desktop-Publishing-Programmen aus dem Layout-Bereich kennt. Dabei steckt es jedes Element in einen eigenen Rahmen -- das gilt auch für den eigentlichen Fließtext. Diese lassen sich beliebig verschieben, anordnen und verändern. Auf diese Weise entstehen schnell flexible Layouts.

Jeder Rahmen erlaubt die Einstellung von Textumfluss, Skalierung, Rahmenstil und Hintergrundfarbe sowie Verbindungen zwischen Textrahmen. Das erlangt dann Bedeutung, wenn ein Fließtext nicht mehr in den ersten Rahmen passt; dann geht er im verknüpften Textfeld weiter. Leider lassen sich Rahmen weder drehen, noch erlaubt KWord Textgestaltungen, etwa gebogenen Text. Doch schon beispielsweise bei farbigen Hintergründen offenbart das Programm noch deutliche Schwächen, die sich in fehlerhafter Darsellung äußern.

Abb. 4: KWord hat noch Probleme mit aufwändigen Layouts.

KWord bietet verschiedene Ansichten: Neben dem normalen Seitenmodus, gibt es einen Vorschaumodus, im wesentlichen eine Verkleinerung des Seitenmodus, und einen Textmodus. Letzterer stellt nur den aktuellen Textrahmen dar, so dass sich der Nutzer auf den Inhalt konzentrieren kann.

Betrachtet man den Funktionsumfang, ist KWord im unteren Bereich anzusiedeln. Beispielsweise fehlt eine Bildbearbeitung nebst Zeichenfunktionen; um derartige Aufgaben kümmern sich andere Anwendungen des KOffice-Pakets. Möchte man zum Beispiel einen Kreis einfügen, so muss man zunächst einen Objektrahmen die gewünschten Konturen skizzieren. Diese Zeichnungen lassen sich nicht an bestimmte Buchstaben oder Absätzen binden, so dass sie beim Verschieben des Textes nicht automatisch mitwandern. Insbesondere bei großen Dokumenten wird dies schnell zum Problem.

Für die Rechtschreibkorrektur zieht KWord eines der externen Programme aspell, ispell oder HSpell heran. Den in einer Vorgängerversion enthaltenen, experimentellen Thesaurus haben die Entwickler in ein eigenes Paket ausgelagert. Obwohl ihn die Online-Hilfe noch aufführt, existiert der entsprechende Menüpunkt nicht mehr, wenn dieser Zusatz nicht installiert ist. Des Weiteren verweigerte in unserem Test die automatische Rechtschreibprüfung im Hintergrund ihren Dienst. Dieses Problem wollen die Programmierer aber bis zur nächsten Version 1.3.1 behoben haben.

Verschiedene Sprachen innerhalb eines Texts lassen sich unter KWord nicht einstellen. Immerhin kann der Anwender als Anführungszeichen beliebige Zeichen und Gliederungspunkte verwenden. Unterstützende Eingabehilfen gibt es kaum.

Die Serienbrieferstellung klappt gut, ist aber etwas versteckt: Zunächst wählt der Anwender eine Datenquelle aus, das kann eine in SQL oder direkt mit KWord erstellte Datenbank sein; Daten im weit verbreiteten CSV-Format importiert KWord leider nicht. Im nächsten Schritt fügt man die Felder ins Dokument ein, die man mit Datenbankinhalten auffüllen möchte. Verwendet man eine SQL-Datenbank lässt sich die Ausgabe über SQL-Kommandos verfeinern.

Für die Bearbeitung großer Dokumente existiert lediglich eine automatische Kapitelnummerierung, über die KWord auf Wunsch anschließend ein einfaches Inhaltsverzeichnis erstellt. Seiteneinstellungen gelten grundsätzlich für alle Seiten, nur bei Kopf- und Fußzeilen unterscheidet KWord zwischen der ersten, den geraden und den ungeraden Seiten.

Für fast alle Formatierungen wie Tabellen, Absatzformate und Rahmen erlaubt der Stylist das Anlegen von Vorlagen. Diese tauchen dann in einem Untermenü auf, über das man sie anschließend schnell dem gewünschten Element zuweist. Avancierteren Anwendern helfen die zahlreichen, frei definierbaren Variablen.

In der deutschsprachigen Online-Hilfe verbergen sich noch einige Unzulänglichkeiten, besonders in der Übersetzung und den Menübeschreibungen. So sind dort sogar die SQL-Befehle ins Deutsche übersetzt.

Abb. 5: Die deutsche Online-Hilfe von KWord zeigt einige sprachliche Mängel.

