claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 10/2004   »   Ausgabe bestellen

Scanner unter Linux einrichten

Linux scannt

von Martin Loschwitz


Scanner ermöglichen das Digitalisieren der eigenen Fotos und verwandeln einen Computer mit Drucker in einen Kopierer. Wir zeigen, wie Sie Scanner zur Zusammenarbeit mit Linux überreden.

Der Weg, den Daten in der Computer-Welt heute meistens gehen, führt aus dem Computer über einen Drucker aufs Papier. Das heißt aber nicht, dass der umgekehrte Weg nicht möglich wäre: Scanner ermöglichen es, Inhalte aller Art digital auf der Festplatte zu speichern; das können Bilder oder Texte sein. In Verbindung mit einem Drucker wird der Scanner sogar zum Kopierer, der die Qualität normaler Kopiergeräte übertrifft und obendrein Farbkopien erstellen kann.

Scanner funktionieren natürlich nicht nur unter Windows; auch Linux bietet Scanner-Treiber, und die Distributoren unternehmen stets neue Anstrengungen, um die Geräte ideal in das System zu integrieren. In diesem Artikel zeigen wir, welche Vorraussetzungen für den Scan mit Linux erfüllt sein sollten und welche Mittel und Wege bei den verschiedenen Distributionen zum Ziel führen. So viel sei im Voraus schon gesagt: Keine der aktuellen Distributionen hat mit Scannern wirkliche Probleme, die Konfiguration verläuft in den meisten Fällen völlig problemlos, wenn das Gerät prinzipiell unterstützt wird.

Grundlagen schaffen

Bevor wir in die Materie einsteigen, möchten wir ein wenig Grundlagenwissen schaffen und Tipps geben, mit welchen Geräten Linux am besten zusammenarbeitet.

Drei Arten von Scannern sind mehr oder minder weit verbreitet: Früher kamen häufig SCSI-Scanner zum Einsatz, vereinzelt traf man auf Scanner mit parallelem Anschluss. Seit der Einführung von USB gibt es deutlich mehr USB-Scanner als SCSI- und Parallelport-Geräte. Das ist nicht weiter verwunderlich: Für SCSI-Scanner brauchte man einen zusätzlichen SCSI-Controller, da ein solcher auf den üblichen Mainboards fehlte. Der parallele Anschluss ist wegen seiner niedrigen Bandbreite für die Übertragung großer Datenmengen denkbar ungeeignet. USB erfüllt hingegen alle Vorraussetungen: Kein aktuelles Mainboard kommt ohne USB-Anschluss daher, und die Bandbreite, die USB und erst recht USB 2 zur Verfügung stellt, reicht für Bilder allemal.

Schöne heile Welt also für USB-Scanner, speziell unter Linux? Leider nicht, denn wie so oft scheitert es bei vielen Scannern daran, dass der Hersteller detaillierte Informationen über die Hardware nicht herausgibt, aber selbst auch keinen Treiber bereitstellt. Daher sollte man, bevor man einen Scanner kauft oder (wenn man ein solches Gerät bereits besitzt) den Versuch unternimmt, einen Scanner unter Linux zum Funktionieren zu bringen, einige Punkte beachten.

SANE

Als Scanner-Schnittstelle für Linux hat sich SANE als Standard durchgesetzt. SANE steht für "Scanner Access Now Easy". Ein Vorteil von SANE ist die Hardware-Datenbank, die das Projekt unter http://www.sane-project.org/sane-supported-devices.html angelegt hat und pflegt. Sie ist zwar nur in englischer Sprache verfügbar, das tut ihrer Nützlichkeit beim Scanner-Kauf aber keinen Abbruch.

In der Liste finden Sie die meisten aktuellen Scanner; so finden Sie schnell heraus, ob Sie mit Linux-Unterstützung rechnen können. Es kann nicht schaden, diese Liste mit ins Geschäft zu nehmen, wenn Sie einen Scanner kaufen. Dabei sollten Sie nicht die gesamte Liste ausdrucken. (Das Resultat wären zirka 50 DIN-A4-Seiten.) Weil Sie in den meisten Elektrogeschäften ohnehin nur Geräte der Marken Hewlett-Packard, Canon und Epson finden, genügt es, die Gerätelisten dieser Hersteller aus der Datenbank in eine separate Datei zu kopieren und diese zu verwenden. Prinzipiell gilt: Überall dort, wo beim "Status"-Feld mindestens der Kommentar "good" oder besser noch "complete" steht, können Sie mit guter Unterstützung unter Linux rechnen.

