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Erschienen in EasyLinux 01/2005   »   Ausgabe bestellen

Wo KDE seine Daten speichert

Gewusst wo

von Andrea Müller


Nahezu alle Anwendungen unter Linux speichern die Konfiguration der Benutzer im jeweiligen Home-Verzeichnis; auch KDE macht da keine Ausnahme. In diesem Basics-Artikel erfahren Sie, wo Sie Ihre E-Mails und die Einstellungen ausgewählter Programme finden.

Spätestens wenn man eine neue Distribution installieren will, beginnt bei den meisten Linux-Einsteigern eine hektische Suchaktion. Schließlich will niemand seine Mail-Konten, das Adressbuch und den individuell gestalteten Desktop neu einrichten. Müssen Sie auch nicht! Wir erklären, wo KDE-Programme Einstellungen und Dateien speichern. Mit diesem Wissen nehmen Sie Mail-Konten, Desktop-Gestaltung und mühsam ausgetüftelte Programmkonfigurationen einfach mit auf das neue System.

Mail-Halde

Die meisten Linux-Neulinge interessiert, wo KMail gesendete und empfangene Mails speichert. Das Programm verwahrt die elektronische Post im Unterordner Mail Ihres Home-Verzeichnisses. Darunter liegen die Ordner, die Sie auch in der linksbündigen Baumansicht des KDE-Mailers angelegt haben. Die Namen der Standardverzeichnisse sind im Dateisystem anders als in KMail nicht lokalisiert, sondern tragen englische Namen (Abbildung 1). Die folgende Auflistung nennt zuerst den Namen des Ordners unterhalb von /home/benutzername/Mail und danach die lokalisierte Bezeichnung.

Ordner, die Sie selbst in KMail anlegen, heißen in /home/benutzername/Mail ebenso wie im Mail-Programm. Sortieren Sie etwa alle beruflichen Nachrichten in den Postordner arbeit ein, speichert das Programm diese Mails im Verzeichnis /home/benutzername/Mail/arbeit.

Abb. 1: Die fünf Standardordner von KMail und der selbst angelegte Ordner "privat".

Desktop-Verknüpfungen

Alles, was auf Ihrem Desktop liegt, finden Sie im Ordner /home/benutzername/Desktop. Dort befinden sich Verknüpfungen zu Ordnern oder auch die auf der Arbeitsoberfläche gespeicherten Dokumente. Zusätzlich gibt es einige Einträge, die die Distributionen standardmäßig anlegen. Suse Linux 9.1 speichert dort das Suse-Symbol, das bei einem Klick den Susegreeter startet. Dieses Programm begrüßt Sie, wenn Sie sich das erste Mal anmelden und präsentiert Ihnen unter anderem Links zur Suse-Linux-Web-Seite und der Hardware-Datenbank.

Die standardmäßig im Desktop-Verzeichnis liegenden Dateien tragen die Endung .desktop und sind mehr als einfache Verknüpfungen. Es sind Textdateien, in denen steht, welches Symbol KDE für den Desktop-Eintrag anzeigt, wie die Symbolunterschrift lautet und was passiert, wenn Sie das Icon anklicken. Wie eine solche Datei aufgebaut ist, sehen Sie am besten, wenn Sie sie über einen Rechtsklick und Auswahl von Vorschau in Erweiterte Editorkomponente öffnen (Abbildung 2).

Abb. 2: Das "Support"-Symbol auf dem Suse-Linux-Desktop ruft abhängig von den Spracheinstellungen entweder eine englische, tschechische, deutsche oder ungarische Seite auf. Dieses sprachabhängige Verhalten definieren die mit "URL" beginnenden Zeilen.

Sammellager

Die oben vorgestellten Ordner Desktop und Mail sind Exoten, denn der zentrale Speicherort für KDE-Daten und -Programmeinstellungen ist das versteckte Verzeichnis .kde im Home-Verzeichnis Ihres Benutzers. Da der Name mit einem Punkt beginnt, zeigen weder ein einfaches ls auf der Kommandozeile noch der KDE-Datei-Manager diesen Ordner an. So haben Sie als Benutzer nicht Dutzende von Konfigurationsdateien, sondern nur die selbst angelegten Verzeichnisse im Blick. Um ein wenig im .kde-Verzeichnis zu stöbern, blenden Sie es im Konqueror über Ansicht / Versteckte Dateien anzeigen ein.

Interessant für Benutzer sind die Ordner Autostart und share. Im ersten liegen wie unter Windows Verweise auf die automatisch zu startenden Programme. Bei den meisten Distributionen ist das Verzeichnis standardmäßig leer. Um dort die Verknüpfung mit einem Programm abzulegen, ziehen Sie einfach den Startmenüeintrag der Anwendung mit gedrückt gehaltener linker Maustaste auf das Autostart-Verzeichnis und lassen ihn dort fallen. Wählen Sie Hiermit Verknüpfen aus dem Kontextmenü. In Zukunft startet KDE das im Autostart liegende Programm automatisch, wenn Sie sich anmelden.

Im Ordner /home/benutzername/.kde/share gibt es mehrere Unterverzeichnisse. Die Konfigurationsdateien aller KDE-Programme finden Sie unterhalb von /home/benutzername/.kde/share/config. Deren Namen beginnen mit dem Programmnamen und enden auf rc, so heißt die Einstellungsdatei des Text-Editors KWrite kwriterc. Sobald Sie ein KDE-Programm das erste Mal starten, kopiert es seine Standardeinstellungen in diesen Ordner. Passen Sie das Verhalten der Anwendung über das Menü an, schreibt sie die Änderungen in die Datei im config-Verzeichnis.

