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von Karl-Heinz Gerwien
In der kurzlebigen PC-Zeit ist das Diskettenlaufwerk ein Unikum: Mehr als 15 Jahre begleitet es uns nun schon ohne eine große technische Veränderung und überlebte ohne Probleme die zahlreichen Alternativlösungen wie Mini Disc, Zip-Laufwerk oder LS 120. Versetzte die Industrie ihm nicht künstlich den Todesstoß, dann wären die Tage der kleinen Magnetscheibe in der starren Plastikhülle noch lange nicht gezählt.
Obwohl die Hersteller also neue Computer mittlerweile ohne Diskettenlaufwerk ausliefern, sind noch eine Menge Floppies im Umlauf. Für Sie als Anwender ist daher wichtig zu wissen, wie Sie die kleinen Datenträger richtig behandeln.
Fast jeder Windows-Umsteiger kennt das Problem: Sie sitzen irgendwann das erste Mal vor dem Linux-Rechner und versuchen vergeblich, eine Datei von Laufwerk A: zu öffnen. Laufwerksbuchstaben gibt es jedoch nicht, da Linux die Laufwerke anders einbindet. Das auf dem Datenträger befindliche Dateisystem wird dabei an einem bestimmten Punkt in den gesamten Verzeichnisbaum eingehängt.
Um Daten zu schreiben oder zu lesen, spricht das Betriebssystem den Datenträger über eine Gerätedatei (Device) an. Gerätedateien verhalten sich fast wie normale Dateien und liegen im Verzeichnis /dev/. Der Device-Name für das erste Floppy-Laufwerk ist /dev/fd0.
KDE bietet einige komfortable Werkzeuge, um auf Disketten zuzugreifen. So finden Sie auf dem Desktop beispielsweise einige Symbole für den schnellen Zugriff auf die an Ihren Computer angeschlossenen Geräte. Neben den Symbolen für CD- oder DVD-Laufwerke sollte dort eines in Form einer Diskette liegen.
Ist dieses nicht vorhanden, erstellen Sie es, indem Sie mit der rechten Maustaste auf den Desktop klicken und im Kontextmenü Neu erstellen das Untermenü Gerät auswählen. Der Eintrag Diskettenlaufwerk öffnet einen Dialog, in dem Sie Angaben zu diesem Gerät machen. Im ersten Reiter übernehmen Sie dabei alle Einträge. Im Register Gerät wählen Sie im gleichnamigen Dropdown-Menü den Eintrag /dev/fd0 und drücken auf OK.
Klicken Sie anschließend auf das Symbol mit der rechten Maustaste und halten diese gedrückt, erscheint das Kontextmenü. Wählen aus diesem den Punkt Laufwerk einbinden. Das kleine grüne Dreieck wechselt nach rot und Sie greifen über das entsprechende Verzeichnis auf die Daten zu. Dabei gibt es einige Unterschiede zwischen den Distributionen zu beachten: SuSE-Anwender wechseln dazu nach /media/floppy/; Mandrake-, Fedora- und Red-Hat-Anwender schauen im Verzeichnis /mnt/floppy/ nach den Daten, die Sie auf der Diskette gespeichert haben.
Klicken Sie mit links auf das Symbol, dann bindet KDE den Datenträger automatisch ein und öffnet gleichzeitig ein Konqueror-Fenster, das den Inhalt der Floppy anzeigt.
In früheren Zeiten mussten Sie Disketten generell vor Gebrauch formatieren, da Hersteller diese ohne Dateisystem auslieferten. Mittlerweile ist dies nur noch nötig, wenn Sie den Datenträger lange nicht benutzt haben. Ein Formatierungsvorgang lässt sich mit dem Test der Datenträgeroberfäche verbinden. Dieser ist angebracht, wenn Sie den Verdacht haben, dass diese Fehler enthält.
Eine vollständige Formatierung mit Integritätsprüfung benötigt zwar länger als eine Schnellformatierung, aber gerade alte Disketten, von denen sich genug in der Schublade finden, besitzen oft schwache oder defekte Sektoren, die eine Schnellformatierung nicht entdeckt. Datenverlust ist meist die Folge und das ist besonders ärgerlich bei wichtigen Dokumenten.
KDE liefert für die Formatierung das hauseigene Programm KFloppy mit, das Sie einfach über das K-Menü starten. Dabei ist wieder zu beachten, dass die Distributoren das Tool unterschiedlich einordnen. Wählen Sie dazu Dienstprogramme / Weitere Programme / KFloppy unter SuSE 9.1, beziehungsweise Einstellungen / Hardware / KFloppy unter Mandrake 9.2 oder Systemtools / Diskettenformatierer bei Fedora Core 2.