Erkennungsmechanismen

Die meisten Distributionen verwenden zur Erkennung der Hardware und damit auch von Scannern den Hotplug-Mechanismus. Dabei lädt immer dann, wenn ein neues Gerät -- beispielsweise am USB-Port -- angeschlossen wird, ein kleines Programm automatisch die passenden Kernel-Treiber (Module). Das bereits erwähnte SANE besteht eigentlich aus drei Teilen:

Diese Arbeitsteilung bietet den folgenden Vorteil: Da die SANE-Schnittstelle offen liegt, muss der letzte der drei Teile -- die Interaktion mit dem Benutzer -- nicht unbedingt von einem SANE-Programm übernommen werden. Jede Anwendung, die mit SANE kommunizieren kann, eignet sich für diese Aufgabe. Das wird im nächsten Artikel von Bedeutung sein, in dem es um OCR und das Scannen von Bildern geht.

Genug der Theorie, nun geht es ganz praktisch an die Einrichtung des Scanners unter den verschiedenen Linux-Distributionen. Mandrake Linux 9.2 macht den Anfang.

Mandrake Linux 9.2

Verbinden Sie zunächst den Scanner mit Ihrem System, starten Sie dann den Computer. Sollte Mandrake Linux bereits gestartet sein, können Sie den Scanner auch im laufenden Betrieb mit dem Computer verbinden.

  1. Mandrake Linux meldet sich beim Systemstart oder beim Einstecken des Scanners nicht mit einer besonderen Nachricht, dass der Scanner erkannt wurde. Lassen Sie sich nicht davon irritieren, wenn Sie den Scanner einstecken und scheinbar nichts passiert.
  1. Starten Sie das Mandrake-Kontrollzentrum über den Eintrag Einstellungen / Configure your computer im K-Menü und rufen Sie darin unter Hardware das Modul ScannerDrake auf.

  1. Legen Sie die Mandrake-Installations-CD oder -DVD ein, falls das Programm Sie dazu auffordert. Mandrake Linux installiert dann die SANE-Pakete nach.
  1. Im nächsten Schritt versucht Mandrake Linux, Name und Modell des Scanners automatisch herauszufinden. Im Test hat diese Hardware-Erkennung versagt: Das Programm erkannte den angeschlossenen Epson Perfection 2400, teilte aber mit, dass es keinen passenden Treiber für dieses Gerät habe. Quittieren Sie die Meldung per Klick auf Ja.

  1. Sie sehen eine Liste mit Scanner-Herstellern, die Mandrake Linux kennt. Wählen Sie aus der Liste den richtigen Hersteller aus und klicken Sie auf den kleinen Pfeil neben dem Herstellernamen, um die unterstützten Geräte dieses Herstellers abzurufen. (Skurrilerweise erschien beim Test in der Geräteliste durchaus ein Treiber für den Perfection 2400 -- warum Mandrake Linux ihn anfangs nicht verwendet hat, bleibt ein Rätsel.) Wählen Sie das passende Modell aus und springen Sie mit Ok zum nächsten Schritt.

  1. Die Erfolgsmeldung zeigt an, dass der Scanner ordentlich auf dem System installiert wurde. Klicken Sie auf Ok, um zum Mandrake-Kontrollzentrum zurück zu gelangen. Übrigens: Mandrake weist im letzten Teil des Dialogs darauf hin, dass man den Scanner mit XSane über den Menüpunkt Multimedia / Graphik / XSane im K-Menü nun ansprechen kann. Dieser Menüpünkt existiert aber nicht, lassen Sie sich also nicht ins Boxhorn jagen, indem Sie ihn suchen. Mehr zum Einsatz des Scanners lesen Sie ebenfalls in diesem Heft.
  1. Sie können das Mandrake Kontrollzentrum nun schließen -- der Scanner ist eingerichtet.

    SuSE Linux 9.0

    Bei SuSE Linux 9.0 sollte der Computer bereits laufen, wenn Sie den Scanner anschließen.

    1. Verbinden Sie Ihren Scanner mit dem Computer. SuSE Linux 9.0 verwendet den bereits erwähnten "Hotplug"-Mechanismus, um neue Geräte zu erkennen. Nachdem der Scanner angeschlossen ist, erscheint eine Mitteilung auf dem Bildschirm, die anbietet, das passende Konfigurationsprogramm zu starten.

