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Erschienen in EasyLinux 09/2004   »   Ausgabe bestellen

Wie Sie Hardware-Fehlkäufe vermeiden

Augen auf beim Hardware-Kauf


Die Ernüchterung ist oft groß, wenn man das vermeintliche Schnäppchen an den heimischen PC anschließt und unter Linux einrichten möchte: Viele Geräte werden von der eigenen Distribution nicht erkannt oder laufen instabil. Dieser Artikel zeigt, wie Sie böse Überraschungen vermeiden.

Computer sind heute überall, sie haben sogar schon die Regale der Lebensmittel-Discounter erobert. Entsprechend umfangreich ist auch das Zubehör, hier ein USB-Stick, dort eine Digitalkamera oder ein Drucker -- kaum ein Geschäft, in dem man nicht etwas für den "kleinen Grauen" findet. Doch was unter Windows dank beiliegender Treiber des Geräteherstellers klaglos läuft, bereitet unter Linux schnell anhaltenden Ärger.

Das Problem ist die meist mangelhafte Treiberversorgung durch die Hersteller. Man hat in Taiwan, China und Korea schon vor 15 Jahren gelernt, dass man Computer-Peripherie ohne Treiber nicht verkaufen kann. Um 1990 herum mussten zum Beispiel Druckerhersteller für ein Dutzend (DOS-)Textverarbeitungs- und Grafikprogramm separate Treiber schreiben und mangels Internet noch auf Disketten beilegen. Mit dem durchschlagenden Erfolg von Windows 3.1 vereinfachte sich die Situation, alle Windows-Programme benutzten nun den gleichen Windows-Druckertreiber, und seit nunmehr acht Jahren sind DOS-Treiber eher eine Ausnahme als die Regel.

Während Microsoft sich auf die von den Herstellern finanzierten und implementierten Treiber verlassen konnte, musste sie die Linux-Community selbst schreiben. Das ist im Prinzip einfach, braucht man doch lediglich detaillierte Informationen darüber, welches Protokoll das jeweilige Gerät beherrscht und wie man es über die entsprechende Schnittstelle ansteuert.

Viele Köche...

Ein Grund für die mangelnde Linux-Unterstützung ist die Vielfalt an Distributionen und die durchweg mangelnde Standardisierung. So gibt es bis heute nicht einmal eine einheitliche Benennung der Bibliotheken und Programme, so dass ein vom Gerätehersteller geliefertes Installationsprogramm die beim Benutzer installierte Distribution möglichst genau kennen muss. Mit der Linux Standard Base (LSB) haben sich immerhin die Verzeichnisstrukturen vereinheitlicht.

Die Folge ist, dass selbst viele Linux-freundliche Hersteller wie zum Beispiel AVM nur eine einzige Distribution Unterstützen. Die Lösung wäre eine übergreifende Installations-Schnittstelle, ähnlich dem Windows-Installer, der anhand der Beschreibungen in der INI-Datei die Installation vornimmt. Etwaige Besonderheiten könnte dann jeder Distributor für sich berücksichtigen, ohne dass der jeweilige Hersteller die Interna jeder Distribution kennen muss. Hier müssen sich die Distributoren dringend zusammensetzen und an einem Strang ziehen.

Die Einfachste Lösung der Treiberproblematik wäre natürlich, wenn jeder Hersteller seine Treiber unter GPL veröffentlichen würde. Allerdings lässt sich kaum ein Hersteller gern in die Karten schauen, oftmals sind die Ansteuerungs-Informationen sogar ein streng gehütetes Betriebsgeheimnis, in der Angst, ein Konkurrent könnte sich durch eine Analyse einen Vorteil verschaffen.

Verflixt und zugedruckt

Besonders ängstlich scheinen Druckerhersteller zu sein. So lehnen zum Beispiel Lexmark und Canon ab, Details über die Ansteuerung an die Linux-Entwickler herauszugeben. Während Canon zumindest kommerziellen Anbietern von Druckertreibern gegen ein Geheimhaltungsabkommen (NDA) Einblick gewährt, sieht sich Lexmark selbst in der Pflicht, Linux-Treiber anzubieten -- und wirbt auf den Kartons mit dem allseits bekannten Pinguin.

Doch die Lexmark-Treiber sind nicht mehr als ein Placebo, die neuesten Versionen laufen nur unter SuSE Linux 7.1 oder Mandrake Linux 8.2 und unterstützen das Standard-Drucksystem CUPS nicht. Für die aktuellen Laserdrucker E232 oder E330 bietet Lexmark im Download-Bereich überhaupt keine Treiber an.

