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Erschienen in EasyLinux 11/2004   »   Ausgabe bestellen

Distributionen benutzerdefiniert installieren

Linux-Installation nach Maß

von Andrea Müller


Nicht nur im täglichen Betrieb, sondern schon bei der Installation gibt sich Linux vielseitig. Ob Sie die Partitionierung anpassen, Software aus- oder abwählen oder der Hardware Beine machen wollen: mit den modernen Installationsroutinen ist das kein Problem.

Die Installation einer Linux-Distribution gestaltet sich heute so einfach wie die von Windows: Übernimmt man die Vorgaben der Installationsroutine, hat man nach nur einer Stunde und wenigen Mausklicks ein lauffähiges Linux auf der Platte. Die Arbeit beginnt meistens danach, wenn man feststellt, dass viele nützliche Programme fehlen oder der Installer ganz unbescheiden zu viel Platz von der Windows-Partition abgeschnitten hat. Fehlende Programme lassen sich mit ein wenig Zeitaufwand nachinstallieren, sagt Ihnen jedoch die Partitionierung nicht zu, steht meistens eine Neuinstallation an. Solchen Ärger und Zeitaufwand ersparen Sie sich mit einer benutzerdefinierten Installation.

Jeder Installer bietet die Option, einzelne Pakete auszuwählen und die Partitionierung nach eigenen Wünschen zu gestalten. Abhängig von der Distribution gibt es noch einige weitere Schräubchen, an denen es sich zu drehen lohnt. Selbst wenn Sie einmal die Bedeutung eines Fachbegriffs nicht kennen, lässt Linux Sie nicht im Stich. Die Installationsroutinen bringen ein eigenes Hilfesystem mit, das die einzelnen Menüpunkte ausführlich erklärt. Sind Sie sich trotz der Online-Hilfe unsicher, belassen Sie es einfach bei den Vorgaben: Anders als früher sind Sie bei einer benutzerdefinierten Installation nicht gezwungen, alles selbst zu entscheiden -- treffen Sie keine eigene Auswahl, bekommen Sie dasselbe Ergebnis wie bei einer Standardinstallation.

Wir werfen einen Blick auf die Installation aller von EasyLinux unterstützten Distributionen. Dabei ersetzt dieser Artikel nicht die Installationsanleitungen unserer Starterkits; er dient vielmehr als eine Ergänzung für alle, die wissen wollen wie sie Linux von Anfang an nach ihren Wünschen einrichten und welche Optionen besonders praktisch sind. Damit jeder sofort findet, was ihn interessiert, teilen wir den Artikel nach den einzelnen Distributionen auf. Den Anfang mach Mandrake Linux 9.2, danach folgen SuSE Linux und Fedora Core 2.

Warnung: Gefahr für Windows

Ein Fehler im Partitionierungsprogramm parted kann dazu führen, dass Windows nicht mehr bootet, wenn Sie die Festplatte bei der Installation von Fedora Core 2 oder SuSE Linux 9.1 partitionieren.

Die Distributionen halten inzwischen aktualisierte Boot-Disketten und Anleitungen bereit, mit denen Sie das Problem umgehen. Weitere Informationen mit Links zu den Distributions-Updates finden Sie unter [1].

Mandrake Linux spielt auf

Obwohl heutzutage eine Linux-Installation meistens problemlos verläuft kommt es vor, dass ein System beim Start hängenbleibt. Besonders oft sind moderne Notebooks betroffen. Nicht bei allen Modellen funktioniert ACPI, das das ältere APM (Advanced Power Management) zum Energie sparen abgelöst hat. Ganz zu Beginn der Installation, noch im Willkommensbildschirm, können Sie ACPI deaktivieren, wenn der normale Systemstart nicht klappt.

Das geht, indem Sie zuerst mit [F1] zum Optionsbildschirm wechseln (zurück zum grafischen Begrüßungsbildschirm gelangen Sie mit Druck auf [F3]). Dort geben Sie den Namen des zu bootenden Kernel-Images (linux) und dahinter einen so genannten Kernel-Parameter ein. Mit

linux acpi=off

deaktivieren Sie ACPI. Startet das System trotzdem nicht, versuchen Sie es mit

linux acpi=off noapic

Da Linux zu Beginn der Installation noch mit der amerikanischen Tastaturbelegung arbeitet, drücken Sie ['], um das Geleichheitszeichen (=) zu erhalten. Die richtige Taste liegt links neben [Rückschritt]. Der Text erscheint am unteren Bildschirmrand hinter boot:.

