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von Torsten Kleinz
Konqueror ist der Standard-Datei-Manager und -Browser unter KDE: Mit ihm erledigen Sie unter Linux Alltagsaufgaben wie das Verwalten von Dateien oder Surfen im Web, wenn Sie dafür keinen spezialisierten Browser wie Firefox oder Mozilla einsetzen. Doch das Programm hat noch einiges mehr auf dem Kasten. EasyLinux zeigt, wie Sie das beste aus Konqueror herausholen.
In der Standardeinstellung zeigt der Konqueror alle Dateien mit großen Symbolen an. Das ist praktisch, wenn Sie Drag & Drop für einzelne Dateien nutzen. Sie klicken eine Datei an, ziehen Sie in das gewünschte Fenster und lassen sie dort "fallen". Dann erscheint ein Auswahlmenü mit der Frage, ob Sie die Datei verschieben oder kopieren wollen. Doch für aufwendigere Dateioperationen, wenn Sie beispielsweise Ihre Fotos oder Ihre Musiksammlung neu ordnen wollen, ist dies nicht ausreichend. Ordner mit vielen Dateien sind in der Symbolansicht doch etwas unübersichtlich und platzraubend.
Wer den Überblick über ein Verzeichnis gewinnen will, schaltet am besten auf die detaillierte Verzeichnis-Ansicht um. Dazu wählen Sie im Menü Ansicht den Unterpunkt Anzeigemodus. Dort finden Sie sechs Ansichtsoptionen. Die detaillierte Verzeichnisansicht bietet die meisten Informationen: Neben einem erheblich kleineren Symbol für den Dateityp finden Sie viele weitere Informationen von der Dateigröße bis zum Erstellungsdatum (Abbildung 1). Praktisch: Wenn man auf den Kopf einer Spalte klickt, werden die Dateien nach dieser Spalte sortiert. Wer mit vielen Verzeichnissen umgeht, wird die Baumansicht zu schätzen wissen. Neben Verzeichnissen erscheint ein Plus-Zeichen. Klickt man darauf, wird dieses Verzeichnis aufgeklappt. Ein weiterer Klick klappt das Verzeichnis wieder zu. Mit dieser Ansicht ist es beispielsweise einfach, Dateien von einem Unterverzeichnis in ein anderes zu verschieben.
Auch bei der detaillierten Ansicht fehlen in der Standardeinstellung zunächst einige Dateien, denn die vielen Konfigurationsdateien und -verzeichnisse im Home-Verzeichnis blendet Konqueror üblicherweise aus. Dass eine Datei versteckt sein soll, signalisieren Sie unter Linux durch einen Punkt am Anfang des Datei- oder Verzeichnisnamens -- damit können Sie auch selbst ganz einfach Dateien, die nicht jeder sofort sehen soll, verstecken. Falls Sie dann auf diese Dateien zugreifen wollen, machen Sie sie über den Befehl Versteckte Dateien anzeigen im Menü Ansicht wieder sichtbar.
Doch um schnell auf eine einzige Konfigurationsdatei zugreifen will, lohnt sich dieser Schritt nicht. Um diese zu erreichen, müssen Sie nur in der Adresszeile einen Punkt hinter das aktuelle Verzeichnis setzen. Mit den Cursor-Tasten wählen Sie dann den gewünschten Eintrag aus (Abbildung 2).
Lange Zeit galt das DOS-Programm Norton Commander als die Referenz für Datei-Manager. Seine Zwei-Fenster-Ansicht machte es einfach, Dateien zwischen verschiedenen Ordnern hin und herzuschieben. Auch der Konqueror besitzt einen solchen Modus. Sie schalten ihn ein, indem Sie im Menü Fenster die Punkte Ansicht in linke und rechte Hälfte teilen oder Ansicht in obere und untere Hälfte teilen aufrufen (Abbildung 3). Die geteilte Ansicht ist ideal, wenn man direkt zwischen zwei Verzeichnissen Dateien verschieben will, zum Beispiel um die Bilder der Digitalkamera in bestimmte Kategorien einzuordnen oder seine Musiksammlung neu zu sortieren.
Da nur die Verzeichnisansicht, nicht aber die Adressleiste oder das Menü geteilt ist, muss man immer den Teil die Fensterhälfte anklicken, in der man Aktionen durchführen will. Menübefehle führt Konqueror nur in der gerade aktiven Hälfte aus.
