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Erschienen in EasyLinux 10/2004   »   Ausgabe bestellen

Know-how für die Kommandozeile

Shell-Tipps

von Andrea Müller


Mit dem Universalgenie Kommandozeile erledigen Sie viele Dinge schneller als mit grafischen Programmen. Diesen Monat verraten wir unter anderem, wie Sie Archive in einen frei wählbaren Ordner entpacken und Konfigurationsprogramme der Distributionen ohne Umweg über das Menü starten.

Zielverzeichnis beim Entpacken angeben

Entpacken Sie .tar.gz-Archive auf der Kommandozeile [1] mit dem Befehl

tar -xzf archiv.tar.gz

landet deren Inhalt immer im aktuellen Arbeitsverzeichnis. Hätten Sie die enthaltenen Dateien lieber woanders, z. B. im temporären Verzeichnis /tmp/, müssen Sie nicht erst dorthin wechseln. Der Parameter -C, gefolgt vom Zielordner, ist das Kommandozeilenäquvivalent zum "Entpacke nach"-Button grafischer Packprogramme.

tar -xzf archiv.tar.gz -C /tmp/

befördert den Inhalt von archiv.tar.gz in das Verzeichnis /tmp/.

Dateien nach Änderungsdatum sortiert auflisten

Um herauszufinden, welche Datei in einem Verzeichnis Sie zuletzt geändert haben, müssen Sie sich nicht durch die gesamte Ausgabe von ls -l kämpfen. Das Programm zum Auflisten hält Parameter bereit, die Ihnen die Suche nach dem zuletzt geänderten Dokument erleichtern. Wer sich in der deutschen Fernsehlandschaft nur ein wenig auskennt, merkt sich den passenden Befehl besonders leicht:

ls -rtl

zeigt eine ausführliche Dateiliste mit Datum an. Dafür sorgt der Parameter l. t bewirkt, dass ls die Dateien nach Änderungsdatum sortiert, und das r (für reverse=umgekehrt) kehrt die Sortierreihenfolge um. So zeigt ls die zuletzt geänderten Dateien am Ende der Ausgabe an (Abbildung 1), und Sie müssen bei gut gefüllten Ordnern nicht hochscrollen, um zu finden, was Sie interessiert.

Abb. 1: Mit den Parametern "r", "t" und "l" sortiert "ls" Dateien nach dem Änderungsdatum.

Fedora-Konfigurations-Tools auf Kommando

Im Gegensatz zu Mandrake und SuSE Linux bringt Fedora Core 2 kein zentrales Konfigurationsprogramm mit. Die einzelnen Werkzeuge finden Sie zum größten Teil unter dem Punkt Systemeinstellungen des K-Menüs. Sie können die Anwendungen jedoch auch aus einem Kommandozeilenfenster heraus aufrufen. Die Namen der Einrichtungswerkzeuge beginnen alle mit system-config-. Geben Sie system-c ein und drücken Sie [Tab], um eine vollständige Liste der Programme anzuzeigen. Die meisten Namen sind selbsterklärend: So startet etwa system-config-network den Assistenten zur Netzwerkeinrichtung. Einen schnellen Überblick über die wichtigsten Assistenten bietet die Tabelle Konfigurations-Tools von Fedora Core 2.

Konfigurations-Tools von Fedora Core 2
ProgrammFunktion
system-config-networkNetzwerk und Internet-Verbindungen konfigurieren
system-config-dateDatum und Uhrzeit ändern
system-config-displayMonitor, Grafikkarte und Bildschirmeinstellungen anpassen
system-config-mouseMausmodell auswählen
system-config-packagesPakete von der Installations-DVD nachinstallieren
system-config-printerDrucker einrichten
system-config-rootpasswordAdministratorpasswort ändern
system-config-securitylevelSicherheitseinstellungen und Firewall konfigurieren
system-config-servicesAutomatisch startende Dienste festlegen
system-config-usersBenutzerverwaltung

Sobald Sie eine der Anwendungen starten, erfragt Fedora Core 2 das Administratorpasswort, da nur Root systemweite Einstellungen ändern darf.