Hat der Installer Probleme mit Ihrer Grafikkarte, so dass Sie vor Monitorflimmern nichts sehen oder der grafische Modus gar nicht startet, geben Sie

vgalo

ein. Mandrake stellt ein Installations-Image dieses Namens bereit, das den Instaler in einer Bildschirmauflösung von 640x480 startet. Das sollte auf nahezu jedem Rechner funktionieren. Hilft das nicht, bleibt immer noch die Installation im Textmodus. Sie erreichen sie, wenn Sie

text

eingeben. Hinter vgalo und text dürfen Sie ebenfalls Kernel-Parameter schreiben. So startet vgalo acpi=off das System mit deaktiviertem ACPI und einer niedrigen Bildschirmauflösung. Haben Sie die gewünschte Option eingetippt, beginnt die Installation nach einem Druck auf [Eingabe].

Partitionen selbst anlegen

Nachdem Sie Maustyp, Sprache und Tastatur-Layout konfiguriert haben, geht es mit der Partitionierung weiter. Standardmäßig entscheidet der Installer, wieviel Platz er von bestehenden Windows-Partitionen abzweigt. Um die Kontrolle nicht aus der Hand zu geben, aktivieren Sie die Option Benutzerdefinierte Partitionierung (Abbildung 1).

Abb. 1: Unter Mandrake Linux legen Sie mit dieser Option selbst die Linux-Partitionen an.
  1. Im Programm DiskDrake, das die Festplatte aufteilt, sehen Sie oben eine grafische Darstellung der bestehenden Partitionen. Die, auf denen Windows liegt sind blau. Sobald Sie eine mit der Maus markieren, zeigt der Partitionierer in der rechten Fensterhälfte zusätzliche Informationen an, unter anderem das Dateisystem, die Größe und einen (geratenen) DOS Laufwerksbuchstaben. Bei Windows 95/98//ME liegt DiskDrake mit seiner Vermutung oft richtig, bei Windows 2000 oder XP jedoch nicht, da Sie dort den Partitionen eigene Laufwerksbuchstaben zuweisen können. Verlassen Sie sich also auf die Größe, wenn es darum geht die Partition auszuwählen, die Sie verkleinern wollen.
  1. Klicken Sie bei markierter Windows-Partition auf Größe verändern. Mit einem Schieberegler reduzieren Sie die Größe und schaffen so freien Platz für Linux. 4 GByte sollten Sie Mandrake Linux mindestens gönnen, mehr ist natürlich besser: Eine Standardinstallation benötigt zwar nicht mal 1,3 GByte, aber es gibt viele interessante Programme für Linux und die eigenen Dateien, wie eine MP3-Sammlung, benötigen ebenfalls viel Platz.

  1. Zurück in der Partitionsübersicht markieren Sie den freigewordenen Platz, den DiskDrake hellgrau darstellt. Klicken Sie auf Erzeugen.
  1. Im Dialog zum Partitionen anlegen, stellen Sie zuerst die Größe für die Systempartition in Megabyte ein. Den richtigen Einhängepunkt (/) hat der Installer schon eingetragen. Räumen Sie der Partition nicht den gesamten freien Platz ein, sondern lassen Sie 250-500 MByte für die so genannte Swap-Partition frei. Dorthin lagert Linux Speicherinhalte aus, die nicht mehr in den virtuellen Arbeitsspeicher passen. Bestätigen Sie die neue Größe mit der OK-Schaltfläche.
  1. Markieren Sie in der Übersicht den noch freien Platz und klicken Sie wieder auf Erzeugen.
  1. Im Feld Dateisystemtyp ist Linux swap die richtige Wahl für die Auslagerungspartition. Stellen Sie mit dem Schieberegler eine Größe zwischen 250 und 500 MByte ein. Bei der heutigen RAM-Ausstattung reicht das für die meisten Desktop-Systeme aus. Ok bringt Sie zurück zum Hauptfenster von DiskDrake.
  1. Versichern Sie sich noch einmal, ob Sie tatsächlich die richtige Windows-Partition zum Verkleinern vorgemerkt haben und klicken Sie auf Fertig. Im folgenden Bildschirm zeigt Mandrake Linux die Liste der Partitionen, die es formatieren wird. Sind Sie wie hier beschrieben vorgegangen, sollten dort zwei Partitionen stehen: die System- und die Swap-Partition. Sobald Sie in dieser Übersicht auf Weiter klicken, legt der Installer die Linux-Dateisysteme an.

