claim.gif
Linux Magazin Linux User Easy Linux Ubuntu User International Linux Community
Erschienen in EasyLinux 02/2005   »   Ausgabe bestellen

Know-how für die Kommandozeile

Shell-Tipps

von Andrea Müller


Die Shell schreckt viele Neueinsteiger ab, da sie bei dem Wort Kommandozeile sofort an die unkomfortable DOS-Eingabeaufforderung denken. Unsere Tipps räumen mit den Vorurteilen auf und machen Appetit auf den Textmodus.

Schnappschuss der Prozesstabelle

Der Prozessmonitor top ist unschlagbar, um schnell einen Blick auf die laufenden Programme zu werfen. In den Spalten %CPU und %MEM verrät top, wie sehr die Anwendungen den Prozessor beanspruchen und wieviel Arbeitsspeicher sie benötigen. Einen Nachteil hat der Prozessmonitor jedoch gegenüber den grafischen Alternativen: Es gibt keinen Scroll-Balken, mit dem Sie ans Ende der Liste gelangen. Sortieren Sie die Anwendungen nach CPU- oder Speicherverbrauch, rücken zwar andere Programme an die Spitze der Liste, doch den Prozess, den Sie beobachten wollen, sehen Sie eventuell trotzdem nicht.

Abhilfe schafft der top-Aufrufparameter -b: Er startet den Prozessmonitor im Batch-Modus, in dem top keinerlei Benutzereingaben akzeptiert. Stattdessen aktualisiert das Programm den Status der Prozesse so oft, wie Sie es ihm mit dem Parameter -n gefolgt von der Zahl auftragen, und beendet sich. Damit Sie die Prozesstabelle in Ruhe betrachten können, leiten Sie die Ausgabe mit dem Umleitungszeichen > in eine Datei um. Das Kommando

top -n 1 -b > prozesse.txt

schreibt die aktuelle Prozesstabelle in die Datei prozesse.txt im aktuellen Verzeichnis. Mit einem Text-Editor wie KWrite öffnen Sie sie und suchen nach der Anwendung, deren Status Sie interessiert.

Prozesse eines Benutzer anzeigen

Wer nur die Programme des eigenen Benutzers im top-Fenster sehen will, drückt gewöhnlich U und gibt dann in die Kommandozeile des Prozessmonitors den Benutzernamen ein. Wissen Sie schon beim Start von top, dass Sie nur Anwendungen Ihres Benutzers sehen wollen, sorgen Sie mit dem Aufrufparameter -U gefolgt vom Benutzernamen für die gewünschte Ansicht.

top -U andi

zeigt nur die Programme an, die dem Benutzer namens andi gehören (Abbildung 1). Um wieder zu klassischen Ansicht zurückzuschalten, die alle laufenden Anwendungen auflistet, drücken Sie U und bestätigen die Vorgabe, alle Prozesse anzuzeigen, mit Druck auf [Eingabe].

Abb. 1: Die Anzeige von "top" ist viel übersichtlicher, wenn man nur die Prozesse eines Benutzers einblendet.

Schnell zur Manpage in vim

Der Text-Editor vim bietet eine wenig bekannte, aber doch sehr praktische Funktion: Er öffnet auf Tastendruck die Handbuchseite zu dem Wort, über dem der Cursor steht. Sind Sie mit [I] in den Einfügemodus gelangt, verlassen Sie ihn mit einem Druck auf [Esc]. Jetzt können Sie keinen Text mehr eingeben, sondern befinden sich im Befehlsmodus. Bewegen Sie den Cursor mit den Pfeiltasten über das Wort, dessen Hilfedatei Sie lesen wollen und drücken Sie [Umschalt-K]. vim öffnet die entsprechende Manpage, sofern sie auf Ihrem System installiert ist. Über [Q] und [Eingabe] gelangen Sie zurück in den Text-Editor. Gibt es keine Handbuchseite zu dem markierten Wort, erhalten Sie eine entsprechende Fehlermeldung, die Sie mit [Eingabe] bestätigen.

Dienste auflisten

Linux startet schon beim Booten viele Dienste und Programme. So lädt das System die deutsche Tastaturbelegung, aktiviert das Netzwerk und den Druckerdienst namens Cups. Jede Distribution bringt ein grafisches Programm mit, das alle Dienste auflistet und zeigt, welche Linux standardmäßig startet. An diese Liste kommen Sie auch auf der Kommandozeile:

