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von Martin Loschwitz
Das hatte die Welt noch nicht gesehen: eine ganzseitige Anzeige in der New York Times für ein Open-Source-Programm -- nicht von irgendeiner Firma, sondern komplett aus Spenden finanziert. Die für die Open-Source-Szene ausgefallene Marketing-Idee fanden die deutschen Anhänger so toll, dass sie kurzerhand ebenfalls eine Kampagne starteten und in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine ganze Seite buchten. Kein anderes Open-Source-Programm macht derzeit so viel Furore wie der Browser Firefox. Mit über 300 Parties in 81 Ländern feierten seine Fans die Veröffentlichung der finalen Version 1.0 Mitte November, die Download-Zahlen nähern sich rasant der Zehnmillionenmarke.
Als die Entwickler den Browser -- damals noch unter dem Namen Phoenix -- aus der Mozilla-Suite ausgliederten, hatten sie sich viel vorgenommen: Die bessere Alternative zum Internet Explorer sollte er werden, ein Browser, der tadellos funktioniert und auch für Anfänger bedienbar ist. Das Resultat dieser Bemühung trägt heute den Namen Firefox.
Hinter einer übersichtlichen und unkomplizierten Benutzeroberfläche verbergen sich jede Menge Funktionen, die das Surfen im Alltag zum Vergnügen machen. Neben vielen Bugfixes haben die Entwickler für die Version 1.0 auch das Tabbed-Browsing, bei dem man in einem Browser-Fenster verschiedene Tabulatoren zum gleichzeitigen Betrachten vieler Websites öffnet, gründlich überarbeitet. Wir zeigen, wie Sie den Browser fit für den Einsatz machen.
Bevor Sie mit der neuen Version loslegen, sollten Sie sich von Altlasten trennen -- älteren Firefox-Versionen, die auf dem System noch installiert sind. Wenn Sie Firefox auf einem jungfräulichen System installieren, überspringen Sie diesen Schritt. Ansonsten hängt es von Ihrer Distribution ab, wie Sie weiter vorgehen -- und auch davon, ob Sie Firefox als RPM-Paket oder als Tarball installiert haben.
Wenn Sie ein RPM-Paket benutzen, verbannen Sie den alten Firefox relativ einfach aus dem System. Unter SUSE 9.1 und 9.2 starten Sie über System / YaST im K-Menü YaST2 und klicken rechts auf Software installieren / deinstallieren. Suchen Sie nach Paketen mit firefox im Namen und stellen Sie sicher, dass vor diesen Paketen in der Liste kein Haken zu sehen ist, sondern das Symbol einer Mülltonne.
Bei Fedora Core 2 ist die Kommandozeile der schnellste Weg. Starten Sie mit [Alt-F2] und der Eingabe von konsole ein Terminal. Der Befehl rpm -qa | grep firefox fördert bereits installierte Pakete ans Tageslicht, entsprechende Pakete heißen zumeist mozilla-firefox mit angehängter Versionsnummer. Werden Sie dann mit su zum Administrator Root. Das Kommando rpm -e Paketname-Version entfernt das installierte Firefox-Paket, Paketname-Version ersetzen Sie durch den vorher gefundenen Paketnamen.
Bei Mandrake Linux erreichen Sie das passende Programm über das K-Menü bei System / Einstellungen / Paketierung / Software entfernen. Suchen Sie nach firefox, entfernen Sie die Haken vor den gefundenen Paketnamen in der Liste und bestätigen Sie die Auswahl.
Anders sieht es aus, wenn Sie früher einen Tarball verwendet haben. Dann müssen Sie herausfinden, wo die alte Firefox-Installation gelandet ist. Der wahrscheinlichste Platz ist entweder in Ihrem Home-Verzeichnis oder im Verzeichnis /usr/local. Dort liegen alle Firefox-Dateien in einem Verzeichnis, das Sie einfach löschen. Eventuell müssen Sie dazu den Datei-Manager Konqueror im Administrator-Modus starten.
