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von Elisabeth Bauer
Wenn der Rechner auf Mausklicks nur noch im Schneckentempo reagiert, hält er in der Regel kein Schläfchen, sondern beschäftigt sich gerade intensiv mit anderen Dingen -- etwa einem Programm, das sich in einer Endlosschleife gefangen hat. Um solche Hänger aufzuspüren oder zu erfahren, was sich hinter den Kulissen abspielt, benutzt der Shell-Anhänger die Kommandos top und ps. Doch der Griff zur Konsole ist nicht zwingend nötig. Für Grafik-Fans hält auch der KDE-Desktop mehrere kleine Werkzeuge bereit, die für Überblick übers System sorgen: Das KDE-Infozentrum liefert Details zur eingebauten und angeschlossenen Hardware, KDiskFree zeigt die vorhandenen Partitionen mit Größe und freiem Platz an. Die KDE-Systemüberwachung informiert über den aktuellen Zustand des Systems und über den eingebauten Task-Manager lassen sich Prozesse beenden. Wir erklären in diesem Artikel, wie Sie diese Tools nutzen.
Eine gute Adresse für alle Fragen zum System ist das KDE-Infocenter. SuSE-Linux-Anwender starten das Tool über System / Überwachung / Infozentrum. Unter Mandrake Linux ist es als Eintrag Informationen ins KDE-Kontrollzentrum integriert, das Sie über Einstellungen / Configure your desktop öffnen. Fedora Core liefert das Infocenter wie SuSE als eigenständige Applikation im Menü Systemtools mit. Alternativ klappt auch der Aufruf über die Kommandozeile mit kinfocenter. Das Infocenter bietet eine Vielzahl von Informationen, von denen leider längst nicht alle für den Laien verständlich sind. Wenn alles gut läuft, werden Sie diese nie im Leben brauchen. Wer allerdings zu einem Hardware-Problem Hilfe sucht, findet im Infocenter unter PCI, PCMCIA, SCSI, Sound und USB-Geräte die genauen Typbezeichnungen seiner Hardware -- Angaben, die Sie bei Fragen in Mailing-Listen oder Webforen immer mitliefern sollten.
Doch auch für Anwender, deren System wunschgemäß läuft, gibt es im Infozentrum einiges zu entdecken. Eine wahre Fundgrube ist der Abschnitt Ein/Ausgabe-Module: Er erklärt die in KDE eingebauten Protokolle und Module. Viele davon können Sie einfach mit modulname:/ in Konqueror in die Adresszeile eingeben. Mit dem Befehl audiocd:/ (Abbildung 1) zeigt Konqueror beispielsweise den Inhalt einer eingelegten Musik-CD an und erlaubt auch gleich das Kopieren und Konvertieren nach MP3 oder OggVorbis -- ohne zusätzliches Konvertier-Tool. Speicher liefert eine grafische Ansicht der Arbeitsspeichernutzung, Speichergeräte zeigt die Belegung der Festplatte an.
KDiskFree versteckt sich unter SuSE Linux im Menü System / Dateisystem, unter Mandrake in Programme / Systemüberwachung und unter Fedora Core in Systemtools / Weitere Systemtools. In der Shell starten Sie das Programm mit dem Befehl kdf. Das kleine Tool stellt in übersichtlicher Form alle angeschlossenen Laufwerke und Partitionen auf der Festplatte dar (Abbildung 2). Device ist der Name der Gerätedatei. Damit Sie eine Partition oder eine eingelegte CD nutzen können, muss diese jedoch zuerst "gemountet", d. h. in die Linux-Verzeichnishierarchie eingebunden werden.
Das erledigen Sie mit einem Klick der rechten Maustaste auf einen Eintrag. In der Spalte Mount Point finden Sie das Verzeichnis, über das Sie auf das gemountete Gerät zugreifen können. Bei Festplattenpartitionen klappt das allerdings nur, wenn Sie sie als normaler Benutzer mounten dürfen -- das stellen Sie im Konfigurations-Tool Ihrer Distribution ein, unter SuSE Linux zum Beispiel in YaST. Ein roter Rahmen markiert gemountete Geräte, bei denen KDiskFree dann auch anzeigt, wie viel Speicher belegt ist.
Mit dem Hilfsprogramm KwikDisk nistet sich KDiskFree beim Start im Systemabschnitt der Kontrollleiste ein, so dass Sie auch bei übervollem Desktop bequem auf alle Laufwerke zugreifen können.
Die Systemüberwachung finden Sie unter SuSE Linux im Menü System / Überwachung, unter Mandrake in Programme / Systemüberwachung und unter Fedora Core in Systemtools. Mit dem Befehl ksysguard rufen Sie es in der Shell auf.
Standardmäßig präsentiert sich die Systemüberwachung mit zwei Reitern in der rechten Hälfte des Programmfensters. Der Reiter Systemlast zeigt in vier Signal-Plottern die Speicher- und CPU-Auslastung an (Abbildung 3). CPU Load links oben zeigt die Auslastung des Prozessors, der blaue Bereich repräsentiert dabei den Anteil der Benutzer-, der orangefarbige den der Systemprozesse. Rechts oben findet man die Load average, die durchschnittliche Systemlast im Zeitabschnitt einer Minute. Dieser Wert ist keine Prozentangabe, sondern berechnet sich aus der Zahl der Prozesse, die gerade auf den Prozessor warten müssen. Auf einem normalen Arbeitsrechner, der nicht mit besonders rechenintensiven Aufgaben beschäftigt ist, liegt der Wert üblicherweise zwischen 0 und 3. Physical Memory links unten zeigt, wie der eingebaute Arbeitsspeicher belegt ist. Swap Memory verrät die Nutzung des Swap-Bereichs: Das ist eine Partition auf der Festplatte, auf die das System Daten auslagert, wenn der vorhandene Arbeitsspeicher nicht ausreicht. Da das Kopieren und Lesen von Festplatte wesentlich langsamer ist als aus dem RAM, sollte dieser Swap nicht allzu häufig genutzt werden.
