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Erschienen in EasyLinux 02/2005   »   Ausgabe bestellen

Internet-Telefonie mit Skype

Telefonieren zum Nulltarif

von Martin Loschwitz


Skype verspricht problemloses Telefonieren übers Internet auch hinter Routern und Firewalls. Wir helfen bei der Installation und erklären die Grundlagen.

Wer Freunde im Ausland hat, kennt das Gefühl: Eigentlich könnte man noch stundenlang weitertelefonieren, doch der Blick auf den Gebührenzähler verdirbt den Spaß. Ferngespräche für umsonst sucht man hierzulande vergeblich, doch Flatrate-Besitzer haben eine Alternative: Telefonieren über das Internet.

Dass sich das weltweite Datennetz auch zur Sprachübertragung nutzen lässt, hat man früh erkannt. Doch noch krankt die Internet-Telefonie, auch Voice-over-IP genannt, an vielen Stellen. Wer sie nutzen will, braucht spezielle Software. Danach muss man sich entweder bei einem VoIP-Anbieter anmelden oder selbst einen Server für Internet-Telefonie konfigurieren -- für unerfahrene Benutzer ein Ding der Unmöglichkeit. Verwenden Sie eine Firewall, stehen Sie vor noch größeren Problemen: Diverse Ports müssen offen sein, damit VoIP funktioniert. Einstecken und Loslegen fällt damit flach.

Hier setzt Skype an. Das für Windows, Mac und Linux erhältliche Programm will Telefonieren per Internet so einfach wie möglich machen. Dazu verwendet es keines der Standardprotokolle wie SIP oder IAX, sondern eine proprietäre Implementierung, die die Gespräche problemlos durch Firewalls und Gateways schleust. So sind Konfigurationsorgien der Firewall unnötig. Nur wer angerufen werden möchte, muss einen einzelnen Port freischalten. Selber andere Leute anzurufen, funktioniert aber auch ohne den freien Port.

Innerhalb des Skype-Netzwerks telefonieren Sie mit sämtlichen Benutzern umsonst, für Gespräche ins Telefonnetz bietet der Hersteller auf seiner Website Credits zum Kauf an. Wer das Telefonieren per Internet testen möchte, findet in Skype ein einsteigerfreundliches und leicht zu bedienendes Programm.

Zutaten

Um los zu telefonieren, benötigen Sie ein Mikrofon. Ein normales Handmikrofon genügt, wesentlich bequemer ist aber ein Headset, damit Sie beim Telefonieren die Hände frei haben. EasyLinux empfiehlt Headsets mit Klinkensteckern zum direkten Anschluss an die Sound-Karte. Zwar gibt es auch USB-Headsets -- ob diese mit Linux funktionieren, ist jedoch Glückssache. Für diesen Artikel verwendeten wir das Sennheiser PC150, das mit einem Preis von ca. 70 Euro ziemlich teuer ist, dafür aber exzellente Sprachqualität bietet. Weitaus billigere Headsets finden Sie bei jedem Elektro-Discounter, die zwar qualitativ schlechter sind, für den Anfang aber ausreichen.

Außerdem brauchen Sie eine Vollduplex-fähige Sound-Karte. Vollduplex bedeutet, dass Sie mit der Karte zur selben Zeit hören und aufnehmen können. Es schadet auch nicht, zwei Sound-Karten zu verwenden: eine für den "normalen" Gebrauch und eine fürs Telefonieren reservierte. So sparen Sie sich das Umstecken von Kabeln und verhindern, dass der Gesprächspartner im PC-Lautsprecher ertönt. Auf den meisten modernen Mainboards ist bereits eine Sound-Karte eingebaut, die sich dafür verwenden lässt, eine zweite ergänzen Sie als PCI-Karte.

Die Sound-Karte muss korrekt konfiguriert sein. Stellen Sie dazu im Mixer-Programm, zum Beispiel kmix oder kamix, sicher, dass der Schieberegler mit der Bezeichnung Mic nicht auf Null steht, und achten Sie darauf, dass im Einstellungsdialog des Mixers die passende Sound-Karte ausgewählt ist.

Wenn Sie hinter einer Firewall sitzen, sollten Sie einen Port öffnen, über den Skype später eingehende Verbindungen leitet. Es geht zwar auch ohne, dann können Sie aber nur andere anrufen und nicht angerufen werden. Wie Sie einen Port an der Firewall freischalten, erfahren Sie meist im Handbuch des Geräts. Skype schlägt als Standardport 9188 vor, der Port ist im Programm aber einstellbar (mehr dazu weiter unten).