/sbin/chkconfig --list

verrät, welche Dienste Ihr Linux-System mitbringt. Hinter jedem Eintrag stehen sieben Spalten von 0 bis 6. Jede steht für einen so genannten Runlevel [2]. Standardmäßig starten die von EasyLinux unterstützten Distributionen in Runlevel 5, aktivieren also sowohl das Netzwerk als auch die grafische Oberfläche. Steht hinter einem Runlevel on bedeutet das, dass der Dienst automatisch startet, off heißt, dass er nicht läuft. In den Spalten 1 (Runlevel 0), 2 (Runlevel 1 und 7 (Runlevel 6) steht bei jedem Dienst off. Das liegt daran, dass ein Wechsel zu Runlevel 0 für das Ausschalten und Runlevel 6 für einen Reboot des Rechners steht. Runlevel 1 ähnelt dem abgesicherten Modus unter Windows: Man spricht auch vom Single-User-Modus, in dem Linux gewöhnlich nur eine Shell startet. Dort kann der Administrator Wartungsarbeiten erledigen, muss dabei jedoch sogar auf die deutsche Tastaturbelegung verzichten.

Um die Liste aller Dienste anzuzeigen benötigen Sie keine Root-Rechte. Haben Sie an den Sicherheitseinstellungen nichts geändert, darf jeder normale Benutzer /sbin/chkconfig mit dem Parameter --list aufrufen.

Eine kleine Besonderheit gilt dabei für Suse Linux. Bei dieser Distribution verwalten Sie die Dienste auf der Kommandozeile normalerweise mit einem Programm namens insserv. Die Anwendung darf nur der Administrator starten und sie hat den Nachteil, dass es keinen Aufrufparameter gibt, mit dem Sie alle Dienste auflisten können. chkconfig unter Suse Linux ist ein Perl-Skript, das dieselben Parameter akzeptiert wie das Original-Programm.

Bilder mit Rahmen versehen

Das Paket ImageMagick bringt viele Kommandozeile-Tools zur Manipulation von Grafiken mit. So versehen Sie beispielsweise mit convert und den richtigen Aufrufparametern Ihre Fotos mit einem Rahmen. Rufen Sie

convert -border 10x10 original.jpg bild_mit_rahmen.jpg

auf, damit convert einen 10x10 Pixel breiten Rahmen um das Bild original.png zeichnet. Für einen breiteren Rahmen erhöhen Sie einfach die Zahlen hinter -border. Das Ergebnis schreibt die Anwendung in die Ausgabedatei bild_mit_rahmen.jpg. Standardmäßig wählt convert hellgrau als Rahmenfarbe, doch mit dem Parameter -bordercolor bringen Sie Farbe ins Spiel:

convert -border 10x10 -bordercolor Blue original.jpg bild_mit_rahmen.jpg

färbt den Rahmen blau ein (Abbildung 3). Neben Farbnamen wie Red (rot), Green (grün), Black (schwarz), White (weiß), Yellow (gelb) und Brown, akzeptiert convert auch Farbwerte in HTML-Notation. In der Seitenbeschreibungssprache HTML definieren Sie etwa ein helles Mattblau mit #9EB8FF. Um die Farbe für einen Bildrahmen zu verwenden, schließen Sie #9EB8FF in Anführungszeichen ein:

convert -border 10x10 -bordercolor "#9EB8FF" original.jpg bild_mit_rahmen.jpg

Die passende HTML-Schreibweise zu einer Farbe verrät beispielsweise der KDE-Farbwähler kcolorchooser (Abbildung 3), der zum kdegraphics-Paket gehört. Unter Suse Linux steckt die Anwendung in einem eigenen RPM-Paket namens kdegraphics3-extra.

Abb. 3: Mit den richtigen Aufrufparametern zeichnet "convert" farbige Rahmen um Bilder.

Abb. 4: Der Farbwähler "kcolorchooser" verrät nicht nur die RGB-Werte einer Farbe, sondern auch die HTML-Schreibweise.

Gültige Farbnamen herausfinden

Es gibt viele Farbnamen auf einem Linux-System, die Sie Programmen wie convert übergeben können. Welche Namen es gibt, verrät die Ausgabe von showrgb. Damit Sie bequem in der langen Liste blättern können, leiten Sie die Ausgabe mit showrgb | less an den Betrachter less um. Farbnamen die eine Leerstelle enthalten, etwa lime green (limonengrün) schließen Sie in Anführungszeichen ein, damit convert sie als Farbnamen akzeptiert. (amü)

Infos
[1] SCP- und SSH-Artikel: Elisabeth Bauer, "Fern-Bedienung", EasyLinux 11/2003, S. 72 f., http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2003/11/072-guru-ssh/index.html
[2] Linux-Boot-Konzept-Artikel: Andrea Müller und Elisabeth Bauer, "Hochfahren", EasyLinux 01/2004, S. 74 ff.

Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.

Druckerfreundliche Version | Feedback zu dieser Seite | Datenschutz | © 2021 COMPUTEC MEDIA GmbH | Last modified: 2007-04-05 11:10

[Linux-Magazin] [LinuxUser] [Linux-Community]