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DistributionenIm Linux-Dschungelvon Carsten Schnober |
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Allein EasyLinux unterstützt drei verschiedene Linux-Distributionen; wer sich umsieht, findet schnell heraus, dass dies lediglich einige der am weitesten verbreiteten sind und die wahre Anzahl der Linux-Varianten unüberschaubar ist. Gibt es also gar nicht "das Linux"?
Es gilt also zunächst zu klären: Woraus genau besteht Linux eigentlich? Das, was Linus Torvals zu seiner Studentenzeit Anfang der 90er-Jahre programmierte, bestand aus einigen Tausend Zeichen und sollte zunächst lediglich die damals neuen 386er-Prozessoren von IBM mit einem selbstgebastelten Betriebssystem versehen. Dieses sollte zudem über die Fähigkeiten eines an Universitäten vorherrschenden Unix-System verfügen.
Ein Betriebssystem dient gewöhnlich nicht als Selbstzweck, sondern ermöglicht anderen Programmen den Zugang zur Hardware eines Rechners, von Prozessor und Arbeitsspeicher bis zu Laufwerken und externen Geräten. Linux jedoch wurde aus reiner Neugier geboren; Programme, die unter Linux liefen, gab es zunächst ebenfalls nur zu Testzwecken, mehr war damals nicht geplant.
Der Linux-Kernel, also das eigentliche Betriebssystem, ist bis heute auf ein Vielfaches seiner anfänglichen Größe gewachsen, bewegt sich aber weiterhin im einstelligen Megabyte-Bereich. Dass sich aktuelle Distributionen über mehrere CD-ROMs oder gar DVDs erstrecken, liegt daran, dass ein Benutzer mit dem Kernel alleine nichts anfangen kann. Während sich die ersten Linux-Anhänger noch mit einer Kommandozeile zufrieden gaben, soll es heute oft lieber eine einfach zu bedienende grafische Oberfläche sein.
Neben der Benutzeroberfläche wimmelt es auf den Datenträgern einer Linux-Distribution von weiteren Zusatzprogrammen. Das reicht von den für Kommandozeilenbenutzer unabdingbaren Unix-Kommandos bis zur kompletten Office-Suite. Wo die Grenze zwischen dem Betriebssystem Linux und den beiliegenden Anwendungen liegt, darüber streiten die Experten; denn es gibt auch außerhalb des Kernels Programme, ohne die der Betrieb des Rechners unmöglich wäre. Microsoft erklärt sogar die grafische Oberfläche zum Teil seiner Windows-Betriebssysteme.
Den Desktop-Anwender betreffen diese Computer-philosophischen Fragen nur indirekt. Sie zeigen aber, dass der Distributor mehr Arbeit erledigt, als "das Linux" auf CD zu pressen und zu verkaufen: Er trifft die Entscheidung, welche Kernel-Version er mit welchen Veränderungen versieht, um sie seinen Kunden zur möglichst problemlosen Verwendung zu überreichen; welches Installationsprogramm, -- meist ein vom Distributor selbst programmiertes -- den Benutzer durch die Installation führt und auf welcher Oberfläche dieser schließlich landet.
Aus diesen Entscheidungen resultieren die teilweise erheblichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Linux-Distributionen. So genannte freie Distributionen, die bekanntesten darunter sind Fedora und Debian Linux, werden unentgeltlich verbreitet und bestehen deshalb ausschließlich aus Open-Source-Software; sie liefern also keine Programme gewerblicher Hersteller mit, selbst wenn sie für Privatanwender kostenlos sind wie der Acrobat Reader oder der RealPlayer.
Die meisten käuflich zu erwerbenden Distributionen, bieten mehr als eine Zusammenstellung freier Linux-Programme. Abgesehen von Zusatzleistungen wie Handbüchern oder Support sind das häufig kommerzielle Programme. Diese Distributoren erwerben Lizenzen zum Vertrieb solcher Software oder liefern selbstproduzierte Programme mit. Paradebeispiel für letzteres war lange das Installations- und Konfigurationswerkzeug YaST bzw. YaST2 von SuSE Linux (Abbildung 1); es erleichtert den Betrieb eines Linux-Systems, gehört aber nicht zwingend dazu. Bis zur Version 9.0 von SuSE Linux stand YaST unter einer Lizenz, die die Weiterverbreitung verbot.
Auch an der Oberfläche zeigen sich Unterschiede zwischen den einzelnen Linux-Distributionen. Manche verwenden statt KDE in der Standardeinstellung die Desktop-Umgebung Gnome oder eine der zahlreichen anderer Oberflächen. Die Anordnung der Menüs, die Gestaltung der Kontrollleiste oder des Hintergrunds, die Darstellung der Desktop-Icons, all das liegt im Ermessen des Distributors. Zwar kann der Benutzer solche Details umkonfigurieren, aber das benötigt Zeit und Wissen. Deshalb bevorzugen viele Linux-Anwender die eine oder andere Distribution allein wegen der ihnen angenehmeren Voreinstellung.