Protokollfragen

Dennoch heißt das nicht, dass man auf alle Lexmark- und Canon-Drucker verzichten muss. So unterstützen zum Beispiel die höherpreisigen Laserdrucker von Lexmark das PCL-6-Protokoll oder PostScript. Auch Linux beherrscht von Haus aus PostScript und PCL, so dass man etwa das Modell E232 oder E330 problemlos einsetzen kann. Die Tintenstrahldrucker und Multifunktionsgeräte von Lexmark sind jedoch ein hoffnungsloser Fall.

Bei Canon sieht es ähnlich aus, auch hier beherrschen viele Laserdrucker im mittleren und oberen Preissegment entweder PCL oder sogar PostScript. Bei Tintenstrahldruckern hingegen gibt es das kommerzielles Treiberpaket Turboprint von Zedonet [1] -- das kostet 25 Euro, enthält jedoch optimierte Treiber für die meisten Tintenstrahldrucker von Canon (Abbildung 1), Epson und HP.

Siehe EasyLinux 10/2003, Seite 28, das zweite Bild von links

Abbildung 1: Tintenstrahldrucker benötigen stets spezielle Treiber. Für die Modelle von Epson oder HP gibt es meist freie Treiber, Canon-Drucker wie das Modell i560 sind jedoch auf das kommerzielle Turboprint angewiesen.

Linux-Treiber für Epson und HP

Drucker von Epson und HP unterstützt Linux besonders gut, einmal mit den freien Epson-Treibern von gimp-print oder durch den von HP geschriebenen und ebenfalls frei verteilten Treiber hpijs. Meist waren es Entwickler, die einfach für ihren eigenen Drucker einen Treiber geschrieben und dann veröffentlicht haben, auf [2] gibt es eine gut gepflegte Liste, welche Drucker funktionieren und welche maximal als Briefbeschwerer (Paperweight) dienen.

Soll ein Tintenstrahldrucker neu angeschafft werden, kommen derzeit eigentlich nur Geräte von Epson, HP oder Canon in Frage. Wie generell bei Hardware für Linux-Rechner sollten die Drucker nicht zu neu sein -- ist die Distribution älter als das Gerät, gibt es kaum eine Chance, dass es wirklich gut unterstützt wird. Bei Canon-Druckern muss man unbedingt den kommerziellen Turboprint-Treiber einkalkulieren, die meisten Drucker von HP und Epson funktionieren mit den Treibern der Distribution einwandfrei und mit guter Qualität.

Spielnaturen

Spiele stellen heute die größten Anforderungen aller Applikationen an den Rechner, nur wenige Programme wie 3D-Renderer oder Schneideprogramme für Filme lasten den Computer ähnlich stark aus.

Die Hardware-Beschleunigung der Grafikkarte ist nach wie vor unerlässlich, selbst heute übliche Prozessoren mit 3 GHz sind nicht leistungsfähig genug, um die Szenen und vor allem Lichteffekte in Echtzeit zu berechnen. Die wesentlich langsamer getakteten Grafikprozessoren sind auf ihre Aufgabe hoch spezialisiert, jedoch nicht genormt -- meist weiß nur der Hersteller, welche Funktionen der Grafikprozessor hat und wie man sie richtig verwendet.

ATI und Nvidia bieten daher spezielle Linux-Treiber für ihre Grafikkarten an, für einige Grafikprozessoren gibt es jedoch auch offene 3D-Treiber, die in allen Distributionen standardmäßig enthalten sind.

Freie 3D-Treiber

Grundsätzlich sollten Sie Grafikkarten bevorzugen, deren Treiber frei und offen gelegt sind, zum Beispiel die Club-3D Radeon 7000 mit dem Grafikprozessor ATI Radeon 7000. Die Karte aus Abbildung 2 gibt es für 25 bis 30 Euro im Handel, ist jedoch ein Auslaufmodell. Dennoch reicht ihre Leistung für viele Spiele aus, zudem ist sie im Gegensatz zu Hochleistungskarten rein passiv gekühlt und macht somit keinen Lärm. Die Linux-Treiber sind in allen Distributionen enthalten.

Abbildung 1 aus EasyLinux 03/2004, Seite 66ff

Abbildung 2: Gute Linux-Unterstützung ohne proprietäre Treiber und ein Preis von unter 30 Euro zeichnen diese Club-3D Radeon 7000 aus. Ihre Grafikleistung reicht für gängige Spiele völlig aus.