Für einigermaßen erquickliche Sprachqualität sollten Sie einen Breitbandanschluss mit DSL- oder Kabelmodem verwenden. Theoretisch reicht auch eine ISDN-Verbindung, diese ist dann allerdings während des Telefonats dicht und die Qualität ist eher bescheiden.

Anmelden muss sein

Skype funktioniert so: Möchten Sie mit einer Person im Netzwerk telefonieren, schickt Ihr Client eine Anfrage an einen zentralen Server. Der Server macht den Nutzer ausfindig, mit dem Sie sprechen möchten, und teilt ihm mit, dass ihn jemand anrufen will. Wenn dieser die Aufforderung annimmt, vermittelt der Server eine direkte Verbindung zwischen den Gesprächspartnern. Um sich an diesem Server anzumelden, brauchen Sie einen Benutzer-Account. Bevor es mit der Installation los geht, müssen Sie sich deswegen auf der Skype-Website http://www.skype.com registrieren.

Klicken Sie von der Startseite aus auf Store (lassen Sie sich vom Namen nicht irriteren, Sie kaufen nichts) und wählen links My Account. Im unteren Bereich der neuen Seite geben Sie Ihre Stammdaten ein, anschließend genügt ein Klick auf Create Skype Name. Notieren Sie sich den Namen des Skype-Accounts und das Passwort, Sie brauchen die Angaben später noch.

Die Software bekommen Sie auf der Website des Herstellers. Dort stehen RPM-Pakete für die gängigen Distributionen bereit, so dass Sie sich umständliche Installationsorgien sparen. Im Folgenden beschreiben wir die Einrichtung für alle von EasyLinux unterstützten Distributionen.

Suse Linux 9.1 und 9.2

  1. Öffnen Sie im Konqueror die Skype-Download-Seite [1].
  1. Klicken Sie Sie auf den Link RPM for SuSE 9 and newer und wählen Sie im Download-Dialog Öffnen (Abbildung 1).

Abb. 1: In Suse Linux 9.1 und 9.2 und Mandrake 10.1 installieren Sie Skype ganz bequem aus dem Konqueror heraus.
  1. Klicken Sie im Konqueror auf Install package with YaST. Geben Sie das Passwort des Administrators Root ein und warten Sie, bis YaST seine Arbeit abgeschlossen hat. Dann ist Skype installiert.
  1. Starten Sie Skype über Internet / andere Programme / Skype im K-Menü.

Fedora Core 2

Unter Fedora Core 2 kommen Sie um die Kommandozeile leider nicht herum.

  1. Öffnen Sie im Browser die Skype-Download-Seite und speichern Sie die Datei unter RPM for Fedora Core 2 in Ihrem Home-Verzeichnis.
  1. Öffnen Sie mit [Alt-F2] und konsole ein Terminal und melden Sie sich darin mit dem Befehl su und Ihrem Administratorpasswort als Root an.
  1. Führen Sie dann den Befehl system-install-packages skype-paket aus. skype-paket ersetzen Sie durch den Namen der Datei, die Sie eben heruntergeladen haben. In der Regel brauchen Sie nur die Anfangsbuchstaben, z. B. sky, zu tippen und anschließend die Tabulatortaste zu drücken, die Shell vervollständigt den Dateinamen automatisch.
  1. Bestätigen Sie die Bildschirmmeldungen, die der Installer ausgibt, mit Klick auf Ok.
  1. Das frisch installierte Programm starten Sie anschließend über den Menüpunkt Internet / Skype im K-Menü.

Mandrake Linux 10.1

Für Mandrake Linux stellt der Hersteller ebenfalls RPM-Pakete bereit, die Sie bequem mit RPMDrake installieren.

  1. Klicken Sie auf der Skype-Download-Seite [1] auf den Link RPM for Mandrake 9.2 or newer und wählen Sie im Download-Dialog den mittleren Button Mit RPMDrake öffnen.
  1. Konqueror startet automatisch RPMDrake, das Mandrake-Programm zur Paketinstallation. Geben Sie das Passwort des Administrators Root ein und bestätigen Sie die folgenden Dialoge mit Klick auf Ok und Fortsetzen.
  1. Bestätigen Sie auch eventuell angezeigte Warnungen zu den Abhängigkeiten des Pakets.
  1. Nach abgeschlossener Installation starten Sie Skype über den Menüpunkt Internet / Instant Messaging / Skype im K-Menü.

Los geht's

Nach dem Start fordert Skype sie auf, Ihren Benutzernamen und das Passwort einzugeben. Kommen Sie der Aufforderung nach und bestätigen Sie die Eingabe (Abbildung 1).