Qual der Wahl

Direkt danach geht es zur Paketauswahl. Mandrake Linux 9.2 ist sehr konservativ und spielt standardmäßig nur relativ wenig Software ein. So fehlen viele Pakete, die zu einem kompletten KDE dazugehören, z. B. einige Grafikprogramme der Desktop-Umgebung. Kreuzen Sie erst in der Gruppenübersicht (Abbildung 2) alles an, was Ihnen gefällt. Interessant für einen Arbeitsplatzrechner sind Multimedia-Station und Spiele-Station. Falls Sie auch einmal die GNOME-Oberfläche ausprobieren wollen, kreuzen Sie zusätzlich Gnome-Arbeitsplatz an. Setzen Sie danach einen Haken vor Individuelle Paketauswahl und klicken Sie auf Weiter. Im nächsten Bildschirm listet der Installer alle Pakete der DVD in Gruppen unterteilt auf. Klicken Sie etwa auf die Dropdown-Pfeile vor Grafische Arbeitsoberfläche / KDE-Arbeitsplatz, um alle Pakete dieser Gruppe anzuzeigen. Wenn Sie eins markieren, blendet Linux eine Beschreibung und die Größe des Pakets in der rechten Fensterhälfte ein (Abbildung 3).

Abb. 2: In der Gruppenliste treffen Sie eine grobe Vorauswahl für die Installation.

Abb. 3: Mit der "individuellen Paketauswahl" markieren Sie unter Mandrake Linux zusätzliche Programme zur Installation..

Benötigt ein Programm weitere Software, meldet sich der Installer mit einer Dialogbox zu Wort, die Sie informiert, was er zusätzlich einspielt. Bestätigen Sie die Information mit Klick auf OK.

Der Browser Mozilla landet bei Mandrake Linux nicht standardmäßig auf der Festplatte. Um ein Paket zu finden, dessen Name Sie kennen, müssen Sie sich nicht durch alle Gruppen kämpfen. Klicken Sie in der Icon-Leiste auf das dritte Symbol von links: Dann sehen Sie alle Pakete alphabetisch sortiert. Scrollen Sie jetzt beispielsweise bis zum Eintrag mozilla und markieren Sie es. Um auch das integrierte Mail-Programm zu nutzen, wählen Sie zusätzlich mozilla-mail aus. Fügen Sie eine Anwendung zur Auswahl hinzu, aktualisiert Mandrake Linux automatisch die Größenangabe unter der rechten Fensterhälfte. Mit einem Klick auf Installation starten Sie das Kopieren der Pakete.

Systemstart konfigurieren

Nachdem Sie ein Administrator-Passwort bestimmt und einen normalen Nutzer angelegt haben, richtet Mandrake Linux den Boot-Manager Lilo ein. Standardmäßig installiert es ihn im MBR der Festplatte. Wer das vorsichtshalber erst einmal nicht mag, schreibt Lilo einfach auf eine Diskette. Suchen Sie dazu hinter Boot-Gerät /dev/fd0 aus. So nennt Linux die Gerätedatei, die für ihr Diskettenlaufwerk steht. Legen Sie eine leere Diskette ein: Mandrake Linux fordert sie nicht an und meldet einen Fehler, wenn keine im Laufwerk liegt.

Konnten Sie das System nur mit der Boot-Option noapic starten, setzen Sie hier ein Häkchen vor "No APIC" erzwingen, damit der richtige Parameter in der Konfigurationsdatei des Boot-Managers landet (Abbildung 4).

Abb. 4: Bei der Konfiguration von Lilo stellen Sie unter Mandrake Linux die Boot-Parameter ein.

Nach einem Klick auf Weiter zeigt Mandrake Linux alle Einträge des Boot-Menüs an. Installieren Sie Lilo in den MBR der Platte, können Sie das Standardsystem von linux auf windows ändern. Doppelklicken Sie dazu windows und aktivieren Sie in der nächsten Dialogbox den Punkt Standard. In der Übersicht erkennen Sie an dem Sternchen, welches das Standardsystem ist (Abbildung 5). Lilo blendet dann bei jedem Systemstart zehn Sekunden das Auswahlmenü ein und bootet danach automatisch Windows.

Abb. 5: Mit dieser Konfiguration startet der Mandrake-Linux-Lilo automatisch Windows.

SuSE Linux: Zuverlässig und bewährt

Das Installationsprogramm der Distribution aus Nürnberg ist übersichtlich aufgebaut und seit mehreren Versionen beständig -- wer schon einmal SuSE Linux 8.1 installiert hat, findet sich auch im identisch aufgebauten Installer der Version 9.1 sofort zurecht. Mit Optionsarmut geht die aufgeräumte Optik nicht einher: SuSE Linux erlaubt Ihnen, nahezu jeden Installationsschritt selbst zu gestalten.