Während man auf dem Systemlast-Reiter nur zuschauen kann, kann der Benutzer in der Prozesstabelle auch aktiv eingreifen.
Die Prozesstabelle zeigt alle laufenden Prozesse und zugehörige Informationen an (Abbildung 4). Per Klick auf eine Spaltenüberschrift sortieren Sie die Prozesse nach diesem Kriterium. Was die Angaben bedeuten, erklärt die Tabelle "Prozesstabelle". Über das Auswahlmenü unten beschränken Sie die Anzeige auf Benutzer- oder Systemprozesse.
Das Kontextmenü hält weitere praktische Funktionen bereit: Über Spalte ausblenden und Spalte anzeigen bestimmen Sie, welche Prozessinformationen Sie sehen.
Interessantes vermittelt auch die Checkbox Baum. Ist sie aktiviert, werden die Prozesse in einer Baumstruktur dargestellt. "Mutter" aller Prozesse ist init mit der Prozessnummer (PID) 1 [1]. init startet nach dem Hochfahren weitere Prozesse, zum Beispiel KDE (kdeinit). Rufen Sie aus der Shell ein Programm auf, ist die Shell der Mutterprozess dieses Programms.
Wollen Sie einen oder mehrere Prozesse beenden, markieren Sie diese in der Liste und klicken anschließend auf Beenden. Das klappt jedoch nur bei Ihren eigenen Prozessen. In der Spalte Benutzer sehen Sie, wem ein Prozess gehört. KSysguard schickt dem Prozess ein Signal, das ihn auffordert, sich sofort zu beenden; nicht gespeicherte Änderungen in diesem Programm gehen dadurch verloren. Dieses Mittel sollten Sie also mit Bedacht einsetzen.
Für fortgeschrittene Anwender und Systemadministratoren ist der Sensor-Browser in der linken Spalte gedacht. Dort sind in einem aufklappbaren Baum so genannte Sensoren aufgelistet -- das sind alle Messwerte, auf die das Tool Zugriff hat. Klicken Sie auf das Symbol mit dem leeren Blatt, um ein neues Arbeitsblatt anzulegen. Per Drag & Drop ziehen Sie dann die gewünschten Sensoren aus der linken Spalte auf das neue Arbeitsblatt. So können Sie sich Ihre eigene Überwachungskonfiguration zusammenstellen. Unter localhost / Netzwerk / Schnittstellen / eth0 messen Sie beispielsweise, wie viele Daten über den Ethernet-Anschluss gehen und ob dabei Fehler auftreten.
Für Anwender, die diese Tools immer parat haben wollen, bringt KDE auch noch eine Mini-Ausgabe für die Kontrollleiste mit: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf einen freien Bereich in der Kontrollleiste und wählen Sie aus dem Kontextmenü Hinzufügen / Miniprogramm / Systemüberwachung. Das fügt eine Anzeige der schon aus der Systemüberwachung bekannten Signal-Plotter ein: links die Prozessorlast und rechts der Arbeitsspeicherverbrauch (Abbildung 5). Ein Balkendiagramm mit diesen Werten stellt unter SuSE Linux und Fedora Core auch das Kontrollleisten-Applet Systemmonitor dar, das Sie auf dem gleichen Weg ergänzen. Verweilen Sie mit der Maus länger über den Balken, zeigt es die CPU- und Speichernutzung in Prozentwerten an. (eba)
| Prozesstabelle | |
| PID | Prozess-ID |
| PPID | Prozess-ID des "Eltern-Prozesses" |
| UID | ID des Benutzers, der den Prozess gestartet hat |
| GID | ID der Gruppe, zu der der Prozess gehört |
| Status | Linux kennt fünf Zustände, in denen sich ein Prozess befinden kann: sleeping (Normalzustand), running (wird gerade ausgeführt), traced or stopped (angehalten), zombie (ist dabei, sich zu beenden) und uninterruptible sleep (kann meist nicht per kill beendet werden). |
| Nutzer % | Prozessorlast im Nutzerbereich in Prozent |
| System % | Prozessorlast im Systembereich in Prozent |
| Priorität | Der Administrator root kann mit dem Shell-Kommando nice Programmen eine höhere oder niedrigere Priorität zuweisen. Standardmäßig hat ein Prozess die Priorität 0. |
| Vm-Größe | Gesamtgröße des virtuellen Speichers (u.a. auf der Swap-Partition), den der Prozess nutzt, in KByte |
| VmRss | Gesamtgröße des physikalischen Speichers (RAM), den der Prozess nutzt, in KByte |
| Benutzer | Name des Anwenders, der den Prozess gestartet hat |
| Befehl | genauer Aufruf des Programms inklusive aller Parameter und Optionen |
| Infos |
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[1] Elisabeth Bauer u. Andrea Müller: "Boot-Vorgang unter der Lupe", EasyLinux 01/2004 S. 74
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Last modified: 2007-01-25 17:20
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