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Erschienen in EasyLinux 10/2004   »   Ausgabe bestellen

Digitalkameras und ihre verschiedenen Protokolle

Die wunderbare Welt der Digitalkameras


Zum Auslesen digitaler Fotos gibt es zahlreiche Programme; sie bilden aber nur die Oberfläche für die verschiedenen darunter arbeitendenen Kommunikationsprotokolle.

Carsten Schnober

Digitale Kameras verdrängen ihre analogen Pendants zunehmend auch im Bereich der Hobby-Fotografie. Obwohl die meisten Hersteller nur Windows-Software mitliefern, funktionieren viele, aber leider nicht alle, auch unter Linux.

Im einfachsten Fall startet man ein Programm wie DigiKam und braucht sich nur noch um die Auswertung der präsentierten Bilder zu kümmern. Will man sich eine neue Kamera kaufen und sorgt sich um die Linux-Kompatibilität oder wenn die Kamera nicht automatisch erkannt wird, hilft etwas Hintergrundwissen weiter.

Verschiedene Standards

Auf Kameras, die das USB-Speichermedienprotokoll (usb-storage) verwenden, lässt sich ohne weitere Treiber zugreifen und deshalb mit jedem neueren Betriebssystem. Dasselbe Protokoll verwenden auch gewöhnliche USB-Geräte wie externe CD-Laufwerke und Festplatten sowie die meisten Speicher-Sticks. Solche Kameras lassen sich wie andere Laufwerke einbinden und mit einem Dateimanager kann der Anwender die Bilder kopieren, verschieben, umbenennen oder löschen.

Ein anderer Standard, der sich in den letzten Jahren zunehmend verbreitet hat, heißt PtP ("Picture Transfer Protocol"). Dieses "Bildübertragunsprotokoll" existiert ausschließlich zur Kommunikation zwischen Digitalkameras und PCs, funktioniert also anders als sonstige USB-Geräte und unterscheidet sich darin grundlegend vom usb-storage-Protokoll.

Auch solche Kameras lassen sich zuverlässig auslesen, sofern sie den definierten Standard einhalten. Nur bei manchen Canon-Geräten ist dies leider nicht der Fall, da Canon das Protokoll in Eigenregie erweitert hat; Linux-Treiber gibt es dafür nur teilweise.

Eigene Suppe

Einige Hersteller erschweren Linux-Entwicklern die Arbeit, indem sie gänzlich eigene Protokolle zur Kommunikation zwischen PC und Kamera verwenden, unabhängig von den vorhandenen Standards. Das bedeutet, dass die Kameras betreffender Hersteller und oft sogar einzelner Typen jeweils eigene Treiber benötigen; Programmierer von Linux-Software dürfen dabei gewöhnlich nicht auf Unterstützung durch die Firmen hoffen.

Das Projekt GPhoto [1] hat es sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele Digitalkameras unter Linux nutzbar zu machen. Das PtP-Protokoll unterstützt es vollständig, eine Reihe weiterer Apparate ebenfalls; die vollständige Liste gibt es unter [2].

Auslesen

In der Praxis gibt es viele Wege zum Zugriff auf unterstützte Kameras. Sie hängen von der Art der Unterstützung ab: Um PtP-Kameras als auch um solche mit eigenem Protokoll kümmert sich das Kommandozeilenpgroamm gphoto. Den Zugriff auf usb-storage-Kameras ermöglicht der Linux-Kernel selbst, die Desktop-Umgebung bindet sie für den Benutzer ein.

Die KDE-Oberfläche integriert gphoto direkt, so dass Sie über den Dateimanager Konqueror Zugriff erhalten: Gibt man in die Adresszeile camera:/ ein, zeigt der Browser die automatisch gefundenen Kameras als Verzeichnisse an (Abbildung 1). Mit einem Doppelklick auf das entsprechende Verzeichnissymbol erreicht man die gespeicherten Bilder und kopiert sie nach Bedarf auf die Festplatte.

Abb. 1: KDE integriert Kameras in den Dateimanager.

Damit dies funktioniert benötigen Sie das Programmpaket gphoto (SuSE Linux) bzw. gphoto2 (Mandrake Linux und Fedora Core 2). Unter SuSE und Fedora sind diese Pakete nach einer Standardinstallation schon installiert, nur unter Mandrake müssen Sie es mit dem Paketmanager RPMDrake nachinstallieren.

