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Dateien herunterladen über BitTorrentReißender Datenstromvon Carsten Schnober |
Statt einen einzelnen Server bis zum Exodus um Bytes zu bitten, übernehmen die Downloader selbst einen Teil der Arbeit. Diese zunehmend beliebte Variante des File-Sharing verfolgt das BitTorrent-Konzept [1]. Es garantiert hohes Tempo beim Herunterladen und vermindert die Last für beliebte Anbieter.
Seinen Namen verdankt BitTorrent dem englischen Wort "torrent"; es beschreibt einen reißenden Strom oder einen Sturzbach. Um Ihren Rechner zum Teil dieses schnellen Datentauschnetzes zu machen, benötigen Sie aber die passende Software. Leider gehört sie nicht zum Umfang der meisten Linux-Distributionen. Laden Sie deshalb zunächst ein Client-Programm herunter.
Das für KDE vorgesehene QTorrent finden Sie in unserem Download-Bereich [2]. Klicken Sie auf den gleichlautenden Eintrag und speichern Sie die Datei in Ihrem Home-Verzeichnis. QTorrent benötigt die Programmiersprache Python und deren Erweiterung für die Grafikbibliothek Qt. Fedora Core installiert alle notwendigen Pakete automatisch, unter SuSE und Mandrake Linux müssen Sie nachinstallieren.
Bei SuSE Linux Personal installieren Sie aus unserem Download-Bereich die Pakete python, python-devel, qscintilla, sip und PyQt in dieser Reihenfolge. Dazu klicken Sie in der Spalte SuSE Linux auf die einzelnen Einträge und geben im sich öffnenden Dialogfenster Ihr root-Passwort ein.
Haben Sie die Professional-Ausgabe von SuSE Linux, starten Sie über das K-Menü im Untermenü System das Programm YaST. Geben Sie Ihr root-Passwort ein und klicken Sie auf OK. Öffnen Sie das Modul Software installieren und löschen. Ins Feld Suche: tragen Sie pyqt ein, dann klicken Sie auf den Button Suche. Bei den Ergebnissen setzen Sie ein Häkchen vor den Eintrag PyQt und wählen Übernehmen. Das nächste Fenster informiert Sie darüber, welche Pakete YaST zusätzlich installieren wird. Klicken Sie auch hier auf OK und legen Sie bei Bedarf die benötigten Datenträger ein.
Unter Mandrake Linux müssen Sie die Qt-Erweiterungen für Python nachladen. In unserem Download-Bereich finden Sie die Pakete libqscintilla2, libsip10, libsip10-devel und PyQt. Klicken Sie in der Spalte Mandrake Linux 9.2 eines nach dem anderen an, in der aufgeführten Reihenfolge. Nach Eingabe Ihres root-Passworts installiert Mandrake auch zusätzlich benötigte Pakete.
Nun öffnen Sie den Datei-Manager Konqueror und wechseln in Ihr Home-Verzeichnis. Klicken Sie auf die heruntergeladene Datei qtorrent-0.9.5.tar.bz2. Darin sehen Sie das Verzeichnis qtorrent-0.9.5. Nach einem Rechtsklick wählen Sie im Kontextmenü Kopieren nach / Persönlicher Ordner / An diese Stelle kopieren, um das Archiv zu entpacken.
Kehren Sie in Ihr Home-Verzeichnis zurück und wechseln Sie ins soeben entstandene Verzeichnis qtorrent-0.9.5. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Datei qtorrent und wählen Sie im Kontextmenü Öffnen mit / Sonstige... Im Dialogfenster geben Sie ins Textfeld python ein. Damit QTorrent künftig automatisch mit einem Linksklick startet, setzen Sie ein Häkchen vor Programm diesem Dateityp fest zuordnen. Der Button OK startet QTorrent und Sie finden sich in einem noch leeren Übersichtsfenster wieder.