Alternativ starten sie das gleiche Programm mit einem Rechtsklick auf das Floppy-Icon, wobei Sie hier Aktionen / Formatieren auswählen (Abbildung 2). Ältere Distributionen, die noch auf KDE 3.1 aufbauen, bieten diesen Eintrag nicht.
Das Programm ist einfach und zweckmäßig gehalten: Sie wählen das Diskettenlaufwerk aus sowie die Größe und das Dateisystem. Kleiner Tipp: Befindet sich nur ein Diskettenlaufwerk im System, ist es immer das primäre (Abbildung 3).
Eventuell sind Sie jetzt versucht, als Dateisystem Ext2 zu verwenden. Vertrauen Sie jedoch ruhig dem schmalen Dateisystem MSDOS und wählen dies für Ihre Diskette. Für 1,44 MByte Kapazität ist es besser geeignet und ermöglicht den problemlosen Austausch Ihrer Daten mit anderen Betriebssystemen wie Windows.
Mit dem Dropdown-Menü Größe geben Sie die Kapazität an, mit der Sie die Floppy formatieren möchten. Liegt eine 3,5-Zoll-Floppy vor, so beträgt die Größe fast immer 1,44 MByte. Der Datenträger trägt in diesem Fall die Zusatzbezeichnung HD (High Density, engl. für Hohe Dichte).
Optisch erkennen Sie HD-Floppies an der Öffnung auf der linken Seite der Diskette. Diese liegt symmetrisch zur Schreibschutzkerbe auf der rechten Seite, und beide sind gleich groß. Ist die HD-Öffnung nicht vorhanden oder nur im Kunststoff angedeutet, besitzen Sie eine 720-KByte-DD-Diskette (Double Density) und müssen diese entsprechend formatieren.
Die anderen beiden Größen -- 1,2 MByte und 360 KByte -- beziehen sich auf die großen 5,25-Zoll-Disketten. Sind Sie noch in Besitz eines solchen Oldtimers mit Knebelverschluss, sollten Sie dieses Laufwerk als sekundäres anschließen und das Programm entsprechen einstellen.
Geben Sie noch eine sinnvolle Datenträgerbezeichnung ein, und schreiben Sie anschließend mit einem Klick auf Formatieren das neue Dateisystem auf die Diskette. Eventuell vorhandenen Daten löscht das Programm KFloppy bei diesem Vorgang allerdings. Sie sollten sich also sicher sein, dass sich auf dem Medium keine wichtigen Daten mehr befinden.
Möchte Sie den Inhalt einer Diskette kopieren, so geschieht dies vollkommen normal über Drag & Drop im Konqueror. Um das Medium einzubinden, gehen Sie wie oben beschrieben vor. Fassen Sie die entsprechenden Dateien an (Mehrfachmarkierung mittels Umschalt- und Steurungstaste sind möglich) und kopieren Sie diese ins Zielverzeichnis.
Vielleicht haben Sie bereits beim Rechtsklick auf das Diskettensymbol unter Aktionen den Punkt Kopieren nach entdeckt. Diesen können Sie jedoch nicht verwenden, um den Inhalt des Datenträgers zu kopieren. Stattdessen enstünde am Zielort eine Kopie des Diskettensymbol -- das wollen Sie sicher nicht.
KDE bietet Ihnen derzeit kein grafisches Werkzeug an, mit dem Sie eine Eins-zu-Eins-Kopie von einer Diskette anlegen. Mit zwei sehr einfachen Shell-Befehlen kommen Sie dennoch zum Erfolg. Dazu setzen Sie ein Programm mit dem Namen dd ein. Dies steht nicht, wie eigentlich zu erwarten wäre, für Disc Dump, sondern für copy and convert. Allerdings war die Abkürzung cc bereits für den C-Compiler vergeben, so dass die Entwickler einfach auf die nächste freie Buchstabenkombination auswichen.
Mit dem Programm ist eine Diskette in kürzester Zeit kopiert. Die Floppy muss dazu nicht gemountet werden. Öffnen Sie ein Konsole, legen die Quelldiskette in das Laufwerk ein und geben in die Konsole ein:
dd if=/dev/fd0 of=floppyimage && echo "Korrekt gelesen"
Die Eingabe von && und der Echo-Befehl am Ende der Zeile sind optional. Sie bestätigen, dass die Diskette korrekt gelesen wurde. Nachdem der Lesevorgang erfolgreich beendet ist, legen Sie die Zieldiskette in das Laufwerk und geben den folgenden Befehl ein:
dd if=floppyimage of=/dev/fd0 && echo "Korrekt geschrieben"
Daraufhin beschreibt das Programm die neue Diskette mit dem Abbild des Quelldatenträgers -- und zwar ohne grafische Oberfläche, aber schnell und effektiv.
