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von Hans-Georg Eßer
Die erste Nachricht für alle Kaufinteressierten ist: Der Linux-Einstieg mit dem Kauf einer Suse-Box ist teurer geworden, denn eine Personal-Version bietet Suse nicht mehr an. Die einzige verfügbare Variante ist die Professional-Version, die in Preis und Ausstattung dem Vorgänger 9.1 Professional entspricht.
Mit KDE 3.3, Gnome 2.6, Linux-Kernel 2.6.8, OpenOffice 1.1.3 und Gimp 2.0.4 enthält Suse Linux 9.2 aktuelle Software -- was die Gesamtmenge der Pakete angeht, hält Suse traditionell vorderste Plätze.
Bei der Installation hat man die Wahl zwischen CD- und DVD-Quellen -- wer aber ein DVD-Laufwerk besitzt, sollte sich unbedingt für die DVD-Variante entscheiden: Den CDs fehlen einige Pakete, so z. B. das DTP-Programm Scribus.
Deutlich verbessert hat Suse übrigens die Aufbewahrung der Datenträger: Das mag von Vielen als uninteressantes Detail betrachtet werden, aber die Medien-Schuber früherer Suse-Versionen waren eher unglücklich gestaltet; bei der neuen Version sind alle CDs und DVDs in einem praktischen Ringordner untergebracht, aus dem man sie sehr leicht entnehmen kann.
Mit Version Linux 9.2 liefert Suse erstmals eine Doppel-Layer-DVD aus, so dass ab sofort Verwirrung bezüglich der richtigen Seite der Vergangenheit angehören; auch darf man nun beherzter zufassen, weil es eine normal bedruckte Vorderseite gibt.
Getestet haben wir die Neuinstallation sowie das Update von der Vorgängerversion (Suse Linux 9.1 Professional) auf die aktuelle Version.
Nach dem Einlegen der DVD und Starten des Rechners stellt man im Boot-Menü mit [F4] die Sprache auf Deutsch um und wählt dann den Menüpunkt Installation aus; vorausgewählt ist Von Festplatte booten -- das ist gut, falls man nur versehentlich von der DVD bootet.
Auf ausführliche (Kernel-) Ausgaben schaltet jetzt (anders als in früheren Versionen) die Taste [Esc] um.
Nach der Bestätigung der Installationssprache wählt man das Update des bestehenden Systems -- die Neuinstallation ist vorausgewählt.
Suse-üblich kümmert sich YaST auf Wunsch selbst um alle Einstellungen, die aus seiner Sicht beste Variante schlägt es in einer Zusammenfassung vor. Wer auf einem (bisher) reinen Windows-Rechner installiert, wird sich darüber freuen, dass Suse Linux vorhandene Windows-Partitionen automatisch verkleinern kann, um Platz für Linux zu schaffen -- das gelingt im Test auch gut, ist aber (wie jeder Eingriff in die Partitionierung) riskant.
Vor der eigentlichen Installation muss man einige Lizenzen zur Kenntnis nehmen akzeptieren, z. B. für den Flash-Player. Dank DVD erübrigt sich ein Wechsel der Datenträger: Auf der neuen DVD haben nämlich die Pakete für 32-Bit- und 64-Bit-CPUs gemeinsam Platz.
Bei den Sicherheitseinstellungen gibt sich Suse paronoid, und das wird für die meisten Situationen auch richtig sein: So ist die Firewall nach der Installation eingeschaltet, und selbst ein SSH-Zugang (für die Fernwartung von einem anderen Rechner aus) ist nicht möglich. Auch der X-Server nimmt keine Anfragen von außen an.
Aufgeräumt präsentiert sich das Startmenü (Abbildung 3): Suse verfolgt das Konzept, Programme nicht mit ihrem Namen, sondern mit einer Funktionsbeschreibung in das Menü einzutragen -- so enthält das Untermenü Büroprogramme beispielsweise die Einträge Kalender, Projektmanagement und Präsentation. Gibt es zu einem Anwendungsgebiet mehrere Programme, wird aus dem Tätigkeitseintrag ein Untermenü mit den Programmnamen, also etwa: Abiword Textverarbeitung und OpenOffice.org Writer als Unterpunkte zu Textverarbeitung.
Ganz einheitlich ist die Vorgehensweise aber nicht, denn die ebenfalls im Menü Büroprogramme liegenden Einträge Evolution und Kontact passen nicht ins Schema. Auch werden es sicher viele fortgeschrittene Anwender als lästig empfinden, erst nach dem Programmstart herauszufinden, welche Anwendung sich hinter einem Eintrag verbirgt. Optimal wäre eine Kombination aus Programmname und Beschreibung, zur Not auch in Form einer "Bubble-Help", die erst angezeigt wird, wenn man längere Zeit mit dem Mauszeiger auf einem Eintrag verharrt.
