![]() |
|
||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
|
|||||||||||||||||||||
von Hans-Georg Eßer
Eines der bekanntesten Linux-Programme, die freie Bildbearbeitung GIMP, ist schon lange auch in einer Windows-Version erhältlich: Wer das Geld für Photoshop nicht ausgeben will und auf den professionellen CMYK-Farbraum verzichten kann, nutzt die Portierung des Linux-/Unix-Programmes unter Windows. Auch OpenOffice, die freie Version des Office-Pakets StarOffice, gibt es für beide Betriebssysteme.
Was nicht jeder weiß: Neben ein paar großen Programmpaketen, die es für Linux und Windows gibt, können Sie Windows auch dank Hunderter von portierten Tools beinahe in eine vollständige Unix-Umgebung verwandeln. Das größte Paket heißt cygwin [1]: Damit landen bei einer Vollinstallation nicht nur die beliebteste Shell (Bash) und ein X-Server auf dem Windows-Rechner, sondern Sie erhalten fast alle wichtigen grafischen und Kommandozeilenprogramme, die auch Linux bietet.
Sogar Microsoft bietet inzwischen eigene Programme an, die Windows Linux-ähnlich machen -- die "Services for Unix" (SFU) [3] laufen allerdings nur auf den Professional-Versionen von Windows 2000 und XP; wir haben in unseren Online-Forum, der Linux-Community, darüber berichtet [4].
Wir stellen im Folgenden einige Programme vor, die Sie mit den unter Windows üblichen Installationsprozeduren einrichten können. Den Anfang macht die "Open CD", deren Programmsammlung noch unverdächtig nach Standard-Software aussieht. Danach arbeiten wir uns zu -- aus Windows-Sicht -- esoterischeren Anwendungen vor: Mit dem Cygwin-Paket halten nämlich auch alle Kommandozeilen-Tools aus der Unix-Welt Einzug auf dem Windows-PC.
Die "Open CD" finden Sie im Internet unter [2] als komprimiertes ISO-Image. Um die Programme zu installieren, lädt man die Datei TheOpenCD-v1.4.1.iso.zip (320 MByte) von einem der Mirror-Server herunter, entpackt sie (zum Beispiel mit WinZip) und brennt das ISO-Image mit einem Brennprogramm auf CD.
Nach dem Einlegen erscheint dann ein Startmenü, über das Sie die folgenden vier Programmgruppen finden (Abbildung 1):
Hübsch: Zu jedem Programm gibt es drei Screenshots, so dass man vor einer etwaigen Installation abschätzen kann, ob die Anwendung viel versprechend ist oder nicht.
Viele Open-CD-Programme sind Linux-Klassiker, einige Anwendungen sind allerdings nur für Windows verfügbar, so zum Beispiel der Instant Messenger Miranda. Die Open CD hat auch nicht das Ziel, eine Windows-Linux-Migration vorzubereiten, sondern will demonstrieren, wie viel mächtige Open-Source-Programme es auch für Windows gibt. So ist auch Miranda im Quellcode und unter der Linux-typischen Lizenz GPL erhältlich, auch wenn das Linux-Anwendern nicht hilft.
Einer der Lieblings-Editoren vieler Programmierer und anderer Anwender aus der Unix-Szene ist Emacs, den es in zwei Varianten (GNU Emacs und XEmacs) gibt -- die XEmacs-Variante ist etwas komfortabler.
Ein Editor eignet sich -- im Gegensatz zu Textverarbeitungsprogrammen -- ideal zum Bearbeiten von reinen ASCII-Textdateien, etwa Konfigurations- und HTML-Dateien oder Programm-Quell-Codes. Emacs bietet hier für die verschiedensten Programmiersprachen Features wie Syntax Highlighting, automatische Einrückungen und Zusatzmenüs für Compiler-Aufrufe etc. Über selbst erstellte Lisp-Makros erweitern Profis den Editor beliebig in seiner Funkionalität -- so kann man ihn z. B. als Mail-Client, News-Reader oder sogar als Web-Browser verwenden. Der Name Emacs ist übrigens eine Abkürzung für "Editor" und "Macros", auch wenn die fünf Buchstaben wegen seines hohen Speicherbedarfs früher als "Eight Megabytes Almost Continously Swapping" (frei: mit 8 MByte RAM swappt er ständig) interpretiert werden; heute gibt es natürlich keine PCs mehr, die so wenig Hauptspeicher haben.