Für Besitzer von SuSE- oder Red-Hat-Linux sind Nvidia-Grafikkarten besonders problematisch, da die entsprechenden Nvidia-Treiber aufgrund der Software-Lizenz nicht in der Distribution enthalten sind. Einzig Mandrake Linux liefert in der kommerziellen Variante den Nvidia-Treiber mit aus. Aber auch aktuelle ATI-Grafikkarten wie die Radeon 9800 XT benötigen spezielle Treiber, die Sie auf der ATI-Homepage finden.

Wie Sie die 3D-Unterstützung bei Ihrer Grafikkarte aktivieren, ist im Artikel "Die dritte Dimension" auf Seite 66 in Ausgabe 03/2004 beschrieben.

Kräftiger Hertzschlag

Mit den Prozessoren versteht sich Linux durch die Bank gut, ob dort Intel, AMD, Via oder gar Transmeta draufsteht, ist nicht entscheidend. Auch die neuen 64-Bit-Prozessoren AMD Athlon-64 laufen problemlos mit jeder aktuellen Linux-Distribution, nutzen dann jedoch nur den 32-Bit-Modus. Volle 64-Bit-Unterstützung bietet SuSE Linux 9.1, auf der zweiten Seite der Installations-DVD ist eine 64-Bit-Version des Nürnberger Betriebssystems enthalten, das sich äußerlich nicht von der 32-Bit-Variante unterscheidet.

Es ist abzusehen, dass 64-Bit-Prozessoren in den nächsten Jahren die bisherigen 32-Bit-CPUs verdrängen, dennoch gibt es keine Torschlusspanik: Windows Longhorn mit 64-Bit-Kern wird frühestens 2006 auf den Markt kommen und auch bei Linux ist nicht abzusehen, dass 32-Bit-Prozessoren zukünftig nicht mehr unterstützt werden. Man kann also ruhigen Gewissens noch 32-Bit-Systeme kaufen.

32 oder 64 Bit?

Wer hingegen jetzt schon auf den 64-Bit-Zug aufspringen möchte, sollte einen Blick auf den Chipsatz des Mainboards werfen: Derzeit unkritisch sind der Via K8T800 sowie der Nvidia Nforce 3.

Grundsätzlich sind die Chipsätze der Mainboard eine nicht zu unterschätzende Stolperfalle: Im schlimmsten Fall lässt sich Linux erst gar nicht installieren, weil es weder Festplatte noch CD-Laufwerk findet, oder aber es ist quälend langsam, weil der DMA-Modus nicht funktioniert.

Kommt ein neuer Chipsatz auf den Markt, sind entsprechende Treiber meist in der nächsten oder spätestens übernächsten Kernel-Version enthalten. Das hilft dem Anwender jedoch wenig, der ja einen von seinem Distributor angepassten und fertig übersetzten Kernel benutzt -- das Mainboard sollte also einige Wochen älter sein als die eigene Distribution.

Neue Kernel mit neuen Treibern

Eine große Chance sind die Sicherheits-Updates der Distributoren, sind Sicherheitslücken im Linux-Kernel bekannt geworden und behoben worden, bieten alle Distributoren entsprechende Updates an -- als Nebeneffekt enthält der neue Kernel auch die neuen Treiber.

Grundsätzlich muss man sagen, dass die meisten Linux-Distributionen am besten auf "reifer" Hardware laufen, die sechs bis 18 Monate alt ist. Das kommt der Brieftasche sehr entgegen, gegenüber dem Einführungspreis kosten solche Mainboards meist nur zwei Drittel oder die Hälfte. Auch enthalten Komplettgeräte aus den verschiedenen (Lebensmittel-)Discountern selten brandaktuelle Chipsätze und Komponenten und laufen dementsprechend gut mit Linux.

Hardware zur Probe

Im Zweifel bleibt jedoch nur, auszuprobieren, ob die gewünschte Distribution dem Mainboard Töne entlocken kann oder die Hardware-Beschleunigung der Grafikkarte funktioniert. Das ist mit dem derzeitigen Fernabsatzrecht auch gefahrlos möglich, wenn man denn den Wunsch-PC im Internet oder am Telefon bestellt und sich zuschicken lässt. Das gilt selbst für einzelne Komponenten.

Binnen zwei Wochen können Privatverbraucher nahezu alle Gegenstände ohne Angabe von Gründen an den Händler zurücksenden -- dabei muss man lediglich beachten, die Ware nicht zu beschädigen oder Datenträger zu entsiegeln, Ausprobieren ist erlaubt.

