claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 09/2004   »   Ausgabe bestellen

Mindmapping mit Freemind

Gedankenkarten

von Inga Rapp


Mindmapping ist die Methode, komplexe Inhalte grafisch übersichtlich aufzubereiten. Im Zeitalter der Computertechnik ist es natürlich Software, die Stift und Papier ersetzt -- nur Denken muss man immer noch selbst. Freemind hilft, das Gedachte systematisch als Mindmap aufzubereiten.

"Die Gedanken sind frei", beginnt ein altes Volkslied. Doch in der Freiheit liegt auch die Gefahr -- schnell werden scheinbar klare Ideen zu komplexen, undurchdringlichen Dickichten. Mindmapping ist eine Methode, dem Chaos Herr zu werden und die Knoten zu entwirren.

Der britische Psychologe Tony Buzan entwickelte das Mindmapping in den Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das Geheimnis liegt in der Mixtur aus Text und Grafik, in der Draufsicht auf einen Baum.

Von innen nach außen

Die Mitte einer Mindmap ist dem Kernbegriff vorbehalten, der zentralen Idee -- sie bildet den Stamm. Im Uhrzeigersinn zweigen dann Äste ab, die die erste Ebene der Themen enthalten. Diese Äste können sich beliebig weit weiter verzweigen. Abweichend vom Originalbaum der Natur sind bei Mindmaps allerdings auch Querverbindungen zwischen einzelnen Ästen möglich. Alles in allem ergibt sich innerhalb kurzer Zeit ein komplexes Bild aus Stichworten und Verbindungen zwischen ihnen.

Damit das menschliche Gehirn sich die Fülle der Informationen leichter merken kann, empfiehlt Buzan, so viel wie möglich durch Grafiken auszudrücken. Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte, und die Verbindung von systematischer Struktur und grafischer Aufbereitung dient vor allem dazu, beide Gehirnhälften gleichermaßen anzusprechen, also die kreative Seite ebenso wie die rationale. Auf diese Weise soll sich das behandelte Thema tief ins Gedächtnis eingraben, mit all seinen Teilbereichen und Aspekten.

Mindmap-Software

Unter Windows gibt es mit dem "Mind Manager" schon seit Jahren ein Programm, das all das, was traditionell mit Stift und Papier gemacht wurde, gekonnt digital umsetzt. Leider gibt es keine Linux-Version des Alleskönners, aber es gibt Alternativen: Eine davon ist Freemind.

Freemind ist ein Java-basiertes Programm, distributionsspezifische Pakete sind daher nicht nötig. Die einzige Voraussetzung zum Arbeiten mit Freemind ist eine installierte Java-Umgebung in Version 1.4, die Sie auf der CD Ihres Distributors finden.

Freemind-Installation

Unter http://freemind.sourceforge.net/ steht alles, was Sie benötigen, zum Download bereit. Am sinnvollsten ist es, das Zip-Paket http://prdownloads.sourceforge.net/freemind/freemind-bin-0_7_1.zip?download herunterzuladen. Entpacken Sie die im Zip-Archiv enthaltenen Daten in ein eigenes Verzeichnis. Ausnahmsweise benötigen Sie nun eine Konsole. Wechseln Sie in das gerade vollgepackte Verzeichnis und starten Sie das Shell-Skript freemind.sh als normaler Benutzer mit dem Befehl

sh ./freemind.sh

Beim ersten Ausführen des Skriptes installiert sich das Programm und legt dabei u. a. benutzerspezifische Dateien an, die später Ihre persönliche Konfiguration enthalten werden (Abbildung 1). Jeder spätere Start des Programms funktoniert ebenso, also über den Befehl sh ./freemind.sh. Der übliche Weg über einen einfachen Klick in Konqueror zum Ausführen des Shell-Skriptes funktioniert in diesem Fall leider nicht.

Abb. 1: Aufruf des Installations-Skripts.

Erster Start

Nach dem Ausführen des Skriptes erscheint Freemind zum ersten Mal auf Ihrem Bildschirm. Noch wirkt alles grau, aber das wird sich gleich ändern. Der Menüpunkt File / New öffnet eine neue Map. Der Kernbegriff ist bereits eingeplant und muss nur noch ausgefüllt werden.