Beim Import von MS-Word-Dateien scheiterte KWord in unseren Tests an größeren Dokumenten; kürzere Texte las es zwar ein, aber die Ergebnisse waren nicht immer zufriedenstellend (Abbildung 6).

Abb. 6: Mit MS-Word-Dokumenten hat KWord Probleme.

TextMaker

Die deutsche Software-Schmiede SoftMaker veröffentlichte Ende letzten Jahres erstmals eine Linux-Version ihrer kommerziellen Textverarbeitung TextMaker 2002. Im Vergleich zu OpenOffice ist sie ein Leichtgewicht: TextMaker begnügt sich nicht nur mit 20 MByte Festplattenspeicher, es agiert schnell und agil selbst auf langsameren Rechnern.

Die Oberfläche ist sichtlich von älteren Microsoft-Word-Versionen inspiriert, Umsteiger dürften sich daher schnell heimisch fühlen. Sogar die von dort bekannte Normalen- und die Konzeptansicht sind vorhanden. Zusätzlich gibt es die so genannte Gliederungsansicht, die das Dokument in seiner Kapitelstruktur darstellt. Gerade bei langen Texten sorgt das für Überblick.

Das Konzept des Objektmodus ist für Ein- und Umsteiger ungewohnt. Ist er aktiviert, bearbeitet man nur noch komplette Objekte anstelle des Fließtexts. Dieser Modus wäre überflüssig, wenn der Mauszeiger beim Überfahren eines Rahmenrandes auch im normalen Modus die entsprechenden Funktionen anböte. Um die Verwirrung komplett zu machen, kennt TextMaker zudem den so genannten Formularmodus. Er gestattet dem Benutzer lediglich das Ausfüllen von zuvor in den Text eingebetteten Formularfeldern.

Eine punktbezogene Online-Hilfe gibt es bei TextMaker nicht. Statt dessen öffnet es jedes Mal das komplette Benutzerhandbuch im PDF-Format. Dieses ist jedoch vorbildlich gestaltet, so dass es gleichermaßen beim Einstieg und als Referenz zur Seite steht.

Bei den Eingabehilfen schließt TextMaker zu StarOffice auf und bietet sogar einige nützliche Funktionen mehr: Zum Beispiel unterstreicht es auf Wunsch alle Wörter der alten deutschen Rechtschreibung blau oder korrigiert sie alternativ selbständig; Probleme treten dabei allerdings gelegentlich bei zusammengesetzten Wörtern auf (Abbildung 7).

Abb. 7: TextMaker hilft beim Übergang von der alten zur neuen Rechtschreibung.

Des Weiteren verfügt TextMaker über ein Übersetzungswörterbuch -- eine wohl einzigartige Funktion unter den Desktop-Textverarbeitungen (Abbildung 8). Das Wörterbuch arbeitet ähnlich wie eine Rechtschreibprüfung, übersetzt aber dabei das markierte Wort. Zur Auswahl stehen die Sprachen Englisch, Französisch, Spanisch und Italienisch; das funktioniert auch in umgekehrter Übersetzungsrichtung. Bei so viel Linguistik ist es fast schon selbstverständlich, dass sich in mehrsprachigen Texten die verwendete Sprache bis zu einzelnen Zeichens festlegen lässt.

Abb. 8: TextMaker trumpft mit einem Übersetzungswörterbuch auf.

So hilfreich die aufgeführten Funktionen sind, im Gestaltungsbereich zeigt TextMaker Schwächen. Bilder kann es lediglich skalieren, rudimentär beschneiden und in Schritten von 90 Grad drehen. Letzteres klappt nur, wenn das Bild zuvor in einen Rahmen eingefügt wurde, ansonsten behandelt es die Grafik wie ein Textzeichen. Eine Bildunterschrift ist in beiden Fällen nicht möglich.

Rahmen existieren auch für Texte und Tabellen. Wer dabei auf unkonventionell Logos für Grußkarten spekuliert, wird jedoch enttäuscht: Textrahmen lassen sich lediglich wie bei KWord miteinander verbinden. Über den Umweg über eine so genannte Master-Seite lassen sich TextMaker-Dokumente zudem mit Wasserzeichen versehen.

Die Erstellung von Stilvorlagen gerät in TextMaker zu einer kleinen Schnitzeljagd: Man muss mehrere, verschachtelte Dialogfenster hinter sich bringen, bis man das gewünschte Ergebnis erhält. Da TextMaker nur wenige Vorlagen mitliefert, benötigt man diese Funktion jedoch häufig.

