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Erschienen in EasyLinux 11/2004   »   Ausgabe bestellen

Erster Blick auf Mandrake Linux 10.1

Aufpoliert

von Andrea Müller


Gerade rechtzeitig vor der Fertigstellung dieser Ausgabe, ist Mandrake Linux 10.1 erschienen. Zwar erst einmal nur für Mandrake-Club-Mitglieder, doch auch EasyLinux hat eine Testversion ergattert. Wir verraten, was es Neues gibt.

Kein halbes Jahr ist seit dem Erscheinen von Mandrake Linux 10 vergangen [1], und schon steht die neue Version 10.1 zum Download bereit. Solch kurze Update-Zyklen gibt es nicht nur bei Mandrake Linux, sondern bei fast allen Distributionen: So dauert es beispielsweise nicht mehr lange, bis auch SuSE Linux 9.2 in den Regalen auftaucht.

Die häufigen Updates sind gleichzeitig ein Vor- und ein Nachteil: Freie Software entwickelt sich rasch weiter -- sowohl von den großen Desktop-Umgebungen KDE und GNOME als auch vom Linux-Kernel, dem Herzstück des Betriebssystems, erscheinen innerhalb weniger Monate neue Versionen. Ein Distributions-Update bringt dem Anwender damit nicht nur die aktuellste Software mit neuen Funktionen, sondern in der Regel auch eine verbesserte Hardware-Unterstützung. Mandrake Linux 10.1 wirbt beispielsweise mit GNOME 2.6, Mozilla 1.7.2, OpenOffic.org 1.1.3, Kernel 2.6.8 und verbesserten Energiesparfunktionen bei Notebooks um aktualisierungswillige Anwender.

Der Nachteil ist, dass alle paar Monate ein großer Download oder der Kauf der neuen Version ansteht -- gezielt nur einige wenige Komponenten des Systems zu aktualisieren ist zwar möglich, jedoch eher erfahrenen Anwendern vorbehalten. Glücklicherweise kommen die Distributionen inzwischen mit ausgereiften Update-Routinen daher, die Ihre individuellen Einstellungen beibehalten, so dass Sie nach einer Aktualisierung nahtlos weiterarbeiten können. Wir haben getestet, ob es sich lohnt, das neue Mandrake Linux aufzuspielen.

Was für wen

Zur Zeit gibt es nur die so genannte Community Edition der Version 10.1. Mitglieder im Mandrake Club [2] dürfen je nach Mitgliedsstatus vier oder fünf CDs herunterladen. Nach einer ersten Testphase erscheint die Community Edition mit dem Umfang von drei CD-Images frei zum Download. Die freie Version dient vor allem dazu, letzte Fehler zu finden, um eine möglichst perfekte Verkaufsversion in den Handel zu bringen. In diese integriert der Distributor auch die Bonus-Pakete, die es nur für Club-Mitglieder zum Herunterladen gibt. Dazu gehören beispielsweise die 3D-beschschleunigten Treiber für NVIDIA- und ATI-Grafikkarten. Außerdem dabei sind erstmals die Intel-Treiber für Pro/Wireless 2100 und 2200 WLAN-Karten. Wer diese Hardware besitzt und es sich nicht zutraut, die Treiber selbst in Betrieb zu nehmen, sollte daher nicht auf die Community Edition setzen, sondern auf die Verkaufsversion warten.

Installation: feindliche Übernahme inclusive

Wie bei allen vorherigen Versionen kann man Mandrake Linux 10.1 entweder mit dem aktuellsten Kernel (2.6.8) oder mit einem der Vorgängerreihe (2.4.27) installieren. Standardmäßig setzt der Distributor auf den 2.6er, die Eingabe von alt1 im Willkommensbildschirm sorgt dafür, dass die Distribution stattdessen Kernel 2.4.27 verwendet. Die Option ist praktisch, wenn man ältere Hardware hat, die Kernel 2.6 nicht mehr unterstützt.