Nehmen wir an, Sie wollten eine Mindmap erstellen, die sich mit Suppen befasst. Der Kernbegriff wäre dann "Suppe." Tragen Sie ihn in die Blase ein, die Freemind Ihnen präsentiert. Die Schrift formatieren Sie über die Symbolleiste oben. Die Symbole ähneln denen, die Ihnen von der Textverarbeitung her bekannt sind -- wählen Sie Schriftart, Schriftgröße und Fett oder Kursiv.

Der Stamm des Baumes liegt nun also vor, aber der Baum braucht Äste. Welche Bereiche fallen Ihnen zu "Suppe" ein? Zuerst einmal wäre da die Daseinsform: in Tüten, in Dosen oder selbst gekocht wie bei Muttern. Der erste Ast, den wir an den Baum ansetzen, heißt also "Daseinsform." Neue Äste fügen Sie über das Symbol links neben dem Kursiv-Symbol hinzu, alternativ über das Kontextmenü der rechten Maustaste und dessen Menüpunkt New Child Node.

Von Ästen und Knoten

Die Unterscheidung zwischen Ästen und Knotenpunkten fällt leichter, wenn Sie die Knotenpunkte auch grafisch abheben. Äste sind die Verbindungen zwischen den einzelnen Blasen, und die Blasen entsprechen den Knotenpunkten, denn von ihnen gehen neue Verzweigungen ab. Der Menüpunkt Node / Style / Bubble sorgt dafür, dass das standardmäßig eingesetzte "Schrift auf Strich"-Bild sich in eine ordnungsgemäße Blase verwandelt. Auch hier können Sie die Schrift wie gewohnt formatieren.

Abb. 2: Suppen-Daseinsformen in Freemind.

Über das bereits bekannte Symbol oben oder den Kontextmenüpunkt New Child Node sorgen sie dafür, dass auch die nächste Ebene ihren Weg in die Mindmap findet. Es gibt drei Daseinsformen von Suppen: "Tüte", "Dose" und "wie bei Muttern". Alle drei Daseinsformen tragen Sie in Blasen ein, die mit der Blase "Daseinsformen" verbunden sind.

Was fällt Ihnen noch alles zu Suppe ein? Es gibt sie als Eintopf, als klare Brühe von Rind oder Huhn, mit und ohne Nudeln, es gibt sie als Cremesuppe... Tragen Sie zusammen, was Ihnen einfällt und integrieren Sie Ihre Ideen in die Mindmap. Freuen Sie sich daran, wie sie wächst und gedeiht (Abbildung 3).

Abb. 3: Die Mindmap wächst.

Sich ein Bild machen

Ein wesentlicher Aspekt bei Mindmaps ist ihre Bildhaftigkeit. Symbole sind leichter zu merken als Textbausteine. Textblasen sollten also so ausführlich wie möglich bebildert werden. Wenn Sie eine Mindmap nur für sich selbst gestalten, können Sie den Text auch gleich ganz weg lassen und sich nur auf Bilder beschränken. Ist die Karte allerdings für Außenstehende bestimmt, sollte sie nicht ausschließlich aus Grafiken bestehen. Für Nicht-Eingeweihte sind Ihre individuell gewählten Symbole schnell unverständlich, so dass der eigentlich gewünschte Effekt, die Übersichtlichkeit eines Themas, nicht eintreten kann.

Freemind bietet eine Reihe von Icons von Haus aus an, mit denen sich wesentliche Stellen in der Landkarte der Gedanken hervorheben lassen. Sie erreichen die Icons über das Kontextmenü der rechten Maustaste oder alternativ über die Icon-Leiste am linken Bildschirmrand. Mit Hilfe der Icons können Sie beispielsweise kennzeichnen, welche Suppe Ihnen besonders gut schmeckt. Setzen Sie einfach einen Smiley in ein Feld, beispielsweise zur Tomatensuppe. Wenn Sie sehr gerne Tomatensuppe essen, und das noch lieber mit Sahne, dann hindert Sie niemand daran, dies auch durch eine Anhäufung von Icons kundzutun. Auch mehrere unterschiedliche Icons sind kein Problem (Abbildung 4).

Abb. 4: Zahlreiche Icons peppen die Mindmap grafisch auf.

