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Erschienen in EasyLinux 10/2004   »   Ausgabe bestellen

HTML-Bildergalerien

Ausstellungsstücke

von Heike Jurzik


Programme, die aus Bilddateien HTML-Galerien erstellen, gibt es wie Sand am Meer. Leider erfordern die meisten Tools einen Web-Server im Hintergrund, um die dynamisch erzeugten Inhalte zu betrachten. Wir stellen Programme vor, die ohne Server funktionieren.

Die Bilder vom letzten Urlaub machen gleich nochmal so viel her, wenn sie in hübschen Galerien angeordnet sind. HTML als plattformunabhängige Sprache eignet sich besonders gut für solche Kunstwerke: So können Sie die Bilder nicht nur auf der eigenen Web-Seite präsentieren, sondern auch auf CD brennen und an Familie und Freunde verteilen -- mehr als einen Browser braucht man zum Betrachten nicht.

Wer sich im WWW auf die Suche begibt, findet zahlreiche Programme, die solche Galerien schnell und komfortabel erstellen. Einen Haken hat die Sache allerdings: Die meisten Tools setzen auf PHP -- für die eigene Web-Seite ist das kein Problem, wenn PHP auf dem Web-Server läuft. Aber spätestens auf dem heimischen Rechner stoßen diese Galerie-Tools an ihre Grenzen, denn für ihren Einsatz müsste man erst Apache und PHP installieren und konfigurieren.

Wir stellen zwei Möglichkeiten vor, reine HTML-Galerien zu erstellen. Das Allround-Talent Konqueror hilft nicht nur dabei, die Bilder von der Kamera auf die eigene Festplatte zu bringen, sondern erzeugt auch auf Knopfdruck einen ansprechenden Rahmen für die Schnappschüsse. Als Alternative arbeitet igal auf der Kommandozeile: Mit nur einem einzigen Befehl legt das Skript Galerien an, die sich sehen lassen können.

Kunstwerke im Konqueror

Eine schnelle und komfortable Möglichkeit, Galerien zu erstellen, bietet KDEs Dateimanager Konqueror. Viele neue Kameramodelle werden von aktuellen Distributionen unterstützt und können im Konqueror direkt über die Adresszeile (siehe auch Kasten "Digitalkameras und Konqueror") angesprochen werden. Bevor die Galerie erstellt werden kann, müssen die Bilder in ein Verzeichnis auf der Festplatte wandern. Teilen Sie dazu beispielsweise das Konqueror-Fenster über das Menü Fenster / Ansicht in linke und rechte Hälfte teilen. Klicken Sie in eine Fensterhälfte, um diese zu aktivieren und navigieren Sie zum Zielordner. Klicken Sie danach mit der Maustaste in das Fenster, in dem der Digitalkamera-Inhalt erscheint. Sie können nun die Bilder markieren, indem Sie mit gedrückter linker Maustaste einen Rahmen um die Bilddateien ziehen. Per Drag & Drop wandern die Bilder danach in den Zielordner auf der Festplatte (Abbildung 1).

Abb. 1: Per Drag & Drop von der Kamera auf die Platte.

Digitalkameras und Konqueror

Digitalkameras sprechen Sie komfortabel über die Adresszeile im Konqueror (camera:/) an: Die meisten Modelle erkennt Linux automatisch nach dem Anschließen und Einschalten; funktioniert dies nicht, können Sie über das Kontrollzentrum weitere Einstellungen vornehmen:

  1. Starten Sie KDEs Kontrollzentrum, z. B. über den Schnellstarter [Alt-F2] und Eingabe von kcontrol.
  2. Gehen Sie in der linken Baumansicht zum Eintrag Angeschlossene Geräte und weiter auf Kamera. Unter SuSE Linux 9.1 funktioniert das nicht, da das entsprechende Modul im Kontrollzentrum fehlt; Benutzer dieser Distribution starten das Modul daher direkt über [Alt-F2] und Eingabe vom kcmshell kamera.
  3. In den meisten Fällen erscheint das richtige Kameramodell automatisch; ein Test über den kleinen grünen Pfeil gibt weiteren Aufschluss -- hat alles geklappt, meldet das Programm "Kameratest erfolgreich".
  4. Um eine Digitalkamera von Hand zu konfigurieren, klicken Sie auf das Kamera-Icon. Wählen Sie aus der linken Liste das richtige Modell und geben Sie anschließend im rechten Fensterbereich die Anschlussart an. Ist die Kamera über ein USB-Kabel mit dem Rechner verbunden, muss nichts weiter eingestellt werden; handelt es sich um ein serielles Kabel, wählen Sie, ob die Kamera an der ersten (/dev/tty0) oder zweiten (/dev/tty1) seriellen Schnittstelle hängt.
  5. Ist alles richtig eingestellt, klicken Sie auf Ok und verlassen das Kontrollzentrum. Der Konqueror sollte die Kamera anschließend über camera:/ finden.

Nachdem die Bilder auf der Festplatte liegen, rufen Sie im Konqueror den Menüpunkt Extras / Bildergalerie erstellen auf. Im Bereich Optik wählen Sie den Titel der Galerie, wie viele Bilder pro Zeile angezeigt werden und ob Dateiname und -größe als Informationen eingebunden werden sollen. Weiterhin stellen Sie hier die Schriftart und -größe ein, auch Vorder- und Hintergrundfarbe der Galerie ändern Sie hier -- klicken Sie einfach auf die Farbauswahl, um den Dialog zu öffnen. Praktisch: In KDEs Farbauswahldialog können Sie auf die kleine Pipette und anschließend auf einen beliebigen Punkt des Desktops klicken, um diese Farbe auszuwählen (Abbildung 2).

Abb. 2: Stellen Sie die Vorder- und Hintergrundfarbe der Galerie ein.

Im Bereich Ordner wählen Sie das Zielverzeichnis für die Galerie aus. Sie können hier einstellen, ob Unterordner einbezogen werden sollen. Ist Originalbilder kopieren aktiviert, legt der Konqueror ein Unterverzeichnis images an und kopiert die Originale dahin. Das ist vor allem dann praktisch, wenn Sie die Galerien zu einem späteren Zeitpunkt an eine andere Stelle verschieben oder kopieren wollen: Die HTML-Datei referenziert einzelne Bilder über images/datei.jpg und die Thumbnails über thumbs/datei.jpg -- so ist alles sauber getrennt. Soll die Galerie nun an eine andere Stelle wandern, nehmen Sie die Datei index.html und die beiden Unterverzeichnisse images und thumbs mit, ohne die Originalbilder anfassen zu müssen.

Gut kommentiert

Ein nettes Feature ist die optionale Kommentardatei: Wer in der HTML-Galerie Bildunterschriften verwenden möchte, schreibt diese in eine einfache Textdatei und bindet sie über die Checkbox Kommentardatei verwenden automatisch mit ein. Eine solche Kommentardatei mit Beschriftungen hat die folgende Form:

datei.jpg:
Bildunterschrift

Dabei ist es wichtig, dass Doppelpunkte hinter den Dateinamen stehen, da Konqueror die Bildunterschriften sonst nicht korrekt erkennt. Zwischen zwei Einträge fügen Sie eine Leerzeile ein (Abbildung 3).

Abb. 3: Bildunterschriften verwalten Sie in externen Textdateien.

Unter Minivorschau definieren Sie schließlich, in welchem Format die Thumbnails erstellt werden und wie groß diese sein sollen. Auch die Farbtiefe lässt sich hier anpassen. Ist alles nach Ihren Wünschen eingerichtet, klicken Sie auf OK, und die Galerie wird erstellt. Ein neues Konqueror-Fenster zeigt das fertige Kunstwerk anschließend automatisch an (Abbildung 4).