Viel Energie haben die Suse-Entwickler in die Unterstützung tragbarer Geräte gesteckt, vor allem die seit einiger Zeit agressiv beworbenen Centrino-Notebooks laufen jetzt besser. WLAN, Suspend-to-RAM und Suspend-to-Disk funktionieren jetzt mit deutlich mehr Geräten als bisher. (Für ein drei Jahre altes Sony-Vaio-Notebook in unserem Test galt das leider nicht; auf einem aktuellen IBM-Gerät funktionierte aber alles.)
Die früheren Personal-Versionen waren, was die Dokumentation angeht, nicht besonders üppig ausgestattet. Bei der Professional-Version war das schon immer anders, und so bietet auch die aktuelle Version zwei Handbücher mit insgesamt über 1100 Seiten -- das entspricht ungefähr dem Umfang des Vorgängers. Den Aufbau hat Suse überarbeitet: Die Installationsanleitung ist ins dicke Administrationshandbuch gewandert, so dass sich das Anwenderhandbuch nur noch mit der reinen Benutzung beschäftigt. Das ist z. B. für Firmen sinnvoll, bei denen die Installation und auch spätere Anpassungen Aufgabe eines Systemadministrators sind.
Das Benutzerhandbuch erklärt die Desktops KDE und Gnome, stellt die wichtigsten Anwendungen vor (z. B. OpenOffice und diverse Multimedia-Tools) und hilft im Kapitel "Exkurse" bei den ersten Schritten auf der Shell.
Im Kurztest zeigte sich Suse Linux 9.2 als runde Sache. Eventuelle größere Probleme werden erst bekannt, wenn das System eine Weile im Einsatz ist. Ab der nächsten EasyLinux-Ausgabe gehört die Suse-Version 9.2 zu den unterstützten EasyLinux-Distributionen: Wir halten Sie also auf dem Laufenden. (hge)
| Infos | |
| Name: | Suse Linux Professional 9.2 |
| Umfang: | 5 CDs, 2 DVDs (davon eine Doppel-Layer-DVD) |
| Handbücher: | Benutzerhandbuch (335 Seiten), Administration (781 Seiten) |
| Preis: | 89,95 Euro, Update oder Studenten: 59,95 Euro |
| WWW: | http://www.suse.de/de/private/products/suse_linux/prof/ |
| Probleme |
Dual-Head-BetriebDie KDE-Version 3.3.0, die Suse mitliefert, hat im Dual-Head-Betrieb -- also bei Einsatz mehrerer Monitore -- ein kleines, aber nerviges Problem: Beim Umschalten zwischen mehreren Desktop (über die Tastenkombinationen [Strg-F1], [Strg-F2] usw.) wandert der Fokus unvermittelt auf den zweiten Bildschirm und zurück: Mehrmaliges Drücken der Tasten wechselt also zunächst auf dem ersten Bildschirm den Desktop und dann plötzlich auf dem zweiten. Wer sicher gehen will, auf dem richtigen Bildschirm zu wechseln, muss zunächst mit der Maus auf den Desktop oder ein Fenster klicken. Auch nicht schön: Läuft der Konqueror auf dem zweiten Desktop, erscheinen Cookie-Warnungen auf dem ersten -- die Maus muss einen weiten Weg zurücklegen, um die Meldung wegzuklicken. Außerdem hüpft beim Programmstart auf dem zweiten Desktop recht lange ein zusätzliches Programm-Icon -- auch dann noch, wenn das Programmfenster schon aktiv und benutzbar ist. Dieses Problem hatte aber schon die Vorversion; Dual-Head-Systeme sind offenbar bei den KDE-Entwicklern nicht weit verbreitet. Ebenfalls lästig: Auf dem Testrechner trat gelegentlich der (schon aus Version 9.1 bekannte) Fehler auf, dass sich auf dem zweiten Bildschirm Fenster nicht mehr verschieben ließen -- hier half nur ein Neustart der grafischen Oberfläche. Externe DatenträgerKleinere Ungereimtheit: Nach dem Einbinden einer externen Partition kann man zwar auf diese zugreifen, im Arbeitsplatz-Fenster erscheint aber die Information "Nicht eingebundene Festplattenpartition", wenn man den Mauszeiger über das Icon USB Festplatte bewegt. |
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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