    1. Bestätigen Sie die Meldung mit Ja, dann startet das YaST2-Modul für die Scanner-Konfiguration.
    1. Zunächst wird SuSE Linux die SANE-Bibliothek sowie einige weitere Tools nachinstallieren, die für den Betrieb von Scannern notwendig sind. Legen Sie Ihre SuSE-CD oder -DVD ein, wenn das Programm Sie auffordert.

    1. Nachdem dieser Vorgang abgeschlossen ist, zeigt YaST2 Ihnen die Liste der verfügbaren Scanner-Treiber an. Wählen Sie links im Fenster den Hersteller und rechts den Modellnamen. Die Auswahl bestätigen Sie mit Weiter.

    1. Die eigentliche Scanner-Konfiguration ist damit bereits beendet. YaST bietet Ihnen an, die Einstellungen zu testen. Führen Sie den Test durch und quittieren Sie den Dialog bei Erfolg mit Weiter.

    1. Abschließend zeigt YaST eine Zusammenfassung aller Parameter an. Sind Sie mit allen Angaben zufrieden, klicken Sie wieder auf Weiter.
    1. Quittieren Sie auch die letzten beiden Fenster mit Beenden und Ja. Die Scanner-Konfiguration ist damit abgeschlossen.

      SuSE Linux 9.1

      Die Installation bei SuSE Linux 9.1 ist in großen Teilen der unter SuSE 9.0 sehr ähnlich. Version 9.1 zeigt aber kein Nachrichtenfenster für die Einrichtung des Scanners an.

      1. Verbinden Sie den Scanner nach dem Start von SuSE Linux mit dem Computer und starten Sie den YaST-Dialog zum Einrichten von Scannern: Wählen Sie im K-Menü den Eintrag System / YaST aus.
      1. Klicken Sie links auf Hardware; Sie sehen einen Eintrag mit einem Scanner-Symbol und der Beschriftung Scanner. Klicken Sie auf das Symbol.

      1. Als Nächstes wählen Sie den Scanner aus: in der Liste links klicken Sie auf den richtigen Hersteller und rechts auf das Modell. Weiter geht's mit Weiter.

      1. Nun zeigt YaST2 eine Zusammenfassung der Konfiguration an. Sind die Einstellungen korrekt, bestätigen Sie diese mit Weiter.
      1. Abschließend können Sie den Scanner testen; führen Sie den Test durch und klicken Sie auf Weiter, falls er erfolgreich war.
      1. Im nächsten Fenster wird eine Zusammenfassung aller Scanner angezeigt; schließen Sie dieses Fenster mit Beenden und das nächste mit Ja. Die Scanner-Konfiguration bei SuSE Linux 9.1 ist damit abgeschlossen.

        Fedora Core 2

        Fedora Core vermittelt auf den ersten Blick einen falschen Eindruck: Zunächst sieht es so aus, als biete die Distrubution keine Tools für die Einrichtung von Scannern. Aber: Fedora Core 2 ist die aktuellste der von EasyLinux unterstützten Distributionen und nutzt als solche die meisten Vorteile der neuen Kernel-Version 2.6. Die Scanner-Einrichtung läuft bei Fedora vollautomatisch: Sie schließen den Scanner an, der Kernel entdeckt ein neues USB-Gerät und lädt dann die nötigen Treiber. Gleich im Anschluss kann jedes Programm über SANE auf den Scanner zugreifen.

        So weit, so gut

        Nachdem der Treiber für den Scanner eingerichtet ist, stellt sich die Frage, welche Aufgaben das Gerät erfüllen soll. Zwei sehr unterschiedliche Dinge bieten sich an: Texte werden mit Optical Character Recognition, kurz OCR, erkannt, und Bilder lesen Sie mit einem Grafikprogramm ein. Ein einfaches Scan-Tool ist Kooka -- es wird im folgenden Artikel vorgestellt. (hge)

        Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

        Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2012 Linux New Media AG | Last modified: 2007-01-25 17:21

        [Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community] [Admin-Magazin] [Ubuntu User] [Smart Developer] [Linux Events] [Linux Magazine] [Ubuntu User] [Admin Magazine] [Smart Developer] [Linux Magazine Poland] [Linux Community Poland] [Linux Magazine Brasil] [Linux Magazine Spain] [Linux Technical Review]