Wer schon mit Windows 3.1 gearbeitet hat und es dort öfters mit .ini-Dateien zu tun hatte, versteht den Aufbau dieser Dateien auf den ersten Blick. Öffnen Sie eine in der Konqueror-Vorschau, beispielsweise die kmailrc (Abbildung 3). Dort stehen unter anderem die von Ihnen in Kmail angelegten Konten. Die Datei ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die mit [Abschnittsname] beginnen. So gibt es für jedes Mail-Konto einen Abschnitt Account x, wobei x eine fortlaufende Nummer ist. Darunter finden Sie die Daten des Mail-Kontos in der Form Einstellung=Wert. Die Zeile Folder=inbox in Abbildung 3 bedeutet, dass alle neuen Mails vom zweiten Account standardmäßig im Posteingang landen.

Abb. 3: Die Kontoinformationen, die Sie in KMail eingeben, speichert das Programm in der Datei "kmailrc".

Ebenfalls viele persönliche Einstellungen, die es zu sichern lohnt, stehen in knoderc, kickerrc und kdesktoprc. In der ersten speichert der Newsreader Knode seine Konfiguration, in kickerrc steht, wie die KDE-Leiste aussieht und welche Miniprogramme dort laufen, kdesktoprc enthält den Pfad zum Hintergrundbild. In diesen Konfigurationsdateien sollten Sie nichts ändern -- Sie erreichen die Optionen auch über das Menü des entsprechenden Programms. Stehen in einer Einstellungsdatei ungültige Werte, kann es passieren, dass eine Anwendung nicht mehr startet. Oft hilft es dann, die entsprechende Datei umzubenennen, so dass das bockige Programm wieder die Standardkonfiguration benutzt.

Der Ordner .kde/share/apps enthält Daten einiger Programme. So speichert dort der Konqueror die von Ihnen angelegten Ansichtsprofile im Verzeichnis .kde/share/apps/konqueror/profiles. Die Profildateien haben den Namen, unter denen Sie die Ansichten im Dialog Einstellungen / Ansichtsprofile verwalten gespeichert haben. Eine Ebene darüber, im Ordner konqueror liegt die Datei bookmarks.xml. Dort verwaltet der Browser die von Ihnen angelegten Lesezeichen. In der eingebetteten Vorschau werden Sie aus dieser Datei nicht schlau; öffnen Sie sie besser mit KWrite, wenn Sie einen Blick hinein werfen möchten.

Auch das Adressbuch legt die Kontaktliste im apps-Verzeichnis ab. Sie finden sie im Ordner kabc. Das Standardadressbuch heißt std.vcf.

Da KDE-Programme ihre Daten und Konfiguration alle nach diesem Schema in /home/benutzername/.kde speichern, ist es leicht, die richtige zu finden. Kommen Sie trotzdem einmal nicht weiter, etwa weil Sie den genauen Namen einer Anwendung nicht kennen oder die Einstellungsdatei doch anders heißt, lesen Sie im Kasten Erkundungstour, wie Sie trotzdem an die gewünschten Informationen kommen. (amü)

Erkundungstour

Suchen Sie die Konfigurationsdatei eines bestimmten Programms und finden den Namen nicht heraus, etwa weil die Anwendung sie unter einem Namen speichert, der nichts mit dem Programmnamen zu tun hat, ist das meistens kein Problem. Mit Hilfe des mächtigen KDE-Suchdialogs finden Sie sie trotzdem: Als Erstes gilt es herauszubekommen, was das Programm so alles speichert. Gibt es eine Eingabemaske, in der Sie persönliche Daten, wie den Namen oder die Adresse eingeben müssen, oder präsentiert die Anwendung im Datei-Menü die Liste der zuletzt geöffneten Dokumente? Haben Sie solch einen Hinweis gefunden, sorgen Sie für einen erfolgreichen Suchlauf, indem Sie einen Dateinamen oder persönliche Daten eingeben, die nirgendwo sonst in Ihrem Home-Verzeichnis stehen. Nennen Sie sich Rolf Regenbogen oder speichern Sie eine Datei unter dem Namen wo_ist_das_biest.

Öffnen Sie ein Schnellstartfenster ([Alt-F2]) und geben Sie kfind ein, um das KDE-Suchwerkzeug zu starten. Klicken Sie auf dem Register Name/Pfad auf Auswählen. Im Dateiauswahldialog drücken Sie [F8], damit Sie auch die versteckten, mit einem Punkt beginnenden Konfigurationsverzeichnisse sehen. Markieren Sie den Ordner .kde und klicken Sie auf OK -- dadurch geht die Suche viel schneller, als wenn kfind Ihr gesamtes Home-Verzeichnis durchkämmen müsste. Wechseln Sie nun auf die Registerkarte Inhalt und geben Sie in das Feld Enthaltener Text die zuvor eingegebene Zeichenkette als Suchkriterium ein.

Sobald Sie auf Suchen klicken, durchforstet kfind die Dateien im Ordner /home/benutzername/.kde nach dem Suchbegriff und zeigt alle Treffer an (Abbildung 4).

Abb. 4: Das KDE-Screenshot-Programm "ksnapshot" speichert seine Konfiguration in der Datei "/home/benutzername/.kde/share/config/ksnapshotrc". Der zweite Treffer verweist auf den Ordner mit den zuletzt geöffneten Dokumenten, den KDE auch im Startmenü anbietet.

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