Guter Start

Gerade bei modernen Notebooks macht das ACPI-Powermanagement unter Linux oft Probleme. Im schlimmsten Fall weigert sich ein System gar zu booten. SuSE Linux bietet daher ganz zu Beginn der Installation ein grafisches Auswahlmenü mit den Optionen Installation -- ACPI disabled und Installation -- Safe Settings. Wählen Sie einen der Einträge mit den Pfeiltasten aus, um die Installation mit so genannten Kernel-Parametern zu starten, die ACPI abschalten oder zusätzlich den DMA-Modus der Festplatte deaktivieren. Welche Optionen SuSE Linux dem Kernel dabei übergibt, sehen Sie in der am unteren Bildschirmrand liegenden Eingabezeile. Nehmen Sie sich die Zeit, sie abzuschreiben: Wenn Sie später einmal eine andere Distribution ausprobieren, die keine grafische Auswahl für diese Optionen mitbringt, haben Sie die richtigen Parameter parat. Praktischerweise merkt sich SuSE Linux, was Sie hier auswählen und trägt die entsprechenden Kernel-Parameter in die Konfigurationsdatei des Boot-Managers ein.

Besitzen Sie sehr exotische Hardware, die eine andere Start-Option benötigt (oft liefert eine Newsgroup-Suche unter [2] den richtigen Hinweis), können Sie sie ebenfalls dem Kernel übergeben. Damit alle Zeichen auf der Tastatur am gewohnten Platz liegen, schalten Sie gleich nach dem Booten die Tastaturbelegung von amerikanisch auf deutsch um. Drücken Sie dazu im Willkommensbildschirm mit der Installationsauswahl [F4]. Im aufklappenden Menü navigieren Sie mit [Pfeil hoch] bis zum Eintrag Deutsch und drücken [Eingabe]. Danach arbeiten Sie von Beginn an mit deutschem Tastatur-Layout. Außerdem präsentiert SuSE Linux einen Auswahlbildschirm mit deutschen Menüeinträgen. Um selbst eine Boot-Option einzugeben, tippen Sie sie ein. Der Text steht in der Eingabezeile am unteren Bildschirmrand unter Bootoptionen.

Klappt die Installation trotz deaktiviertem ACPI nicht, sollten Sie ebenfalls im Auswahlbildschirm [F5] drücken und aus dem ausklappenden Menü Verbose (verbose=geschwätzig) wählen. Das System bootet dann nicht mit dem grafischem Boot-Logo, sondern zeigt alle Kernel-Meldungen an. Bleibt es hängen, notieren Sie die letzten Zeilen, um sie einem Support-Mitarbeiter zu übermitteln oder selbst auf den Web-Seiten des Distributors zu recherchieren. Die Kernel-Meldungen lassen sich zwar während des Startvorgangs jederzeit mit Druck auf [F2] einblenden, sobald das System nicht mehr reagiert, ist es dafür jedoch zu spät. Sie müssen keine Angst haben, sich plötzlich im Textmodus wiederzufinden: Hat der Kernel alle Treiber geladen, geht es grafisch weiter.

Eine Installation im Textmodus ist bei modernen Distributionen nahezu nie nötig. Haben Sie eine Grafikkarte, die SuSE Linux nicht erkennt, drücken Sie im Auswahlbildschirm [F2], um die Bildschirmauflösung selbst festzulegen. Mit konservativen Werten, wie 800x600 oder 640x480 ist auf fast jedem System ein grafischer Start möglich. Erst wenn alle Stricke reißen und der Monitor nur flimmert, sollten Sie Text Mode auswählen.

Los geht's

Nachdem Sie das Tastatur-Layout gewählt haben, überprüft SuSE Linux die Hardware und zeigt einen Installationsvorschlag an (Abbildung 6). Mit einem Klick auf eine der unterstrichenen Rubriken starten Sie das passende YaST-Modul. Interessant ist vor allem die Partitionierung. Gibt es bislang nur eine Windows-Installation, überprüft YaST, wieviel Platz davon belegt ist und schlägt vor, sie zu verkleinern -- manchmal um mehr GByte, als man selbst von seinem Windows-System hergeben will. Das passen Sie schnell an:

Abb. 6: Mit Klick auf die Überschriften, passen Sie die Vorschläge von YaST an.
  1. Klicken Sie auf Partitionierung. Im nächsten Fenster aktivieren Sie die Option Partitionen nach eigenen Vorstellungen anlegen. Übder die Schaltfläche Weiter gelangen Sie zur nächsten Abfrage. Setzen Sie ein Häkchen vor Erweiterte Einstellungen, manuelle Aufteilung (Partitionierung), um das passende YaST-Modul zu starten.