Abb. 4: Es ist angerichtet: Konqueror präsentiert die Bildergalerie.

Einfach "igal"

Das Wort igal steht für "Image Gallery" -- ohne großen Aufwand und mit einem einzigen Befehl auf der Kommandozeile basteln Sie professionelle HTML-Galerien.

igal ist ein Perl-Programm und greift auf Komponenten des Programmpakets ImageMagick zurück. Dieses ist bei allen vier Distributionen dabei und sollte standardmäßig installiert sein. Ein igal-RPM-Paket, das Sie auf allen vier von EasyLinux unterstützten Distributionen problemlos installieren, finden Sie unter http://www.stanford.edu/~epop/igal/. Für die einzelnen Distributionen gehen Sie zur Installation vor, wie im Kasten "igal-Installation" beschrieben.

igal-Installation

SuSE Linux 9.0 und 9.1

  1. Überprüfen Sie zunächst, ob ImageMagick installiert ist. Dazu starten Sie YaST, gehen im Bereich Software auf Software installieren oder löschen und geben ins Feld Suche den Begriff "imagemagick" ein. In der rechten Fensterhälfte sehen Sie das Ergebnis -- ist ImageMagick noch nicht installiert, können Sie die Checkbox anklicken und unten rechts auf die Schaltfläche Akzeptieren klicken.
  2. Öffnen Sie die angegebene Web-Seite mit dem Konqueror, klicken Sie auf den Link zu igal-1.4-1.noarch.rpm (25k) und wählen Sie nach dem Download Mit YaST installieren -- alles andere läuft automatisch.

Fedora Core 2

  1. Starten Sie das Paketverwaltungsprogramm über das K-Menü / Systemeinstellungen / Hinzufügen/Entfernen von Applikationen und geben Sie auf Aufforderung das root-Passwort ein. In der nach Themengebieten sortierten Übersicht gehen Sie zum Bereich Grafik und klicken rechts auf Details. ImageMagick befindet sich ganz unten in der Liste der Anwendungen.
  2. Gehen Sie anschließend zur igal-Web-Seite, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Link igal-1.4-1.noarch.rpm (25k) und wählen Sie aus dem Kontextmenü Öffnen mit.
  3. Schreiben Sie in das Eingabefeld system-install-packages und klicken Sie auf OK.
  4. Nach dem Download geben Sie auf Aufforderung das root-Passwort ein. Das Tool aktualisiert die Paketdatenbank und installiert igal.

Mandrake Linux 9.2

  1. Starten Sie Mandrakes Paket-Manager über das K-Menü, Einstellungen / Paketierung / Software installieren und geben Sie das root-Passwort ein.
  2. Überprüfen Sie, ob ImageMagick installiert ist; dazu geben Sie "imagemagick" in die Suchmaske ein und drücken [Eingabe].
  3. Ist das Programmpaket nicht installiert, spielen Sie es jetzt ein -- Mandrake Linux 9.2 löst die Abhängigkeiten automatisch auf und wählt zusätzliche Bibliotheken zur Installation aus.
  4. Öffnen Sie die igal-Web-Seite im Konqueror, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Link zum RPM-Paket (igal-1.4-1.noarch.rpm (25k)) und wählen Sie aus dem Kontextmenü RpmDrake.
  5. Geben Sie auf Aufforderung das root-Passwort ein, dann installiert RpmDrake igal.