Wenn Sie DOS-Erfahrung mitbringen, werden Sie die Mtools schätzen. Diese lehnen sich an die alten DOS-Befehle an und ermöglichen Ihnen den Zugriff auf die eingelegte Diskette, ohne diese zu mounten.
Jedem DOS-Kommando wird der Buchstabe "M" vorangestellt, so dass aus copy entsprechend mcopy und aus move ein mmove wird. Möchten Sie sich den Inhalt einer eingelegten Diskette anzeigen, geben Sie in einer Konsole den Befehl mdir ein. Dabei bezweckt mdir und mdir a: das gleiche. Ausnahmsweise ist die Angabe eines Laufwerksbuchstaben erlaubt.
Möchten Sie beispielsweise die Datei Termine.txt von der Festplatte auf die Diskette kopieren, lautet der Befehl wie folgt:
mcopy Termine.txt a:
Umgekehrt kopierren Sie die Datei von der Floppy ins aktuelle Verzeichnis über den folgenden Befehl:
mcopy a:Termine.txt .
Mittels mformat a: formatieren Sie den Datenträger. Eine Übersicht über die wichtigsten Mtools-Befehle erhalten Sie in Kasten "Wichtige Mtools-Befehle".
Die Kapazität von 1,44 MByte pro Diskette ist in heutigen Zeiten lächerlich wenig. Jedes hochauflösende Digitalfoto sprengt das Fassungsvermögen einer einzelnen Diskette. Daher kommen hier immer öfter CD-RW-Medien oder Speicher-Sticks für den Transport zum Einsatz. Falls Sie jedoch in die Klemme stecken und große Dateien per Disketten mitnehmen müssen, zeigen wir Ihnen hier einen einfachen Weg.
Die Lösung heißt im diesem Fall tar. Das ist ein Archivierungsprogramm, das hervorragend mit Disketten zusammenarbeitet. Der Parameter --multi-volume, kurz -M weist das Programm an, mehrere Datenträger zu verwenden, falls einer nicht ausreicht.
Der korrekte Aufruf, um eine übergroße Datei auf mehrere Disketten zu packen, sieht so aus: tar cvMf /dev/fd0 Termine.txt Bei diesem Befehl sind die Parameter -c (erstellen), -v (Fortschrittsanzeige) -M (Multi Volume) und -f (Ausgabedatei) zusammengefasst. Erreicht tar beim anschließenden Sichern die Kapazitätsgrenze einer Diskette, hält die Software an und fordert Sie auf, eine weitere Diskette einzulegen (Abbildung 4).
Auf diese Weise verteilen Sie große Dateien auf mehreren Disketten. Aber wie setzen Sie sie wieder zusammen? Ganz einfach. Auf einem anderen System geben Sie den folgenden Befehl ein:
tar xvMf /dev/fd0
Damit holt sich die Software die Stück und fügt sie wirder zu einem Ganzen zusammen. (agr)
| Wichtige Mtool-Befehle |
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mcopy Inhalt der Diskette kopieren mdel Datei auf der Diskette löschen mdeltree Verzeichnis auf der Diskette samt Inhalt löschen mdir Inhalt der Diskette anzeigen mformat Diskette formatieren mmove Dateien von der Diskette verschieben mren Dateien auf der Diskette umbenennen |
| Probleme beim Disketten-Zugriff |
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Mandrake Linux und SuSE Linux 9.1 arbeiten mit veränderten Einträgen für das Diskettenlaufwerk. Dadurch kann der Zugriff auf das Laufwerk schwierig werden. Falls Sie ähnliche Probleme bei Mandrake Linux oder SuSE Linux 9.1 bemerken, sollten Sie mittels kdesu kate /etc/fstab die Datei fstab editieren. SuSE-Benutzer verwenden den Befehl kdesu kedit /etc/fstab. Kommentieren Sie anschließend die Zeile mit dem Eintrag für das Disketten-Laufwerk mit einer Raute (#) aus, und fügen von Hand die Zeile /dev/fd0 /media/floppy auto noauto,user,sync 0 0 Bei Mandrake Linux heisst die Zeile abweichend: /dev/fd0 /mnt/floppy auto noauto,user,sync 0 0 Anschließend speichern Sie die Datei. Bitte beachten Sie, dass Sie diese Änderung nur vornehmen, wenn Sie Probleme bei dem Zugriff auf Disketten haben. |
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Last modified: 2007-01-25 17:20
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