  1. Markieren Sie die Windows-Partition, deren Größe Sie ändern wollen. Sie erkennen Sie am Eintrag FAT32 oder NTFS/HPFS in der Spalte Typ. Haben Sie mehrere Windows-Partitionen, hilft ein Blick in die Spalte Größe, die richtige zu finden. Klicken Sie nun auf Größe ändern.
  1. Im folgenden Fenster präsentiert YaST einen Schieberegler, mit dem Sie die Partition auf die gewünschte Größe zurechtstutzen. Das Diagramm Nach der Installation zeigt an, wieviel freien Plattenplatz Sie gewinnen. Eine Standardinstallation benötigt ungefähr 1,8 GByte Festplattenplatz. Um Linux auszuprobieren reichen 4 GByte, wollen Sie jedoch Platz für zusätzliche Programme und eigene Dateien haben, sollten Sie nicht allzu knausrig sein und Linux mindestens 7 Gbyte spendieren.

  1. Klicken Sie auf Ok, sobald Sie zufrieden sind. YaST ändert die Größe der Partition erst dann, wenn Sie alle Einstellungen im letzten Dialog der Installation bestätigt haben.
  1. Die Größe der Windows-Partition hat sich in der Übersicht (aber noch nicht auf der Festplatte) schon geändert. Klicken Sie jetzt direkt auf Anlegen. YaST schlägt vor, auf dem gesamten freien Platz die Root-Partition einzurichten. Übernehmen Sie alle Einstellungen, außer der Größe -- neben der Systempartition braucht Linux auch eine weitere als Swap-Bereich. Er erfüllt die gleiche Aufgabe wie die Auslagerungsdatei unter Windows: Dorthin lagert das System Daten aus, die nicht in den Arbeitsspeicher passen. Was Sie in das Feld Ende eintragen, hängt davon ab, wieviel Platz Sie freigeschaufelt haben. Sind z. B. 8 Gbyte frei, schreiben Sie +7.5GB in die Eingabezeile unter Ende. So bleiben noch ca. 500 MByte Platz für die Swap-Partition. Früher, als PCs 32-128 MByte Arbeitsspeicher hatten, galt die Faustregel, man solle doppelt so viel Swap wie RAM anlegen. Das ist bei der Speicherausstattung moderner Rechner überholt: 500 MByte reichen für normale Desktop-Systeme aus.

  1. Bestätigen Sie die Größe mit Ok und klicken Sie erneut auf Anlegen. YaST benutzt wieder den noch übrigen unpartitionierten Platz, in unserem Beispiel ungefähr 500 MByte, als Vorgabegröße. Klicken Sie auf das Dropdown-Feld unter Dateisystem und markieren Sie den Eintrag Swap. YaST erkennt, dass es sich um die Auslagerungspartition handelt und passt die anderen Werte automatisch an. Klicken Sie nun auf Ok.
  1. In der Übersicht kontrollieren Sie alle Angaben. Bei genau zwei Partitionen, der System- und der Swap-Partition sollte in der Spalte F ein F stehen. Das bedeutet, dass YaST sie formatieren, also ein Linux-Dateisystem darauf anlegen wird. Mit einem Klick auf Weiter gelangen Sie zurück zur Übersicht. Bis Sie dort auf Übernehmen klicken, ändert YaST nichts an der Festplatte.

So viel Software

Weniger heikel ist die Auswahl zusätzlicher Programme. Klicken Sie auf Software-Auswahl und markieren Sie danach die Erweiterte Auswahl. Alle Pakete, die zu einem Standard-System gehören, hat SuSE Linux schon vorgemerkt. Die Anzeige links unten stellt den benötigten und freien Platz als Balkengrafik dar (Abbildung 7). Zunächst kreuzen Sie Automatische Überprüfung an. Wählen Sie ein zusätzliches Paket aus, markiert YaST alle anderen Anwendungen und Bibliotheken, die die Software benötigt. Dank der Gruppen auf der linken Seite finden Sie schnell die Software, die Sie interessiert. Markieren Sie beispielsweise Multimedia. Im Paketfenster stehen jetzt alle Anwendungen, die unter diese Kategorie fallen. Sobald Sie eines anklicken, erscheint unten rechts eine Beschreibung des Inhalts (leider oft in englisch). Eilige kreuzen einfach alle gewünschten Paketgruppen im linken Fenster an. Dafür brauchen Sie jedoch viel Festplattenplatz: Die Installation aller Programme des GNOME-Desktops schlägt beispielsweise mit über 300 MByte zu Buche.