Wenn Sie jetzt feststellen, dass sich Skype in englischer Sprache präsentiert, lautet die Devise "cool bleiben": Über Tools / Select Language / German stellen Sie das Programm auf Deutsch um.

Vor dem ersten Telefonat lohnt es sich, die Optionen zu durchforsten und den eigenen Vorstellungen anzupassen. Den Dialog öffnen Sie mit Datei / Optionen.

Regeln Sie dort die Einstellungen für die Abwesend- und die Nicht-verfügbar-Notizen und setzen Sie den ersten Eintrag auf 20, den zweiten auf 40 Minuten. Damit verhindern Sie, dass später andere versuchen, Sie zu erreichen, während Sie nicht am Rechner sitzen. In solchen Fällen setzt Skype den Status nach Ablauf der eingestellten Zeit selbst auf abwesend oder Nicht verfügbar.

Bei Privacy stellen Sie ein, dass Skype nur Anrufe und Nachrichten von Benutzern annimmt, die in Ihrer Kontaktliste stehen (Abbildung 2). Das mag auf den ersten Blick lästig erscheinen, weil Sie jeden Nutzer, mit dem Sie telefonieren wollen, erst zur Kontaktliste hinzufügen müssen. Genauer betrachtet erweist sich diese Funktion aber als nützlich: Ähnlich wie ICQ haben die Werbetreibenden dieser Welt auch Skype schon als Plattform entdeckt. So belästigt Sie niemand mit Werbebotschaften.

Abb. 2: In den Privavy-Einstellungen legen Sie fest, dass Skype nur Anrufe von Personen aus Ihrer Kontaktliste annehmen soll. So halten Sie sich Werbung vom Leib.

Genau hinhören

Hand / Headsets ist wichtig, wenn Sie mehr als eine Sound-Karte in Ihrem Rechner verwenden. Dann stellen Sie hier ein, welche der gefundenen Karten Skype nutzen soll. Das Programm erkennt Sound-Karten anhand des Geräteeintrags im /dev-Verzeichnis. Dazu müssen Sie in diesem Karteireiter das passende Gerät angeben. Den richtigen Eintrag in /dev finden Sie mit einem Trick: Führen Sie in einer Konsole cat /dev/urandom > Name-der-Gerätedatei aus. Name-der-Gerätedatei ersetzen Sie nacheinander durch alle /dev/dsp*-Geräte, die Skype im Drop-Down-Menü neben Calls auflistet, und wählen den Eintrag, bei dem es im Kopfhörer rauscht. Mit [Strg-C] brechen Sie den cat-Befehl ab.

Unter Call Alerts aktivieren Sie die Option Auch über PC-Lautsprecher klingeln. Mit dem PC-Lautsprecher ist in diesem Fall nicht das Boxen-System gemeint, das an die Haupt-Sound-Karte des Systems angeschlossen ist, sondern der kleine Lautsprecher im Innern des PCs, der zum Beispiel die Piepgeräusche beim Booten verursacht. Ohne diese Option müssten Sie ununterbrochen die Kopfhörer auf den Ohren haben, um zu hören, wann jemand anruft. So hören Sie bei Anrufen ein Piepgeräusch und können dann die Kopfhörer aufsetzen.

Bitte freimachen

Beim Karteireiter Advanced finden Sie schließlich einen am Anfang erwähnten Bekannten wieder: Hier stellen Sie den Port ein, den Skype für eingehende Verbindungen verwendet (Abbildung 3). Wenn Sie hinter einer Firewall sitzen und nicht bestimmen können, welche Ports an der Firewall offen sind, setzen Sie darüber den Incoming-Port auf einen Port, der an der Firewall ohnehin offen ist. Informieren Sie sich eventuell beim Administrator der Firewall. Mit der Möglichkeit, andere Skype-Teilnehmer anzurufen, hat die Option im Advanced-Menü übrigens nichts zu tun; Sie können andere auch dann anrufen, wenn Sie selbst von außen nicht erreichbar sind.

Damit sind die wichtigsten Einstellungen erledigt. Mit Speichern schließen Sie den Dialog und kommen zum Skype-Hauptfenster zurück (Abbildung 4).

Abb. 3: Wenn Sie hinter einer Firewall sitzen, stellen Sie hier den Port ein, den Skype für eingehende Verbindungen verwenden soll.

Abb. 4: Im Skype-Hauptfenster sehen Sie, wer gerade online ist. Über die Eingabezeile unten im Fenster können Sie sofort lostelefonieren.

