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Erschienen in EasyLinux 02/2005   »   Ausgabe bestellen

Der MSN-Messenger-Clone AMSN

Netzgeplapper


Sei es für ein gemütliches Schwätzchen an einem langen Winterabend, sei es für das virtuelle Business-Meeting - der ASM Messenger bietet sich in beiden Fällen als komfortabler Helfer an.

von Matthias Hörtzsch

Instant Messaging liegt im Trend. Jüngsten Umfragen zufolge, läuft IM bei Jugendlichen sogar SMS den Rang ab. Kein Wunder also, dass ständig neue Messenger für die gängigen Protokolle entwickelt werden. Ein aktueller Client für das MSN-Protokoll ist AMSN, was für "Alvaro's Messenger" oder auch "Another MSN Messenger" steht. Der Client ist in Funktionalität und Aussehen eng an den Windows MSN Messenger angelehnt. Allerdings bietet er etliche interessante Zusätze, mit denen die Windows-Version nicht aufwarten kann.

Die Installation

AMSN ist in der Scriptsprache Tcl/Tk programmiert und damit unabhängig von Betriebssystem und Desktop. Einzige Voraussetzung ist, dass Interpreter und Bibliotheken für Tcl/Tk installiert sind. Das ist bei Suse 9.1 und 9.2 der Fall. Bei Mandrake und Fedora sind ein paar zusätzliche Handgriffe nötig.

  1. Unter Mandrake wählen Sie aus dem K-Menu den Punkt System / Einstellungen / Konfigurieren Sie Ihren Computer. Ein Dialogfenster fragt nach dem Root-Passwort. Haben Sie das Kennwort eingegeben, startet das Tool zur Paketverwaltung RPMDrake.
  1. Hier wählen Sie nacheinander die Funktionen Software verwalten und Installieren aus.
  1. In das Eingabefeld Finden geben Sie nun "Tcl" ein und betätigen danach den Button Suche.
  1. Es erscheint eine Liste der Suchergebnisse, in der Sie die Zeile ankreuzen, die das Paket Tcl enthält.
  1. Auf dieselbe Weise suchen Sie anschließend nach einem Paket namens "Tk", kreuzen es in der Ergebnisliste an und klicken auf installieren.

Wer Fedora benutzt, braucht zwar Tcl nicht mehr zu installieren, muss aber die Komponente Tk nachrüsten. Leider kennt Fedoras grafischer Paketmanager keine Suchfunktion. Deshalb hier ist ausnahmsweise einmal der Weg über die Kommandozeile einfacher.

  1. Legen Sie die Fedora-DVD ins Laufwerk ein, sie wird dann automatisch gemountet.
  1. Öffnen Sie ein Terminalfenster und tippen Sie dort ein:
    system-install-packages \
    /mnt/cdrom/Fedora/RPMS/tk-8.4.5-8.i386.rpm

Auch der Messenger-Client AMSN ist in keiner Distributionen von vornherein vorhanden. Allerdings gestaltet sich seine Installation besonders einfach, weil er nicht nur im Paket-Format erhältlich ist, sondern auch in einer Version mit eigenem Installer. Damit erledigen Sie das Einspielen in folgenden einfachen Schritten:

  1. Laden Sie den Installer Linux-i386 Installer von der AMSN Internetseite http://amsn.sourceforge.net herunter, wo sie ihn im Bereich Downloads unter Download the linux installer here finden. Speichern Sie die Datei in einem beliebigen Verzeichnis, in dem Sie Schreibrechte besitzen.
  1. Setzen Sie die Dateiattribute der Installerdatei auf ausführbar. Dies geschieht in KDE am einfachsten per Klick mit der rechten Maustaste auf die Datei. Im dem Menü, das daraufhin erscheint, wählen Sie den Eintrag Eigenschaften. Im folgenden Dialog klicken Sie auf den Reiter Berechtigungen. Markieren Sie dann die Checkboxen für die Eigenschaft Ausführbar und bestätigen Sie mit OK. Auf der Kommandozeile erreichen Sie das gleiche, wenn Sie zuerst mittels [Alt-F2] ein Befehlsfenster öffnen und dort chmod a+x ~/amsn-0.94-1-linux-installer.bin eingeben. Sollten Sie den Installer beim Herunterladen in einem anderen Ordner als ihrem Home-Verzeichnis gespeichert haben, müssten Sie zuerst dorthin wechseln.
  1. Um die Software in Ihr Home-Verzeichnis zu installieren, genügt das Anklicken der Installationsdatei. Alternativ geben Sie ~/amsn-0.94-1-linux-installer.bin in einem Terminalfenster ein. Jetzt wird die grafische Oberfläche des Installers gestartet. Es erscheint ein Dialog zur Sprachauswahl, in dem man das voreingestellte Englisch am besten bestätigt: Deutsch steht nämlich - im Unterschied zu Weltsprachen wie Estnisch, Walisisch oder Katalanisch - sowieso nicht zur Auswahl. Ein Umstand, den man allerdings gut verschmerzen kann, denn es werden ohnehin nur eine Handvoll Zeilen übersetzt.
  1. Im nächsten Schritt akzeptieren Sie zuerst die Lizenzbedingungen. Auch den standardmäßig vorgeschlagenen Installationsort - das eigene Home-Verzeichnis - brauchen Sie nicht zu ändern.
  1. Leider haben die Programmierer versäumt, den Installer einen Verweis im Startmenü eintragen zu lassen. Allerdings platziert er ersatzweise eine Verknüpfung mit dem Programm auf dem Desktop.

    Los geht's

    Am einfachsten starten Sie das Programm durch einen Klick auf das Icon der Verknüpfung auf dem Desktop. Alternativ lässt es sich auch über die Kommandozeile durch Eingabe von /Pfad_zu_AMSN/amsn aufrufen, nach einer Installation der momentan aktuellen Version am vorgeschlagenen Ort ergibt sich: ~/amsn-0.94/amsn. Im Hauptfenster kann jetzt unter Language die gewünschte Sprache eingestellt werden. Wählen Sie hier Deutsch. Die Änderung wird leider erst nach einem Neustart wirksam.

    Wenn Sie bereits einen MSN-Account besitzen, können Sie sofort loslegen. Klicken Sie hier, um sich anzumelden öffnet ein Eingabefenster, in dem sie die Felder Benutzer und Passwort mit ihrer E-Mail-Adresse und dem Passwort ausfüllen. Wer sich für den Messenger-Dienst zuerst einen neuen, kostenlosen Account besorgen muss, kann das im Internet unter [2] tun.

    AMSN wird sofort nach dem Start versuchen, ein SSL-Modul nachzuladen. Haben sich auf den Servern, auf denen das Programm nach diesem Modul sucht, Änderugen ergeben, dann funktioniert der Download nicht. In diesem Fall kann man die Checkbox SSL deaktivieren markieren. Ein Workaround, der allerdings zur Folge hat, dass alle Ihre Logindaten im Klartext übers Netz geschickt werden, wo sie mitgelesen werden könnten. Wie sich das SSL-Modul im Fall der Fälle manuell nachinstallieren lässt, erläutert ein Kasten weiter unten.

    Abb1: Ein neues Profil im Anmeldemanager hinzufügen.

    Benutzername, auf Wunsch Passwort und einige andere Einstellungen lassen sich über die Funktion Neues Profil hinzufügen für die Wiederverwendung abspeichern. Hierfür füllen Sie zunächst die Eingabefelder im Anmeldefenster aus und klicken dann auf den Button Neues Profil hinzufügen. Danach vergeben Sie einen Namen für das Profil (Abbildung 1). Bei der nächsten Anmeldung erscheint dieser Name in dem Aufklappmenü Mit einem existierenden Profil anmelden. >Den in einem Profil gespeicherten Namen oder das Passwort kann man später allerdings nicht mehr editieren.

    Kontaktaufnahme

    Nach der Anmeldeprozedur sehen Sie die Liste der Freunde und Bekannten, die sie mit Extras/Kontakt hinzufügen eingetragen haben. Beim allerersten Start ist diese Liste natürlich noch leer. An der Farbe der Namenseinträge können Sie erkennen, ob ihr potentieller Chat-Partner online (grün) oder offline (rot) ist. Ein rot durchkreuztes Icon vor einem Namenseintrag - sein Aussehen hängt ansonsten von eingestellten Skin ab - deutet darauf hin, dass eine Seite im Moment keine Kontaktaufnahme wünscht (Abbildung 2).