Vorsicht, zerbrechlich

So ist es kein Problem, das neue Mainboard samt RAM einfach in den heimischen PC einzubauen und die alten Karten einzustecken. Problematisch ist es hingegen, den Prozessor auszuprobieren: Das Einsetzen ins Mainboard ist noch unkritisch, bei der Montage des CPU-Kühlers hingegen dürfen weder Prozessor noch die Halteklammern am Mainboard beschädigt werden.

Viele CPU-Kühler werden mit einer gummiartigen Wärmeleitpaste ausgeliefert, die Montage führt damit zwangsläufig zu einer Beschädigung der Ware. Gleiches gilt für dem Kühlkörper beigelegte Wärmeleitpaste, bricht man die Tube an, darf der Händler eine Wertminderung geltend machen. Wer sich also nicht sicher ist, ob er Prozessor und Kühlkörper behalten möchte, sollte sich eine zusätzliche Tube Wärmeleitpaste bestellen, die er einfach behält.

Auch am Prozessor dürfen keine Rückstände der Wärmeleitpaste verbleiben, sonst kann der Händler eine Wertminderung geltend machen. Am besten entfernen Sie die Wärmeleitpaste vorsichtig mit einem weichen, trockenen Papiertaschentuch. Keinesfalls dürfen Sie den Prozessor mit Wasser abwaschen, die zurückbleibenden Wasserflecken bereiten Kontaktprobleme und der Händler wird die Rückgabe mit Sicherheit verweigern. Haben Sie etwa bei Athlon- und Duron-Prozessoren durch falsche Kühlkörpermontage angeknackst, wie in Abbildung 3 zu sehen, brauchen Sie die Rückgabe erst gar nicht versuchen.

prozessor.jpg -- bitte anderthalb- bis zweispaltig, quadratisch, Bild folgt

Abbildung 3: Nach dem Fernabsatzrecht können die meisten Waren binnen zwei Wochen zurückgegeben werden. Bei diesem Athlon ist jedoch durch falsche Montage des Kühlkörper ein Teil des Dies an der oberen Kante abgeplatzt -- Rückgabe ausgeschlossen.

Stumme Diener

Bei Mainboards mit neueren Chipsätzen macht die Sound-Unterstützung funktioniert oft die Soundkarte nicht, teilweise über mehrere Kernel-Versionen hinweg. So dauerte es über drei Monate und drei Kernel-Versionen, bis das Sound-Interface des inzwischen betagten Intel-Chipsatz i845G einwandfrei funktionierte.

Das liegt daran, dass sich die Entwickler meist um wichtigere Funktionen wie den DMA-Modus, Netzwerkanschluss oder den integrierten Grafik-Chip kümmern, bevor sie sich an die Soundkarte machen.

Derzeit arbeiten die Entwickler daran, die immer weiter verbreiteten Soundsysteme mit Dolby zum Laufen zu bekommen, den heutigen Distributionen fehlt die Unterstützung noch ganz.

Fazit

Passende Hardware für Linux zu finden ist nicht ganz einfach. Das Schnäppchen vom Grabbeltisch im Elektronik-Discounter um die Ecke kann sich schnell als teurer Briefbeschwerer entpuppen. Doch selbst wer Markengeräte kauft, kann zwischen den Stühlen sitzen -- nur selten geben die Hersteller an, ob ihr Gerät von Linux unterstützt wird oder welche Kernel-Version oder sonstige Treiber dafür erforderlich sind.

Wer sich nicht sicher ist, ob die gewünschte Kombination auch mit seiner Linux-Distribution funktioniert, sollte bevorzugt im Versandhandel einkaufen. Mit der zweiwöchigen Rückgabefrist nach Fernabsatzrecht bleibt genug Zeit, die Komponenten auf Herz und Niere zu testen. (mdö)

Infos
[1] Turboprint, kommerzielle Druckertreiber für viele Tintenstrahldrucker: http://www.turboprint.de
[2] Druckertreiber-Datenbank: http://www.linuxprinting.org
[3] Grafikkarten-Treiber von ATI: http://www.ati.com/support/driver.html
[4] Grafikkarten-Treiber von Nvidia: http://www.nvidia.de/page/drivers.html
[5] 3D-Unterstützung unter Linux einrichten: Mirko Dölle, "Die dritte Dimension", EasyLinux 03/2004, Seite 66

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