Konsolenfenster leeren

Mit dem Befehl clear oder der Tastenkombination [Strg-L] löschen Sie den gesamten Text, der in einem Kommandozeilenfenster steht. Das Konsolenfenster sieht dann wieder aus wie direkt nach dem Start. Mit den Scroll-Balken oder [Umschalt-Bild hoch] gelangen Sie trotzdem noch zu den vorherigen Ein- und Ausgaben.

Befinden Sie sich im Textmodus funktioniert das ebenfalls(eine Textkonsole erreichen Sie über die Tastenkombinationen [Strg-Alt-F1] bis [Strg-Alt-F6], zurück zur grafischen Oberfläche kommen Sie mit [Alt-F7]). Dort werden Sie die vorherigen Ausgaben komplett los. Geben Sie clear ein und wechseln Sie beispielsweise mit [Strg-Alt-F5] zur Textkonsole Nummer 5. Kehren Sie direkt mit [Strg-Alt-X] zum Textbildschirm zurück, auf dem Sie clear eingegeben haben. Das X ersetzen Sie durch die Funktionstaste mit der Nummer der vorigen Konsole, z. B. durch [F1], wenn Sie den Inhalt von Konsole Nummer 1 gelöscht haben. Der Verlaufsspeicher dieses Textbildschirms ist inzwischen geleert, und auch [Umschalt-Bild hoch] zeigt die zuvor eingegebenen Befehle und deren Ausgabe nicht mehr an.

Konsolen wechseln unter Mandrake Linux

Für den Textmodus hat Mandrake Linux zwei besonders praktische Shortcuts definiert, die zwischen den Konsolen wechseln: Sind Sie mit [Strg-Alt-F1] auf den ersten Textbildschirm gewechselt, bringt Sie ein Druck auf die rechte Windows-Taste umgehend zur nächsten Konsole, in unserem Beispiel zur Nummer 2. Zurück geht es ebenso fix: Mit der linken Windows-Taste springen Sie einen Textbildschirm zurück, etwa zur Nummer 4, wenn Sie die linke Windows-Taste auf Konsole Nummer 5 drücken.

Auf dem ersten Textbildschirm bringt Sie ein Druck auf die linke Windows-Taste zurück zur grafischen Oberfläche, die auf Konsole Nummer 7 läuft. Wollen Sie von KDE aus wieder auf eine Textkonsole, funktioniert der schnelle Wechsel über die Windows-Tasten nicht: Von dort kommen Sie nur mit einer der Tastenkombinationen von [Strg-Alt-F1] bis [Strg-Alt-F7] in den Textmodus.

less unter Mandrake Linux

Mandrake-Linux-Nutzer erwartet eine Überraschung, wenn sie mit less einen Blick in eine HTML-Datei werfen wollen: Anstatt den HTML-Quelltext anzuzeigen, ruft less den Text-Browser lynx auf, der die Seite in der HTML-Ansicht darstellt (Abbildung 2).

Abb. 2: Eine mit "less" aufgerufene HTML-Datei leitet das Programm automatisch an den Browser "lynx" weiter.

Schuld ist das Skript /usr/bin/lesspipe.sh, dem less die zu öffnende Datei übergibt. Anhand der Dateiendung .html entscheidet lesspipe.sh, die Datei an den Browser lynx weiterzuleiten. Oft will man jedoch eine HTML-Datei mit less anzeigen, um einen Blick in den Quelltext zu werfen. Dafür gibt es unter Mandrake Linux zwei Lösungen, von denen less die erste sogar selbst verrät: Über der in lynx geöffneten Datei steht der Hinweis append : to filename to view the HTML source. (Hängen Sie : an den Dateinamen an, um den Quelltext zu sehen.) Mit dem Befehl

less index.html:

zeigen Sie den Quell-Code der Datei index.html an. Zwischen dem Dateinamen und dem Doppelpunkt darf dabei kein Leerzeichen stehen.