    Abb2: Die Buddyliste in verschiedenen Outfits - dank unterschiedlicher Skins.

    Möchten Sie einem Partner, der gerade online ist, eine Nachricht schicken, doppelklicken Sie einfach seinen Namen in der Buddy-Liste (Abbildung 3). Daraufhin öffnet sich ein Chatfenster. Dort können Sie jetzt im unteren Bereich Ihre Nachricht eingeben. Mit dem Button Senden oder der Entertaste verschicken Sie die Message.

    Der Plus-Knopf im Nachrichten-Fenster oder auch das Menü Aktionen/Einladen dienen zum Starten einer Chatkonferenz mit mehreren Partnern. Mit dem daneben befindlichen Knopf oder AMSN/Datei senden können Sie Ihrem Gegenüber auch eine beliebige Datei zukommen lassen. Dateien, die Sie auf dieselbe Weise empfangen haben, speichert AMSN in Ihrem Homeverzeichnis unter amsn_received ab. Falls Sie unter Extras/Einstellungen/Andere einen Dateimanager (zum Beispiel Konqueror) konfiguriert haben, öffnet der Menüpunkt Empfangenen Dateien abrufen direkt eine Ansicht des Empfangsordners.

    Ein Rechtsklick auf einen Namen in der Buddy-Liste offenbart weitere Optionen: Hier lassen sich Kontaktwünsche der markierten Gesprächspartner blockieren oder der Eintrag komplett löschen. Falls es der Messenger Ihres Gesprächspartners erlaubt, im Benutzerprofil ein Bild zu hinterlegen, bekommen Sie dieses neben dem Senden-Knopf angezeigt. Der Verlauf des Gespräches lässt sich unter AMSN/Speichern konservieren. In der Statuszeile des Chatfensters bekommen Sie angezeigt, ob Ihr Gegenüber gerade eine Nachricht eingibt oder sein Chatfenster bereits wieder geschlossen hat.

    Abb3: Chatfensters und Buddy-List des Messengers.

    Mail für manche

    Mit AMSN kann man nicht nur chatten, auch E-Mails lassen sich mit seiner Hilfe verschicken. Per Voreinstellung wird dafür allerdings ein Hotmail-Account vorausgesetzt, dessen Web-Interface in einem Browser-Fenster gestartet wird, sobald man eine Mail lesen oder verschicken will. Unter Extras/Einstellungen/Andere kann ein anderer Mail-Client für das Versenden eingestellt werden. Die Erläuterungen unter dem Eingabefeld verwirren allerdings mehr als dass sie helfen. Die korrekte Form des Eintrags ist <Name des Mail-Clients> $recipient, etwa kmail $recipient.

    In einer Zeile mit Brief-Symbol am oberen Rand der Buddyliste sehen Sie außerdem, ob neue Emails in Ihrem Postfach vorliegen. Wenn dem so ist, kommt man mit einem Klick auf die Meldungszeile oder über das Menü AMSN/Posteingang seinem Postfach näher. Beim Empfang ist offenbar kein anderer Account einstellbar als Hotmail und der Aufruf des Hotmail-Web-Interface obligatorisch.

    Direkt unter der Menüleiste des Hauptfensters sehen Sie eine Statuszeile (Mein Status). Durch einen Klick auf diese Zeile oder über das Menü AMSN/Mein Status können Sie ihren Status ändern, der an andere Chat-Teilnehmer weitergegeben wird.

    Über das Aktionen-Menü können Sie Nachrichten senden, Emails verschicken oder auch Ihren eigenen Onlinenamen ändern. Dateien senden findet sich unverständlicherweise nicht in diesem Menü, sondern unter aMSN. Außerdem bietet AMSN hier die Möglichkeit, nach neuen Programmversionen zu schauen. Über das Menü Extras fügen Sie neue Kontakte hinzu oder löschen bestehende. Auch können Sie ein anderes Erscheinungsbild unter Extras/Skin auswählen. Zwei vorinstallierte Skins stehen zur Auswahl, weitere laden Sie von der AMSN Internetseite.