Um einen Download zu starten, benötigen Sie zunächst eine spezifische Torrent-Datei für ein BitTorrent-Angebot. Darin stehen Statistiken über das Angebot und welcher Internet-Rechner den Überblick über die momentan verfügbaren Download-Server behält, mehr dazu im Kasten BitTorrent in der Theorie.
| BitTorrent in der Theorie |
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Am Anfang der Kette steht auch bei einem BitTorrent-Angebot ein einzelner Server. Wie bei einem herkömmlichen Download verbindet sich ein Client und beginnt, eine Datei herunterzuladen. Interessant wird es, sobald der Client einen ersten Teil der Datei auf der eigenen Festplatte hat. Denn dann werden weitere Clients, die dieselbe Datei erhalten möchten, abwägen: Jedes Fragment laden sie von der Quelle herunter, die sie am schnellsten bedient. Das kann weiterhin der ursprüngliche Server sein oder ein anderer Client. Die Koordination des ganzen übernimmt ein eigener Server, der auf einem beliebigen Rechner im Internet läuft. Er verteilt die Informationen darüber, welche Clients und Server welche Dateifragmente anbieten. Damit nimmt er eine Schlüsselrolle ein und muss als einzige Komponente im BitTorrent-Konzept permanent verfügbar sein. Da er jedoch selbst keine Downloads anbietet, fällt die Last für ihn klein aus. Das Fachvokabular kennt Namen für alle aufgeführten BitTorrent-Teilnehmer. Der Server, der die Koordination übernimmt, heißt Tracker. Ein Server, der die betreffende Datei komplett anbietet, nennt sich Seed. Und die Clients schließlich, heißen Peers. Wenn ein Peer die gesamte Datei auf seiner Festplatte hat, bietet er die einzelnen Fragmente weiterhin an. Da er dann seine Rolle als Downloader verlässt, mutiert er zu einem weiteren Seed, bis der Benutzer sein BitTorrent-Programm beendet oder den Upload unterbindet. Damit neue Peers den Tracker finden, gibt es für jedes BitTorrent-Angebot eine Torrent-Datei. Sie enthält die Internet-Adresse des Trackers sowie nähere Informationen über das Angebot wie Gesamtgröße und Dateinamen. Das BitTorrent-Prinzip wird erst ab einer gewissen Zahl von Peers und Seeds effektiv. Je mehr Dateifragmente von möglichst vielen Rechner angeboten werden, desto schneller versorgt das Netz die Peers. Gibt es dagegen nur wenige Anbieter oder sogar nur einen Seed, bringt das einem Client keine Vorteile gegenüber einem herkömmlichen Download z. B. per FTP. Denn er muss dann alle Dateifragmente vom Seed nach und nach kopieren. In diesem Fall ist BitTorrent zwar überflüssig, bringt aber auch keine Nachteile: Ein Seed, der nur wenige Clients bedient, sieht sich mit entsprechend niedriger Last konfrontiert. Ein ähnlicher Effekt betrifft neue Peers. Die ersten Dateifragmente müssen sie sich erarbeiten. Vom Tracker erfahren sie, wo sie die gewünschten Stücke erhalten können und schicken dorthin Anfragen. Diese beantworten andere Peers jedoch eigennützig: Wer viele Dateifragmente mit hoher Bandbreite anbietet, wird zuerst bedient. So steigt die Transferrate eines Peers mit zunehmendem Fortschritt des Downloads. Abhängig vom Verhältnis zwischen Downloadern und Anbietern gestaltet sich die Last, die jeder Peer und Seed zu tragen hat. Versorgen die Seeds alle Anfragen alleine, brauchen die Peers sich untereinander nicht zu belasten. Gibt es dagegen sehr viele Peers, muss ein einzelner Peer oft mehr hochladen, als er erhält. BitTorrent eignet sich also nur bedingt für Downloader, die ihre Internet-Verbindung nach übertragener Datenmenge bezahlen. Wer Zeit hat und Volumen sparen möchte, weicht auf ein herkömmliches Transferprotokoll aus. |
Es gibt bereits zahlreiche Linux-Distributoren, die ihre Software per BitTorrent verbreiten. So bietet Fedora Core stets einen solchen Download, zu finden auf [3]. Auch eine Probeversion des Spiels Doom 3 wird über BitTorrent verbreitet [4]. Weitere Torrent-Dateien finden Sie über Internet-Suchmaschinen.
Haben Sie ein BitTorrent-Angebot zum Herunterladen im Visier, speichern Sie zunächst über Ihren Web-Browser die Torrent-Datei auf Ihrer Festplatte. Dann wechseln Sie zurück zum QTorrent-Fenster und öffnen Sie den Dateiauswahldialog unter File / Open... Dort wählen Sie per Doppelklick die heruntergeladene Torrent-Datei.
Der Download-Vorgang startet nun und erfordert keine weiteren Aktionen. QTorrent bietet aber viele nähere Informationen. In der Übersichtsliste hinter dem Button List zeigt es alle laufenden Downloads mit aktueller Geschwindigkeit, Gesamtgröße des Pakets sowie erwarteter Restdauer (Abbildung 1). Der Button Stats fasst alle momentanen Downloads zu einer Gesamtstatistik zusammen (Abbildung 2).