Wer keine Muße hat, alle Pakete zu durchforsten und nur auf der Suche nach einem einzelnen Programm ist, stellt im Filter-Menü Suche ein. So gehört der Browser Mozilla nicht zum Umfang einer Standardinstallation. Der Suchbegriff mozilla fischt im Handumdrehen das richtige Päckchen heraus. Wer mit Mozilla nicht nur das Internet erkunden, sondern auch E-Mails verschicken will, markiert aus der Trefferliste zusätzlich das Paket mozilla-mail. Ein Häkchen vor mozilla-deat bringt der Browser-Suite Deutsch bei (Abbildung 8). Der Übernehmen-Button bringt Sie zurück zur Übersicht.

Abb. 7: Viel Platz für zusätzliche Pakete.

Abb. 8: Mit diesen drei Paketen surfen und mailen Sie mit einem deutschsprachigen Mozilla.

Booten von Diskette

Ist es Ihnen nicht geheuer, den Linux-Boot-Manager in den MBR der Festplatte zu schreiben, erstellen Sie in YaST einfach eine Grub-Startdiskette. Der richtige Punkt dafür ist Systemstart. Doppelklicken Sie in diesem Modul auf Ort des Bootloaders und setzen Sie in der nächsten Dialogbox einen Haken vor Diskette /dev/fd0. YaST fordert Sie im späteren Verlauf der Installation an. Halten Sie ein leeres Exemplar bereit, da alle auf der Diskette gespeicherten Dateien verloren gehen.

Möchten Sie nicht, dass Linux das Standardsystem ist, das nach einer kurzen Wartezeit automatisch bootet, ändern Sie das ebenfalls in diesem YaST-Modul. Doppelklicken Sie dafür den Punkt Standardabschnitt und markieren Sie einen Eintrag, etwa Windows. Über die Schaltfläche Als Standard festlegen ändern Sie die Vorgabe von YaST.

Zurück in der Installationsübersicht ist jetzt die letzte Gelegenheit, es sich doch noch anders zu überlegen. Wenn Sie kalte Füße kriegen, klicken Sie auf Ändern und wählen Auf Standardwerte zurücksetzen aus dem Menü. Nach einer Sicherheitsabfrage stellt SuSE Linux alle Abschnitte auf die Vorgabe-Werte. Um Linux mit Ihren eigenen Einstellungen aufzuspielen, reicht dagegen ein Klick auf Übernehmen.

Fedora Core 2: Schlicht und funktional

Am spartanischsten präsentiert sich die Installationsroutine von Fedora Core 2. Der Anwender hat nur wenige Optionen, um das System schon bei der Installation anzupassen. Doch auch diese Einheitskost peppen Sie mit unserem Rezept ein wenig auf.

Kontrolle von Anfang an

Schon ganz zu Beginn der Installation können Sie Fedora Core 2 Boot-Optionen mitgeben. Alles, was Sie im Willkommensbildschirm eintippen, erscheint in der unten liegenden Eigabenzeile hinter boot. Spielt der Installer etwa nicht mit Ihrer Grafikkarte zusammen, setzen Sie probehalber die Auflösung herunter. Mit den Optionen linux resolution=800x600 oder linux resolution=640x480 sollte auf jedem Rechner eine grafische Installation gelingen. Da Fedora Core 2 im Willkommenbildschirm noch mit der amerikanischen Tastaturbelegung arbeitet, müssen Sie ['] eingeben, um das Gleichheitszeichen zu erhalten. Die richtige Taste liegt links neben [Rückschritt].

Bei sehr aktueller Hardware ist es oft nötig, ACPI abzuschalten. Manche Notebooks kommen mit einer fehlerhaften ACPI-Implementierung daher und weigern sich zu booten, wenn ACPI angeschaltet ist. Um es zu deaktivieren, nutzen Sie die Boot-Option linux acpi=off. linux ist der Name des zu bootenden Kernel-Images, acpi=off sorgt für einen Start ohne ACPI-Unterstützung. Hilft auch das nicht, führt eventuell eine der Optionen linux acpi=off noapic oder linux noapic zum Erfolg. Auch bei diesen Zeilen geben Sie das Gleichheitszeichen mit Druck auf ['] ein.

Startet Fedora Core 2 kurz nach dem Beginn der Installation den Rechner neu, kann das daran liegen, dass in dem Rechner das Mainboard Asus P4P800 steckt. Mit dieser Hardware kommt Fedora Core 2 gar nicht zurecht. Boot-Optionen helfen nicht weiter. Um Fedora Core 2 trotzdem zu installieren, verwenden Sie das fehlerbereinigte Boot-Image von [3] zur Installation.