Die erste Überraschung bereitet uns der Installer bei der Auswahl der Instatllationsmethode. Neben einem Update und der Neuinstallation bietet Mandrake Linux an, das ebenfalls installierte Fedora Core 2 zu aktualisieren (Abbildung 1). Ein solches Cross-Update gibt es zum ersten Mal, obwohl Mandrake Linux von Red Hat Linux abstammt und sich immer bemüht hat, zu dieser Distribution kompatibel zu bleiben. Wir gehen das Risiko ein werden enttäuscht. Während der Installer versucht zu ermitteln, welche Pakete er aktualisieren muss, bleibt er hängen. Selbst nach einer Stunde Wartezeit, nimmt Mandrake Linux die gestellte Aufgabe nicht in Angriff. Die Anzeige bleibt bei der Paketüberprüfung stehen. Zumindest hat Mandrake Linux noch nichts an dem Fedora-Core-2-System geändert, es bootet auch nach dem missglückten Update-Versuch fehlerfrei.

Abb. 1: Mandrake Linux bietet ein "Cross-Update" von Fedora Core 2 an.

Nach dem Ausflug zur Update-Routine interessiert uns die Installation. Der Installer schaut genauso aus, wie der vom Mandrake Linux 9.2 und 10.0, bietet aber einige Detailverbesserungen: So fragt das Programm jetzt vor der Paketauswahl nach, wie viele CDs man besitzt. Die verwirrende Forderung nach der bei den meisten Nutzern nicht vorhandenen CD Nummer 4 entfällt damit.

Der Partitionierer arbeitet gewohnt zuverlässig und verkleinert sowohl NTFS- als auch FAT-Partitionen von Windows. Die schon vorhandenen Windows-Systeme bindet er automatisch in den Boot-Manager und die Datei /etc/fstab ein, so dass der Anwender ohne lästiges Mounten auf seine Daten zugreifen kann. Was man bei einer benutzerdefinierten Partitionierung einstellt, sollte man mit Argusaugen überprüfen: Die abschließende Sicherheitsabfrage, welche Partitionen DiskDrake formatieren soll, gibt es nicht mehr -- nach einem Klick auf Fertig legt das Programm sofort los.

Die Paketauswahl (Abbildung 3) oder spätestens der erste Start des neuen Systems enttäuscht KDE-Liebhaber: Nicht die brandneue Version 3.3 ist mit an Bord, sondern 3.2.3, die sich optisch und in der Bedienung nicht von der Version bei Mandrake 10.0 unterschiedet. Derzeit kommen nur Mandrake-Club-Midglieder in den Genuss der neuen Desktop-Umgebung. Sie befindet sich auf der vierten Download-CD. Auch die drei CDs umfassende Download-Edition soll standardmäßig mit der etwas älteren, dafür aber stabilen KDE-Version erscheinen.

Abb. 2: Mandrake Linux setzt noch auf KDE 3.2.3 -- Version 3.3 gibt es vorerst nur für Club-Mitglieder.

Kaum eine Verbesserung gibt es beim Einrichten eines ISDN-Zugangs. Den Menüpunkt zum Konfigurieren externer Geräte quittiert der Assistent mit einer Fehlermeldung (Abbildung 3). Besitzer einer älteren ISDN-Karte sind gut beraten, das System mit Kernel 2.4.27 zu installieren. Um die Karte einzurichten, ist jedoch Handarbeit nötig.

Abb. 3: Der Assistent weigert sich ein externes ISDN-Gerät einzurichten.

Hardware-Talent

Was Mandrake Linux bei ISDN verpatz, bügelt es bei der restlichen Hardware wieder aus. Die Drucker (HP Deskjet 710c und HP Laserjet 4000) und Netzwerkkarten (je eine Onboard-Karte von Via und Realtek) unserer beiden Testsysteme erkannte und richtete der Installationsassistent korrekt ein. Für das Drucken aus OpenOffice.org und Gimp heraus ist keine Handabeit im Konfigurationsdialog mehr nöig: Der Distributor hat die beiden Programmpakete so angepasst, dass sie mit den systemweiten Druckereinstellungen arbeiten. USB-Sticks und Kameras, die sich als USB-Massenspeicher am System anmelden, bindet Mandrake Linux mit dem Programm magicdev automatisch ein. Für Digitalkameras, die spezielle Treiber brauchen, liegt das aktuelle gphoto2 bei.