Die Installation unter Windows ist einfach: Auf der Download-Seite [5] klicken Sie auf den Link setup.exe und bestätigen den Download-Dialog mit Öffnen. Dann startet das Setup-Programm, in dem Sie u. a. auswählen, wo XEmacs installiert werden soll. (Die Vorgabe ist C:\Program Files\XEmacs\.)
Im gleichen Dialog entscheiden Sie sich auch zwischen den beiden Varianten Native und Cygwin -- für die Cygwin-Variante des XEmacs benötigen Sie auch die Cygwin-Pakete (siehe unten). Sinnvoller ist für erste Tests die native Variante, die ohne Zusatzprogramme auskommt.
Nach Auswahl eines Mirror-Servers (für Deutschland empfiehlt sich ftp://ftp.de.xemacs.org, Österreicher und Schweizer verwenden die mit at und ch gekennzeichneten Mirror) können Sie noch auswählen, welche XEmacs-Programmteile installiert werden sollen -- wenn Sie den Editor noch nicht kennen, übernehmen Sie die Vorgaben.
Der Download benötigt auch bei schneller Anbindung mehrere Minuten. Sind schließlich alle Dateien herunter geladen und ausgepackt, fragt der Installer noch nach, ob er einen Startmenü-Eintrag und ein Desktop-Icon anlegen soll; außerdem schlägt er vor, XEmacs als Standard-Editor für verschiedene Dateitypen (u. a. txt-Dateien) zu registrieren: Wenn Sie für solche Aufgaben bereits einen anderen Editor verwenden und das nicht generell ändern wollen, sollten Sie hier die Häkchen entfernen (Abbildung 4).
Nach erfolgreicher Installation können Sie XEmacs über den Menüpunkt Programme/XEmacs/XEmacs des Startmenüs oder ein Desktop-Icon aufrufen. Sollten Sie das Programm bereits von Linux kennen, dann gibt es einen Aha-Effekt, da XEmacs unter Windows wirklich genauso aussieht wie auf allen Unix-Plattformen: Selbst die Tastenkombinationen zur Bedienung sind identisch -- beenden lässt sich das Programm z. B. nicht nur mit der Windows-Standard-Tastenkombination [Alt-F4], sondern auch Emacs-typisch mit [Strg-X], [Strg-C] (oder wahlweise über den Menüpunkt File/Exit XEmacs).
Windows besitzt einen Kommandozeilenmodus, mit dem man allerdings eher selten in Berührung kommt. Das liegt unter anderem daran, dass die "Eingabeaufforderung", cmd.exe, nicht besonders leistungsfähig ist. Schon zu MS-DOS-Zeiten gab es leistungsfähigere Varianten (4dos, Take Command).
Wenn Sie bereits mit Linux oder einer anderen Unix-Variante gearbeitet haben, wissen Sie, dass man hier öfter mit der Shell arbeitet. EasyLinux versucht in den meisten Artikeln, Shell-Kontakte zu vermeiden, weil viele Umsteiger die Verwendung einer Befehlszeile irritierend finden, in unserer Rubrik "Guru-Training" ermuntern wir aber dennoch zum Einsatz der Shell, weil dort Vieles schneller geht.
Wer sich mit der Shell vor einem Linux-Einstieg unter Windows vertraut machen möchte (und auch, wer schon Shell-Anhänger unter Linux ist), installiert einfach die von Cygnus (inzwischen eine Tochter des Linux-Distributors Red Hat) entwickelten Cygwin-Tools. Hier gibt es neben der Shell bash in der aktuellen Version 2.05b auch weitere Zusatzprogramme wie tar, gzip, bzip2, grep, Tcl/Tk und sogar einen X-Server für Windows (im Paket xorg-x11).
Die Installation läuft genau wie bei XEmacs ab: Auf der Web-Seite [1] klicken Sie rechts oben auf den Button Install Cygwin now (Abbildung 5); dann startet nach entsprechender Bestätigung mit Öffnen der Installer.