Das Installationsprogramm von Fedora Core 2 heißt Anaconda und nach der Auswahl des Tastaturlayouts müssen Sie sich für einen Installationstyp entscheiden. Standardmäßig steht er auf Persönlicher Desktop. Um zumindest ein wenig Raum für freie Entscheidungen zu haben, setzen Sie hier ein Häkchen vor Benutzerdefiniert (Abbildung 9).

Abb. 9: Bei der "Benutzerdefinierten Installation" kommen Sie automatisch zur erweiteten Paketauswahl.

Verkleinerung nicht inclusive

Angst, dass Fedora Core 2 zu viel Platz von der Windows-Partition abknapst müssen Sie nicht haben. Als einzige Distribution kann Fedora Core 2 weder FAT- noch NTFS-Partitionen verkleinern. Die Installation gelingt nur dann, wenn Sie entweder freien Platz auf der Platte oder eine Partition haben, die Sie für Windows nicht benötigen. Wie Sie Fedora Core auf eine vorhandene freie Partition installieren, erklärt der Artikel unter [1]. Ebenso einfach ist es, unpartitionierten Festplattenplatz zu zu nutzen.

  1. Aktivieren Sie Manuelles Partitionieren mit Disk Druid und klicken Sie auf Weiter.
  1. Oben rechts zeigt Anaconda eine grafische Darstellung der Festplatte. Klicken Sie auf das Kästchen mit dem Text Free. Der freie Bereich ist jetzt auch in der Übersicht ausgewählt und blau hinterlegt.

  1. Klicken Sie auf Neu, um die Systempartition anzulegen. Aus dem Dropdown-Menü Mountpunkt wählen Sie / aus. Das bedeutet, dass diese Partition das Wurzelverzeichnis von Linux wird. Die Größe geben Sie in MByte an. Da eine Standardinstallation ca. 1,8 GByte belegt, sollten Sie hier mindestens 4000, also ungefähr 4 GByte eintragen. Wollen Sie viel Software ausprobieren oder Multimedia-Dateien speichern, gönnen Sie Linux ruhig 7-10 GByte. Verbraten Sie jedoch nicht den gesamten freien Platz: Das neue System braucht zusätzlich noch eine Auslagerungspartition.

  1. Mit Ok kommen Sie wieder zur Partitionsübersicht. Die Linux-Partition taucht schon in der Liste auf: Sie erkennen sie an dem Häkchen in der Spalte Formatieren.
  1. Markieren Sie wieder den als Free gekennzeichnten Platz und klicken Sie auf Neu.
  1. Jetzt legen Sie die Swap-Partition an, auf die Linux Daten auslagert wenn der Arbeitsspeicher nicht ausreicht. Stellen Sie hinter Dateisystem swap ein. Den Wert hinter Mountpunkt passt Fedora Core automatisch an. Als Größe wählen Sie einen Wert zwischen 250 umd 500.
  1. Übernehmen Sie die Einstellungen mit Ok und überprüfen Sie in der Partitionsliste, ob bei genau zwei Partitionen ein Häkchen in der Spalte Formatieren steht. Sind Sie zufrieden, verlassen Sie Disk Druid über die Weiter-Schaltfläche. An der Festplatte ändert Linux noch nichts. Es legt die Partitionen erst unmittelbar vorm Kopieren der Dateien an. Schalten Sie vorher den Rechner aus, modifiziert Anaconda Ihr System nicht.

In der folgenden Boot-Manager-Auswahl haben Sie nur die Optionen Grub in den MBR oder in den Bootsektor der Linux-Partition zu schreiben. Die Installation in den MBR funktioniert meistens einwandfrei und Sie sollten die Vorgabe übernhmen. Wollen Sie, dass nach einer kurzen Wartezeit standardmäßig Windows und nicht Fedora Core 2 startet, setzen Sie in der Tabelle, die alle Systeme auflistet, ein Häkchen vor Windows. Um später Fedora Core 2 zu starten, müssen Sie es dann im Auswahlbildschirm von Grub explizit mit den Pfeiltasten auswählen.

KDE mit an Bord

Als einzige der von EasyLinux unterstützten Distributionen setzt Fedora Core 2 auf GNOME als Standard-Desktop. Schon während der Installation können Sie zusätzlich KDE einspielen. Dank der Option Benutzerdefinierte Installation landen Sie sofort in der erweiterten Paketauswahl (Abbildung 10). Anaconda hat bereits alle Pakete markiert, die zum Umfang der Standardinstallation gehören. Damit Sie wahlweise auch mit KDE arbeiten können, kreuzen Sie KDE (K Desktop Environment) an. Sobald eine Paketgruppe markiert ist, erscheint dahinter der Link Details. Wenn Sie ihn auswählen, gelangen Sie zur Paketliste der Gruppe, wo Sie weitere Software auswählen.