Externe Grafiken

Die vorhandenen Icons können allerdings naturgemäß nicht die Bandbreite an Grafik abdecken, die Sie benötigen. Aber Freemind zeigt sich hier flexibel: Sie können Ihre eigenen Bilder in die Mindmap mit einbinden. Die richtige Anlaufstelle für dieses Unterfangen ist der Menüpunkt Node / Set Image. Es öffnet sich -- wie aus anderen Zusammenhängen gewohnt -- ein Auswahlfenster, in dem Sie sich bis zu der Stelle Ihrer Festplatte durchhangeln können, an der das gewünschte Bild bereit liegt. Freemind nimmt Bilder in den Formaten JPG, PNG und GIF an. Eingefügte Bilder können Sie ebenso wie Text mit zusätzlichen Icons verzieren. Einziges Manko des Bild-Einfüge-Modus ist die Tatsache, dass sich eingefügte Bilder nicht mehr nachbearbeiten lassen: Nicht einmal eine Veränderung der Größe ist möglich. Sie müssen also vorher mit einem Bildbearbeitungsprogramm wie Gimp Ihr Bild auf die richtige Größe trimmen.

Der Stil der Äste, also der die Blasen verbindenden Linien, ist meist einheitlich. Sie können ihn aber verändern. Dafür sorgt der Menüpunkt Edge. Wählen Sie beispielsweise Bezier aus, dann sehen Ihre Verbindungen aus wie in den Abbildungen 2 und 3. Der Punkt Width im Edge-Menü bestimmt die Dicke der Linien. In unserem Beispiel sind die Linien 8 pt breit. Und weil das voreingestellte Grau etwas langweilig ist, haben wir die Linien mittels Edge Colour blau gefärbt -- gerade so blau, wie der Himmel um diese Jahrezeit eigentlich sein sollte.

Abb. 5: Eine andere Anordnung und gerade, spitz zulaufende Verbindungslinien an Stelle der Bezierkurven.

Freemind hat leider wie viele Mindmapping-Programme ein Manko: Querverbindungen zwischen einzelnen Ästen sind nicht möglich. Das ist schade, widerspricht es doch der ursprünglichen Idee, ein Sinn-Netz aufzubauen. Hier hilft nur improvisieren, also entweder von Hand auf den Ausdruck einzeichnen oder den relevanten Punkt an mehreren Stellen einfügen und aufeinander verweisen.

Export

Wenn Ihre Mindmap komplett ist, dann wollen Sie sie vielleicht anderen Menschen zeigen. Freemind speichert die enthaltenen Daten im eigenen Format mit der Dateiendung MM. Für den Transport auf einen fremden Rechner ist es aber sicherlich sinnvoller, ein gängiges, möglichst unabhängiges Format zu wählen. HTML ist ein solches, und Freemind bietet von Haus aus die Möglichkeit, Mindmaps ins HTML-Format zu exportieren.

Sie finden diese Option im Menü File unter dem Punkt Export to HTML. Das Ergebnis ist allerdings keine schön designte Mindmap mehr, sondern nur noch eine sattsam bekannte Baumstruktur, rein linear und ohne Grafiken. Nur die Formatierungen der Schriften inklusive Farben bleiben erhalten (Abbildung 6).

Abb. 6: Über den HTML-Support machen Sie Ihre Mindmap jedem Benutzer zugänglich; hier die Darstellung im Browser Opera unter Windows.

Das MM-Format ist auch auf Windows-Systemen lesbar. Freemind muss nicht installiert sein, um Dateien im MM-Format darstellen zu können. Sie erscheinen zwar nur "read only" auf dem Bildschirm, aber sie sind wenigstens verfügbar und als grafische Systematisierung erhalten und nicht in eine Baumstruktur umgewandelt, wie es beim HTML-Export der Fall ist.

Fazit

Freemind hat sicherlich noch einigen Nachholbedarf, aber kein Programm ist vollkommen. Die vorhandene Version 0.7 bietet jedenfalls schon jetzt genügend Möglichkeiten, effizient mit Mindmapping zu arbeiten. (hge)

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2016 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2007-01-25 17:20

Nutzungsbasierte Onlinewerbung

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]