Wie alles hat auch die neue Firefox-Release Nachteile. Sie ist inkompatibel mit dem Großteil der Plugins, Extensions und Themes aus früheren Versionen. Daher ist es auch eher unglücklich, dass das Setup-Programm den neuen Firefox nach der Installation sofort startet: Der Erweiterungs-Manager bombardiert Sie nämlich mit Nachrichten über alte Plugins, die nicht mehr kompatibel sind -- im glücklichsten Falle. In Tests konnten wir bei allen unterstützten Distributionen das Phänomen reproduzieren, dass statt des gewohnten Browsers nur zwei Fenster mit gelbem Hintergrund und kryptischer Fehlermeldung erschienen (Abbildung 1).
Welche Vorgehensweise die Beste ist, hängt vom Einzelfall ab. Wenn Sie das normale Firefox-Fenster samt Erweiterungs-Manager sehen, nutzen Sie am besten dessen Funktionen zum automatischen Upgrade von Extensions. Sehen Sie aber nur die beschriebenen gelben Fenster, wird es schwierig. Das Problem liegt dann darin, die Extension zu finden, die Ärger macht und den Start des Programms verhindert -- eine Sisyphus-Arbeit, die leicht Stunden dauern kann. Eine andere Lösung bietet sich an: Wenn Sie damit leben können, sichern Sie die Datei mit Ihren Bookmarks und löschen ansonsten die komplette Konfiguration des Browsers im Verzeichnis in ~/.mozilla/firefox. Anschließend sollte der Browser problemlos starten. Wer in seinem alten Firefox keine Plugins oder Extensions installiert hat, braucht dies natürlich nicht zu tun.
Der Nachteil von RPM-Paketen ist die Abhängigkeit vom Distributor oder von der Person, die passende RPM-Pakete anbietet. Wenn ein Programm in einer neuen Version veröffentlicht wird, dauert es oft recht lange, bis der Distributor RPM-Pakete dafür bereitstellt -- und häufig passiert das auch gar nicht, so dass der Benutzer auf die nächste Version der Distribution warten muss, die das neue Programm enthält.
Auf der Firefox-Website bieten die Entwickler deshalb gepackte Tar-Archive mit einem Installer an, der die Dateien an die passenden Stellen kopiert. Alle Schritte sind dabei distributionsunabhängig. Diese offiziellen Tar-Archive erscheinen relativ schnell in einer deutschen Version -- ein weiterer Vorteil gegenüber den RPM-Pakete, die oft gar nicht in einer deutschen Fassung erhältlich sind.
Die Pakete des Firefox-Teams sind in zwei verschiedenen Varianten erhältlich, mit und ohne Installer. Wir verwenden die für Anfänger leichter benutzbarere Version mit Installer.
Um die alten Bookmarks wieder einzuspielen, beenden Sie den Browser und kopieren im Konqueror die gerettete Datei bookmarks.html in das vom Installer neu angelegte Verzeichnis .mozilla/firefox/ZufaelligerName. Mit Überschreiben sorgen Sie dafür, dass Konqueror die Standard-Bookmark-Datei durch Ihre eigene ersetzt.
Im KDE-Menü fehlt noch der Eintrag für den neuen Firefox: Starten Sie den Menü-Editor, indem Sie mit der rechten Maustaste auf das Symbol des K-Menüs klicken. Suchen Sie eine passende Untergruppe und erstellen Sie dort durch Klick auf das weiße Blatt in der Button-Leiste den neuen Eintrag. Als Befehl tragen Sie /home/Benutzername/firefox/firefox ein (Abbildung 3). Ein passendes Symbol finden Sie im Installationsordner von Firefox im Unterverzeichnis icons. Mit Speichern bestätigen Sie die Änderung. Damit ist die Installation von Firefox 1.0 erledigt. (eba)
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Last modified: 2007-04-05 11:10
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