Verbinden Sie eine usb-storage-Kamera über den USB-Anschluss mit Ihrem PC, hängt der weitere Fortgang von Ihrer Distribution ab. Unter SuSE Linux öffnet sich ein Fenster, das selbständig eine neue externe Festplatte erkennt und anbietet, das entsprechende Verzeichnis zu öffnen. Ob es sich um eine Kamera oder ein anderes USB-Speichermedium handelt erkennt SuSE nicht, da wie oben beschrieben all diese Geräte dasselbe Protokoll verwenden. Mandrake Linux und Fedora Core 2 erledigen das Einbinden nicht automatisch. Hier ist manuelle Nachhilfe nötig [3], [4].

Die Alternative zum Zugriff per Dateimanager bilden Spezialprogramme wie die zuständige KDE-Standardapplikation DigiKam [3] (Abbildung 2).

Abb. 2: DigiKam ist die KDE-Standardanwendung zum Zugriff auf Digitalkameras.

Was und warum?

Da es mehrere Möglichkeiten zum Zugriff auf Digitalkameras gibt, stellt sich die Frage, welche sich am besten zu welchem Zweck eignet. Am einfachsten ist es sicherlich, die Bilder mit dem Datei-Browser zu behandeln. Dabei tauchen allerdings zwei Probleme auf: Bei USB-Speicher-Kameras funktioniert das Einbinden nur unter SuSE Linux automatisch; um manuelle Integration solcher Fotoapparate kommt man mit den anderen Distributionen nicht herum.

Die von GPhoto unterstützten PtP-Kameras oder solche mit eigenem Kommunikationsprotokoll lassen sich ebenfalls direkt mit dem KDE-Dateimanager über die Adresse camera:/ ansteuern. Dabei ist Konqueror aber auf die automatische Erkennung angewiesen; funktioniert sie nicht, haben Sie hier nicht die Gelegenheit, das richtige Modell selbst anzugeben.

Als Alternativen gibt es bei jeder Distribution spezialisierte Programm wie Gtkam oder DigiKam. Auch sie greifen auf die Funktionen von GPhoto oder bei USB-Speichermedien auf die des Linux-Kernels zurück. Die Bedienoberfläche lässt den Unterschied dabei aber verschwinden: Unter DigiKam erhält man beim Hinzufügen einer Kamera eine Liste der von GPhoto unterstützten Modelle sowie den Eintrag USB Mass Storage für das USB-Speichermedienprotokoll (Abbildung 3).

Abb. 3: DigiKam bietet eine Liste sämtlicher unterstützter Kameras zur manuellen Auswahl.

Des Weiteren bietet DigiKam den Vorteil einer Bildverwaltung; zwar bietet auch Konqueror nützliche Funktionen wie eine Vorschau an, aber beispielsweise sortiert DigiKam die von der Kamera heruntergeladenen Bilder auf Wunsch in Alben ein.

Was kaufen?

Wer sich eine neue Digitalkamera zulegen möchte, sollte also vor Allem darauf achten, dass sie sich an einen der beiden Standards usb-storage oder PtP hält. Das garantiert nicht nur, dass sie sich unter Linux nutzen lässt, auch auf fremden Rechnern mit anderen Betriebssystemen kommt man an seine Bilder, ohne die Treiber-CD mit sich herumtragen zu müssen.

Leider enthalten die meisten Hersteller auf der Packung ihren potentiellen Kunden diese technischen Details vor. Eine Überprüfung auf [2] verrät, ob GPhoto die betreffende Kamera unterstützt; diese Homepage führt keine usb-storage-Modelle auf.

Häufig hilft auch eine Interpretation der Herstellerangaben weiter: Steht auf einer Packung, das Gerät funktioniere unter Windows 2000 und Windows XP ohne zusätzliche Treiber, handelt es sich wahrscheinlich um eine usb-storage-Kamera. Diese Betriebssysteme beherrschen dieses Protokoll nämlich ebenfalls.

Spricht der Hersteller allerdings nur von einer treiberlosen Unterstützung unter Windows XP, weist das auf eine PtP-Kamera hin, denn Windows 2000 spricht dieses Protokoll im Gegensatz zu Windows XP nicht. Leider sind auch diese Angaben nicht in jedem Fall zuverlässig, aber treiberloses Funktionieren unter Windows verspricht sehr gute Chancen, dass die Kamera auch unter Linux läuft. (csc)

Infos
[1] http://gphoto.sourceforge.net/
[2] http://gphoto.org/proj/libgphoto2/support.php
[3] Andrea Müller: "Sag's mit Bildern", EasyLinux 06/2004, http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/06/038-Digikam
[4] Andrea Müller: "Bitte recht freundlich!", EasyLinux 07/2003, http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2003/07/026-digitalkameras

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