Kommunizieren

Zeit zum Telefonieren: Um einen anderen Skype-Teilnehmer anzurufen, geben Sie seinen Benutzernamen in die Eingabeleiste im unteren Teil des Fensters ein und klicken auf den grünen Hörer. Skype zeigt die Verbindung in einem neuen Karteireiter an. Durch Klick auf den roten Hörer beenden Sie das Gespräch. Im Reiter Anrufprotokolle finden Sie detaillierte Log-Dateien der letzten Anrufe.

Mit mehreren Skype-Nutzern können Sie auch eine Telefonkonferenz veranstalten. Klicken Sie dazu auf Aktionen und dort auf Konferenz starten. Links sehen Sie eine Liste der Kontakte. Wählen Sie die gewünschten Personen und klicken Sie jeweils auf Hinzufügen. Oben geben Sie das Thema ein, um das sich die Konferenz drehen soll. Mit Starten initiieren Sie die Konferenz.

Das kleine Feld in der linken unteren Ecke des Skype-Fensters signalisiert Ihren Online-Status: Hier setzen Sie sich manuell auf Abwesend, wenn Sie den Rechner verlassen. Mit dem Status Skype Me zeigen Sie an, dass Sie gerne mit jemandem sprechen möchten.

Kontakte verwalten

Ein weiterer Reiter, die Kontaktliste, dient als Telefonbuch (Abbildung 5). Hat man den Namen eine Skype-Nutzers in die eigene Kontaktliste eingetragen, kann man diesen per Mausklick schnell und einfach anrufen. Einen Benutzer fügen Sie hinzu, indem Sie den Karteireiter Kontaktliste auswählen und in der Leiste oben auf den grünen Pfeil klicken. Im folgenden Dialog können Sie entweder den Skype-Namen der Person eingeben oder die Person suchen, falls Sie ihren Skype-Namen nicht kennen.

Abb. 5: In der Kontaktliste verwalten Sie Einträge zu Personen, die Sie häufig anrufen.

Die Kontaktliste bietet noch eine weitere Funktion: Über sie verschicken Sie auch normale Textnachrichten. Das funktioniert ähnlich wie ICQ. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf einen Namen in der Kontaktliste und wählen Sie Nachricht senden. Dann öffnet sich ein Chat-Fenster, wie Sie es vielleicht von Clients wie Kopete & Co. kennen (Abbildung 6).

Abb. 6: Auch ein Instant-Messaging-Client ist in Skype integriert, er funktioniert ähnlich wie ICQ & Co.

Fazit

Wer sich vor proprietärem Code und nicht-öffentlichen Protokollen nicht fürchtet, findet mit Skype einen guten Einstieg in die Internet-Telefonie. Für eine dauerhafte Nutzung sollte man allerdings auf andere Techniken ausweichen, um sich nicht in die totale Abhängigkeit des Programmherstellers zu begeben. (eba)

Infos
[1] Skype für Linux: http://www.skype.com/products/skype/linux/

Privatsphäre

Telefongespräche sind sensible Daten -- und beim Umstieg von der altbewährten Telefonleitung aufs Internet sollte man sich deshalb darüber informieren, wie es um den Schutz der Privatsphäre dabei bestellt ist.

Der große Pferdefuß an Skype ist, dass das Programm zwar kostenlos, aber nicht Open Source ist. Das heißt, der Quelltext ist nicht, wie bei Linux-Programmen üblich, allgemein zugänglich. Damit steht der Anwender vor dem selben Problem wie bei den meisten Windows-Anwendungen: Nur der Hersteller weiß, was das Programm unter der GUI im Verborgenen tut und welche Daten es wohin schickt. Zwar sind Skype-Telefonate AES-verschlüsselt, aber auch dieser Mechanismus ließe sich faktisch aushebeln. Auch, dass man sich für Skype registrieren muss und dabei mindestens den Namen und die E-Mail-Adresse angibt, mag manchem sauer aufstoßen.

Der Abschnitt soll kein Appell sein, Skype nicht zu benutzen. Eher ist er ein gut gemeinter Ratschlag, Augen und Ohren offen zu halten. Zwar sind bis dato keine Fälle bekannt, in denen Skype tatsächlich andere Sachen getan hätte, als es zugab. Ausschließen lässt sich das aber trotzdem nicht. Wer ein simples Programm sucht, um den Einstieg in Internet-Telefonie zu erproben, ist mit Skype wohl anfangs gut beraten. Wollen Sie mit der neuen Technik aber auch Telefonate führen, die möglicherweise sensible Daten enthalten, sollten Sie auf eine professionelle VoIP-Lösung mit offenen Standards ausweichen.

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