Im Gegensatz zu anderen Distributionen zeigt Fedora Core 2 keine ausführliche Paketbeschreibung an, sondern nur eine kurze Zusammenfassung. Auch eine Suchfunktion bringt das Paketverwaltungs-Frontend nicht mit. Haben Sie genug freien Festplattenplatz, markieren Sie einfach die Paketgruppen, die Sie am meisten interessieren.

Über die Schaltfläche Weiter kommen Sie zum letzten Installationsbildschirm. Erst wenn Sie hier erneut Weiter anklicken, richtet Fedora Core 2 die Festplatte ein und kopiert Linux auf den Rechner. Eine Zusammenfassung der Installation gibt es nicht, über mehrmaligen Klick auf Zurück kommen Sie aber sogar wieder zum Partitionierer. Die in den anderen Dialogen eingestellten Optionen merkt sich Anaconda, so dass Sie die Software-Auswahl nicht erneut treffen müssen.

Abb. 10: Hier markieren Sie KDE zur Installation.

Neben der Arbeit kommt auch das Vergnügen nicht zu kurz. Alle Distributionen haben eine Screenshot-Funktion in den Installer eingebaut. Damit nehmen Sie Schnappschüsse auf, die Sie später in einem Ordner des Linux-Systems finden. Einen praktischen Nutzen hat die Spielerei ebenfalls: Sie können eventuell auftretende Fehlermeldungen im Bild festhalten und später an einen Support-Mitarbeiter weiterleiten. Wie Sie die Bildschirmfotos erzeugen, verraten wir im Kasten Screenshots bei der Installation. (amü)

Screenshots bei der Installation

Unter Fedora Core 2 dient die Tastenkombination [Umschalt-Druck] als Auslöser für die virtuelle Kamera. Die Bilder erhalten die Dateinamen screenshot-0000.png, screenshot-0001.png usw., wobei Anaconda einfach die Zahl erhöht. Im installierten System finden Sie die Bildschirmfotos im Verzeichnis /root/anaconda-screenshots.

Mandrake-Linux-Nutzer drücken während der Installation [F2], um einen Screenshot zu erstellen. Sie finden die Bilder im PNG-Format später im Ordner /root/DrakX-screenshots. Sie haben Namen der Form x.png, wobei anstelle des x eine Zahl steht. Das erste Bildschirmfoto heißt 1.png.

Im Gegensatz zu den anderen beiden Distributionen ist bei SuSE Linux die Screenshot-Funktion ein wenig eingeschränkt. Sie können zwar jederzeit mit der Druck-Taste ein Bildschirmfoto erzeugen. Das speichert SuSE Linux unter dem Namen yast2-000.png im Ordner /root/yast2-screen-shots. Machen Sie weitere Bilder, erhöht YaST die Zahl am Ende des Dateinamens. Die Bilder aus der Installationsphase vor dem ersten Reboot gehen jedoch beim Neustart des Systems verloren. Das liegt daran, dass YaST sie nur in der Ramdisk, einer Art virtuellen Festplatte im Arbeitsspeicher ablegt. Nur die Bildschirmfotos, die Sie nach dem ersten Neustart machen, landen auf der Festplatte.

Um auch die Bilder vom Anfang der Installation zu behalten, wechseln Sie mit [Strg-Alt-F2] auf eine Textkonsole. Legen Sie eine Diskette ein und binden Sie sie mit dem Befehl

mount /dev/fd0 /mnt

ins Dateisystem ein. Das Kommando

cp /root/yast2-screen-shots/* /mnt/

kopiert die erstellten Screenshots auf die Diskette. Um sie wieder aus dem Dateisystem auszuhängen, geben Sie

umount /dev/fd0

ein. Ein Bild ist ca. 100 KByte groß, so dass bequem zehn Screenshots auf eine Diskette passen. Zurück zum grafischen Installationsprogramm gelangen Sie mit [Alt-F7].

Infos
[1] Andrea Müller: "Starthilfe", EasyLinux 09/2004, S. 60 ff., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/09/060-partedbug/
[2] Google-Suche in Linux-Newsgroups: http://groups.google.de/groups?hl=de&lr=&ie=UTF-8&group=de.comp.os.unix.linux
[3] Fedora-Core-2-Boot-Image für Rechner mit Asus P4P800:http://people.redhat.com/arjanv/asusp4p800-boot.iso

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