Nach einem kurzen Begrüßungstext fragt das Setup-Programm Sie, in welches Verzeichnis Sie die Cygwin-Tools installieren möchten -- hier können Sie die Vorgabe C:\cygwin akzeptieren.
Nach dem Download der ausgewählten Pakete werden sie entpackt, und der Installert legt einen neuen Eintrag Programme/Cygwin/Bash Shell im Startmenü an -- wählen Sie diesen Eintrag aus oder klicken Sie auf das Cygwin-Icon, um die Standard-Shell bash unter Windows zu starten.
Übrigens: Standardmäßig holt der Installer nur eine Minimalauswahl von Paketen auf den Rechner, so fehlt beispielsweise ein SSH-Client (openssh). Um das nachzuholen, starten Sie einfach erneut über die Web-Seite das Setup-Programm -- die bereits installierten Pakete erkennt der Installer und lädt sie nicht erneut herunter. Interessant ist beispielsweise auch der Midnight Commander (mc), ein Klon des DOS- und Windows-Klassikers Norton Commander (Abbildung 6).
Nach dem Start sehen Sie ein Fenster, das zunächst nicht wesentlich anders als Windows' Standard-Kommandozeile aussieht: 80x25 Zeichen, schwarzer Hintergrund, weiße Schrift (Abbildung 7). Auf den zweiten Blick wird es dann klar: Anstelle des sonst unter Windows üblichen C:\-Prompts erscheint die Unix-typische Eingabeaufforderung "$". In diesem Fenster können Sie weitestgehend mit den gleichen Befehlen arbeiten, wie es auch unter Linux in einem Bash-Fenster möglich ist.
Die Bash gaukelt Benutzern unter Windows übrigens eine typische Linux-Verzeichnisstruktur ohne Laufwerksbuchstaben vor: Alle Cygwin-Dateien liegen in Verzeichnissen wie /usr, /bin, /var etc., Home-Verzeichnisse der Benutzer in /home. Wer nach den Daten auf den Windows-"Laufwerken" C:, D: usw. sucht, wird erst auf den zweiten Blick fündig: Diese Laufwerke spricht Cygwin über /cygdrive/c/, /cygdrive/d/ usw. an. Wenn Sie eine Diskette einlegen, können Sie beispielsweise mit dem Befehl ls -l /cygdrive/a ihr Inhaltsverzeichnis anzeigen.
Kommandos, die unter Linux eine mehrfarbige Ausgabe erzeugen können, tun dies auch hier: Geben Sie etwa ls -l --color / ein, zeigt die Shell das Root-Verzeichnis aus Sicht der Cygwin-Tools mit farbig formatierten Einträgen an. Auch das man-Kommando, mit dem Sie Aufgabe und Kommandozeilen-Optionen der meisten Befehle abrufen können, bereitet seine Ausgaben hübsch bunt auf.
Warum enthält das Wurzelverzeichnis / gar keine Windows-Verzeichnisse und stattdessen die bereits erwähnten Linux-typischen Einträge /usr, /bin etc.? Alle Cygwin-Tools sehen die Laufwerks- und Verzeichnisstruktur von Windows durch eine Brille -- das Verzeichnis, das Sie bei der Installation angegeben haben (im Beispiel: C:\cygnus) betrachten die Tools dabei als Wurzelverzeichnis /. Das hat den Vorteil, dass sich die Unix-Dateien an den richtigen Stellen (etwa Programme in /bin und /usr/bin) befinden, ohne dass diese Verzeichnisse auch aus Windows-Sicht im Hauptverzeichnis liegen müssten. Alle "normalen" Windows-Verzeichnisse sind nur über die bereits erwähnten Pfadangaben /cygdrive/c/ usw. verfügbar.
Die Shell-Variable $PATH enthält neben den Verzeichnissen, in denen sich die Cygwin-Tools befinden, auch die Standard-Verzeichnisse, die Dienstprogramme von Windows enthalten. So starten Sie z. B. durch Eingabe von cmd den Standard-Kommandointerpreter (und verlassen ihn wieder mit exit). exit ist übrigens auch der richtige Befehl, um die Bash-Shell zu verlassen.