Serienbriefe erzeugt TextMaker dagegen so schnell und einfach wie keine andere Textverarbeitung. Nach dem Einbinden einer Datenbank -- möglich sind DBase- oder CSV-Dateien -- fügt man die benötigten Felder in das Dokument an den passenden Positionen ein und startet die Berechnung. Diese Einfachheit geht allerdings zu Lasten der Flexibilität; so ist beispielsweise unmöglich, einzelne Datensätze auszuschließen.

Das automatische Erzeugen von Adressaufklebern hält nicht, was der Funktionsname verspricht. Es fügt lediglich Datensätze aus einer Datenbank nacheinander in das aktuelle Dokument ein; um die korrekten Maße kümmert sich TextMaker dabei nicht.

Beim Import von Microsoft-Word-Dokumenten schlägt sich TextMaker gut. Nur mit Grafiken gab es in unserem Test gelegentlich Probleme. Verwendet man dabei Textrahmen weist ein roter Balken auf ein nicht mehr passendes Layout hin (Abbildung 9).

Abb. 9: TextMaker importiert auch längere MS-Word-Dokumente, aber gelegentlich mit Problemen.

Beim Export ins PDF-Format kam es bei komplexerer Dokumenten mitunter leider zu fehlerhaften Seiten.

AbiWord

Schon recht lange existiert das Open-Source-Projekt AbiWord, und es mausert sich langsam aber sicher zu einer ausgewachsenen Textverarbeitung -- auch wenn es bis zu diesem Ziel noch ein paar Hürden nehmen muss.

Nach dem Start begrüßt den Anwender eine Oberfläche, die leicht an Microsoft-Word erinnert. So stehen analog zum Marktführer die drei Ansichten Normal, Seite ("Print Layout") und Webpage zur Verfügung. Während unserer Testphase hatte jede davon immer wieder mit Darstellungsproblemen zu kämpfen.

Mit Hilfe von Plug-Ins lässt sich AbiWord theoretisch fast unbegrenzt erweitern, mehrere Import- und Exportfilter sind so bereits im Paket enthalten. Darüberhinaus gibt es Erweiterungen für den Zugriff auf Internet-Dienste wie das Wikipedia-Lexikon, den Übersetzung-Service Babelfish oder die Suchmaschine Google. Neben den Plugins führt AbiWord auch in der Programmiersprache Python geschriebene Skripte aus, die aber keinen vollständigen Ersatz für die fehlenden Makros bieten.

Die Online-Hilfe funktionierte auf unserem SuSE-Linux 9.1 in der Standard-Installation nicht. Auf der Suche nach dem Grund mussten wir feststellen, dass sie schlichtweg auf den Installationsmedien fehlt.

Ähnlich verhält es sich bei Rechtschreibprüfung, Thesaurus und Silbentrennung. Zwar gibt es eine automatische Rechtschreibkorrektur, dazu verwendet AbiWord aber ein externes Programm, das SuSE nicht installiert; so bleibt diese Funktion hier wirkungslos. Aktiviert man die manuelle Prüfung trotzdem, meldet die Textverarbeitung stets ein fehlerfreies Dokument.

Der Versuch, ein etwas größeres Bild einzufügen, verlangsamte die Anwendung drastisch. Bildmanipulationen realisiert AbiWord durch einen Rückgriff auf die Werkzeugsammlung ImageMagick. Zugang auf die entsprechenden Funktionen erhält man dabei nur über das Kontextmenü der rechten Maustaste.

Das Angebot ist allerdings dürftig: So klappt zum Beispiel eine Drehung nur um genau 180 Grad. AbiWord selbst bietet nur eine Skalierung von Bildern, die es grundsätzlich wie gewöhnliche Zeichen behandelt. Somit ist freies und exaktes Positionieren auf der Seite unmöglich. Gleiches gilt für Bilder aus der ClipArt-Sammlung, die hauptsächlich aus Gnome-Symbolen besteht. Illustrationen, wie Kreise oder Rechtecke kennt AbiWord genauso wenig wie Bildunterschriften.

Insgesamt muss diese Textverarbeitung in Layout-Fragen selbst bei einfachen Aufgaben oft passen: Spalteneinstellungen gelten grundsätzlich für alle Seiten, Kopf- und Fußzeilen bestehen immer nur aus zwei Zeilen und Absätze können weder einen farbigen Hintergrund noch einen Rahmen erhalten.

Immerhin lassen sich Stilvorlagen anlegen, deren Verwaltung allerdings ebenso unübersichtlich ist, wie beim Konkurrenten TextMaker. Auch hier hangelt man sich auf der Suche nach der passenden Information durch viele Fenster. Als Erleichterung darf der Anwender Stilvorlagen wie bei OpenOffice voneinander ableiten und Folgevorlagen zuweisen.