Kommandozeilig gut

igal arbeitet auf der Kommandozeile; starten Sie ein Terminalfenster (z. B. über KDEs Schnellstarter [Alt-F2] und Eingabe von konsole) und wechseln Sie mit dem Kommando cd in das Verzeichnis mit den Bildern, z. B.:

[~]$ cd Alben/
[~/Alben]$ ls
P7190001.JPG  P7190004.JPG  P7190007.JPG
P7190002.JPG  P7190006.JPG  P7190008.JPG

Geben Sie in dem Verzeichnis mit den Bildern einfach den Befehl igal ein, generiert das Programm die Thumbnails und baut die Galerie. Was dabei im Hintergrund abläuft, verrät die igal-Ausgabe (Kasten "igal-Ausgabe").

igal-Ausgabe
[~/Alben]$ igal
Found 6 image files in directory .
Creating thumbnails:  .thumb_P7190001.JPG .thumb_P7190002.JPG
.thumb_P7190004.JPG .thumb_P7190006.JPG .thumb_P7190007.JPG
.thumb_P7190008.JPG ... done!
Determining image sizes ...... done!
No CSS template file ... getting /usr/local/lib/igal/igal.css
No .slidetemplate.html file ... getting a copy from /usr/local/lib/igal/
Creating individual slides:  1.html 2.html 3.html 4.html 5.html 6.html ... done!
No .tile.png file... getting a copy from /usr/local/lib/igal/
No .indextemplate.html file... getting a copy from /usr/local/lib/igal/
Creating the index.html file ...... done!

Die fertige Galerie können Sie nun im Konqueror bewundern. Öffnen Sie mit dem Dateimanager einfach das entsprechende Verzeichnis und rufen Sie die Datei index.html auf (Abbildung 5).

Abb. 5: Mit einem Befehl zur fertigen Galerie -- igal.

Wer Bildunterschriften einbauen will, kann auch diesen Schritt automatisieren. Dazu rufen Sie im Verzeichnis mit den Bildern zunächst igal -c auf. Das Programm legt nun eine Datei mit Namen .captions an, die Sie mit einem Editor wie KWrite bearbeiten können. Dazu schalten Sie im Konqueror zunächst über das Menü / Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen die Ansicht um, klicken mit der rechten Maustaste auf die Datei .captions und wählen aus dem Kontextmenü Öffnen mit / KWrite. Hinter den Dateinamen tragen Sie die zugehörigen Bildunterschriften ein. Achten Sie darauf, dass die vier Bindestriche stehen bleiben -- sie sind Trennzeichen, die igal benötigt, um die Informationen richtig auszuwerten (Abbildung 6).

Abb. 6: Bearbeiten Sie die Datei ".captions", um Bildunterschriften zu erzeugen.

Speichern Sie die Änderungen und rufen Sie erneut igal -c auf. Sehen Sie dann als erste Zeile im Output die Information Reading the .captions file ... found 6 image files., haben Sie alles richtig gemacht. Die Unterschriften finden Sie anschließend unter dem jeweiligen Bild, wenn Sie auf die Thumbnails klicken. Wer die Captions auch schon in der Hauptseite als Unterschriften anzeigen will, benutzt den zusätzlichen Parameter -u -- der vollständige Aufruf lautet also igal -c -u.

Mit igal lässt sich aber noch mehr zaubern: Standardmäßig werden jeweils fünf Thumbnails in einem Filmstreifen zusammengefasst -- um das zu ändern, verwenden Sie die Option -w [nummer].

Besonders praktisch ist auch die Funktion, mit der Sie die Größe der Bilder anpassen: Sind die Originale beispielsweise 1600x1200 Pixel groß, skalieren Sie die Bilder für die Galerie auf ein kleineres Format herunter. Dazu reicht es aus, igal die neue Höhe anzugeben -- das Programm passt die Breite automatisch an:

igal -c -u -w 3 -bigy 400

Im Hintergrund legt igal neben den Thumbnails runterskalierte Kopien der Originalbilder an. Diese heißen jeweils .slide_[bild.jpg] und tauchen in der Browser-Ansicht auf, wenn Sie auf den Thumbnail klicken. Die Originaldateien werden davon nicht beeinträchtigt: Sie erreichen sie weiter über die Galerieansicht im Browser, indem Sie auf das skalierte Bild klicken (Abbildung 7). (hge)

Abb. 7: Auf Wunsch skaliert "igal" die Bilder auf eine angenehme Größe.

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