Die bisher vorgestellten Cygwin-Tools laufen alle im Textmodus innerhalb des Bash-Fensters, aus dem Sie sie gestartet haben. Unix-Systeme (wie Linux) bieten aber auch eine grafische Oberfläche, das X Window System (kurz "X"). X-Programme laufen nicht direkt unter Windows, dafür benötigen Sie einen so genannten X-Server. Auch den können Sie über Cygwins Setup-Programm bequem nachinstallieren. Schalten Sie dazu in der Übersicht per Klick auf View zur vollständigen Paketansicht um und wählen Sie (mindestens) die Pakete xorg-x11-base und xterm aus. Außerdem sollten Sie einen brauchbaren Window-Manager installieren, z. B. das Paket WindowMaker. Der Installer löst Abhängigkeiten zu anderen Paketen automatisch auf und richtet die X-Umgebung ein.
Nach dem Download erzeugen Sie zunächst in der Bash-Shell mit
echo wmaker > .xinitrc
eine persönliche X-Startdatei, damit der X-Server weiß, welchen Window-Manager er starten soll. Geben Sie dann xinit ein, um den X-Server zu aktivieren.
Ein bisschen Linux-Feeling lässt -- auch ohne alle bisher erwähnten Programme -- das Tool Dark Desktop aufkommen: Nach Herunterladen der Datei DarkDesktop.exe von [6] und Starten des Programmes finden Sie in der rechten unteren Ecke des Bildschirms eine Miniaturansicht mit vier virtuellen Desktops, wie man sie von Linux-Desktops wie KDE und GNOME kennt. Alle Fenster, die beim Start von Dark Desktop bereits geöffnet waren, bleiben auf Desktop 1; die übrigen Desktops sind leer.
Per Klick in eines der vier Rechtecke wechseln Sie den Desktop und können dort weitere Fenster öffnen. Prinzipiell bieten die Rechtecke sogar eine Vorschau, die allerdings schlecht erkennbar ist, weil die abgebildeten Desktops verzerrt sind. Um das zu beheben, klicken Sie unter Windows XP auf eine freie Stelle der Startleiste und deaktivieren die Option Taskleiste fixieren. Danach können Sie die Startleiste durch "Anfassen" am oberen Rand auf doppelte Höhe vergrößern -- das Dark-Desktop-Vorschaufenster wächst entsprechend mit.
Wer nicht mit der Maus genau das richtige Rechteck im Vorschaufenster anklicken will, nutzt einfach die Tastenkombinationen [Strg-1] bis [Strg-4], die auf die Desktops 1 bis 4 wechseln.
Wer noch unentschlossen ist, ob er Linux installieren soll, kann mit Hilfe zahlreicher Tools auch unter Windows einen ersten Eindruck davon gewinnen, wie sich Linux "anfühlt". Dabei sollte man nur im Hinterkopf behalten, dass die aus der Linux-Welt portierten Programme unter Windows teilweise langsamer laufen oder eingeschränkt funktionieren -- das Original ist eben oft besser als die Kopie. (hge)
| Infos |
|
[1] Cygwin, http://www.cygwin.com
[2] The OpenCD, http://www.theopencd.org [3] Microsoft Services for Unix, http://www.microsoft.com/windows/sfu/downloads/ [4] Hans-Georg Eßer: "Microsoft Services for Unix", Linux Community, http://www.linux-community.de/Neues/story?storyid=13759 [5] XEmacs-Installer, http://www.xemacs.org/Download/win32/ [6] Dark Desktop, http://www.darkleo.com/darkleo/download/darkdesktop.htm |
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.
Druckerfreundliche Version |
Feedback zu dieser Seite |
Datenschutz |
© 2012 Linux New Media AG |
Last modified: 2007-01-25 17:21
[Linux-Magazin]
[LinuxUser]
[Linux-Community]
[Admin-Magazin]
[Ubuntu User]
[Smart Developer]
[Linux Events]
[Linux Magazine]
[Ubuntu User]
[Admin Magazine]
[Smart Developer]
[Linux Magazine Poland]
[Linux Community Poland]
[Linux Magazine Brasil]
[Linux Magazine Spain]
[Linux Technical Review]