Wenn immer mal wieder aufwendigere Sortieraktionen auf Ihrem Plan stehen, lohnt es sich, die Ansichtsoptionen abzuspeichern. Nehmen wir an, Sie haben die idealen Einstellungen für das Sortieren Ihrer Fotos gefunden -- und möchten den Konqueror nicht ständig neu konfigurieren, wenn die nächste Ladung Fotos eintrifft. Für diesen Fall kennt Konqueror so genannte Ansichtsprofile, die sie im Menü Einstellungen verwalten. Wenn Sie den Punkt Ansichtsprofil "Profilname" abspeichern anwählen, werden Ihre derzeitigen Einstellungen zum Standard erklärt. Vorsicht: Konqueror speichert auch den Verzeichnisnamen mit. Der Klick auf das Symbol des Konqueror führt dann immer zu dem Ordner, der beim Abspeichern aktiv war.
Nun sind aber manche Einstellungen nur für bestimmte Arbeiten geeignet. Wenn Sie für die tägliche Arbeit die Symbolansicht vorziehen, bei Sortieraufgaben aber die Baumansicht, ist der Punkt Ansichtsprofile verwalten für Sie interessant. Hier können Sie für jede Standardaufgabe ein eigenes Profil definieren, das Sie dann über den Punkt Ansichtsprofil laden bei Bedarf wieder abrufen (Abbildung 4). Sie müssen nur einen Namen für das Profil eintragen und sich entscheiden, ob ein bestimmtes Verzeichnis und die Fenstergröße fest mit dieser Einstellung verbunden werden sollen.
Damit Sie nicht jedes Mal erst das Ansichtsprofil umschalten müssen, können Sie sich eine Verknüpfung anlegen, die das gewünschte Profil sofort aufruft. Ziehen Sie dazu das Symbol für den Datei-Manager aus der KDE-Kontrollleiste auf den Desktop und kopieren Sie die Verknüpfung hierhin. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das neu angelegte Symbol und rufen Sie den Eigenschaften-Dialog auf. Im Kartenreiter Ausführen sehen Sie, mit welchem Befehl das Symbol verknüpft ist: kfmclient openProfile filemanagement (Abbildung 5). Wenn Sie nun statt filemanagement einen anderen Profilnamen eintragen und das Ergebnis speichern, verwandeln Sie Konqueror in einen Datei-, Musik- oder Text-Browser --- ganz nach Belieben. Entsprechende Einträge legen Sie mit dem Menü-Editor kmenuedit auch im KDE-Menü an. Diesen erreichen Sie über einen Rechtklick auf das K-Menü-Symbol in der Kontrollleiste.
Auch die Ansichtsoptionen werden in den Profilen gespeichert. So können Sie für einen Bilderordner ein Profil anlegen, für einen Ordner mit Textdateien ein anderes. Die entsprechenden Optionen finden Sie im Menü Ansicht unter Vorschau. Sobald Sie einen Ordner aufrufen, analysiert Konqueror die genannten Dateien und zeigt deren Inhalt anstelle des Dateisymbols. Bilder symbolisiert er durch Mini-Versionen ihrer selbst, und Musikdateien werden angespielt, wenn man die Maus darüber bewegt. Allerdings brauchen solche Komfortfunktionen viel Speicher und Rechenzeit. Wer lieber schnell durch die Verzeichnisse springt, schaltet die Vorschaufunktionen über Ansicht / Vorschau / Vorschauen anzeigen ab. Besonders bei Verzeichnissen auf anderen Rechner bietet sich der Verzicht an, da sonst alle Dateien übertragen werden, um die Vorschau zu erzeugen.
Der Konqueror kennt mehrere Methoden, Dateien auszuwählen. Sind die Dateien nebeneinander im Konqueror angeordnet, müssen Sie nur mit der Maus einen Rahmen um diese Dateien ziehen. Befinden sich die Dateien an unterschiedlichen Stellen, kommt die Tastatur ins Spiel: Halten Sie die Taste [Strg] fest und klicken Sie die Dateien nacheinander an. Wenn Sie dann mit der Maus eine der markierten Dateien verschieben, bewegt Konqueror auch die anderen Dateien mit.
Wer lieber mit der Tastatur arbeitet, kann auf einige leistungsfähige Kürzel zurückgreifen. Wenn Sie [Strg-+] drücken, erscheint ein Fenster, in dem Sie Dateien mit bestimmten Namen markieren können. Das Zeichen * dient dabei als Platzhalter. Wollen Sie alle MP3-Dateien in einem Ordner markieren, tragen Sie in das Feld "*.mp3" ein. Wenn sie alle Dateien mit einem "test" im Namen anwählen wollen, ist *test* das richtige Suchmuster. [Strg-U] kehrt die Auswahl um. Mit weiteren Tastaturbefehlen lösen Sie bestimmte Aktionen aus. Die Funktionstaste [F7] beispielsweise kopiert die ausgewählten Dateien, mit [F8] verschieben Sie sie. Das Zielverzeichnis können Sie über die Tastatur oder einen Auswahldialog eingeben. Eine weitere Möglichkeit ist der Ansichtsfilter im Menü Extras. Diese Funktion analysiert den Inhalt des Ordners und zeigt an, wie viele Dateien welchen Dateityps enthalten sind. Aktiviert man den Filter, sieht man nur noch den ausgewählten Dateityp, zum Beispiel alle Text- oder JPEG-Dateien.