    Einstellungssache

    Unter Extras/Einstellungen kann konfigurieren Sie AMSN. Hier lassen sich persönliche Daten, Einstellungen zum Chat, das Erscheinungsbild und Klänge beeinflussen. Interessant dürfte wohl der Reiter Privatsphäre sein. Hier wird in Listenform angezeigt, welche Kontakte Sie geblockt haben oder sich in Ihrer Kontaktliste befinden und umgekehrt. Allerdings sind auch hier die Beschriftungen der Buttons (Hinzufügen zu FL) nahezu unverständlich. In den Einstellungen können auch Angaben zum Logging und zur Internetverbindung gemacht und vieles mehr konfiguriert werden. Der Konfigurationsdialog lässt sich übrigens auch ohne Anmeldung aufrufen. Logischer wäre wahrscheinlich, wenn die Einstellungen erst nach der Anmeldung und Authentifizierung zugänglich wären. .

    Ein Ausschnitt aus den umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten.
    Weitere Skins installieren

    Um das Aussehen des Messengers aufzupeppen, stehen auf der Homepage von AMSN viele verschiedene Skins zur Verfügung, die sie zusätzlich zu den bereits enthaltenen einfach installieren können:

    • Folgen Sie dem Link Skins auf der AMSN-Homepage. Unter diesem Bereich finden Sie eine Tabelle mit vielen aufgelisteten Skins, welche mit einem Vorschaubild und weiteren Informationen versehen sind. Die Skin-Pakete sind einheitlich als Zip-Archive gespeichert.
    • Laden Sie Ihren gewünschten Skin über den Link Click herunter und speichern diesen in ein Verzeichnis in dem Sie Schreibrecht besitzen, am besten also in Ihr Homeverzeichnis.
    • Entpacken Sie das Archiv, am einfachsten durch Aufruf des Befehlsfensters mit [Alt-F2] und der Eingabe unzip oder gunzip ~/skinname.zip. Auch hier wird davon ausgegangen, dass sich das Archiv im Homeverzeichnis befindet. Ersetzen Sie skinname durch den Namen des heruntergeladenen Archivs. Damit erhalten Sie einen Ordner in Ihrem Homeverzeichnis, der den Skinnamen trägt.
    • Kopieren Sie den erhaltenen Ordner in das skins/-Verzeichnis Ihrer AMSN-Installation.
    • Starten Sie AMSN neu. Der neu installierte Skin kann jetzt im Menü Extras/Oberfläche auswählen... eingestellt werden und schon hat Ihr Messenger ein neues Aussehen.
    SSL nachinstallieren

    Wenn Sie bei der Anmeldung die Checkbox SSL deaktivieren anhaken mussten, weil sich das SSL-Modul nicht herunterladen ließ, können Sie SSL folgendermaßen aktivieren:

    • Laden Sie dazu von der AMSN Internetseite unter Downloads/Other Downloads and Packages das Paket tls1.4.1-linux-x86.tar.gz (für Linux) herunter und speichern Sie es in einem Verzeichnis ab, in dem Sie Schreibzugriff besitzen.
    • Verschieben Sie das Archiv in das plugins-Vezeichnis Ihrer AMSN-Installation. Haben Sie die Software in ihr Homeverzeichnis installiert, genügt dafür:
    mv tls1.4.1-linux-x86.tar.gz ~/amsn/plugins/
    cd ~/amsn/plugins/
    tar -xvzf tls1.4.1-linux-x86.tar.gz
    • Nach dem Neustart sollte AMSN SSL beherrschen. Sie müssen nur in den Einstellungen die erwähnte Checkbox SSL deaktivieren abwählen.

    Konnte das SSL-Paket während der Installation geladen werden - was die Regel sein sollte - dann sind die eben beschriebenen Schritte nicht nötig

    Fazit

    AMSN ist ein interessanter, allerdings noch nicht in allen Punkten ausgereifter Clone des MSN Messengers. Das Projekt wird jedoch kontinuierlich weiterentwickelt. Das Äußere lässt sich über die zahlreich verfügbaren Skins dem eigenen Geschmack anpassen.

    Infos
    [1] AMSN-Homepage: http://amsn.sourceforge.net
    [2] MSN-Anmeldeseite: http://messenger.msn.com

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