Wollen Sie viele HTML-Dokumente ansehen, ist die Lösung nicht ideal, da man den Doppelpunkt allzu leicht vergisst. In dem Fall sorgen Sie dafür, dass less die zu öffnenden Dateien nicht an das Skript lesspipe.sh übergibt. Das macht das Anzeigeprogramm nur, wenn die Umgebungsvariable LESSOPEN gesetzt ist. Mit

echo $LESSOPEN

sehen Sie, dass die Variable auf |/usr/bin/lesspipe.sh %s zeigt. Das %s ist dabei ein Platzhalter für den Dateinamen, den Sie less übergeben. Ist die Variable nicht gesetzt, zeigt less alle Dateien an, ohne sie an externe Programme weiterzuleiten. Für das aktuelle Konsolenfenster löschen Sie die Umgebungsvariable mit dem Kommando

unset LESSOPEN

Ein erneut aufgerufenes echo $LESSOPEN zeigt den Erfolg der Aktion (Abbildung 3).

Abb. 3: Mit dem Kommando "unset LESSOPEN" löschen Sie die Umgebungsvariable, die auf das Skript "/usr/bin/lesspipe.sh" zeigt.

Rufen Sie nun less index.html auf, zeigt die Anwendung den HTML-Quelltext an.

Einzelne YaST-Module starten

Die SuSE-Systemverwaltung YaST (Abkürzung für Yet another Setup Tool) bietet für fast jede administrative Aufgabe das passende Werkzeug. YaST startet jedoch recht langsam, und man braucht einige Zeit, um sich zur richtigen Eingabemaske durchzuklicken. Viel schneller geht es, wenn Sie nur das passende Modul über die Kommandozeile starten. Der Aufruf hat die Form

/sbin/yast2 modulname

Wie die einzelnen Module heißen, erfahren Sie mit dem Kommando

/sbin/yast2 -l | less

Dadurch, dass Sie die Ausgabe an less weiterleiten, können Sie bequem mit [Bild auf] und [Bild ab] in der Liste blättern. Um ein einzelnes Modul zu starten, setzen Sie kdesu vor den Befehl, damit KDE vor dem Start des Konfigurationswerkzeuges nach dem Root-Passwort fragt. Vergessen Sie das, starten die YaST-Module zwar, aber Sie können nichts an der Konfiguration ändern. Manche, wie etwa disk, das Ihnen beim Verwalten der Festplatten unter die Arme greift, präsentieren Ihnen sogar nur ein leeres Fenster.

Um die YaST-Komponenten mit Root-Rechten aufzurufen, lautet der richtige Befehl:

kdesu /sbin/yast2 modulname

Das Modul zum Hinzufügen und Entfernen von Programmen rufen Sie beispielsweise mit dem Kommando kdesu /sbin/yast2 sw_single auf. In der Tabelle YaST-Module finden Sie die Namen und Funktionen der Tools, die man am häufigsten benötigt. (amü)

YaST-Module
ModulFunktion
sw_singleSoftware nachinstallieren oder löschen
diskFestplatten verwalten
dslDSL-Verbindung konfigurieren
idedmaDMA-Modus für Festplatten und CD-Laufwerke aktivieren
isdnISDN-Verbindung konfigurieren
lanLokales Netzwerk einrichten
modemInternet-Zugang über Modem konfigurieren
languageSpracheinstellungen ändern
hwinfoHardware-Informationen anzeigen
printerDrucker einrichten
online_updateIm Internet nach Updates suchen
sysconfigEditor für Dateien im Ordner /etc/sysconfig
usersBenutzer anlegen oder löschen
Infos
[1] Heike Jurzik: "Komprimierkünstler", EasyLinux 07/2004, S. 84 ff., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/07/084-guru-tar/

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