Mit den Pfeil-Buttons daneben blättern Sie durch die einzelnen Downloads (Abbildung 3). Hier beschränken Sie unter Max upload rate die Bandbreite, mit der Sie selbst bereits heruntergeladene Dateifragmente anbieten. Doch damit verlangsamen Sie unter Umständen zugleich Ihre eigene Download-Geschwindigkeit. Denn gemäß dem BitTorrent-Protokoll versorgen alle Teilnehmer bevorzugt Anfragen von Rechnern, die im Gegenzug ebenfalls viele Pakete schnell liefern können (Kasten BitTorrent in der Theorie). Verwenden Sie gleichzeitig auch andere Internet-Anwendungen, reservieren Sie diesen trotzdem etwas Bandbreite, indem Sie hier die Upload-Rate auf etwa 90% Ihrer verfügbaren Geschwindigkeit begrenzen.
Unter Max uploads begrenzen Sie statt der Upload-Bandbreite die Anzahl der maximalen Transfers. Nach abgeschlossenen Download stellt QTorrent weiterhin die heruntergeladene Datei anderen Clients zur Verfügung. Das unterbinden Sie mit der Option Pause after: Tragen Sie hier 1 ein, stoppt QTorrent die Server-Funktionalität eine Minute nach Vollenden des Downloads.
Die gezeigten Einstellungen lassen sich nicht nur für jedes BitTorrent-Angebot einzeln treffen. Über den Menüpunkt File / Settings... erreichen Sie ein Dialogfenster zur Konfiguration von QTorrent. Unter Connection brauchen Sie nur etwas einzutragen, wenn sich Ihr Rechner über eine Firewall mit dem Internet verbindet. Wichtiger ist das Feld Transfers. Hier stellen Sie die oben beschriebenen Beschränkungen Max. upload rate und Max. Uploads allgemein für alle Downloads ein. Bei Bedarf konfigurieren Sie Downloads weiterhin einzeln.
Eine gefundene Torrent-Datei erst speichern und dann mit dem Client öffnen, ist zwar technisch unumgänglich, aber nicht besonders benutzerfreundlich. QTorrent verkürzt diesen Weg: Laden Sie die Torrent-Datei im Web-Browser nicht herunter, sondern kopieren Sie lediglich ihre Adresse. Das geschieht über einen Rechtsklick auf den Link zur Torrent-Datei; je nach Browser wählen Sie dann im Kontextmenü Link-Adresse kopieren (Mozilla) oder Verknüpfungsadresse kopieren (Konqueror). Nun wechseln Sie wieder ins QTorrent-Fenster. Wählen Sie im Menü File / Open URL... und drücken Sie im Eingabefeld des Dialogfensters die mittlere Maustaste. Das fügt den kopierten Web-Link ein. Ein Klick auf OK öffnet ein neues Fenster, in dem Sie das Verzeichnis wählen, in dem QTorrent den Download sichert.
QTorrent lädt auf diese Art ebenso reibungslos herunter, wie wenn Sie die Torrent-Datei manuell sichern. Auch wenn Sie den Download zwischenzeitlich abbrechen, brauchen Sie bei der Wiederaufnahme nicht jedes Mal wieder die Web-Adresse der Torrent-Datei suchen. Der Menüpunkt File / History enthält die letzten Download-Aufträge (Abbildung 4). Damit haben Sie direkten Zugriff, ohne Umweg über den Open-Dialog.
QTorrent über den Datei-Manager zu starten bleibt zwar möglich, wird aber bei häufiger Verwendung des Programms lästig. Weil QTorrent nicht als RPM-Paket installiert wird, erhält es auch keinen automatischen Menüeintrag. Ersatz bietet ein Icon auf dem Desktop. Dazu klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Stelle Ihres Arbeitsplatzes, an der Sie den QTorrent-Schnellstarter platzieren möchten. Im Kontextmenü wählen Sie Neu erstellen / Datei / Verknüpfung zu Programm... Im Dialogfenster geben Sie im Eingabefeld als Namen QTorrent ein. Im Reiter Programme beschreiben Sie unter Befehl: den genauen Pfad zu Ihrer QTorrent-Installation, z. B. /home/user/qtorrent-0.9.5/qtorrent. Über das neue Icon auf dem Desktop erreichen Sie nun QTorrent mit einem Mausklick. (csc)
| Infos |
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[1] BitTorrent: http://bittorrent.com/
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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