Nicht immer lässt es sich vermeiden, mit der Konsole zu arbeiten. Anstatt sie umständlich über das Start-Menü oder die Schnellstartleiste aufzurufen, holen Sie sich die Kommandozeile direkt in den Konqueror. Sie finden die Option im Menü Extras unter dem Befehl Terminal öffnen. Wer gar nicht erst zur Maus greifen will, ruft die Konsole direkt über die Tastatur auf. Bis KDE-Version 3.1 funktioniert das über die Tastenkombination [Strg-T], in neueren Versionen ist die Funktionstaste [F4] mit dem Befehl belegt. Die Konsole öffnet sich direkt in dem Verzeichnis, das im Konqueror-Fenster aktiv ist. Sie können also direkt mit den Dateien arbeiten, die Sie im Ordner sehen. Das ist besonders praktisch, wenn Sie ein Installationsskript aufrufen müssen.
Auch im Web-Browser-Modus des Konquerors gibt es einige Möglichkeiten, Mausklicks und auch Zeit zu sparen. Wer oft auf den gleichen Seiten recherchiert, profitiert von den Web-Kurzbefehlen. Anstatt zum Beispiel die Website von Google aufzurufen, dort den Suchbegriff einzutragen und zu bestätigen, trägt man in der Adresszeile einfach gg: gefolgt vom Suchbegriff ein. Der Konqueror übersetzt diese Anfrage und gibt direkt die Ergebnisseite der Suchmaschine aus. Wer es noch eiliger hat, nimmt das Kürzelggl:, das die Funktion "Auf gut Glück" der Suchmaschine übernimmt. Die Eingabe von ggl:EasyLinux führt ohne Umweg über Google direkt zur Homepage von EasyLinux. Im Konqueror sind eine Reihe solcher Kurzbefehle voreingestellt, die Liste finden Sie über Einstellungen / Konqueror einrichten / Web-Tastenkürzel. Die Auswahl reicht von Suchmaschinen über Wörterbücher bis zur KDE-Fehlerdatenbank -- stöbern lohnt sich.
Solche Kurzbefehle können Sie auch leicht selbst anlegen. Als Beispiel legen wir ein Kürzel zur Artikelsuche auf der Webseite von EasyLinux an. Als erstes rufen Sie die Website http://www.easylinux.de/search auf. Als Ergebnis sehen Sie ein leeres Suchformular. Um herauszubekommen, wie die Suchwörter in der Web-Adresse umgesetzt werden, starten Sie eine beliebige Suchanfrage, zum Beispiel nach dem Wort Konqueror. Nach der Suche erhalten Sie eine längere URL, die mehrere Suchparameter enthält.
Öffnen Sie nun den Einstellungsdialog Konqueror einrichtenim Menü Einstellungen. Im Unterpunkt Web-Tastenkürzel klicken Sie auf den Button Neu. Im ersten Feld geben sie der Abkürzung einen Namen. In das zweite Feld kopieren Sie die URL der Suchseite. Das Suchwort steht ganz hinten in der URL. Entfernen Sie das Suchwort und setzen Sie \{@} an dessen Stelle. So weiß der Konqueror, welchen Teil der URL er ersetzen soll. In das letzte Feld tragen Sie dann noch das Kürzel ein, unter dem die Artikelsuche erreichbar sein soll -- hier bietet sich easy an (Abbildung 6). Sobald Sie die neue Einstellung speichern, führt Sie das Kürzel easy:Konqueror automatisch zu einer Liste mit allen EasyLinux-Artikeln über Konqueror. (eba)
| Tastenkürzel unter Konqueror | |
| [Alt-Cursor hoch] | Wechsel ins höhere Verzeichnis |
| [Alt-Cursor links] | Zurück |
| [Alt-Cursor rechts] | Vorwärts |
| [Entf] | Datei in den Papierkorb |
| [Umsch-Entf] | Datei(en) löschen |
| [Umsch-Strg-Entf] | Datei(en) in den Reißwolf |
| [Strg-C] | Kopieren |
| [Strg-X] | Ausschneiden |
| [Strg-V] | Einfügen |
| [F6] | Aktivieren der Adreesszeile |
| [F7] | Datei(en) kopieren |
| [F8] | Datei(en) verschieben |
| [F9] | Navigationsansicht ein- und ausschalten |
| [Strg-Umsch-L] | Ansicht vertikal teilen |
| [Strg-Umsch-R] | Ansicht entfernen |
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Last modified: 2007-01-25 17:26
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