Ein anderer wichtiger Aspekt ist die Hardware-Unterstützung. Sie hängt hauptsächlich vom größtenteils gleichen Linux-Kernel ab, somit läuft in der Theorie jede Hardware unter jeder Linux-Variante gleichermaßen gut oder schlecht. Allerdings steht es jedem frei, den Linux-Kernel so anzupassen, dass er beispielsweise bestimmte Hardware-Unterstützung über so genannte Patches (englisch für "Flicken") hinzufügt, obwohl die Entwickler des offiziellen Kernels sie nicht eingebaut haben.
Diese Möglichkeit nutzen die meisten Distributoren mehr oder weniger stark aus. Auch hieran scheiden sich die Geister der Benutzer: Einige verwenden prinzipiell lieber offizielle Kernel, andere vertrauen ihrem Distributor und sind dankbar für die von ihm eingebauten Patches.
Jedes Betriebssystem, das zahlreiche Software verschiedener Anbieter verwendet, muss all diese Programme verwalten, um ein Datenchaos zu vermeiden. Linux empfiehlt als Standard eine Struktur, in der Dateien in Verzeichnissen mit entsprechenden Namen liegen: Ausführbare Programme liegen in bin-Verzeichnissen, Konfigurationsdateien unter /etc. Neue Dateien dorthinein zu kopieren fällt leicht, aber die Übersicht darüber, welche Dateien zu welchem Paket gehören, erhalten Paket-Management-Systeme.
Verbreitet sind in der Linux-Welt vor allem zwei Ansätze: Das von Red Hat entwickelte RPM (Red Hat Packet Manager) und das von Debian entworfene deb-System. Ersteres verwenden auch SuSE und Mandrake Linux, letzteres neben Debian seine zahlreichen Varianten.
Ein solches Software-Paket enthält die Programmdateien und einige Zusatzinformationen: So erfährt das Paket-Management, ob die enthaltene Software zum Funktionieren von weiteren Programmpaketen abhängt und in welche Verzeichnisse es die enthaltenen Dateien kopieren soll.
Leider gestalten nicht alle Distributoren solche Informationen einheitlich; sie benennen Pakete unterschiedlich und sortieren Dateien unterschiedlichen Konventionen folgend in die Verzeichnisse ein. Deshalb lässt sich beispielsweise ein Fedora-RPM-Paket nicht immer problemlos unter SuSE Linux verwenden.
Andere Anwender haben oft bereits Erfahrung mit den speziellen Problemen einer Distribution gesammelt und helfen Linux-Neulingen, indem sie ihr Wissen weitergeben. Deshalb kann auch die Anzahl und Hilfsbereitschaft einer Nutzergemeinde eine Distribution interessant machen: Je mehr User einschlägige Internet-Foren (Abbildung 2) und Mailing-Listen bevölkern, desto größer ist die Chance, dort auch zu seltenen Problemen Hilfe zu finden. Forschergeister mögen gerne Vorreiter bei brandneuen Distributionen sein, für Einsteiger sind aber oft schnelle Antworten auf ihre Fragen wichtiger.
So gibt es viele Faktoren, die je nach individuellen Vorzügen für oder gegen eine bestimmte Linux-Distribution sprechen. Erfahrene Benutzer, die gerne auf der Kommandozeile arbeiten, werden solche Varianten bevorzugen, die sich hauptsächlich über Textdateien manuell konfigurieren lassen. Andere bevorzugen dazu grafische Werkzeuge, die die verfügbaren Optionen beschreiben und per Mausklick aktivieren oder abschalten.
Für Besitzer ausgefallener Hardware kann dieser Aspekt den Ausschlag geben: Einige Geräte laufen unter jener Distribution direkt nach dem Anschließen, bei einer anderen sind vielleicht große Downloads und umständliche Konfiguration erforderlich.
Eine objektiv beste Distribution gibt es also nicht; die individuellen Vorzüge und Bedürfnisse der Benutzer sind der Grund für die große Zahl verschiedener Linux-Varianten. Dass wir uns im EasyLinux für die Unterstützung von SuSE Linux, Mandrake Linux und Fedora Core 2 entschieden haben, liegt vor allem an unserem Zielpublikum: Diese Distributionen richten sich vor allem an Desktop-Anwender. Sie legen Wert auf intuitive Installations- und Konfigurationswerkzeuge und aktuelle Software.
Bei einer Kurzumfrage in der Redaktion nach der privaten Lieblingsdistribution war die Zahl der unterschiedlichen Antworten fast so hoch wie die der Befragten. Es bleibt eben vor allem eine Frage des Geschmacks. (csc)
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Last modified: 2007-01-25 17:28
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