Die Neuerungen warten im mobilen Bereich, speziell bei der Notebook-Unterstützung. In der Konfigurationsdatei /etc/sysconfig/laptop stellen Sie das gewünschte Energieschema ein. Einen grafischen Assistenten für diese Aufgabe gibt es noch nicht. Dafür aber einen, der sich um die Verwaltung drahtloser Netzwerke kümmert. Sie starten ihn entweder mit Eingabe von kdesu drakroam in ein Schnellstartfenster. Von Linux unterstützte Organizer der Firma Palm erkennt Mandrake Linux inzwischen ebenfalls automatisch. Bei dem Modell Tungsten T, T2 klappt die Auto-Erkennung nicht, doch der Distributor hat schon einen Workaround veröffentlicht. Damit auch der Tungsten mit Linux kommuniziert, Trägt man in die Datei /etc/sysconfig/usb die Zeile VISOR_SWAP=true ein.

Runderneuerter Desktop

Obwohl Mandrake Linux mit dem bewährten KDE 3.2.3 kommt, hat sich auch bei der Arbeitsoberfläche etwas getan. Die Menüs sind besser lokalisiert als in früheren Versionen -- bis auf wenige Ausnahmen sind alle Einträge übersetzt. Im Systembereich der KDE-Leiste starten standardmäßig zwei neue Miniprogramme (Abbildung 4), so genannte Applets. Das eine ist Kgamma, mit dem Sie bequem die Auflösung ändern (Abbildung 5) oder sogar den Bildschirm rotieren. Voraussetzung ist, dass der Treiber Ihrer Grafikkarte dieses Feature anbietet. Das zweite Applet ist DrakConnect, das sich hinter dem Steckersymbol verbirgt. So ähnlich wie mit Kinternet unter SuSE Linux stellen Sie dort Internet- oder auch Netzwerkverbindungen her. Ein Doppelklick auf das Icon startet den Netzwerkmonitor, wo Sie ebenfalls die Verbindung herstellen und trennen oder den Datentransfer überwachen.

Abb. 4: Mit diesen Applets ändern Sie die Bildschirmauflösung oder stellen eine Internet-Verbindung her.

Abb. 5: Unter Mandrake Linux 10.1 ändern Sie die Auflösung per Mausklick.

Den Umfang der Standardinstallation hat der Distributor aufgestockt. Kamen früher nur die wichtigsten Programme auf die Platte, findet man bei Mandrake Linux 10.1 insgesamt 1,4 GByte installierte Software. Mit dabei sind nicht nur fast alle Pakete des KDE-Desktops, sondern auch die Audioschnitt-Software audacity, das neueste Gimp, Digikam, die ImageMagick-Programmsammlung für Bildbearbeitung auf der Kommandozeile und der Midnight Commander.

Umsteigen oder warten?

Abgesehen von den Schwächen im ISDN-Bereich hat Mandrake Linux mit Version 10.1 eine gut durchdachte ausgereifte Distribution herausgebracht. Von den Ecken und Kanten, wie wir Sie noch bei der Vorversion bemängelt haben, ist fast nichts mehr übrig. Ein Wermutstropfen ist höchsten die "alte" KDE-Version. Wer auf KDE 3.3 und auf kommerzielle Treiber nicht verzichten will, sollte sich noch bis zur Verkaufsversion gedulden. Für alle anderen ist Mandrake Linux 10.1 schon jetzt einen Blick wert.

[1] Andrea Müller "Runder Geburtstag", EasyLinux 06/2004, S.44 ff.
[2] http://ww.mandrakelinux.com/de/club

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