Bei der Serienbrieferstellung fügt man ähnlich wie bei TextMaker zunächst die zu ersetzenden Felder ein und generiert dann die Dokumente. Leider klappte dies in unserem Fall nicht: Kommentarlos verweigerte AbiWord die Ausführung.

Großen Dokumenten, wie zum Beispiel wissenschaftlichen Arbeiten, ist AbiWord noch nicht gewachsen. Zwar gibt es Fußnoten, ein Inhaltsverzeichnis erstellen kann die Software aber nicht. Zudem sind die Möglichkeiten einer Tabelle nur rudimentär, mathematische Formeln legt AbiWord gar nicht an.

Der HTML-Export ragt jedoch gegenüber der Konkurrenz heraus. Selbst komplizierte Layouts setzt AbiWord relativ gut um. Leider patzt auch diese Textverarbeitung beim Import von MS-Word-Dokumenten (Abbildung 10): Lediglich einfache Dokumente liest es ein, ansonsten verweigert das Programm den Import mit einer Fehlermeldung oder wirft kommentarlos alle nicht unterstützten Elemente und Grafiken über Bord.

Abb. 10: Der Import eines Word Dokumentes in AbiWord.

Medaillenspiegel

Der Export ins HTML-Format ist in den meisten Fällen schlichtweg als katastrophal zu bezeichnen. In der Regel schöpfen die Programme die Möglichkeiten der Web-Sprache nur rudimentär aus, so dass Dokumente letztendlich oft kaum wiederzuerkennen sind. Ebenso verhalten sie sich beim Umgang mit übergroßen Dokumenten: Nur OpenOffice schaffte unsere 15 MByte große Testdatei. Alle anderen verbrauchten dabei sämtliche Ressourcen unseres System oder stürzten sang- und klanglos ab.

Den größten Funktionsumfang liefert Writer aus OpenOffice und StarOffice, er lässt kaum Wünsche offen. Die hohe Flexibilität erfordert jedoch eine recht lange Einarbeitung. Größtes Manko von OpenOffice ist die schwache Rechtschreibprüfung nebst fehlendem Thesaurus. Nur die Investition von etwa 80 Euro in StarOffice schafft hier Abhilfe und liefert dazu ein gedrucktes Handbuch, das den Einstieg erleichtert. Außer für Linux gibt es diese beiden Brüder auch unter Windows und Solaris, eine Mac-Version ist in Arbeit.

Beim Funktionsumfang landet TextMaker nur knapp hinter OpenOffice. Die Textverarbeitung kostet als Einzelanwendung mit ca. 50 Euro etwas weniger als StarOffice, ist ihr Geld aber durchaus wert. TextMaker ist klein, schlank und schnell. Daher eignet es sich hervorragend für mobile oder ältere Rechner. Wer TextMaker kostenlos ausprobieren möchte, findet auf der Homepage des Herstellers eine Testversion für 30 Tage, jedoch ohne die Exportfunktionen ins MS-Word- und RTF-Format. Zudem befindet sich im SuSE-9.1-Professional-Paket die Free Edition, die für unbegrenzte Zeit nutzbar ist, jedoch fehlen hier die Rechtschreibprüfung und das Thesaurus-Wörterbuch. Auch dieses Programm gibt es für Windows und zudem für verschiedene PDAs, darunter die PocketPC-Reihe.

AbiWord und KWord sind zwei kleine, kostenlose Programme, wobei es Ersteres für verschiedene Betriebssysteme, darunter auch Windows, gibt. Ihr Funktionsumfang bleibt bislang deutlich hinter den anderen Anwendungen zurück, für einfache Aufgaben wie gewöhnliche Briefe eignen sie sich aber durchaus. Aufgrund ihrer geringen Größe und der Integration ins Desktop-System empfehlen sie sich ebenfalls für Notebooks und langsamere Computer. Windows-Umsteigern wird AbiWord wahrscheinlich zunächst eher zusagen, da das Konzept von KWord den gewohnten Konventionen kaum entspricht. (csc)

Infos 
[1] OpenOffice.org: http://www.openoffice.org
[2] StarOffice: http://de.sun.com/Produkte/software/star/staroffice
[3] KWord: http://www.koffice.org/kword
[4] TextMaker: http://www.softmaker.de/tm.htm
[5] AbiWord: http://www.abisource.com/
[6] Hancom Office: Frank Wieduwilt, "Bürohelfer auf koreanisch", LinuxUser 08/2002, S. 39 ff.
[7] Thinkfree Office: Tim Schürmann, "Kaffee Office", LinuxUser 05/2003, S. 24 ff.
[8] CrossOver Office: Hans-Georg Eßer, "CrossOver", Easy Linux 07/2004, S. 12 ff.

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